10:40 Uhr
Wieviel Social Network braucht der Mensch?
Ich nehme einmal das gedankliche Stöckchen von Cem (Basman) auf und reiche es gerne an alle Leser weiter. “Wieviel Social Network braucht der Mensch?” fragt er in einem seiner letzten Beiträge, wobei mit “Social Networks” jargongemäß die digitalen Vernetzungsplattformen zwischen Facebook, Xing, Twitter und Co. gemeint sind. Seine Erkenntnis:
In diesem Wirrwarr der Plattformen und virtuellen Vernetzungen ist es manchmal wohl doch effizienter, sich morgens zum Kaffee zu treffen und sich die Zeit für die Zwischentöne in einem persönlichen Gespräch zu nehmen. Manchmal vergessen wir Webbies das.
Ich kann dieser Einschätzung uneingeschränkt zustimmen. Es geht nichts über ein persönliches Gespräch. Selbst via Telefon ist es häufig wirksamer und effizienter, bestimmte Sachverhalte, Fragen oder Probleme zu erörtern bzw. zu lösen. Wie oft ist es auch bei mir schon vorgekommen, dass Kommunikation via Web, egal ob Mail, Chat oder Tweet, ihre Grenzen hat, wenn es darum geht, tatsächlich sozial zu kommunizieren…
Der Griff zum Telefon oder gleich ein persönliches Treffen löst oft auch viele Knoten, Missverständnisse und Vorurteile, die sich häufig zuvor über die subjektive Wahrnehmung innerhalb der digitalen Kommunikation verfestigen konnten. Der Mensch liest eben gerne, was er lesen will; er projiziert unbewusst sein digitales Meinungsbild einer Person auf dessen digitale Präsentationsebene von Kommentaren, Stellungnahmen oder Online-Beiträgen und verfestigt ggf. sein Vorurteil; das unmittelbare Korrektiv der Mimik, Gestik oder Klangfarbe der Stimme fehlt. Da helfen auch keine Emoticons.
Social Networks sind daher vor allem eine reale und nicht anonyme Begegnungsstätte von Menschen außerhalb von Massendimensionen, geprägt durch den persönlichen Austausch und Dialog. Das digitale Pedant, welches den Begriff der “Social Networks” so dominant vereinnahmt hat, ist dabei ein fabelhafter Unterstützer und Begleiter, aber es ist in keinem Fall in der Lage, die persönliche Begegnung zu ersetzen.
Menschen sind tendenziell bequem. Der Wunsch nach “Convenience” ist also nicht selten Vater des Gedankens. Es könnte vereinzelt der mediale Eindruck entstehen, Kontaktpflege ließe sich doch im Schwerpunkt viel effizienter auf der digitalen Ebene realisieren, entspannt zurückgelehnt aus dem Bürostuhl oder der Lieblingscouch.
Tatsächlich aber ist für ein funktionierendes soziales Miteinander die persönliche Begegnung das A&O. Viele, wenn nicht die allermeisten Menschen, die auch professionell in der Kommunikation arbeiten, wissen das natürlich – auch und gerade die “Webbies”, die sich eigeninitiativ mit Barcamps und vielen anderen Netzwerktreffen eine sehr vitale Kommunikationsplattform geschaffen haben, die wächst und gedeiht. Auch die remix09 ist übrigens Ausdruck dieser Entwicklung.
Ich beobachte daher gerade bei denen, die in den digitalen Netzen zu Hause sind, ein stark anwachsendes Bedürfnis, sich zunehmend mehr persönlich zu treffen, noch einmal verstärkt durch soziologische Effekte aus der aktuellen Finanz- und Wirtschaftkrise. Da unser Zeitkontingent aber nun einmal endlich ist, müssen wir Prioritäten schaffen. Weniger digitales Wirrwarr, weniger Masse, mehr direkte und persönliche Interaktion, mehr soziale Qualität.
Werkzeuge wie Facebook, Twitter, Foren oder unzählige andere digital Networks sind dabei die nutzbaren und nützlichen Werkzeuge, um das soziale Miteinander digital abzubilden und zu vernetzen, um Interessen- und Fangruppen zu organiseren und -wie zuletzt bei der Online-Petition gegen Netzsperren- um effektiv Solidarität zu bekunden und mit einer kritischen Masse auch für die Politik sichtbar zu werden. Nicht mehr, aber ganz sicher auch nicht weniger.
