16.03.09
12:42 Uhr

Und erlöse uns von den Flecken

Wochenlang lag diese Anzeige für den Fleckenentferner “Vanish” von S4, Kraków, in meinem Feedreader in der Warteschleife, weil ich absolut keine Idee hatte, was diese Printanzeige mir mitteilen möchte:

vanish
Vanish Stain Remover: Confession

Heute morgen fiel endlich der Groschen — “Stain”, “Vanish”. Beichte. Polen. Okay.

Obwohl ich sonst das Werben mit Motiven aus dem Metaphernarsenal zeitgenössischer organisierter Mythen eher kritisch sehe, finde ich diese Anzeigenidee angenehm schlitzohrig. (Wann habe ich dieses Wort zuletzt gehört? Hm.) Und Polen gehört sicher auch zu den Ländern, in denen die Menschen nicht so lange über die Werbebotschaft grübeln müssen wie ich.

Nicht, daß dies meine allgemeine Einstellung gegenüber solchen Motiven und Metaphern ändern würde. Aber zumindest ist es mal was anderes als die ewigen Äpfel, Archen, Mönche, Nonnen!

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17 Kommentare

  1. Markus Roder

    Also ich weiss nicht… gerade aus neuropsychologischer Sicht sind Motive, die langer Überlegung bedürfen, eher als l’art pour l’art einzustufen.

    Kein implizites Verständnis = kein Priming = kein Abverkauf.

  2. Marcin

    jedoch wird in Polen wahrscheinlich nicht so lange darüber anchgedacht, da der Anblick eines Beichtstuhls den Menschen viel besser bekannt sein wird als Hierzulande…

    Der gehört wahrscheinlcih zum wöchentlichen Sontagsprogramm…

    ich persönlich wäre aber auch nicht auf Anhieb darauf gekommen.

  3. Sabrina

    Also ich wär auhc nich drauf gekommen…ob die Werbung wirklich effektiv ist… Ich bezweifel das!

  4. MF

    Den Hintergedanken finde ich genial. Nur dneke ich nicht das sooo viele Benutzer des Produkts so viel Zeit damit verbringen möchten dise Werbebotschaft zu verstehen. Einfach ist bei diesem Produkt definitiv besser!

  5. Torsten

    Hm, ich finde diese Werbung doof. Ich hätte vermutlich auch nach einer Stunde auf das Bild starren nicht erkannt, welcher Sinn und Zweck dahinter steckt.

  6. Sven

    Also ich weiß nicht was ihr habt, aber mir war es so fort klar:P
    Aber ist schon ein bisschen gerissen.

  7. friedrich

    Mir war das sofort klar – aber man muß das Produkt und seine Wirkweise gut kennen, sonst geht das nicht auf.

  8. mr.jay

    Ich finde es auch als protestantischer Mensch, zwar nicht ganz leicht, aber eingänglich verständlich dargestellt. Man sollte nartürlch das Produkt kennen. Super Idee.

  9. Mattäus

    Ich bin evangelisch und habe so etwas nur mal im Kino gesehen. Detroit Rock City glaub ich. Musste erst mal googlen, was das genau ist. Verstehe ich das insgesamt also richtig? Ich sitze im Beichtstuhl und mit Vanish reinige ich meine Seele nooch besser? Wenn das alles ist, warum fährt jeder so darauf ab? So toll ist das doch nicht. Man müsste irgendwie ein Ergebnis sehen.

    Oder ist in den Löchern etwas zu erkennen? Ich hab ja ewig draufgestarrt.

    Wenn mir was fehlt, bitte helft mir, ansonsten find ich es mehr als “Ads-of-the-world-standard-ich-klick-mal-weiter-vielleicht-kommt-mal-was-gutes”.

  10. friedrich

    Also, den Beichtstuhl habe ich ja sogar als Atheist sofort erkannt. Hat eher mit Tourismus als mit Glauben zu tun (zumindest für mich als Hamburger).

  11. Florian

    Und wie lautet der Text zur Anzeige?
    Vielleicht “Polish me” ?

    Im Ernst:
    Ich BIN katholisch.
    Aber deshalb finde ich die Verbindung von “Beichte” zu “Fleckenentferner” weder naheliegend noch besonders gerissen.

  12. friedrich

    Es ergibt sich doch ein breites Assoziationsspektrum von “sich reinwaschen” bis “sich die Hände in Unschuld waschen”. Konkret ist natürlich das Entfernen eines Sündenfleckes gemeint – Abbitte in der Dose für vergangene Verfehlungen an der Kleidung. Ich find’s recht amüsant. Ich find’s aber generell gut, wenn Witze auf Kosten der Kirchen gemacht werden.

  13. Ben

    Bin ich der einzige der bei Beichtstuhl, Kirche und
    Fleckenentferner an etwas GANZ anderes denkt?

  14. friedrich

    Vanish entfernt vor allem Flecken organischer Substanzen, also sind auch damit keine Probleme zu erwarten.

  15. Peter

    Also ich find die Werbung geil! hahaha

  16. martin

    netter kommentar, ben! da wäre ich nicht unbedingt drauf gekommen…

    ansonsten find ich das ding nicht wirklich gerissen oder clever. polen werden die symbolik recht schnell begreifen (93% bezeichnen sich als gläubige katholiken; 3sat,2001).
    die frage ist, ob es einen emotionalen bezug ergibt – mit mehrgewinn für das produkt? für mich fraglich.

  17. Hannes

    Hm, ich finde es auch nicht schlitzohrig, aber zumindest auch etwas “intelligenter” als die Ganzen platten Marketingbotschaften sonst. Rein werblich gesehen muss ich aber auch sagen, dass hier eine hohe Markenbekanntheit und Produktkompetenz vorausgestzt wird. Ob dieses Produkt das in Polen hat, vermag ihc icht zu sagen. Falls nicht, setzen 6.

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Eure Kommentare

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  • ralf schwartz: @Markus Danke. Und: Interessant. In allen Altersgruppen? Eher von Männern oder von Frauen?
  • Markus: toller Artikel. “Erstmal zu Penny” ist für mich ein gutes Beispiel für einen erfolgreichen Slogan aus der jüngeren...
  • ralf schwartz: @Hen Du unterstellst also, da gäbe es noch Hirn!? Ich habe manchmal wirklich nicht mehr den Eindruck. Wenn man sich allein diese...
  • ralf schwartz: @Marcel Hast Du ein Blog? Kann man irgendwo die Arbeit lesen? Wäre doch bestimmt spannend …
  • ralf schwartz: @AndreasK @Armin Hehe, danke für die Links! Cool.
  • Hen: In diesen Kommunikations-Etagen scheint ein Virus umzugehen, der rasende Kopfschmerzen verursacht, sobald sich im Hirn ein eigenständiger...
  • Marcel: Interessanter Artikel. Ich bin auch der Meinung, dass hinter den angeblich so tollen Slogans nichts dahintersteckt. Wobei ich sagen muss,...
  • Sascha: Danke für den Beitrag, ein schönes Fazit – ich bin ganz bei Euch!
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