01:28 Uhr
Sprints “Now Network”, oder: Ich sprüh’s auf jede Wand, schnelle Medien braucht das Land!
Welcome to the Now Network
“The First Wireless 4G Network From a National Carrier”
Dieser Spot, vermutlich von Goodby, Silverstein & Partners, für Sprints SOFDMA-basierte Variante eines 4G Networks (mobiles WiMAX auf 2.5GHz) in den USA zeigt, daß andere Länder schon ein bißchen weiter sind als wir hier in Europa, wo Artikel über 4G-Technik insbesondere durch ihre hohe Frequenz von Wörtchen wie „soll“ oder „Projekt“ auffallen.
Es ist zu erwarten, daß Sprints Rollout in den USA jetzt richtig Fahrt aufnehmen wird. In Japan, wo 84% aller Mobilvertragskunden mittlerweile auf 3G umgestellt haben, sind ernsthafte 4G-Vorbereitungen ebenfalls im Gange. Zum Vergleich: In Deutschland sind nach den neuesten Zahlen 20% auf G3 umgestiegen, was die Bitkom als „UMTS-Boom“ feiert. Ein bißchen früh, um den Champagner auszubringen, finde ich.
Für die zunehmende mobile Vernetzung der „Sozialen Netzwerke“ sind diese neuen Techniken entscheidend. Ebenso die Verfügbarkeit dazu passender Geräte — und auch hier sieht es hierzulande etwas trübe aus. Das Apple iPhone gibt es in Deutschland nur bei einem Anbieter, den viele Menschen im Laufe der Jahre und Jahrzehnte so innigst liebgewonnen haben, daß sie ihn nicht weiter mit ihrem Geld belasten wollen. Nicht einmal für das iPhone. Dieselbe Firma, als bislang erster und einziger Anbieter eines Android-Gerätes, schaffte es irgendwie, beim G1 den eingebauten Browser so gründlich zu ruinieren, daß er nicht einmal mehr hebräische Zeichen darstellen kann, geschweige denn Doppelbyte-Schriften wie Japanisch und Chinesisch. Da der Browser ebenfalls auf dem WebKit aufsetzt, das vollständig Unicode-fähig ist und solche Schriften selbstverständlich tadellos nativ beherrscht, mußten dafür schon echte Spezialisten ran. (Ein Trick, nebenbei, der auch den TweetDeck-Entwicklern glückte. Gratulation.) Und dann haben wir noch den BlackBerrry Storm, der dem Hersteller RIM höchstselbst inzwischen peinlich ist. Tja. Ich setzte meine Hoffnungen dann mal in den Palm Pre — der in dem Sprint-Commercial übrigens eine gehobene Rolle spielt.
Auf drahtlose und nahtlose mobile Vernetzungen und Medienbrücken für Mainstream-Massenunterhaltungen wie diese werden wir hier in Deutschland jedenfalls noch ein gutes Weilchen warten müssen. Nicht, daß das virtuelle Anpinseln von Billboards übers Telephon und via YouTube jetzt entscheidend wäre für die Zukunft des Abendlandes, aber spielerischer Schnickschnack hat als “Trailblazer” schon lange die Vorreiterrolle übernommen auf dem Weg zu ernsthafteren Applikationen. (Wenn es diese Rolle nicht ohnehin schon immer innehatte.)
In dem Zusammenhang ist auch interessant, daß Twitter bei alldem wieder eine Rolle spielt. Der Titel des Eintrags auf TechCrunch von Jason Kincaid zum Sprint-Commercial lautet “Twitter Gets A TV Commercial For Free As New Users Get Their First Taste Of Fail Whale”, und auf Socialmedia.com kommentiert Nick Gonzales unter der Headline “Twitter Gets Its First Ad, For Free”:
As if it’s not enough to have every major news outlet promoting your product. Now Twitter’s been bundled into a new Sprint commercial.
Wobei wir vom Werbeblogger uns mit unserem Twitter-Enthusiasmus bei dem “promoting” sicher auch ein bißchen wiederfinden, wenn auch längst nicht mit der von einigen aus unserer Leserschaft gefühlten Intensität.
Aber Twitter ist hier thematisch auch noch in einer anderen Hinsicht interessant. Konzipiert war der Dienst vor allem als mobiles Microblogging — die Vorstellung, daß wir alle zu Hause an unseren Computern sitzen und Twitters Browser-Interface oder das von anderen Anbietern benutzen, hatte anfangs niemand im Sinn. Die zunehmende Popularität zum einen und die überhöhten SMS-Preise zum anderen (nicht nur hier übrigens, sondern auch in den USA), die Twitter zudem dazu zwangen, weltweit mit wenigen Ausnahmen den kostenlosen SMS-Versand einzustellen, haben diese Entwicklung enorm gefördert. Letztes Jahr um diese Zeit war “Web” mit 56% der mit Abstand beliebteste Twitter-Client, und diese Zahl ist seitdem keinesfalls gesunken.