7 Kommentare
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- Prozentewunder: @ralf Klar steht es da. Und wenn der Bildschirm groß genug ist, kann man´s sogar lesen. Nur: Die, die da anrufen zahlen das nicht,...
- ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
- sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
- iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
- ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
- Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
- Hundeschule: Tja Abmahnungen gehen weiter, Hundeschule wurde abgemahnt, weil ein gekauftes Logo verwechslungsgewahr beinhaltet. Und nun? Die Pfote...
- InternetMarketing | Jens Srowig: Hallo an euch! Das ist wirklich ein tolles Video. Auch wenn es schon ein wenig spät ist, alles Gute für das neue...

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Am 26. Mai 2009 um 11:03 Uhr
Der Meinung schließe ich mich an. Klar kann diese digitale Vernetzung ein reales Treffen und ein richtiges Gespräch nicht ersetzen, zum einen, wie besagt, da Mimik und co. nicht wirklich übermittelbar sind, und zum anderen da sich die Kommunikationspartner an verschiedenen Orten befinden, d.h. es wirken unterschiedliche Umwelteinflüsse auf sie ein, die Atmosphäre ist unterschiedlich.
Ich selbst habe die Erfahrung gemacht, dass es mich umso mehr freut Menschen real wieder zu treffen, mit denen ich im Vorfeld vermehrt Kontakt via facebook, icq, skype, und co hatte. Ergo schließe ich daraus, dass social networking lediglich die Zeit bis zum Wiedersehen angenehm versüßt.
Am 26. Mai 2009 um 12:13 Uhr
nonverbal vs. verbal.
Die Social Networks sind sicherlich ein schönes Bindungsinstrument, um Freunde und Bekannte über diese Beziehungsplattformen zu “pflegen und zu hegen”. Doch schließe ich mich der Meinung an, dass soziale interaktionen, in dem Mimik und Gestik eine übergeordnete Rolle spielen, unumgänglich sind. Ein Grundbedürfnis, dass uns die digitale Welt “hoffentlich” nie abnehmen wird.
Am 26. Mai 2009 um 12:26 Uhr
@Calimero Ich erinnere mich noch, als das ganze Videoconferencing-Thema aufkam (zu ISDN-Zeiten) und die Anbieter schon den Abgesang der realen Begegnungen anstimmten. Auch wenn beim Videoconferencing sogar -vermeintlich- Mimik, Gestik und Sprache wirken; es bleibt ein digitales Medium, ein Screen, ein Stück Technik, vor dem man sich befindet.
Am 26. Mai 2009 um 15:28 Uhr
[...] Sinne des Werbeblogger-Beitrags zu social networks werde ich mich bemühen, StudiVZ als Ergänzung realer Kontakte zu nutzen. (Wobei ich sowieso nie [...]
Am 26. Mai 2009 um 15:57 Uhr
[...] Am Sonntag Morgen stiess Cem Basman die Diskussion auf Twitter an, diskutierte weiter auf Facebook und nahm den Faden zu guter letzt wieder in seinem Blog auf. Am Sonntag Abend kommentierte ich das ganze noch via AudioBoo. Heute schrieb Roland Kühl-v. Puttkamer im Werbeblogger einen sehr lesenswerten Artikel zu der Frage: “Wieviel Social Network braucht der Mensch?“. [...]
Am 26. Mai 2009 um 16:35 Uhr
Vor allem nervt die schnelle, unverbindliche Antwort, die mir nicht weiterhilft – oder die lange ausbleibende, ebenso langatmige Antwort, die dann meist noch am Thema vorbeigeht, weil sie noch unbedingt gegeben werden mußte, obwohl das gegenüber schon gar keine Lust mehr hatte.
Wie bei eMail (in den letzten Jahren) spielt man bei Twitter etc. eher Ping Pong statt wirklich aufeinander einzugehen, zuzuhören und relevant zu antworten …
Am 12. Juni 2009 um 15:05 Uhr
[...] Diskussion entfacht, wieviel Social Network ein Mensch braucht. Auch Roland Kühl-v.Puttkamer hat das Thema auf werbeblogger.de nochmals schön aufgenommen. Auf slidetone.net findet ihr noch einen passenden Podcast [...]