29.05.09
16:16 Uhr

Coke Creatures Viral – was halten Werbeblogger-Leser davon?

Coca Cola startet eine weltweite Sommer-Kampagne mit zwei tollen Herzstücken:

1) Ein Easy-Elektropop-Soundtrack von Up-n-Comer Calvin Harris, dem das Summer-Feeling förmlich aus den Beats tropft. Er erinnert gleichsam an alte Coke-Klassiker, bringt aber auch die nötige Modernität und Internationalität mit sich, um die aktuellen Markenwerte zu stützen. Dass hier die “richtigen” Assoziationen mit Coke geschaffen werden, erscheint klar.

2) Lustige Fell-Kreaturen, die muppet-artige Leichtigkeit kommunizieren, aber gleichzeitig auch unterschwellig und implizt das Motiv “Schwitzen im Sommer – Erfrischung nötig!” kommunizieren. Das perfekte Bauchgefühl, um den Wunsch nach einer eiskalten Coke aufkommen zu lassen.

So weit so clever.
In den Zeiten von sozialen Netzwerken, “Weiterempfehl-Wundereffekten” etc. soll die Kampagne aber natürlich auch viral wirken – und somit on- und offline Buzz erzeugen. Man kann sich förmlich vorstellen, wie die Agentur dazu gebrieft wurde, “…sich etwas einfallen zu lassen, damit die Leute a) drüber reden und b) wirklich interaktiv mitmachen. Wir brauchen Stickyness und dauerhafte Brand Exposure… aber bitte mit Appetite Appeal!!” (sorry für die offensichtliche Ironie hier). Die offensichtliche Lösung: Man hat eine Website als zentralen Anlaufpunkt gebaut, auf welcher der geneigte User ein rhythmisches Spiel mit dem Soundtrack und den Figuren spielen kann. Einfach mal durch Klick auf das Bild ausprobieren:
 

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Alles toll, alles prima? Nicht ganz, aber hier darf sich jeder selbst seine Meinung bilden.

Die Idee, Menschen mit einer interaktiven Musiknummer beim Schwitzen in den Büros abzuholen, ist sicher relevant – auch für den Absatz. Gerade in den USA, wo Bürodrohnen sich in “Cubicles” die Krawatte vom Hemd weg schwitzen, einen Grossteil der Zeit langweilen oder verstressen und dazu auch noch einen Cola-Automaten mit 95%-iger Wahrscheinlichkeit auf dem Stockwerk haben, ist das Ganze ein garantierter Sales-Booster. Auch das Spiel mit der Tatstatur verspricht die Genese unterschwelliger Sympathie, erzeugt Entspannung und resultiert in der Stickiness, die zweifellos Teil des Briefings war.

Auf der anderen Seite stehen aber auch viele vergebene virale Chancen:
Warum keine dezidierten memetischen Trigger zum Einsatz bringen? Neben der entspannten Atmosphäre hätte zum Beispiel ein wenig “Verletzung der Sehgewohnheiten” (Beispiel: Bizarre Bonus-Puppe bei Drücken einer geheimen Kombination) oder “Selbst-/Fremd-Identifikation” (Möglichkeit, Foto von sich selbst oder eines Freundes hochzuladen, zu “verpelzen” und in die Kreaturen-Truppe einzubauen) dem Ganzen noch einen gehörigen Weiterleitungsschub versetzen können.

Auch die reine Mechanik ist alles andere als optimiert: Die “Sharing on Facebook/Twitter”-Funktion unter dem generischen Menüpunkt “Widgets” zu verstecken, anstatt sie dezidiert in Form von klar sichtbaren Icons auf die Homepage zu platzieren ist alles andere als gute Detail-Arbeit – und wird wertvolle Weiterleitungsrate kosten.

Das meiner Meinung nach grösste Versäumnis jedoch: Warum gibt es keine Möglichkeit, das selbst generierte Musikstück / Mosterballett aufzuzeichnen? Und dann später das Ergebnis auf eien Blog, Facebook etc. einzubinden? oder zumindest per Email zu versenden? Auf diese Weise hätte man auch die weitaus zahlreicheren passiven Konsumenten der kampagne aussetzen können – und nicht nur die 1-10% aktiver Mitmacher.

Details, wie beispielsweise das Vorgeben einer nachspielbaren Sequenz, die in einem wirklich harmonischen Musikstück resultiert (Mechanik a la “Guitar Hero” oder “Tap Tap Revenge”) hätte dem Ganzen dann die Krone aufgesetzt. Vor allem, wenn man unterschiedliche Schwierigkeitsstufen und eine “Herausforderungsmechanik” an Freunde, es besser zu machen, integriert hätte.

Wem fallen noch Lob- oder Kritikpunkte ein? Wie finden die Werbeblogger-Leser die Kampagne insgesamt? Diskussion wie immer willkommen…

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11 Kommentare

  1. Felix

    Seh ich recht ähnlich… Eine wahrscheinlich ansonsten eher klassisch aufgestellte Agentur versucht es mal mit ein bisl viral und web zweinull technisch… Einbindung auf Twitter und Facebook Widget… Das nenn ich mal echt gut versteckt… Gleiches gilt für die facebook Page der Kampagne (zu der man fast noch mal einen extra Kommentar schreiben könnte;-), YouTube Videos (die allerdings ebenfalls zwar nett anzusehen aber auch ansonsten nicht wirklich viral sind) & Co. die sich unter der Rubrik “more” verstecken… Bei dem Video auf der Startseite hat man die Embed und Share Funktionen direkt mal ganz weggelassen… Nicht dass die Nutzer da noch auf dumme Ideen kommen…;-) Mal ganz davon abgsehen, dass mir einfach auch der Mehrwert fehlt, das an jemanden weiterzuleiten… Idee gut… Die Viecher “echt süß”… Musik cool… Umsetzung mit Blick auf Viral, Social Media und vor allem auch das wahrscheinlich nicht all zu knapp bemessene Budget leider eher mangelhaft… Da hätte man definitiv mehr draus machen können… Daher sehe ich die Versetzung leider echt gefährdet und würde gerne mal mit den Erziehungsberechtigten sprechen;-) Soderle… Und nu sach ich… Schönes Pfingstwochenende!!!

