05.05.09
09:00 Uhr

It’s Liquid Bullshit.


“New Sierra Mist Ruby Splash. It’s liquid sunshine.”

Kaum daß ich gestern an den infamen Media Markt-Spot von 2006 erinnert wurde, nahm ich wahr, daß weitere Kunstwerke dieser Art kursieren. Die Agentur ist Creature, Seattle, und wieder ist es ein freundliches Nachbarland (und seine indigene Bevölkerung), das für gespielte Witze herhält.

Nebenbei, mir fiel in letzter Zeit auf, daß Tchibo in seiner Kommunikation den „Tchibo-Mann“ wiederbelebte, an den mit Werbegeschichte vertraute und/oder jahrgangsreichere Leserinnen und Leser sich vielleicht noch als den „freundlichen Kolonialherrn von nebenan“ erinnern:
dertchibomann

Ich bin nicht sicher, ob das eine so glückliche Entscheidung war.

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10 Kommentare

  1. MF

    Warum nicht. Finde die Tschibo Aktion gut – fast alle anderen versuchen doch auch auf irgend eine Art “Retro-Werbung” zu machen. “Er läuft und läuft und läuft und…” von VW erlebt bestimmt auch noch mal sein Comeback. Vielleicht als vergleichende Werbung mit dem ganzen SUV-Hype “er säuft und säuft und ….” ;)

  2. Fabian Sax

    Wer auf sympathische Kolonialherren setzt, könnte genauso gut freundliche Sklavenhändler zelebrieren.

  3. heidekaese

    Vielleicht sollten wir unsere Gedanken auch einfach mal ins 21 Jahrhundert befördern.

  4. dermachtdieworte

    Ich weiß ja bei dem Liquid-Sunshine-Spot nicht mal, über wen er sich lustig macht?
    Die beiden “Forscher” sind schlicht blöd, die Azteken hingegen machen einen ganz vernünftigen Eindruck. Und wer außer Tchibo erinnert sich denn noch wirklich an das Kolonialherrenmenschengehabe des Kaffeeexperten?
    Da war Media-Markts Polenspot deutlich ein andres Kaliber, bei dem ich die Entschuldigung bei allen Polen nicht recht glauben mag, denn auf Youtube läuft er nach wie vor.

  5. AndreasK

    Bei dem Atzteken-Spot bin ich hin- und hergerissen. Soweit ich weiß, gibt es nämlich keine mehr – Atzteken, meine ich. Wozu also die Aufregung. Allerdings haben sie so etwas wie Nachfahren, Erben ihrer Kultur. Und wer sagt eigentlich, dass man eine ausgestorbene Kultur ruhig verdummbeuteln darf?

    @dermachtdieworte: Der Spot macht sich insofern lustig, als dass die Atzteken im Spot ihre Religion aufgegeben haben und stattdessen materiellen Gegenständen huldigen. Keine noch amtierende Religion dieser Erde würde so etwas auf sich sitzen lassen. Mehr noch: Anscheinend waren noch andere Forscher da und haben jeweils Gegenstände da gelassen. Und jedem technischen Gerät ist das schnuckelige naiv-dumme Atztekenvolk natürlich blind verfallen.

    Und zum Tschibo-Mann: Der ist alt. Die Werbung auch. Aber das ist kein Freibrief dafür, sie einfach wieder zu bringen. Vergleich gefällig? Bödde:

    Weiß hier jemand ohne zu googeln, wer Adolf Eichmann ist? Nein? Oder nur Wenige? Super, dann ab in die Werbung mit ihm! – Was’n das für ne Logik?

  6. Raoul

    Super, die folkloristische Darstellung der Azteken, die tolpatschigen Forscher wahrscheinlich britischer Herkunft, so wird halt jedes Klischee bedient. Vor einigen Jahrhunderten hätte man die Forscher mutmaßlich in die ewigen Jagdgründe geschickt. Wenn keine anderen Ideen da sind muss man eben tief in die Schublade der Vorurteile und Intoleranz greifen. Dann doch lieber Mutti mit ihren Kindern, die nach dem Genuss der Limo total freundlich lächeln und mir damit mitteilen, dass nur diese Limo den Moment versüßt. Weniger und einfacher ist manchmal doch mehr und auch nicht so teuer in der Produktion.

  7. Raoul

    @AndreasK

    Ich weiss auch ohne zu googlen, wer Eichmann ist oder vielmehr war. Den Vergleich halte ich zwar für leicht übertrieben, nur wer weiss, ob nicht doch mal jemand auf die Idee kommt um mal richtig Awareness zu schaffen. Dann wird es eben als Provokation verkauft, die die Leute zum Denken anregen soll. Werbung ist meiner Meinung nach ein Abbild der Gesellschaft. Nur was tolerabel ist kann verbreitet werden. Und tolerabel mittlerweile leider sehr viel.

  8. dermachtdieworte

    @ AndreasK: Du schreibst: “Der Spot macht sich insofern lustig, als dass die Atzteken im Spot ihre Religion aufgegeben haben und stattdessen materiellen Gegenständen huldigen.”
    Was doch von uns gar nicht so weit weg ist, oder?
    Und in diesem Sinne bitte ich auch meine verwirre Frage zu verstehen, über wen sich hier tatsächlich lustig gemacht wird.

  9. Sabrina

    Also ich steh auf Retro-Werbung…Aber den netten Kolonialherrn erinner ich mich leider nicht mehr…

  10. Direct Trade, Steampunk-Zubereitung und die Intelligentsia des Kaffees | Werbeblogger – Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Direct Trade, Steampunk-Zubereitung und die Intelligentsia des Kaffees

    [...] Fair Trade weit vom „klassischen“ Kaffeemarkt entfernt hat, als dessen vertrautes Markenzeichen freundliche Kolonialherren von nebenan im Kaffee grabbelten. Trackback-URL dieses Beitrages Schlagworte (Tags): direct trade, fair [...]

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