16:22 Uhr
Wann kommt die papierlose Zeitung?
Sehr eng ist derzeit noch das Produkt “Zeitung” in den Köpfen der Macher und Leser mit “Papier” als Trägermedium verknüpft. Das Gefühl, nach getaner redaktioneller Arbeit ein greifbares Produkt in Händen zu halten, ist eben einfach etwas andereres, als auf eine Website zu verweisen. Das Gegenständliche einer gedruckten Zeitung macht zudem viel plastischer deutlich, dass der Käufer, Leser oder Abonnent für sein Geld eine Ware bekommt, die er anfassen kann, einmal ganz unabhängig vom Inhalt.
Die Zeitung auf Papier haben wir alle “gelernt” und was noch viel wichtiger ist: Die Verlage haben gelernt, damit Geld zu verdienen. Demnach ist das Papier auch ein Symbol für die gute alte Zeit, die die Verlage nur zu gern reaktivieren würden.
Fakt ist allerdings auch, dass das Medium Papier als Informationsträger im Zeitungsumfeld schon bald ausgedient haben wird. Der wirtschaftliche Aufwand für Produktion und Distribution, das Anschmeißen der Druckwalzen, das Konfektionieren, versenden und ausliefern der Formate an die Abonnenten stellt neben den Personalkosten den größten regelmäßigen Investivposten für die Verlage dar, bei gleichzeitig zunehmender Diffusion des klassischen Anzeigengeschäftes in andere und neu entstehende Mediengattungen.
Aber es gibt bisher auch klare Vorteile des Papiermediums, die unbestritten sind: Nach wie vor ist die Lesbarkeit von Texten auf Papier für die Augen angenehmer als auf aktuellen elektronischen Medien, die Papierzeitung ist vor allem mobil, transportabel, leicht, faltbar und unabhängig von Elektrizität, die nun einmal jedes elektrische Gerät benötigt. Aber nicht nur das: die Inhalte von Zeitungen sind physikalisch existent, kein Online-Anschluß, WLAN oder andere Technologien sind notwendig, um verlässlich auf den Inhalt zugreifen zu können. Augen auf und Lesen. Fertig.
Natürlich sind heutige E-Reader wie der Amazon-Kindle noch nicht wirklich geeignet, nach den oben genannten Kriterien das Papier zu ersetzen. Aber die Technologien machen deutlich, dass es auch nicht mehr sehr lange dauern wird, bis die elektronische Zeitung Realität wird, mit “elektronischem Papier“, welches die Vorteile beider “Welten” tatsächlich in sich vereinigen kann.
Das folgende “tonlose” und zunächst eher unscheinbare Konzept-Video aus dem Ars Electronica Futurelab zeigt allerdings ziemlich plastisch, wo die Reise hingehen kann und demonstriert zugleich, wie “online meets classic” bei Fragen des Interaktionsdesigns interpretiert wird (Apple lässt grüßen).
Das Konzept steht auch prototypisch für die spezifische Herangehensweise des Ars Electronica Futurelab an die Theorie und Praxis des Interaktionsdesigns. Das Human Computer Interface wird nicht von den Endpunkten [Gerät – Nutzer] aus gedacht, sondern von den sich in der Interaktion entwickelnden ästhetischen, inhaltlichen und funktionalen Dramaturgien. Das Design des Interaktionsprozesses liegt damit nur sekundär in der technologischen Lösung, denn diese leitet sich aus den Anforderungen der Inhalte an die Interaktion ab, damit Inhalt und Träger als identisch angenommen werden können.
8 Kommentare
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- sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
- iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
- ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
- Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
- Hundeschule: Tja Abmahnungen gehen weiter, Hundeschule wurde abgemahnt, weil ein gekauftes Logo verwechslungsgewahr beinhaltet. Und nun? Die Pfote...
- InternetMarketing | Jens Srowig: Hallo an euch! Das ist wirklich ein tolles Video. Auch wenn es schon ein wenig spät ist, alles Gute für das neue...
- Ralf Hillmann: Da kann ich nur sagen, die Bezeichnung Video-Perle passt einfach perfekt. Da soll noch einmal jemand behaupten Werbung habe nichts...
- ralf schwartz: @Gerry K. Ich selbst rege mich immer am meisten über irgendwelche Tricks der Agenturen und Werbungtreibenden auf, aber die Angabe...

