15:48 Uhr
Digital Native? Digital Immigrant? Digital Skeptic?
Ich bin kein Freund von Schubladen. Aber gelegentlich hilft es der ersten Orientierung, wenn man bestimmte Kategorien festlegt und beschreibt. Die gesamten Web-Nutzer der Welt in drei große Nutzertypologien zu ordnen, ist daher allenfalls ein erster Ansatz, um die Komplexität menschlichen Nutzerverhaltens bezgl. neuer Technologien und Netzapplikationen zu erfassen.
Auf der Webciety der Cebit verfolgte ich gestern ein interessantes Panel, (Aufzeichnung hier ab ca. Sprungmarke 1:56:00) welches diese Begriffe der “digital natives and immigrants” thematisierte. U.a. nimmt sich auch das Projekt DNAdigital dieser sozioökonomischen Verhaltensmuster an und erweitert das Thema mit einem plakativen Buchtitel:
In der Gesprächsrunde auf der Cebit-Webciety wurde zudem eine weitere Gruppe genannt: die Digital Skeptics.
Die Frage, die ich mir selbst beantworten wollte, ist natürlich in Folge: In welcher “Schublade” fühle ich mich am ehesten zu Hause?
Kapuzenpullis trage ich zwar selten bis nie, eher “Werberollis”, dennoch habe ich das Web bzw. Online-Kommunikation seit den ersten PCs mit Akustikkoppler begleitet und aktiv genutzt, privat und beruflich. Trotz meiner ersten grauen Haare bin ich -so betrachtet- also ein echter Digital Native. Ich liebe es, den Nutzen und Sinn neuer Gadgets, Applikationen und Plattformen zu erforschen, ganz so wie Patrick es in einem Beitrag auch als “neophil” beschreibt und auch gelegentlich mit “early adopter” kategorisiert wird.
Aber ich absorbiere sicher nicht alles mit vorbehaltloser Begeisterung, was mir so als “innovativ” und “neu” vorgesetzt wird. Außerdem kann ich mich tatsächlich noch an mein frühes Berufsleben erinnern, das vollkommen ohne das Web auskam, schlicht weil es noch gar nicht existierte. Typischerweise nehmen Digital Natives aber die vernetzte Welt quasi “mit der Muttermilch” auf – so betrachtet falle ich schon fast wieder aus dem Raster.
Bin ich also doch eher ein Digital Immigrant?! Schließlich bin ich mit dem Wachstum des Web aus der Offline-Welt Schritt für Schritt in die Online-Welt “eingewandert”. Betriebssyteme z.B. hatten in ihren Kinderschuhen keine grafische Benutzeroberfläche; ich musste also auch so vor 25 Jahren “lernen”, wie eine Maus bedient wird. Mein Sohn hingegen hat seine ersten Mausbewegungen gemacht, bevor er laufen konnte – soweit ich mich erinnere :-).
Oder bin ich gar ein Digital Skeptic?! Ich hinterlasse ungern überall meine digitalen Fußspuren, nur um mal wieder bei dem Xten Social Network mit dabei zu sein. Ich glaube auch eher an die Kraft der realen Welt, an direkte und persönliche Begegnungen und Gespräche. Dabei weiß ich bestimmte Tools und Applikationen im Web sehr zu schätzen, aber sie sollen bitte meinen sozialen und beruflichen Kontakten praktisch dienen und nicht ein sich selbst beschleunigender digitaler Zeitfresser sein. Ich bin auch definitiv kein “Socialmidealist“, der das gesamte Heil der Kommunikationsbranche ausschließlich bei Twitter, Blogs & Co sieht…
Wer bin ich also?! ;-)
Und wie würdet ihr euch verorten?
Verwandte Artikel
14 Kommentare
Einen Kommentar schreiben
- Fabian: Über die großartige Idee möchte ich gar nicht streiten, aber an der Umsetzung wurde meiner Meinung nach gespart. Lassen Sie sich nicht von...
- Nico Düsing: Löst das noch jemand auf?
- J. Martin: @hobbystatistiker Dein Kommentar in Youtube-Qualität — und unter Mißachtung all dessen, was Roland und ich bereits zum Thema...
- hobbystatistiker: Allmählich ist das ein Gadget-und I-irgendwas-Blog und ihr solltet euch Gadgetblogger nennen. Statt Werbeblogger. Das Geplänkel...
- Bastian: Erst mehr oder weniger aufwändig eine eigene Welt & Story erschaffen und dann auf der Microsite doch ganz banal auf die...
- Georg: Guter Artikel! Ich glaube übrigens nicht, dass das Messen des RoI lediglich eine Schwierigkeit bei Social-Media ist. Schon immer gab es...