Wenn bei uns irgendwann einmal eine schnelle, flächendeckende und bezahlbare Technik ausbrechen sollte und auch Geräte dafür verfügbar sind, die nicht an bestimmte Unternehmen geknebelt und/oder technisch teilkastriert sind, wird dieser Trend sich, denke ich, wieder umkehren.
Und sollte das wiederum irgendwann in der Zukunft eingetreten sein, würde ich, nebenbei, auch meinen Kopf nicht mehr darauf verwetten wollen, daß “Flutter” wirklich eine reine Mediensatire bleibt und nicht den Sprung schafft in eine postkonversationelle Wirklichkeit.
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3 Kommentare
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- J. Martin: @hobbystatistiker Dein Kommentar in Youtube-Qualität — und unter Mißachtung all dessen, was Roland und ich bereits zum Thema...
- hobbystatistiker: Allmählich ist das ein Gadget-und I-irgendwas-Blog und ihr solltet euch Gadgetblogger nennen. Statt Werbeblogger. Das Geplänkel...
- Bastian: Erst mehr oder weniger aufwändig eine eigene Welt & Story erschaffen und dann auf der Microsite doch ganz banal auf die...
- Georg: Guter Artikel! Ich glaube übrigens nicht, dass das Messen des RoI lediglich eine Schwierigkeit bei Social-Media ist. Schon immer gab es...
- Malik: Die Slow-Media Idee ist ja schon ganz gut durchdacht und auch jetzt nichts so revolutionäres. Multitasking ist ja in gewisser Weise auch...
- ralf schwartz: Ich auch. Vor allem sollte man hier die Chance nutzen, den RoI/E zu überdenken und die Erkenntnisse auf die Erfolgsmessung der...
- Micha: @Ralf Ich folge auch Dir, dass das rein Quantitative nicht ausreicht. Aber dieses Problem hat nicht nur Social Media: Wenn durch eine...
- J. Martin: @Six LOL! Deinen Kommentar sehe ich ja erst jetzt, sorry. Genau. An positiven Beispielen fällt mir nur Lurchis Abenteuer ein.

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Am 8. April 2009 um 02:17 Uhr
[...] ich kann nicht widerstehen. Zumindest unsere Brötchen kommunizieren bereits draht- und nahtlos! Und die benötigte Hardware ist auch gleich [...]
Am 8. April 2009 um 11:21 Uhr
aber herr martin;) natürlich sind das alles bedauernswerte zustände, aber gaanz so schlimm wie beschrieben dann doch wieder nich. habe gestern zufällig so ein neues HTC-igittt-windows-mobile phone in der hand gehabt (klar, von nem ITler), der opera browser da drauf macht im quick-check jedenfalls keine schlechtere figur als safari auf dem iphone. auch auf den diversen nokia companygurken meines juristen- und consulting social-umfelds (sollte ich jetzt schon social-”netzes” sagen? hmmm) laufen twitterclients wie twibble ganz wunderbar – abgesehen davon, dass man auf einem E71 10 mal besser und schneller tippen kann, als auf dem apple handschmeichler.
alle diese leute brauchen übrigens den allermeisten kram aus dem app-store nicht, und sind daher mit der vorläufig! teils stark eingeschränkten erweiterbarkeit ihrer geräte auch nicht unzufrieden. und wozu brauche ich eigentlich akkuziehhendes UMTS, wenn zb die FTD mobilesite ohne ebenso schnell lädt, wie mit?
und wer will schon dauernd selbst auf dem iphone mobil im “richtigen” web unterwegs sein?
ich glaube, wir brauchen G4 erst dann, wenn endlich dieser lästige griff zum “gerät” überflüssig geworden ist, und wir den ganzen situation-based-kram endlich ganz “natürlich” direkt in unsere hirnrinde eingespielt bekommen (s. zb doctorows HUD). dann sieht man wenigstens nur noch am leichten abdriften der augen des gegenübers, dass er/ sie gerade deinen sozialen graph checkt oder vielleicht auch nur den neuesten “viral” der dann weltbeherrschenden G4-networks “ansieht”. was auch die frage löst, wie twitter zu werbung/ marketingzwecken instrumentalisiert werden kann. diesen service könnte man dann zb brwitter (braintwitter) nennen, was sich fast schon wieder anhört wie britta, aber das ist gut, denn filter, die braucht man in dieser situation ganz bestimmt.
Am 8. Juni 2009 um 16:29 Uhr
[...] Position anstrebt: Sprint, an den der Palm Pre in den USA gebündelt ist, bietet zwar modernste Technik an, hat in Sachen Abdeckung aber noch deutlich aufzuholen gegenüber Verizon Wireless and [...]