27.02.09
11:15 Uhr

Werbung in der Zigarettenschachtel

Seit Frühjahr vergangenen Jahres gibt es einen Webservice von Reemtsma mit Namen “Smoke-Spots“, der Restaurants, Kneipen, Bars etc. aufführt, in denen das Rauchen (z.B. in geschlossenen Nebenräumen oder einem eigenen Außenbereich) noch erlaubt ist. Zu meiner Überraschung fand ich bei Öffnung meiner letzten Schachtel Zigaretten ein kleines Werbezettelchen vor, welches auf den Dienst aufmerksam macht. Die Zielgruppe ist damit schon einmal perfekt erwischt, soviel ist klar, denn diese Art von Werbung dürfte wirklich nur die Raucher erreichen, bzw. diejenigen Werbeblogger, die davon berichten :-).

Die Aktion ist auch deswegen bemerkenswert, weil sie -theoretisch- Reemtsma die Möglichkeit eröffnet, einen weit verbreiteten und relativ aufmerksamkeitsstarken speziellen Werbeplatz zu vermarkten. Die Frage ist nur: Dürfte Reemtsma das formaljuristisch tatsächlich so praktizieren? Könnten Raucher z.B. zukünftig auch kleine Werbe-Inlets von Biermarken in ihren Zigarettenpackungen vorfinden? Kann der Tabakhersteller den “inneren Teil” der Verpackung eigentlich vollkommen frei auch als Werbefläche gestalten und nutzen?!

Die Werbung selbst ist übrigens eher durchschnittlich und simpel nach den bekannten Mustern gestrickt: Glückliche Menschen rauchen und trinken in geselliger Runde und als schenkelklopfende Zugabe liest man unter dem Bildmotiv:

“Alle frieren vor der Kneipe, nur nicht Finn, der raucht drin!”

(Ein kleines Photo habe ich auch gemacht, allerdings ist die Kamera-Qualität des iPhones besonders bei Nahaufnahmen unterirdisch schlecht.)

Das Promotion-Video für Smoke-Spots ist allerdings auch nicht so richtig “aus dem Quark gekommen”, bei gerade einmal rund 3500 Views innerhalb eines Jahres. Kein Wunder, oder?

Keine Tags vorhanden

11 Kommentare

  1. andreas

    Hmmm, ja der Spot is seeeehr laaaang geeeezooogeeeen …
    aber die platzierung eben jenes Internetservices in der Zigarettenschachtel selber find ich klasse gelöst. Wie war das: am besten werbe ich für eine neue Zahnbürste beim Zahnarzt im Behandlungsraum, wenn ich gerade einmal wieder die Diagnose Karies bekomme bin ich für der artige Werbung ja am empfänglichsten.

    Andere Werbung in der Zigarettenschachtel finde ich allerdings dann überflüssig, erinnert ein bisschen an diese amerikanischen Milchtüten mit den Vermissten – Bildern, woebi die allerdings wiederum schon gut sind.

  2. christian stuhlmann

    Gauloises-Raucher haben diesen Beipackzettel schon öfters erhalten, ganz ohne Aufpreis :-) allerdings nur Gauloises-Eigenwerbung.

    Vor Zeiten des Warnhinweises, der mittlerweile die halbe Packung mitgestaltet, hatte ich den Gedanken, die Rückseite könnte sich doch hervorragend als Werbefläche vermarkten lassen – die Marke vorne drauf reicht ja schliesslich. Damals dachte ich, ideales Format für Monats-Zeitschriften, sicherlich eine logistische Herausforderung das zeitlich abzustimmen, aber denkbar.

    Jetzt steck ich mir erstmal eine an :-)

  3. bernard

    ‘Kann der Tabakhersteller den “inneren Teil” der Verpackung eigentlich vollkommen frei auch als Werbefläche gestalten und nutzen?!’

    Wieso sollte er das nicht dürfen?

  4. Roland Kühl-v.Puttkamer

    @bernard
    Je nach Ausgestaltung kann ich mir theoretisch schon Ausuferungen vorstellen, die abmahnfähig wären ;-)

  5. Tom

    Aus eigener Erfahrung – ich habe mal für einen Zigarettenetat gearbeitet – weiß ich, dass die sogenannten “Inserts” starken Restriktionen unterliegen. Die Restriktionen stammen hauptsächlich aus Verordnungen, die sich die Tabakindustrie zum Schutz der Nichtraucher selbst auferlegt hat.

    Man durfte dem Konsumenten zum Beispiel keinerlei Anreize zum Sammeln dieser Inserts geben. Was eine Vielfalt quasi ausschloss. Genauso wurden die Inserts immer nur aus dem Grund freigegeben, um neue Produkte aus der eigenen Range zu promoten. Die Texte darauf mussten immer einer Art Inhaltsangabe gleichen und durften nur bedingt “unterhaltsam” oder “imageprägend” sein. Ein reines Informationstool quasi.

