09:10 Uhr
Integrierte Kommunikation
So häufig lese ich dieses Marketing- und PR-Buzzword auf den Websites unserer Branche und deren Agenturpräsentationen…
Integrierte Kommunikation. Was ist das? Was ist der Ursprung? Und was haben wir Berufskommunikatoren eigentlich daraus gemacht?!
Blicken wir zunächst auf die sprachliche Herkunft des Begriffes “Kommunikation”. Das aus dem Lateinischen stammende Wort bedeutet soviel wie “teilen, mitteilen, teilnehmen lassen” aber auch “gemeinsam machen, vereinigen”. Interessanterweise gibt es das vermeintliche Teilverb “municare” gar nicht. Es existiert nur im Kompositum mit “com”, was als Präfix das “Gemeinsame” impliziert.
Kommunikation ist in Priorität also immer in einem sozialen Kontext zu sehen. Menschen kommunizieren, mal mit Worten, mal mit Taten und gelegentlich auch vollkommen wort- und tatenlos. Aber auch da wissen wir ja: Man kann nicht nicht kommunizieren. Ignoranz oder scheinbare Teilnahmslosigkeit ist eben auch eine -u. U. wesentliche Form- der Kommunikation. Sie offenbart, dass wir bestimmte Menschen mit unserer “Kommunikation” nicht mehr erreichen bzw. sie sich nicht mehr angesprochen fühlen. (Inkongruente Botschaften)
Faktisch betrachten viele Vertreter der Kommunikationswirtschaft den Begriff “Kommunikation” vorwiegend (immer noch) aus einem rein technischen Verständnis. Die Gründe sind durchaus nachvollziehbar: Massenmedien, lineare Formate und vor allem TV als “Kommunikationssubstitut” schafften vor Jahrzehnten bereits die Kanäle; Werbung und Öffentlichkeitsarbeit bespielen sie mit kommerziell oder politisch zweckgebundenen Botschaften, die Millionen von Menschen erreichen -rein technisch jedenfalls.
Ein ganzer Wirtschaftszweig mit seinen Konsumerprodukten, Marken, Media- und Werbeagenturen, PR-Beratern usw. hat sich diese Wirkungs- und Ertragsmechanismen nutzbar gemacht und damit Geld verdient, allerdings spürbar weniger, seit das Internet Interaktivität und weltweite Kommunikation der Menschen untereinander ermöglicht. Kommerzielle Botschaften diffundieren zunehmend; die Kontrolle über ihre Wirkung und Verbreitung wird zum Glücksspiel, sehr zum Leidwesen der Branche, die gerne “vorher weiß, was hinten rauskommt.”
Es galt also, die “neuen Medienformen” zu integrieren und schon war der Begriff der “integrierten Kommunikation” geboren, freilich wieder geprägt von einem vorwiegend technisch-medialen Verständnis der “Erfinder”:
alte und neue Medien müssten verwoben, Kampagnen und Botschaften konsistent durch alle Kanäle geleitet werden, immer mit dem Ziel, ein sauber dekliniertes Produkt-, Personen- oder Markenbild zu schaffen bzw. zu erhalten.
Erstaunlicherweise bedienen wir uns mit dem Wort “integriert” erneut eines Begriffes, der vorwiegend in einem sozialen Kontext verankert ist, ohne ihn allerdings konsequent so zu interpretieren.
Wie wäre es eigentlich, wenn wir “integrierte Kommunikation” endlich als das verstehen und praktizieren, was es (ohne sozialromantische Überinterpretation) im Kern bedeutet, auch und gerade im Kontext von Marketing, Werbung und PR?!
Und wie wäre es, wenn wir zunächst innerhalb unser Branche lernten, diese “integrierte Kommunikation” aktiv zu leben?!
Sei selbst die Veränderung,
die du in der Welt sehen willst.-Mahatma Gandhi-
Aus dem Frühjahr 2007 stammt das Interview von Mario Sixtus mit David Weinberger (Cluetrain Manifesto), dessen Worte heute mehr denn je einen sehr aktuellen Bezug auch für die Kommunikationsbranche haben.
Will das Marketing zukünftig mehr als ein Fremdkörper in einem sozialen Konversationsumfeld der Menschen im Web sein, muss es sich verändern. Genauer: die Menschen unserer Branche müssen umdenken und ihr gewachsenes Wissen mit den aktuellen Erkenntnissen rekombinieren.
6 Kommentare
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- sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
- iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
- ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
- Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
- Hundeschule: Tja Abmahnungen gehen weiter, Hundeschule wurde abgemahnt, weil ein gekauftes Logo verwechslungsgewahr beinhaltet. Und nun? Die Pfote...
- InternetMarketing | Jens Srowig: Hallo an euch! Das ist wirklich ein tolles Video. Auch wenn es schon ein wenig spät ist, alles Gute für das neue...
- Ralf Hillmann: Da kann ich nur sagen, die Bezeichnung Video-Perle passt einfach perfekt. Da soll noch einmal jemand behaupten Werbung habe nichts...
- ralf schwartz: @Gerry K. Ich selbst rege mich immer am meisten über irgendwelche Tricks der Agenturen und Werbungtreibenden auf, aber die Angabe...

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Am 9. Februar 2009 um 10:26 Uhr
Meiner Meinung nach immer wieder interessant zu lesen was sich Faris Yakob zu dem Thema mal gedacht hat, deshalb:
farisyakob.typepad.c...
Am 18. Februar 2009 um 12:13 Uhr
[...] viele Menschen in diesen Zeiten wieder etwas näher zusammen? Intensive und reflektierte Gespräche häufen sich jedenfalls gerade in meinem Umfeld, dazu eine wachsende Bereitschaft trotz Rezession, auch ohne [...]
Am 30. März 2009 um 00:49 Uhr
[...] Integrierte Kommunikation Gespeichert unter: Artikel am 30. März 2009 um 00:07 Uhr [...]
Am 21. Oktober 2009 um 14:10 Uhr
[...] treffen wir oft genug den Ton nicht, wirken mit unseren Botschaften seltsam entrückt, was einen Hauptgrund darstellt, warum [...]
Am 3. August 2010 um 12:53 Uhr
[...] denken. Selbst der Begriff der “integrierten Kommunikation” ist in der Branche werbisch degeneriert und in alten Mustern [...]
Am 18. August 2010 um 10:34 Uhr
[...] Vieles ist dabei nicht wirklich neu, aber er macht deutlich, wie sehr wir einen holistischen Betrachtungsansatz brauchen, um die komplexen Kommunkationsprozesse rum um Social Media besser zu verstehen um dann in [...]