- Malik: Die Slow-Media Idee ist ja schon ganz gut durchdacht und auch jetzt nichts so revolutionäres. Multitasking ist ja in gewisser Weise auch...
- ralf schwartz: Ich auch. Vor allem sollte man hier die Chance nutzen, den RoI/E zu überdenken und die Erkenntnisse auf die Erfolgsmessung der...

Deutsche Werbe-/Medienblogs
- Agenturblog
- Aisberg
- Automobil Blog
- basd-art.de
- Beers and Ideas
- Bernd Röthlingshöfer
- Blindtext Blog
- Blog von Gwinner
- Cem Basman
- Clap-Club
- Clickpunkt 7
- Connected Marketing
- Creating Tomorrow
- Customer of Hell
- Datenschmutz
- Datenvandalen
- Digital Conversation
- Ferryblog
- Filmjournalisten.de
- Fischmarkt
- Flussaufwärts
- Fontblog
- Fridaynite
- Geistesblitz
- Guerilla Marketing Blog
- i-fekt Blog
- Ingo Kaestner
- iStammtisch
- Jenriks24phoetry
- JvM/Neckar
- Kreisrot Rundschreiben
- LPMDESIGN Weblog
- MADVERTISING
- Markentechnik Blog
- Marketing Oase
- Massenpublikum
- Medienvirus
- Mobile Zeitgeist
- Neukunden-Magnet
- Nico Zorn
- Nino Worldwide
- Off the record
- OnetoBlog
- Out of office
- Pimp my brain
- Pixelsebi
- praegnanz
- reine Formsache
- Reklame
- seoFM
- Sichelputzer
- Sloganmaker
- SOS SEO
- The missing Link Agenturblog
- Tischthema TV
- VisualBlog
- Werbewahn
- Werbewunderland
- Zielpublikum
- Zorno
- Zweieintel
Englische Werbe-/Medienblogs
Evergreens (teilweise Off-Topic)
Web 2.0 Blogs
Werbeblogger Autorenlinks




Am 5. März 2009 um 20:55 Uhr
Interessante Frage, die ich mir letzten Juni auch schon gestellt habe – und bis jetzt habe ich keine Antwort gefunden :-)
Bin ich ein digital native? injelea.de/plog/blog...
Am 5. März 2009 um 20:58 Uhr
Wieso müssen manche Menschen eigentlich immer alles in ein Schema pressen?
Am 5. März 2009 um 22:08 Uhr
Bin digital hans wurst
Am 5. März 2009 um 23:05 Uhr
Digital Natives sagen Digital Skeptic zu mir.
Digital Immigrants bezeichnen mich als Digital Native.
Und den Skeptics ist eh alles viel zu Digital.
Irgendwo zwischen diesen Schubladen kann man mich finden. In der Regel aber immer mit beiden Beinen auf der Erde und in der Wirklichkeit ;-)
Am 6. März 2009 um 06:58 Uhr
Schlagworte sind gut, weil einen Einstieg bieten und oft eine Diskussion anheizen :-)
Durch diese Schlagworte und den Hype darum sprechen auch Verantwortliche in Unternehmen über die Themen, die es ansonsten nicht tun würden.
Letztendlich sind die Schlagworte wie Schubladen ohne Boden; man öffnet eine Schublade und sieht plötzlich, was alles in dem Schrank ist – und der hat oft keine Rückwand :-)
@uknaus Mir geht es genauso. Ich komme mir eher vor wie ein Wanderer zwischen verschiedenen Welten. Eine der Welten ist allerdings die der Digital Denier; die bekommen wir aber auch noch :-)
Und um mich zu verorten und eine weitere Schublade aufzumachen…
Ich bin ein Digital Silver – Silber im Haar und Bits in den Knochen :-)
Am 6. März 2009 um 10:39 Uhr
Obwohl die in der Podiumsdiskussion genannten Begriffe sicher interessant sind (gehen sie doch auf die gleiche Abgrenzung die ich als Cebit-Besucher erlebe – ich als Pulliträger gegenüber den Anzugträgern; eine kaum zu überwindende Kluft in der Akzeptanz), fühlte ich mich im Verlauf der Diskussion doch deutlich unwohl.
Nicht nur weil es kaum einen roten Faden gab, alte Herren der Anzugfraktion fast wahllos Begriffe des Web 2.0 in den Raum schleuderten; sondern auch weil schon die Wahl der Worte native und immigrant auf die vorhandene Diskriminierung deuten – nur hier in der Bedeutung verkehrt: das Business sieht sich als ‘immigrant’ und fühlt sich überaus wohl in der Rolle. So reden sie vom Recruitment der Kapuzenträger – und behandeln sie doch wie Bauern im Kampf um die Internetöffentlichkeit.