    Aus meiner Erinnerung entnehme ich, dass es eigentlich jedes mal einem feinsemantischen Strategiespiel glich, solche Inserts bei den Konzernjuristen durchzubekommen.

    Wie dieses Insert hier zustande kam, kann ich mir nur dadurch erklären, dass smoke-spots.de als direktes Produkt von Reemstma deklariert wurde und es so durchging. Oder sie haben die Regeln geändert. Aber diesen Kanal weiterzuentwickeln, gar zu einer vermarktungsfähigen Werbefläche, halte ich für ein aussichtsloses Unterfangen.

  6. AndreasK

    @Roland: Hoffen wir, dass es wirklich die “letzte Schachtel Zigaretten” war ;o)

    Guter Service, diese Spots-Website. Ich habe mir, seit ich Nichtraucher bin, ernsthaft Gedanken dazu gemacht, ob ich einen Auftrag aus der Tabakindustrie ruhigen Gewissens bearbeiten könnte.

  7. Patrick

    Rolli!? Letzte Schachtel Kippen?

    Ich drücke dir die Daumen! Du schaffst das! Denke aber auch parallel gleich mit an die Fettdeprogrammierung. Die Rache könnte nämlich süß werden! ;-)

  8. Johnny

    Ich habe mal das Buch „Fröhlicher Nichtraucher“ gelesen. Drei Tage war ich fröhlich. Danach war ich wieder fröhlicher Raucher. Und ganze sechs Monate habe ich es sogar mit dem Buch „Endlich Nichtrauchen!“ geschafft. Nur heute heißt es wieder: Endlich wieder rauchen.
    Ich wünsche dir viel Erfolg.

    Zum Thread: Der Spot ist, pardon, beschissen. Erinnert mich an ein Briefing aus einem Adventure-Game für Nintendo. „Diese Aufgabe musst du lösen, dann bekommst du …“
    Die Hintergrundmusik bestätigt meinen Verdacht.
    Warum geht es nicht kürzer, knackiger?

    Für mich ist diese Art der Werbung klassisches Trojanisches Marketing. Die Idee ist gut, gefällt mir.

  9. Roland Kühl-v.Puttkamer

    Ähem, der Hinweis auf die “letzte Schachtel” sollte nicht ein Hinweis auf die letzte Zigarette sein :-)
    Aber danke für die guten Wünsche. Ich nehme sie im Geiste mit für den Tag, an dem ich tatsächlich mal das Rauchen einstellen sollte.

    @Tom. Danke für die Hinweise. Mir war nämlich auch so, dass diese Werbe-Inlets mit ziemlichen Auflagen verbunden sind…

  10. Timm

    Als Lucky-Raucher bin ich ohnehin begeistert von deren Werbung… Aber bei deren “Inlets” sind die Texter absolut grandios.

    Dass es Restriktionen innerhalb der Industrie gibt, verwundert mich. Als Werbefläche für Merchandise, “smokerspots” oder ähnliches halte ich sie schon fast für prädestiniert. Darin Werbung für Ikea zu finden fände ich im GGS schon strange ;)

  11. Andreas

    Also Lucky-Strike macht mit Abstand die beste Zigaretten-Werbung

Einen Kommentar schreiben

Eure Kommentare

Feed
  • ralf schwartz: @Markus Danke. Und: Interessant. In allen Altersgruppen? Eher von Männern oder von Frauen?
  • Markus: toller Artikel. “Erstmal zu Penny” ist für mich ein gutes Beispiel für einen erfolgreichen Slogan aus der jüngeren...
  • ralf schwartz: @Hen Du unterstellst also, da gäbe es noch Hirn!? Ich habe manchmal wirklich nicht mehr den Eindruck. Wenn man sich allein diese...
  • ralf schwartz: @Marcel Hast Du ein Blog? Kann man irgendwo die Arbeit lesen? Wäre doch bestimmt spannend …
  • ralf schwartz: @AndreasK @Armin Hehe, danke für die Links! Cool.
  • Hen: In diesen Kommunikations-Etagen scheint ein Virus umzugehen, der rasende Kopfschmerzen verursacht, sobald sich im Hirn ein eigenständiger...
  • Marcel: Interessanter Artikel. Ich bin auch der Meinung, dass hinter den angeblich so tollen Slogans nichts dahintersteckt. Wobei ich sagen muss,...
  • Sascha: Danke für den Beitrag, ein schönes Fazit – ich bin ganz bei Euch!
Adscene: The Kaiser Report
Werbeblogger Late Night Podcast
Werbeblogger Podcast auf iTunes abonnieren



Wordpress-Blogsoftware
blogoscoop