12:04 Uhr
TV — Der 800-Pfund-Medien-Gorilla
Ende März veröffentlichte das Council for Research Excellence im Auftrag von Nielsen die Ergebnisse der Langzeitstudie “Video Consumer Mapping Study” zum Medienverhalten. Eines der Ergebnisse gleich vorweg:
Traditional Television Remains “800 Pound Gorilla” In Video Media Arena
Die Studie wurde durchgeführt vom Center for Media Design der Ball State University unter Mithilfe von Sequent Partners, in Auftrag gegeben und betreut von Nielsen. Sie wird beworben als “the largest and most extensive observational study of media usage ever conducted”. Studiendetails und Präsentationen zum Download finden sich auf dieser Seite. Auch die vollständige Präsentation vom 26. März, die ausführlich die Methodik beschreibt, gibt es dort als PDF zum Download (Direktlink). Die Studie umfaßte, anders als Nielsens bekannter “Three Screens Report”, auch mobile Geräte:

Aus: VCM Study—Full Presentation March 26, 2009
Dies ist eine aufwendige und sorgfältig durchgeführte Studie, über die sich keinesfalls „mal eben rasch“ etwas sagen läßt, daher möchte ich hier lediglich einige der Schlüsselergebnisse vorstellen:
“Although the composition of consumers’ Screen Media Time varied across age groups, their total Screen Time was strikingly similar except among those 45–54, whose screen time was highest.” In Zahlen: Durchschnittliche “media exposure” für alle Altersgruppen war 8,5 Stunden mit Ausnahme der Gruppe der 45–54jährigen, wo sie bei 9,5 Stunden lag.
TV ist nach wie vor das mit Abstand meistkonsumierte Medium, und dafür gilt: “TV users were exposed to, on average, 72 minutes per day of TV ads and promos” — trotz anzeigenausblendender Aufnahmetechniken, Aufnehmen/Vorspulen und genereller Werbungsvermeidungsstrategien (meine Wortwahl) wie Pinkel- oder Bierholpausen (dito). Interessant auch: “out of home TV minutes were measured [...] to be roughly 10 times as high as video on the Internet and mobile phone combined”.
Radio ist als Medium hinter Computermedien zurückgefallen: “The study suggests that computing has displaced radio as the number 2 media activity. Radio is now number 3 and print is number 4.” Und dazu ergänzend: “Even in major metropolitan areas where commute times can be long and drive-time radio remains popular, computer use has replaced radio as the No. 2 media activity.”
Zu einem tabellarischen Überblick der Medienminuten auf dieser Seite ein Stück herunterscrollen.
Das möge zunächst einmal genügen. Welchen Einfluß würden oder sollten diese und weitere Schlüsselergebnisse konkret auf kurz-, mittel- und langfristige Werbe- und Marketingstrategien haben? Das wäre zu diskutieren. Fest steht, daß Fernsehen alles andere als „tot“ ist, ganz im Gegenteil. Dieser klassische Kommunikationskanal ist gesund und munter. Zumindest, was die Reichweite anbetrifft — und die ist ja bekanntlich noch nicht alles. Ich denke, daß diese Studie einige interessante Argumente zu den Diskussionen auf der “Remix09 — online meets classic” am 12.–13. Juni beisteuern kann.
Ein Nebenergebnis der Studie möchte ich aber noch erwähnen, nämlich den Vergleich von beobachtetem Verhalten während der Studie mit selbstberichtetem Verhalten:
TV was substantially under-reported while online video and mobile video usage were overreported.
TV-Konsum vor der heimischen Glotze wird vielleicht nicht als hip genug empfunden; ich bin gespannt, ob dieser Trend in Zukunft anhält. Dazu die methodenrelevante Schlußfolgerung:
Serious caution needs to be applied in interpreting self-report data for media use.
Eine klassische und zeitlos gültige Regel, die viele Zeitungen und Agenturen traditionell ignorieren.
2 Kommentare
Einen Kommentar schreiben
- Prozentewunder: @ralf Klar steht es da. Und wenn der Bildschirm groß genug ist, kann man´s sogar lesen. Nur: Die, die da anrufen zahlen das nicht,...
- ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
- sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
- iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
- ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
- Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
- Hundeschule: Tja Abmahnungen gehen weiter, Hundeschule wurde abgemahnt, weil ein gekauftes Logo verwechslungsgewahr beinhaltet. Und nun? Die Pfote...
- InternetMarketing | Jens Srowig: Hallo an euch! Das ist wirklich ein tolles Video. Auch wenn es schon ein wenig spät ist, alles Gute für das neue...

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Am 23. Dezember 2009 um 14:11 Uhr
[...] wenn der Kanal „Fernsehen“ hinsichtlich wahrgenommener Werbebotschaften immer noch der 800-Pfund-Gorilla in der Video Media Arena ist, scheinen sich die ersten großen Super Bowl-Advertiser allmählich ein paar Gedanken [...]
Am 12. April 2010 um 14:47 Uhr
[...] (Web) mit “Emotion” (TV-Ads) ist dieses Modell auch ein weiterer Floh im Fell des 800-Pfund-Gorillas Fernsehen, und, wie heißt es so schön, viele Flöhe sind des Affen Tod. Und auch das Thema [...]