19.03.09
00:56 Uhr

Der Vater aller Trittbrettfahrer

Die Obama Action Figure war die Mutter aller Trittbrettfahrer. Der Vater aller Trittbrettfahrer hat sich nun vor ein paar Tagen auch gefunden. Und er ist aus Deutschland! Wenn ich vorstellen darf:

Obama Fingers
„Hähnchenfleisch in knuspriger Panade, mit Curry-Dip, tiefgefroren“

Die Story findet sich auf Spiegel Online International (eine deutsche Version ist davon meines Wissens nicht erschienen). Spiegel sagt, das Unternehmen Sprehe “has come up with a new product it calls ‘Obama Fingers’”, aber wenn ich mich nicht irre, gab es dieses Produkt bereits unter dem Namen “Sprehe Fingers”. Die Sales Managerin von Sprehe wird dazu wie folgt zitiert:

The idea, she claimed, was to get in on the Obama-mania which is continuing to grip Germany. The word “fingers” in the name refers to the fact that it is a finger food. “It’s like hotdogs,” Witting said. “No one would ever think they are actually from dogs.”

Weit gedacht. Spiegel endet den Artikel mehr oder weniger mit der Vermutung, daß dieses Produkt für in Deutschland lebende Amerikaner möglicherweise “racially insensitive” sein könne.

“Racially insensitive”. Schön gesagt.

Von Michael Saul erschien im New York Daily News ein Artikel mit dem Titel “Finger lickin’ furor: ‘Obama Fingers,’ Barack-branded fried chick fingers, spark anger”. (Sekunde, finger lickin’? Diese Querverbindungen werden allmählich unheimlich.)

Daraus:

Todd Shaw, assistant professor of political science and African-American studies at the University of South Carolina, said the stereotype is blatant and “broadly offensive” to African-Americans.

“This sends a shiver down the spines of Germans and Americans, given our interesting histories of race and racism,” he noted.

Völlig unabhängig davon, ob wir diese Meinung teilen: Es gibt Bereiche, zu denen auch Werbung und Marketing gehören, in denen es nicht darauf ankommt, wie etwas gemeint ist, sondern wie es bei Menschen ankommt, die gemeint sind. Auch das hatten wir kürzlich schon mal. Blödheit ist keine Entschuldigung, schon gar nicht im Tandem mit Trittbrettfahrerei. Aber auch bei Trittbrettfahrern läßt sich noch mal trittbrettfahren: Entsprechend stilsicher landeten Sprehes Obama Fingers beim Marken-Discounter Netto in der Yes-We-Can-Auslage.

Netto Yes We Can Wochen

Way to go.

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13 Kommentare

  1. friedrich

    Da hätte Netto wenigstens noch ein Tütchen McCain-Fritten beilegen können, dann wär’s wieder witziger geworden.

  2. ralf schwartz

    Und ich dachte, dies sei der Vater aller Trittbrettfahrer:
    “Althaus kopiert Obamas Webpräsenz” > tinyurl.com/ctb57q > WIESO KOPIERT? SEIT DEM FAHRLÄSSIGEN ZUSAMMENSTOSS DENKT ER, ER SEI OBAMA!

  3. Dr. Gonzo

    …und vielleicht noch etwas Kerry…äh..Curry-Ketchup von Heinz.

  4. neues aus der roiberhöhle - die trittbrett-obamas

    [...] weiß nicht, was ich schlimmer finden soll, die obama-finger oder die skilehrer-website… Verwandte [...]

  5. fhuber

    Interessant ist die Comment Diskussion in der New York Daily. Ausser den (fast schon zu erwartenden) Hitler-fingers Vergleichen schütteln viele den Kopf, sich darüber überhaupt aufzuregen.
    Aber nichtsdestotrotz ein ziemlich einfallsloses Produkt… Pff, Obama davor und Flagge dahinter…
    Warum nicht gleich noch auf die Abwrackschiene aufspringen?
    Bringen sie uns ihre alte Finger und sie erhalten den Obamafinger zu 25% billiger, yay :)

  6. AndreasK

    Der Vollständigkit halber möchte ich kurz drauf hinweisen, wer genau dieses Thema mit identischen Bildern noch vor allen anderen gebracht hat: Der von mir sehr gemochte Herr Lattmann
    lz-messeblog.de/latt...

  7. J. Martin

    @AndreasK Danke für den Hinweis, der tz-messeblog-Eintrag erschien vom Datum her in der Tat zwei Tage vor dem Spiegel-Artikel. Aber so richtig geschmackvoll finde ich die eine oder andere Textpassage dort nicht … Geschmackssache, wahrscheinlich. (Harhar.)

  8. AndreasK

    @ J. Martin: Jou, kann man drüber streiten. Aber dafür findet er solch neckische Anekdötchen in erstaunlicher Regelmäßigkeit.

