17.02.09
10:40 Uhr

Ist in Arbeit

Das Problem des Aufschiebens erinnert mich immer an einen halberinnerten Sketch von Dave Allen: Irgendjemand, ich weiß nicht mehr welcher Nationalität, erzählt vom Leitmotiv seines Landes „Was du heute kannst besorgen, das verschieb getrost auf morgen“ und fragt dann den Iren Dave Allen: „Aber sagen Sie, haben Sie in Ihrem Land nicht auch ein ganz ähnliches Leitmotiv?“ Worauf Allen antwortet: „Schon, aber wir besitzen längst nicht Ihr ausgeprägtes Gefühl für Dringlichkeiten.“

Ich persönlich bin nicht der typische Aufschieber, aber auch mir passiert es. Aufschieben kann viele Gründe haben, von Angst bis Faulheit. Gerade auch im kreativen Bereich ist es nicht selten ein Problem. Die Angst vor der leeren Seite gehört hier ebenso dazu wie ein Phänomen, das ich an mir selbst erlebe: Ich schiebe es schon mal auf, mich mit den Details für ein neues Projekt vertraut zu machen, weil ich (wie fast immer) reflexartig als allererstes denke „hier endlich ist es, das Projekt, an dem ich scheitern werde“ — ein Thema, das auch in unserer letzten Kuschelkautsch zur Sprache kam.

Meiner Erfahrung nach ist das Aufschieben wichtiger Arbeiten gerade auch im Werbe- und Marketing-Bereich endemisch. Es ist bloß nicht offensichtlich. Denn das Aufschieben wird oft verdeckt von parallel ablaufenden Projekten und multiplen Deadlines, und für das Verschieben bestimmter Arbeiten liegt die Rechtfertigung des Arbeits-Overloads immer nah und klingt plausibel. Wir schieben nicht auf. Wir haben bloß keine Zeit!

Mangelndes Zeitmanagement ist hierbei natürlich auch ein Problem. Aber einen Rüffel für schlechtes Zeitmanagement stecken wir immer noch besser weg als einen Rüffel fürs Aufschieben. Zumal ein Zeitmanagementrüffel ja auch nie so richtig harsch ausfallen kann, wenn man und frau zur Nachtzeit noch am Schreibtisch brütet. Ich bemüh mich ja! Der Tag hat nur 24 Stunden!

PsyBlog’s Jeremy Dean hatte kürzlich einen netten Eintrag zum Thema Aufschieben und auch einen Link zu einer Arbeit von Piers Steel zur Psychologie des Aufschiebens und seiner Geschichte vor und nach der industriellen Revolution (hier als PDF). Aber auch der PsyBlog-Artikel selbst ist nett. Nichts Umwälzendes, aber doch Nützliches für alle, die mit dem Aufschieben Probleme haben.

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9 Kommentare

  1. Simon

    Danke für diesen Beitrag und die Informationen. Endlich spricht es mal jemand an.

    Grüße
    Simon

  2. Beginner

    Müsste mir eigentlich Konzepte ausdenken. Surfe aber schon zum wiederholten Male heute auf werbeblogger.de

  3. MF

    Aufgeschoben werden meist “weniger eilige” Aufgaben. Da in der Werbebranche, bei mir im speziellen die Druckbranche, beinahe jede zweite “Sache” als EXTREM EILIG eingestuft, bzw. vom Kunden vorgegeben wird, lassen sich Aufschübe nicht verhindern. Diese können dann so groß werden das wieder mal ein Sonntag, Feiertag oder Urlaubstag daran glauben müssen :)

  4. Andi

    Ich würde mal behaupten, 90% derjinigen, die diesen Beitrag gerade gelesen haben schieben dadurch irgendetwas auf… :-D

  5. MF

    Stimmt – die Mittagspause ;)

  6. bulldrinker

    LOL Stimmt, irgendwie war heute genug Kleinzeugs da um die großen Sachen zu verschieben :-D

  7. yuengling

    Ja, da sprecht ihr was richtiges an. Manchmal wundere ich mich nach Erledigung der permanent aufgeschobenen Aufgabe, warum ich mich so lange vor ihr gewehrt habe. Ergo: einfach anfangen ohne Rücksicht auf Ablenkungen und keine Ausreden zulassen!

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  • ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
  • sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
  • iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
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