  2. ralf schwartz

    … vor allem lernt Coke nichts aus seinen Fehlern! Siehe Coke light aus der Mitte des letzten Jahres > ralfschwartz.typepad...

    Da war auch schon alles so wenig zweinullig. Seltsam, daß sie immer noch keine vernünftige Agentur haben. Vielleicht haben sie aber auch einfach niemanden, der die Agentur vernünftig briefen könnte, weil das Marketing aus lauter Stress nicht weiß, wie die 2. Version des Web funktioniert.
    Dabei gibt es auch Positiv-Beispiele da draussen, die man zu Rate ziehen könnte > ralfschwartz.typepad...

  3. Coke Creatures: Willkommen in der Muppets Show | Shoppingblog von t-online.de

    [...] obwohl die zugehörige Produkt-Seite offensichtlich auf virales Marketing abzielt, wie der Werbeblogger sehr schön [...]

  4. Rainer Müller

    ich muss sagen das ich die Idee sehr gut finde…die Tiere im Werbespot/Webseite sehen sehr eigenwillig aus und bleiben im Gedächtnis…und ich denke eine Werbewebseite auf der man spielen kann gut, weil dadurch die verweil Dauer des Besucher erhöht wird. Nebeneffekt: die Werbung ist viel effektiver und der Imageaufbau stärker “Da hat sich die Firma aber was tolles einfallen lassen” und das bleibt dann postiv in den Köpfen…

  5. chris

    wieso soviel bohei darum, warum so viele fragen?
    warum so ein langer text in einem blog? warum 2mal das wort dezidiert?

    und wer sagt daß mother den webauftritt gemacht hat?

    egal: der spot ist gut und es wurde der übliche web-schmökes dazu gemacht, fertig.

  6. Markus Roder

    @ Chris:
    >wieso soviel bohei darum, warum so viele fragen?
    Weil wir hier beim Werbeblogegr sind und Webrung analysieren :).

    >egal: der spot ist gut und es wurde der übliche web-schmökes dazu gemacht, fertig
    Genau das ist ja die Frage, ob das wirklich so ist. Und selbst wenn – reicht es wirklich schon aus, einen “guten Spot und Web-Schmökes” zu machen, um eine legendäre Marke in einem umkämpften Markt nach vorne zu bringen? Dazu sage ich mal ganz dogmatisch “Nein”…

  7. Ralph

    Das Gekreische des Typen mit den eingeklemmten Eiern geht einem schon wenigen Sekunden auf den Keks.

  8. kellerkind

    Also ich muss zu diesem Thema auch was los werden: Ich bin begeistert von den Vichern und auch gerade von dem Song. Was macht man wenn man einen coolen Song oder coole Beats findet? Genau man will es als Klingelton oder es einfach als MP3 irgendwo finden. Auf der Website gibt es einen download aber nicht der Song, sondern jediglich das gequitsche der Monster.

    Lösung: Youtube -> Download -> schneiden -> in mp3 konvertieren -> ZACk aufs Handy.

    Leute die jetzt das bei mir hören, sagen das es doch aus der Cola-Werbung ist und den Song auch gern hätten.

  9. Markus Roder

    Hallo Kellerkind,

    Stimme Dir voll zu – aber wie toll wäre es gewesen, wenn Coke genau das, was Du getan hast, auch technisch unbegabten Menschen ermöglicht hätte? Oder es zumindest den Geeks vereinfacht hätte?

    Wesentlich MEHR Leute wären Deinem Beispiel gefolgt und hätten ihren eigenen Mix gemacht, angeboten, als Klingelton benutzt etc. – und damit die Coke-Message verbreitet. Genau diese Chance wurde vertan.

  10. Snowclone-Werbung und warum wir hier tun, was wir hier tun | Werbeblogger - Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Snowclone-Werbung und warum wir hier tun, was wir hier tun

    [...] die im günstigen Fall auf begründeten Spekulationen, im ungünstigen auf persönlichen Geschmacksurteilen fußen. Es ist weder wahr, daß wir über Werbung nichts sagen können, solange wir [...]

  11. Arne Weinbrenner

    Die Werbung finde ich nicht gerade ansprechend oder interessant. Die Felldinger erinnern mich ein wenig an den Film “Die Critters”. Den Song muss ich mir auch nicht gerade freiwillig antun.
    Wer es mag…
    Es gibt einen uralten Muppets-Sketch, bei dem ein Musiker auf kleine wuschelige Monster den Witchdoctor spielt…

    Es hat schon einmal bessere und anspruchsvollere Werbung von Coke gegeben.

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Eure Kommentare

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  • Prozentewunder: @ralf Klar steht es da. Und wenn der Bildschirm groß genug ist, kann man´s sogar lesen. Nur: Die, die da anrufen zahlen das nicht,...
  • ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
  • sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
  • iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
  • ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
  • Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
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