    Apropos Schreibkunst: Mit Deinem Kommentar sagst Du indirekt “Das habe ich vorher aber nicht gesehen, ellich.” Na, Mattinn, dann wollnwa dat nochma so jlauben! *augenzusammenkneif*

    ;o)

  9. J. Martin

    @AndreasK Das liegt schlicht daran, daß ich – mit Ausnahme eines möglichen Pendants auf Spiegel Online — nicht nach deutschsprachigen Artikeln zu dem Thema gesucht habe.

    War vielleicht aber auch gut so, denn die, hm, Geschmacksachen in dem Eintrag hätte ich sicherlich etwas unnett aufgegriffen.

    EDIT Am 19. März 2009 um 23:15 Uhr
    Ein paar deutschsprachige Blogs durchzuklicken hätte sich aber gelohnt, wie ich nun sehe. Thomas Reiter fragt am 7. März, ob es in den Staaten wohl Merkel-Finger gebe, und No You Can’t vom 8. März amüsiert mich mit rhetorischen Superlativen wie „irrsinnigster Ranschmiss“ und „Krönung der Enthirnung“ und macht außerdem auf etwas aufmerksam, was mir gänzlich entging: Die in jeder Hinsicht völlig total komplett unpassende Golden Gate Bridge auf der Packung. Das ist doch mal einen Eintrag in meinen Feed-Reader wert.

    Einen besonders geistreichen und einen besonders bizarren Trittbrettfahrer hatte ich zwischendurch auch in den “Freshly squeezed”-Updates gepostet.

  10. J. Martin

    @AndreasK Sekunde mal, was soll das bitte heißen? Ich hatte ursprünglich verstanden, daß ich diesen (weder besonders schönen noch „vor allen anderen“ erschienenen) Blogeintrag nicht hätte übersehen sollen — ein Schuh, den ich mir hinsichtlich meiner eintragstypischen „Fleißarbeiten“ so gerade eben noch anzuziehen gewillt war.

    Aber jetzt begreife ich gerade, daß Du mir in Deiner dialektalen Umschrift unterstellst, ich hätte den Beitrag gelesen und unterschlagen. Bevor ich damit anfange, das ausgesprochen unverschämt zu finden, bitte ich um Aufklärung, wie ich das verstehen darf.

  11. AndreasK

    @ J. Martin Zum Thema “Fleißarbeit”: Du hast recht, ich war etwas enttäuscht von der Rechercheleistung. Lattmann war ja weder der Einzige noch der Erste, der drüber schrub – mal ganz abgesehen mal vom Spiegel.

    Und was meine Spitze betrifft: Ob du den Lattmann-Eintrag vorher gesehen hast, kann ich nicht sagen. Wegen der identischen Bildwahl wollte ich trotzdem nachhaken. Du hast geantwortet, dass Du vorher nirgends geschaut hast. Damit war die Sache für mich erledigt.

    Du hast in noch einer Sache recht: Es überkommt mich hin und wieder, ein bisschen unverschämt zu sein ;o)

    Wenn damit Deinem Verständnis nicht genüge getan wurde, freue ich mich über eine E-Mail.

  12. Frank

    Ist doch schön dem Präsidenten mal in den Finger zu beißen…
    Wird wahrscheinlich Osama Bin Ladens Leibspeise :-)

  13. Die Großmutter aller Trittbrettfahrer: Movistar “Yes Weekend” | Werbeblogger – Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Die Großmutter aller Trittbrettfahrer: Movistar “Yes Weekend”

    [...] Rahmen unseres Familienportraits Die Trittbrettfahrers möchte ich nach Mutter, Vater, Onkel und Tante nun auch die Großmutter vorstellen: Die “Yes Weekend” Promotion-Kampagne [...]

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Eure Kommentare

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  • ralf schwartz: @Markus Danke. Und: Interessant. In allen Altersgruppen? Eher von Männern oder von Frauen?
  • Markus: toller Artikel. “Erstmal zu Penny” ist für mich ein gutes Beispiel für einen erfolgreichen Slogan aus der jüngeren...
  • ralf schwartz: @Hen Du unterstellst also, da gäbe es noch Hirn!? Ich habe manchmal wirklich nicht mehr den Eindruck. Wenn man sich allein diese...
  • ralf schwartz: @Marcel Hast Du ein Blog? Kann man irgendwo die Arbeit lesen? Wäre doch bestimmt spannend …
  • ralf schwartz: @AndreasK @Armin Hehe, danke für die Links! Cool.
  • Hen: In diesen Kommunikations-Etagen scheint ein Virus umzugehen, der rasende Kopfschmerzen verursacht, sobald sich im Hirn ein eigenständiger...
  • Marcel: Interessanter Artikel. Ich bin auch der Meinung, dass hinter den angeblich so tollen Slogans nichts dahintersteckt. Wobei ich sagen muss,...
  • Sascha: Danke für den Beitrag, ein schönes Fazit – ich bin ganz bei Euch!
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