11:22 Uhr
Andrew Keen Beta 2: Das Kreide-Update
Der Herr im Titel sollte vielen kein Unbekannter sein. Roland schrieb über Andrew Keen und dessen Buch The Cult of the Amateur: How blogs, MySpace, YouTube, And the Rest of Today’s User-Generated Media Are Destroying Our Economy, Our Culture, And Our Values letzten November unter Die Grabenkämpfe des Andrew Keen, Martin Oetting unter Die Stunde der Stümper, Andrew Keen sowie „The Cult of the Amateur – Buchkritik“ und ich selbst unter Andrew Keen: Ein Meister aus Hampstead. Mit diesem „selbsternannten Oberkritiker des partizipativen Webs” (Roland), der „ohne Sachkenntnis und mit haarsträubenden Argumenten [...], die an die realitätsverdrehende Sturheit von George W. Bush oder Sarah Palin erinnern“ (Martin), „unermüdlich [einprügelt] auf das Internet, Blogger, Wikis, Web 2.0 und alle physischen und psychischen Erzeugnisse, die nicht den Köpfen einer gesalbten Kulturelite wie Pallas Athene dem Haupt des Zeus entsprungen sind“ (ich), erschien heute ein Interview auf Spiegel Online unter dem Titel „Netzkritiker Andrew Keen: Bei Twitter entsteht eine neue Elite“.
Die Fragen von Michael Soukup sind angenehm robust und zwingen Keen mehrfach zum verstärkten Wieseln. Besonders schön finde ich auch die Frage „Haben Sie Kreide gefressen?“ Je nachdem, wie die Frage im Original lautete, mag es Keen zu verzeihen sein, daß ihm der tiefere Sinn entging, aber diese Metapher bringt es auf den Punkt. Denn substantiell hat sich nichts geändert, und diese ganze scheinbare Zurückruderei ist nur eine Verkaufsmasche für sein nächstes Buch. Auch ohne prophetische Fähigkeiten läßt sich mit hoher Sicherheit voraussagen, daß diese (Selbst-)Verkaufsmasche im wesentlichen auch bereits den eigentlichen Inhalt widerspiegelt. Und als großer Verkäufer (und Mitglied der Kulturelite) empfindet Keen sich allemal:
Keen: Das Microblogging Twitter ist ein gutes Beispiel dafür. Hier ist eine neue Elite im Begriff zu entstehen. Die Hierarchie zwischen Talent und Publikum beginnt das Amateurhafte wieder zu verdrängen.
SPIEGEL ONLINE: Deshalb bloggen und twittern Sie selbst fleißig?
Keen: Damit habe ich kein Problem. Ich bin talentiert und ein guter Verkäufer. Das Web ist für mich ein wichtiges Marketingmittel. Aber ich verkaufe wenigstens das Internet nicht als die große Demokratisierung.
Aber so richtig viel braucht es nicht, um über die Kreide hinweg das Gekreische wieder hörbar zu machen:
Keen: Während wir als Teil der Medienelite verstehen, wie das Internet tickt, sind die meisten Menschen dem Web 2.0 schutzlos ausgeliefert. Ihnen fehlt die gesunde Portion an Misstrauen. Denn Blogs zerstören zunehmend die professionelle Informationsvermittlung. Da niemand redaktionell eingreift und Informationen auf ihren Wahrheitsgehalt prüft, verbreiten sich Fehler und Lügen im Web wie Bakterien. Wir wissen, dass auf Wikipedia vieles nicht stimmt, unseren Kindern ist das aber nicht bewusst.
Ja, die armen, medieninkompetenten sieben jungen Geißlein Kinder. Was Andrew Keen mit seinen enormen Talenten eigentlich nur noch fehlt, ist die passende Visitenkarte.
3 Kommentare
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- ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
- sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
- iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
- ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
- Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
- Hundeschule: Tja Abmahnungen gehen weiter, Hundeschule wurde abgemahnt, weil ein gekauftes Logo verwechslungsgewahr beinhaltet. Und nun? Die Pfote...
- InternetMarketing | Jens Srowig: Hallo an euch! Das ist wirklich ein tolles Video. Auch wenn es schon ein wenig spät ist, alles Gute für das neue...
- Ralf Hillmann: Da kann ich nur sagen, die Bezeichnung Video-Perle passt einfach perfekt. Da soll noch einmal jemand behaupten Werbung habe nichts...

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Am 24. April 2009 um 15:34 Uhr
Habe das Interview auch gelesen und musste doch sehr lachen. Wie sich der gute Mann stellenweise gewunden hat, war schon erstaunlich. Auch sein Gefassel von der sogenannten Medienelite. Zudem halte ich sein Argument, Redaktion gewährleiste Wahrheit der Meldung, halte ich für ziemlich weit hergeholt. Setzt das doch voraus, dass die Redaktion:
A) selbst den kompletten Hintergrund einer Meldung kennen
B) nicht ihre eigenen Deutungen einfliessen lassen.
Alles in allem war es also ziemlich substanzlos, was der Herr vom Stapel gelassen hat.
Am 24. April 2009 um 23:45 Uhr
Andrew Keen: Das Amateurhafte wird verdrängt…
Andrew Keen, der sich als Kritiker des Web 2.0 einen für manche zweifelhaften Ruf erworben hat, wird auf der next09 eine Keynote mit dem Titel “Digital Vertigo – Inequality, Anxiety and Isolation in the Social Media Age” halten. Im Interview……
Am 8. Mai 2009 um 13:12 Uhr
[...] Überraschung, dass ausgerechnet der auch von uns im Werbeblogger vielfach schwer kritisierte Andrew Keen in seiner kritischen Gegenposition die Würze ins Spiel brachte. Nicht etwa sein [...]