18.02.09
12:13 Uhr

Barry Schwartz: Das Kultivieren der sozialen Kräfte

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Täusche ich mich, oder rücken viele Menschen in diesen Zeiten wieder etwas näher zusammen? Intensive und reflektierte Gespräche häufen sich jedenfalls gerade in meinem Umfeld, dazu eine wachsende Bereitschaft trotz Rezession, auch ohne direkte Geldbelohung an Aktivitäten zu partizipieren, die Sinn stiften können.

Barry Schwartz stellt in seinem herausragenden Vortrag bei TED fest, dass viele dieser sozialen Kräfte, die Menschen in sich tragen und die zur Entfaltung kommen wollen, durch ein überstrapaziertes Regelwerk an Bestimmungen und Auflagen auch im Umfeld von Arbeitsplatzbeschreibungen nur sehr eingeschränkte und eindimensionale Handlungsspielräume für die Menschen bietet, das „Richtige“ zu tun.

Stattdessen werden Menschen zunehmend in ein bürokratisches und überökonomisiertes Korsett gezwängt, welches ihnen allenfalls die Möglichkeit lässt, die Dinge im Sinne der Vorgaben „richtig“ zu tun -Dienst nach Vorschrift eben-, womit eine Gesellschaft allerdings keine herausragenden Dinge mehr entwickeln und zur Entfaltung bringen könnte.

Barry Schwartz hält ein Plädoyer für die „gute Seite“ des Menschen. Er erklärt auf Basis von konkreten Beispielen, dass die Menschen zu durchaus mehr Eigeninitiative, natürlicher Freundlichkeit, sozialer Fürsorge und Empathie in der Lage sind, als wir es ihnen üblicherweise im Zuge überzogener Kontroll- und Überwachungsmaßnahmen als Bürger und Beschäftigte zutrauen.

Diese praktische Weisheit (practical wisdom) ist für Schwartz der Schlüssel für den Weg aus der Krise. Nicht Incentives bzw. gegenständliche Belohungen (siehe die aktuelle Diskussion über Bonussysteme) seien zielführend, im Gegenteil, sondern die Konzentration und das Vertrauen darauf, welche sozialen Fähigkeiten die Menschen in sich tragen, die auch in einem ökonomischen Umfeld der Schlüssel zu Erfolg und Erfüllung sind.
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We must ask, not just is it profitable, but is it right.
-Barack Obama (18.12.08)

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9 Kommentare

  1. Markus Roder

    Well said :)

  2. ralf

    Leider rücken zwar einige, aber noch nicht die richtigen, enger zusammen. Politik und Wirtschaft ziehen sich gerne auf Regeln, Buchstaben und Paragraphen zurück – und nutzen diesen Drang zur Regel beim Volke gerne aus. Widersprechen sich gar und niemand merkt es und niemanden interessiert es.
    Daher kann man diesen Vortrag nicht weit genug distribuieren.

  3. Wiro

    Barry Schwartz drückt hier einen Geist aus, der in unserer Gesellschaft leider zu kurz kommt. Es wäre schön, wenn man die Emanzipation des Menschen weiter voranbringt. Ohne Aufklärung und Moderne wären wir geistig und ökonomisch immer noch im Mittelalter.

  4. Spons Bob

    Danke für den Post. Sehr inspirierend und bestärkend. Keep it real!

  5. Differenzierung mit Kraft und Stoff | Werbeblogger - Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Differenzierung mit Kraft und Stoff

    […] die den Verbraucher glaubwürdig an die eigene Zapfsäule locken und dazu noch einen tieferen Sinn stiften könnten? Oder sind diese Maßnahmen eigentlich nur Greenwashing aus der […]

  6. Ethik und Moral in der Werbung | Werbeblogger - Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Ethik und Moral in der Werbung

    […] Wo zieht jede Agentur, jeder Berater, jeder Arter oder Texter ihre/seine Grenze?! Was bedeutet der Satz von Präsident Obama auch für die Kommunikationsbranche? “We must ask, not just is it profitable, but is it […]

  7. Pete

    aber dann geht auch raus und lebt es! es bringt nichts, wenn wir diese sache nur wieder institutionell betrachten und sagen „es ist ein verdammt guter beitrag“!

    dann lasst diesen beitrag etwas reales sein! geht raus und merkt es und seht es und setz es um bei jedem den ihr jetzt im nächsten moment nach dem ihr das gelesen habt begegnet!

    ansonsten sind es alles wieder nur irgendwelche vokabeln, die uns zwar faszinieren uns aber wieder kein stück näher bringen..

    spitzen beitrag! verschicken, rumerzählen, drüber reden!

    zu empfehlen kann ich auch noch richard rorty! wem dieser name noch nichts sagt: googelt ihn! lest „kontingenz, ironie und solidarität“! da findet man genau solche vokabulare!

  8. Hamburger Mark

    Gerade stolpere ich über ihn, über Barry Schwartz … und damit über den Werbeblogger! Bin begeistert!

  9. Telstra Social Media Guidelines: Respect, Responsibilty & Representation | Werbeblogger – Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Telstra Social Media Guidelines: Respect, Responsibilty & Representation

    […] ob sie ihren Mitarbeitern auch beim Umgang mit Social Media vertrauen, wie sie ihren Mitarbeitern auch sonst vertrauen und sie weitreichende Entscheidungen treffen lassen, ihr eigenverantwortliches und vorausschauendes […]

Eure Kommentare

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  • Detlef Arndt: Als Marketing Experte müsste man auch wissen, warum das so ist. Angebot und Nachfrage sind hier nicht im Einklag. Klare Sache. Daher...
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