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Am 23. März 2009 um 16:47 Uhr
Es ist erschreckend, irgendwie. Ich fände es schlimm, gäbe es keine Zeitung im Papiersinne mehr. Eine elektrische Platte? Knistert die auch?
Aber irgendwann musste man ja auch von den Steinplatten Abschied nehmen…
So ist das mit der Zeit wohl.
Am 23. März 2009 um 17:17 Uhr
Ich hatte das schon bis zum Umfallen getwittert, aber im Web ist ja genügend Platz ;-) — einer der genialsten Einträge zum Thema Zeitung und Journalismus der Zukunft überhaupt, von Clay Shirkey. “Newspapers and Thinking the Unthinkable”.
Am 23. März 2009 um 17:25 Uhr
Auch für mich gehört die Zeitung eigentlich noch auf ‘s Papier, obwohl ich das eine oder andere Mal auch froh war die Schlagzeilen auf dem Blackberry lesen zu können, wenn die Zeit zum Zeitungskauf zu knapp wurde.
Abseits davon:
Aufgrund der in den letzten Wochen erneut ins Rollen gebrachten Paid-Content-Debatte werden in naher Zukunft professionelle Onlineberichterstattungen vielleicht weniger über das Netz verstreut sondern bleiben z. T. beim Medium, für das sie recherchiert wurden. Dadurch erhalten die Portale der Zeitungen & Zeitschriften im www eine höhere Wertigkeit, die sicher auch für den Leser von Bedeutung sein wird und die Identifikation mit dem jeweiligen Medium steigern kann.
Am 23. März 2009 um 17:49 Uhr
Was hier diskutiert (und gezeigt wird) ist doch in etwa die alte, bewährte Pferdedroschke mit Motor (statt Pferden) und zur Sicherheit mit Schaufel, Besen und Eimer zum Aufkehren von Pferdeäpfeln (für den Fall des Falles).
Eine elektronische Zeitung, die wie eine Papierzeitung aussieht, vielleicht auch noch raschelt, nach frischer Druckerfarbe riecht und die Finger schmutzig macht … so ein Unsinn!
China Mobil (Marktanteil 71,5 %) hat für 2008 u.a. 41 Mio. bezahlte Mobilezeitungsabo berichtet (für 110 Mobile Zeitungen) …
Am 23. März 2009 um 18:05 Uhr
@Hugo: China, Japan und andere asiatische Länder sind in diesem Markt deutlich weiter. Das stimmt und hat seine Historie sicher auch in der viel ausgeprägteren Mobile-Device-Kultur.
Allerdings kommt aus eben diesen Ländern auch die Innovation für “flexible displays” und epaper-Konzepte, die dem Medium “Zeitung” durchaus einen “klassischen” Charme geben sollen mit Layout, Typo und einer publikationstypischen klassischen Übersicht und Orientierung – kombiniert mit der Interaktivität und Richmedia-Angeboten des Webs.
Ich will jedenfalls nicht, dass alles, was es an Texten zu lesen gibt, zukünftig uniform in meinem Mäusekino-Feedreader als XML-Buchstabenlawine ankommt und ich weiß: Ich bin nicht allein…
Am 24. März 2009 um 14:19 Uhr
[...] vermutlich noch “newspaper” heißen wird, auch wenn sie gar nicht mehr auf Papier gedruckt [...]
Am 25. März 2009 um 09:33 Uhr
Stichwort: Mobile-Device-Kultur
Die hat sich erst entwickelt, weil Content- und Service-Provider Ihren Job gemacht haben und Mobiles e.g. in Japan alles mitbringen, was man zu einem erfüllten Mobile Leben braucht …
Stichwort: Mäusekino-Feedreader als XML-Buchstabenlawine
sie können die Templates natürlich je nach Stimmung und Laune anpassen – sprechen sie einfach mit ihrem mobile und sagen sie ihm wie es ihnen heute geht ;-). In der überfüllten U-Bahn beschränken sie sich auf dass Mobile Display, mit mehr Platz rollen sie ihr instant paper aus und wenn es im Büro oder Zuhause Platz gibt projizieren sie Text, Bild, Video, etc. auf eine dazu geeigete Fläche …
Am 28. März 2009 um 13:48 Uhr
[...] (Quelle: Werbeblogger) [...]