10:04 Uhr
1996: Die Zahl des Antispots
Auch wenn ich über die Modelle und Visionen der drei großen amerikanischen Autohersteller bekanntermaßen voller Enthusiasmus bin, untertrifft dieser 1996er Werbespots für den General Motors (Electric Vehicle) EV1 noch meine niedrigsten Erwartungen. Ein Spot, der Werbegeschichte schreibt, wie ich finde:
General Motors EV1 TV Commercial 1
Hal Riney & Partners (seit 1998 Publicis & Hal Riney)
Gestreckt-verzerrte menschliche Schatten, die nicht nur unheimlich anmuten, sondern auch (und nicht nur mich) an die Asche-Silhouetten in Hiroshima-Dokumentationen erinnern, dazu das verängstigt-zittrige Voice-Over. Wie Ben Popken es in seinem Artikel auf Consumerist ausdrückt, “This was like a trailer for a sequel to The Ring”:
Elongated shadows of a family spill across across pavement at a canted angle while a spectral chorus moans in the background. “How does it go without sparks or explosions?” asks the voice over. Right when it says “explosions,” the camera moves in on the baby carriage shadow. Then it fades to black, and when it fades back in, near where the baby carriage was there’s an explosiony-looking pock-mark on the ground.
Und die letzten Worte des Spots, untermalt von dem beunruhigenden Geräusch einer Butangas-Zündung, lauten: “It isn’t coming. It’s here…” Woran erinnert euch das? Ich als SF-Fan weiß jedenfalls, woran es mich erinnert …
Die Hintergrundstory ist kurz umrissen. Die kalifornische Regierung erließ, um ihre galoppierende Umweltverschmutzung in den Griff zu kriegen, 1990 ein Gesetz bzw. eine Art Verfügung, daß die sieben größten Autohersteller in 1998 zwei Prozent und in 2003 zehn Prozent ihrer Autos als “Zero Emission Cars” auf den Markt zu bringen hätten.
Die Japaner stürzten sich darauf mit Eifer. General Motors nicht so sehr. Der EV1 wurde halbherzig entwickelt (rheinländisch hieße das, glaube ich, „mit halbem Arsch“) und 1999 aus nicht vollständig geklärten Gründen wieder eingestampft.
Natürlich war die Technik noch nicht ausgereift, aber es gab genügend Leute mit Umweltbewußtsein (und, zugegeben, der nötigen Kohle), um all die Schikanen auf sich zu nehmen, die solche Elektroautos mit sich führten. Und die Japaner? Die legten voller Eifer los. Japanische Unternehmen haben nämlich oft eine ganz besondere Art, in solchen Fällen vorzugehen: Einfach anfangen und darauf bauen, daß während der Entwicklung neue Technologien verfügbar werden, die das Ganze irgendwann vernünftig und wirtschaftlich erscheinen lassen. (Ein gutes Beispiel ist das aktuelle Projekt zur Nutzbarmachung von Sonnenenergie aus dem Orbit).
GM hatte weder Lust, ein “Zero Emission”-Fahrzeug zu entwickeln, noch Lust, es in Serie zu bauen. Und auch keine Lust, es zu verkaufen. Eine Diskussion der Gründe — unter anderem vielleicht eine Kannibalisierung des Verkaufs von Autos aus wirtschaftlicherer Produktion und mit höheren Profitspannen — würde hier zu weit führen. Aber Verschwörungstheorien müssen nicht bemüht werden für mögliche Erklärungen.
Auf youtube finden sich noch drei weitere TV-Anzeigen für den EV1. Zwei davon sind einfach bloß grottenschlecht. Die vierte dagegen fährt die Abschreckungspolitik wieder mit Vollgas: Von Frankenstein-Experimenten über Tod-durch-Stromschlag und Kabel, die sich wurm- und schlangengleich aus ihren Dosen winden bis zum Roboteraufstand wird hier eine Hitparade der schönsten Ängste abgefeiert.
Enjoy!
General Motors EV1 TV Commercial 4
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4 Kommentare
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- Armin: Na ja, ich habe ja immer das Gefuehl dass 90% der Clips die bei YouTube unter “banned commercial” zu finden sind genau dies...
- crazsam: ich weiß nicht! der 1. spot ist vielleicht ein wenig grenzwertig, aber schmunzeln muß man irgendwie doch! und die beiden schwulenspots...
- ralf schwartz: @torsten “Die Kampagne wird von der Bevölkerung alles andere als angenommen.” Erzähl doch mal mehr dazu.
- Torsten: Das Ding ist nen Rohrkrepierer. Die Agenturleute können sich als “Ausländer” nicht in die Mentalität der Magdeburger...
- ralf schwartz: Danke für die Infos. Es geht doch nichts über alerte Leser … Ganz schön unspektakulär für den Aufwand, der dort getrieben...
- Roland: Genau Christian, skalierbar ist denk ich das Stichwort, was Rivva technisch und konzeptionell auf eine nächste Stufe heben könnte. Für ganz...
- crieger: Rivva braucht die aktiven Nutzer. Bisher war alles einfach gegeben.. Für die “etwas persönlicher” Twitterliste musste man...
- Jana: @Julian: Schau mal auf diese Studie http://www.robertundhorst.de/v 2/img/downloads/gfkstudie_2007 .pdf –> wurde 2003, 2005 und 2007...

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Am 12. Februar 2009 um 12:50 Uhr
Sie leben!
Der erste Spot ist echt genial – der GM Nagasaki, oder was? Am krassesten finde ich, dass der Spot trotz allem (kosten-)aufwendig produziert wurde. Rein technisch sehr sauber. Die meisten “kein Bock” Spots sehen dann ja eher müllig aus.
Ich glaube ich hätte auch mal lust so was zu machen: “Wie stoßen wir den Kunden möglichst effektiv ab?” Wär doch mal was Neues…
Am 12. Februar 2009 um 18:28 Uhr
Den Link zu der Dokumentation “Who killed the electric car?”, die versucht die Hintergründe die zur Einstellung des EV1 geführt haben, hatte ich vor einigen Tagen mal bei mir gepostet.
tinyurl.com/aqec9d
Darin werden auch u.a. die Kampagnenansätze für das EV1 ähnlich kritisch bewertet, wie in diesem Artikel.
Am 24. Februar 2009 um 19:42 Uhr
Also wenn man die Möglichkeit hat den Dokumentarfilm “Who killed the electric car?” anzugucken, sollte man das unbedingt machen. Danach denkt man nur das GM zurecht über den Deister gehen sollte, mit ihrer unverantwortlichen und geldgierigen Firmenphilosophie.
Am 7. Mai 2009 um 09:00 Uhr
[...] von 70% auf 53%. Well done! Auch die Investition in Zukunftstechnologien war von G.M. lediglich als lästige Zumutung empfunden [...]