10.03.09
12:22 Uhr

Kerlewerbung: Dies sind nicht die Organe, die wir meinen!

{lang: 'de'}

Reborn To Be Alive
“Becoming a donor is probably your only chance to get inside her.”
(Vollständige Anzeige hinter dem Link.)

Von Duval Guillaume, Brüssel, für die Organspenderstiftung „Re-born To Be Alive„. Auf salon.com im November als „WTF of the Day“ vorgestellt.

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll.

Lassen wir die Agentur mal sprechen:

Reborn to be alive is campaigning to make everyone aware of the fact he or she has to sign up. Also to a male target audience. That’s why we placed the following ad in P-magazine, Belgium’s leading male magazine.

Die Begründung ist schön: „Weil“ die Kampagne sich auch an männliches Publikum richtet, wurde diese Anzeige im führenden belgischen Männermagazin geschaltet. Okay. Und auch die Durchführung ist rundum gelungen. Wie der Kommentator „theodor“ auf der Agenturseite bemerkt: “where are her feet? donated? or at the same place as the idea, too low…” Und um das alles abzurunden, wird der Name der Stiftung — überhaupt, was für ein Name! — in der Anzeige anders geschrieben als auf der Website.

Ich würde sagen, diese Werbung leistet erstklassige Arbeit. Ich bin jetzt vollständig davon überzeugt, daß dies genau der Verein ist, dem ich schon immer die postmortale Verwaltung meiner Organe anvertrauen wollte.

Aber eigentlich ist das nicht lustig. Organspenden sind viel zu wichtig, um dieses unsägliche “opt-in only”-System in Belgien, Deutschland und anderswo auch noch mit schlechter Werbung zu unterfüttern. Wo sind die intelligenten Kampagnen für die Einführung eines Opt-Out-Systems?

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11 Kommentare

  1. Six

    Männermagazine, das sind doch die Heftchen für Typen, die sogar zu schüchtern sind, sich ein richtiges Porno zu kaufen. Auf die trifft die Anzeige doch perfekt. (Trollmodus aus)

  2. J. Martin

    @Six LOL so hab ich das Thema „Männermagazine“ noch gar nicht betrachtet.

    Aber heißt es nicht immer, Männer kaufen Männermagazin XYZ „für die guten Interviews und die tollen Artikel“? Dann wär’s doch wieder die falsche Klientel … ;-)

  3. Andi

    Achso…Organspende. Ich dachte erst, es geht um „ungewollt kinderlose Frauen“…

  4. J. Martin

    @Andi Stimmt — wenn der Blick nicht sofort zum Logo weiterwandert oder das Logo verdeckt ist. Diese Unschärfe war mir gar nicht aufgefallen.

    Noch ein Grund mehr, warum diese Werbung stinkt.

  5. Textguerilla! » Blog-Archiv » Gebt her eure Innereien!

    […] Gefunden beim Werbeblogger: […]

  6. Andrea Mayer-Edoloeyi

    Mag das Anliegen gut sein, aber die Umsetzung ist: sexistisch – und sonst nichts. Zielgruppengerechtigkeit hin und her, Sexismus bleibt Sexismus.

  7. M.

    Wo genau ist der Sexismus? Diese Anzeige sagt doch eher: „Hey, Loser, der du diese Anzeige in deinem Loser-Blatt betrachtest – du hast eh keine Chance bei tollen Frauen. Höchstens als Toter.“ – Ok, jetzt sehe ich den Sexismus doch… ;)

    Natürlich wird dieses Stück Werbung-der-Werbung-bzw-der-Awards-wegen niemanden davon überzeugen, Organspender zu werden. Aber sie könnte bei der hier explizit angesprochenen Zielgruppe zumindest für Aufmerksamkeit und vielleicht sogar für ein erstes Nachdenken über das Thema sorgen.

    Deshalb würde ich sagen: Mission accomplished, aber hallo.

  8. jahfaby

    Ich muss M. vollkommen recht geben. Also ich trage meinen Spendenausweis sowieso schon in der Tasche, aber ich muss sagen, ich finde die Werbung gelungen – ich musste schmunzeln. Zu sexistisch: Ist es nicht eher sogar das Gegenteil? Irgendwo wird ja jede andere „Nimm Das Deo / kauf das Ding und du wirst sexy“-Werbung persifliert. Und natürlich ist das Thema ernst, aber mir ist es lieber, einem ernsten Thema mit einem Hauch Augenzwinkern, statt mit Angst zu kommen:

    werbeblogger.de/2007...

    Und wie M. es ja auch gesagt hat, man sollte durch die Werbung zum nachdenken animiert werden und das schafft sie meiner Meinung nach auch.

  9. Thies

    Gab’s nicht in „Portnoys Beschwerden“ von Philip Roth diese berühmte Stelle, wo sich der Held mit einem Stück Leber im Wasserglas aufs Clo zurückzieht? Ich mein‘ ja nur….tät dann wieder passen, irgendwie…

  10. David

    Die Idee finde ich gut, wobei sich die Frage stellt ob es nicht frauenfeindlich ist ….

  11. Fiona

    Das ist nicht nur frauenfeindlich, sondern… organfeindlich. oder so.

Eure Kommentare

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  • Tina: Ist der Blog tot? Wäre echt schade
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