Da fühlt man sich, als würde einem wohlmeinend vom Vater der Kopf getätschelt werden, dass man nun auch endlich im Business angelangt sei. Arroganz und Elite schwebten im Raum.
Vielleicht auch nur mein persöhnliches Gefühl – überhaupt war ja die Webciety-Halle eher eine ernüchterne Veranstaltung (bei der ESL in der Intel-Halle kam mehr Internetaffinität rüber).
Ich selbst übrigens bin zu jung um ‘immigrant’ zu sein, bin aber zu sehr ’sceptic’ um ‘native’ zu sein – hab ich doch noch immer eine Abscheu vor Twitter und sitze Trends lieber aus bis sie effektiv ihren Sinn offenbaren.
Und schließlich: die Leute auf der Bildschnittkanzel waren sichtlich gelangweilt von der Veranstaltung und haben sich lieber mit Skype die Zeit vertrieben.
Am 6. März 2009 um 11:47 Uhr
@Thomas: “Arroganz und Elite schwebten im Raum”.
Ja, es ist leider immer noch so, dass die Menschen sehr über ihr Äußereres in Schubladen gesteckt werden. Es gibt übrigens auf der remix09 keinen Dresscode, würde mir aber wirklich wünschen, dass wir gemeinsam auf allzu strenge Anzugformen über alle Gäste hinweg verzichten können. Muss ja alternativ nicht gleich der Schlafanzug sein, den man bequemerweise gleich anbehält :-).
Arroganz ist defintiv eine Haltung, die sich auch unsere Branche zügig abgewöhnen muss, auch wenn gerade den Werbern und Kreativen -nicht immer berechtigt- eine gewisse Eitelkeit und Überheblichkeit nachgesagt wird.
Es ist genau diese Haltung “von oben herab”, die übrigens in der Finanzbranche, aber auch in der politischen Kultur einen Großteil der aktuellen Entwicklungen rund um die Finanz- und Wirtschaftkrise erst ermöglicht hat. Sollte uns nachdenklich machen und vor allem einen Lernprozess auslösen.
Am 6. März 2009 um 18:30 Uhr
ich bin ein digital NAIVE ohne “t” – ich finde nämlich immer gleich alles digitale sofort ziemlich toll…;-)
Am 8. März 2009 um 15:36 Uhr
Ich bin der alte Mann, der vom Balkon herunter schimpft, dass die Webciety nicht mehr das ist, was sie mal war! :).
Jetzt fehlt nur noch der Digital Dorftrunkenbold.
Am 9. März 2009 um 09:18 Uhr
[...] auch erwaehnung und sogar einzug in das alte, geliebte spiel kategorisierung wie der werbeblogger berichtet. digital, ja. aber native, immigrant oder sceptic ist die frage. ich selbst sehe mich da zwischen [...]
Am 30. März 2009 um 01:51 Uhr
[...] Digital Native? Digital Immigrant? Digital Skeptic? Gespeichert unter: Artikel am 30. März 2009 um 02:50 Uhr [...]
Am 20. Mai 2009 um 15:37 Uhr
Ich würde sagen: Digital Immigrant. Das mag vielleicht etwas “abwertend” klingen, ist aber – hoffentlich – nicht so gemeint. Ich selbst bin tatsächlich mit dem PC aufgewachsen, daher auch “Digital Native”. Ein Native ist ein Eingeborener. Und das zählt nun mal von Kindheit an. Viele würden sicher gerne “dazu gehören”, aber das zeigt in meinen Augen das falsche Verständnis der Begriffe: Hier geht es nicht um “gut” und “schlecht”, sondern um “anders”. Und diese Unterschiede sind doch auch irgendwie gut so.
Vielleicht bist du ja auch ein Brückenbauer zwischen zwei Generationen, die im Web zueinander finden müssen. Das wäre sehr schön sowie sinn- und wertvoll.
Am 11. September 2009 um 13:09 Uhr
Interessanter Bericht. Ich denke, das ich eine Mischung aus Digital Skeptic und Digital Immigrant bin. Also quasi ein Digital Immitec oder Digital Skepgrant.
Am 4. Februar 2010 um 10:20 Uhr
Sehr amüsant: auf NANO kam eben ein Beitrag über genau dieses Schubladendenken im Bereich Internet. Und ich bin der Meinung, ich bin ebenfalls eine Mischung aus Digital Skeptic und Digital Immigrant. Vielleicht sogar Digital Founder…