18:53 Uhr
Das Soziale Netzwerk als Medienbrücke: Handy, YouTube, Billboard
Als Promotion-Aktion für die Technik des Unternehmens im allgemeinen und deren Laptops im speziellen veranstaltete Toshiba vom 20.–22. März öffentliche Spiele, bei denen auf einem Billboard bis zu sechs Spielerinnen und Spieler gegeneinander antraten: Vom Mobiltelephon aus oder vom Computer aus via Toshibas YouTube Channel. Das Ganze fand ganz stilecht im berühmten Akiba statt, dem Akihabara Denki Gai (“Akihabara Elektro-Viertel”), und das elektronische Billboard gehört, ebenfalls stilecht, zu einem Superstore der Yodobashi Camera-Kette.
Hier einer der Spieler in Aktion via Mobiltelephon. Zum Einstieg wurde eine Telephonnummer auf dem Billboard angezeigt, die angerufen werden mußte:
Und hier der zweite Einstiegspunkt für Billboard-Gamer: Toshibas YouTube Channel, der allein und an und für sich bereits sehenswert ist ;-) …
Das Spiel läßt sich dort, zumindest im Single-Player-Modus, auch noch spielen: Der mittlere Ballon auf der linken Seite führt zum Spiel (“Para-chan”). Wie immer bei solchen Spielen stelle ich mich nicht sehr talentiert an, aber Para-chan reagiert auch außerordentlich zäh auf meine Tastatureingaben.
Auch nicht fehlen durften natürlich Formen der speziellen selbsthumorigen japanischen Klamaukbegleitung:

Mehr dazu gibt’s hier und einen Auszug auf Englisch hier. Vielleicht wäre mir diese Aktion gar nicht weiter aufgefallen, wenn das Mitspielen via Computer über eine dafür ausgerichtete Website erfolgt wäre. Zumindest das rudimentäre Manipulieren von Gegenständen in der Welt via Tastatursteuerung von einer Website aus ist ja nicht ganz so rasend neu. Die letzte Aktion dieser Art, an die ich mich erinnere, ist auch noch gar nicht so lange her; das war für die niederländische Škoda Octavia-Kampagne, über die ich in einem “Freshly squeezed” Werbeblogger-Follow-up mal twitterte. (Die Kampagne ist mittlerweile offline, aber über den ganz linken unteren Button “Octavia RC”, Octavia Remote Controlled, lassen sich noch ein paar Filmchen der Aktion abfahren.) Was ich bei diesem Toshiba-Event besonders interessant fand, war die Wahl eines YouTube Channels als Einstiegspunkt. Eine ziemlich gute Wahl, wie ich finde — YouTube kommt einem Sozialen Netzwerk so nah wie möglich, ohne daß der Zugang zu Spiel, Aktionen und Informationen durch Anmeldehürden behindert würde.
Denen, die bei YouTube lediglich “Video Sharing Platform” denken, werden sich über die Plazierung viraler Videos hinaus keine weiteren Einfälle aufdrängen, wie YouTube als Marketing-Kanal genutzt werden könnte. Erst wenn Youtube zusätzlich als Soziales Netzwerk gedacht wird, läßt sich hier phantasievoll weiterspinnen. Aber wer dazu Ideen hat, sollte sich beeilen — der Ruf von YouTube als “Teh Place” ist in mehrfacher Hinsicht gefährdet. Die Erosion der YouTube-Magic findet gleichzeitig an drei Fronten statt. Da ist zum einen die Kommentarkultur, die anerkanntermaßen zu den schlechtesten der Welt gehört. Als nächstes wäre da die Content-Industrie, okay sagen wir die Musikindustrie, hm eigentlich vor allem die Warner Music Group, die sich mittlerweile als zertifizierte Copyrightberserker weder um Fair Use noch um die eigenen Künstlerinnen und Künstler scheren (weswegen ich deren Labels mittlerweile meide). Und zum dritten sind da die YouTube-Betreiber selbst, die immer wieder insbesondere kritische Kanäle „suspendieren“, weil deren Videos von den üblichen Horden als gegen YouTube-Bedingungen verstoßend markiert werden — gestern erwischte es zum Beispiel die James Randi Educational Foundation. (Der einzige Beteiligte/Betroffene, der zur Zeit nicht darüber tobt und statt dessen ungewohnt besonnen bleibt, ist lustigerweise der sonst hyperaktiv-enthusiastische Bad Astronomer Phil Plait, seit letztem Oktober neuer JREF Präsident.)
Aber natürlich sollte das alles nicht überraschen, und überhaupt sind Soziale Netzwerke keine sozialen Einrichtungen, sondern Geschäftsmodelle. (Unabhängig von der jeweils aktuellen Monetarisierungslage.)
Viele Gründe also, YouTube zu nutzen, solange es noch benutzbar ist. Wer kennt weitere Fälle, in denen YouTube-Kanäle — über das Einstellen und Drumherumpromoten von Videos hinaus — werblich/marketinglich auf interessante Weise genutzt werden oder wurden?
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3 Kommentare
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Am 1. April 2009 um 10:55 Uhr
Woha, wusste gar nicht, dass die JREF von YouTube verbannt wurde… werde das mal beobachten. Gründe wurden ja scheinbar keine angegeben…
Am 4. April 2009 um 10:49 Uhr
@Markus Der JREF-Kanal ist wieder online, und hier ist eine Verlautbarung dazu von Randi:
Alles schön und gut, aber im Gegensatz zu Randi finde ich hier überhaupt nichts in Ordnung. Ich schrieb Dir mal in einer unserer frühen Twitter-Konversationen, daß ich temperamentmäßig eher bei RD.net und PZ zu Hause wäre als bei Shermer oder Randi … allerdings!
PZ auf Pharyngula zum JREF-Vorfall:
Selbst das finde ich noch zu milde ausgedrückt in diesem Fall. Ich hoffe, Cory Doctorow verliert auch noch ein Wort dazu.
Am 8. April 2009 um 01:29 Uhr
[...] nahtlose mobile Vernetzungen und Medienbrücken für Mainstream-Massenunterhaltungen wie diese werden wir hier in Deutschland jedenfalls noch ein gutes Weilchen warten müssen. Nicht, [...]