10.04.09
17:20 Uhr

Die Rezession als Chance, auch bekannt unter: Der Kreativitätsgalopp (snarky)

{lang: 'de'}

saywhat
Say what?

Nicht, daß der gestern von Roland unter Oliver Voss: Die Rezession als Chance vorgestellte Clip mit Interviews zur Krise vom Andy Award in Mexiko meine Erwartungen irgendwie enttäuscht hätte:

“need and unhappiness require a lot of creativity”
“history tells us that in bad times creativity was well”
“so that’s why you have to be more creative”
“I think that really creative people are best with their back to the wall”
„the person who has to worry the most is the has-been creative director whose best work is way behind him”
“creativity right now is the primary asset of communication”
“and we have to invent all new what we call, in short-hand, great creativity”
Et cetera.

I call bullshit on this one.

Egal, in was für einer Krise sich Werbung gerade befindet, oder einbildet sich zu befinden, sei es eine ökonomische Krise oder eine Sinnkrise oder was auch immer, mangelnde Kreativität ist immer das Problem. Schon klar — und bei einem Kreativitäts-Award wie dem Andy legt sich diese Perspektive im Zuge rückgekoppelter Selbstfütterungsverfahren auch gleich mehrfach übereinander zu einer soliden Schichtenpanzerung. Die hält was aus. Und ab: Wenn Bob Greenberg im ersten Interview des zweiten Teils von “young people” spricht, die Untertitel aber „junge Talente“ übersetzen, ist dies ein Symptom, das auf die Krankheit deutet. Denn Greenberg spricht überhaupt nicht über Kreativität. Greenberg spricht über Innovation und neue Werkzeuge. Im Inneren des Kreativitätspanzers aber hören wir, was wir hören möchten, und unser Kopf, naja, der arbeitet da drin ja auch so laut.

Neben Greenberg gibt es in den Interviews aber noch ein zweites Leuchtfeuer werblicher Vernunft in den tobenden Kreativitätsgewässern, nämlich Jeff Goodby:

We have to help [our customers] to get more money.

„So einfach kann das sein“, hahaha. „Der große alte Mann der amerikanischen Werbung“, ne? Haha. Oh ja. Lachst du.

Botschaften wie Greenbergs und Goodbys haben es traditionell sehr schwer, in den Assoziationskortex der Großhirnrinden von Kreativen vorzudringen. „Einfach vorgetragen“, ja. Aber wieso und seit wann kann es so einfach „sein“? Was ist oder war oder wird je einfach sein daran, Werbung zu machen, die auch wirklich spürbar und ursächlich dafür sorgt, daß der Kunde mehr Geld verdient?

Gute Werbung ist Werbung, die funktioniert. Funktionierende Werbung ist Werbung, die auf effektive und effiziente Weise dafür sorgt, daß das beworbene Produkt verkauft wird. Kreativität ist gut und schön, wenn sie bei diesem Unterfangen hilft.

Ich stelle mir bildlich all diese Agenturen vor, wie sie sich mit maximaler Energie und großem Enthusiasmus nun darum bemühen, das Pferd noch schöner, noch besser, noch eleganter und noch preisverdächtiger hinter ihre Wagen zu spannen, um damit das große Krisenrennen zu gewinnen. Das wird episch, ich bin mir sicher. Wie Ben Hur eigentlich, bloß als Standbild und in echt.

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4 Kommentare

  1. Hans

    I call bullshit on diesen Artikel.

  2. Vroni

    In schlecht gewähnten Zeiten stellen sie immer auf „Werbung, die funktioniert“ ab.

    Nix Neues in Klitschen-Country.

  3. Ethik und Moral in der Werbung | Werbeblogger - Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Ethik und Moral in der Werbung

    […] ihren Kunden zu mehr und neuen Kunden und Umsatz verhelfen (sollen). Wie sagt Jeff Goodby noch im Interview bei Oliver Voss: We have to help [our customers] to get more […]

  4. Krise als Chance, Werbung & Vertrauen und das wirtschaftliche Überleben in einer Depression | Werbeblogger - Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Krise als Chance, Werbung & Vertrauen und das wirtschaftliche Ü

    […] oszillieren. Meinen eigenen Eintrag zu diesen Interviews widmete ich zunächst einem meiner Lieblingsärgernisse. Nämlich dem, daß viele Werber meinen, alle Probleme wären mit mehr Konzentration […]

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