11:55 Uhr
Wie tot ist Tracking?
Ich glaube es war Roland, der mir vor zwei Wochen oder so einen Link zu diesem köstlichen Eintrag “Five Ways You’ll Fuck Up in 2009” von Andy Wibbels schickte. So richtig gelesen habe ich den aber erst jetzt, und siehe da: Kreise schließen sich! Denn gleich im ersten Absatz verweist Wibbels auf einen seiner Einträge zum ShamWow Guy, der wiederum einen Artikel aus Slate umreißt, der mir entgangen war und hier zu finden ist. (Und den ich heute auch als “Freshly squeezed” twitterte.*)
Andy Wibbels’ Liste dieser fünf Dinge, ohne Bonus-Punkte, sind rasch umrissen:
- 1. Let a domain name expire.
- 2. Focus on features instead of benefits.
- 3. Sell shit nobody wants.
- 4. Lose all your data.
- 5. Not track your results.
Der zweite Punkt ist mir wohlbekannt, den dritten finde ich sehr schön, auf den fünften möchte ich näher eingehen. Wibbels’ Punchline zu Punkt 5:
Because really, faith-based marketing is the way to go.
“Faith-based marketing”, in der Tat. Täglich zu erleben, haarraufenderweise gerade auch in den digitalen Medien, wo die Technik Tracking-Möglichkeiten bietet, von denen in den klassischen Medien nur geträumt werden kann. Denn, zugegeben, jenseits von Direct/Dialog Marketing ist das Nachverfolgen von Kommunikationsmaßnahmen alles andere als einfach oder unaufwendig. Aber die Vorteile, zu wissen was wie wirkt und warum und wie es sich verbessern ließe, wären ja immens. Trotzdem fließt in das Design von Tracking-Maßnahmen nicht mal ein Bruchteil an Erfindungsreichtum und Raffinesse (und Geld), wie in die Kommunikationsmaßnahmen selbst.
Nun war Nachverfolgung ja schon immer am stärksten im klassischen Direct Marketing. Und zum klassischen Direct Marketing sind bereits, wenn auch nicht ganz ernst gemeint, erste Nachrufe zu vernehmen. Wenn Menschen mit Sinn für und Ideen zu Tracking-Maßnahmen hauptsächlich aus dem Direct Marketing kommen, dies aber genau jene Menschen sind, die nicht mehr eingestellt werden, weil DM als obsolet empfunden wird: entwickelt sich Tracking dann allmählich zu einem historischen Kuriosum?
Eine weitere Frage ist ja auch oft: wer ist fürs Nachverfolgen überhaupt zuständig! Welche Erfahrungen habt ihr gemacht, wie ist das bei euch? Wird Tracking, wenn überhaupt, von der Marketing-Abteilung unternommen, von der Agentur oder — hm — in synergetischer Abstimmung von beiden?
____________________
* Unsere ersten Anläufe, artikelbezogene Tweets einzubinden, diskutierten wir kurz hier in den Kommentaren. Maßnahmen, die Tweets in eine Extra-Sektion zu packen, sind unterwegs. Bis es soweit ist, können Nicht-Follower meine Zusatz-Tweets zu Werbeblogger-Artikeln auf @gyokusai abrufen mit der Stichworteingabe [ gyokusai freshly squeezed ] in der Twitter-Suche (die leider auch gelöschte Tweets anzeigt). Für Faule, Eilige und Praktische hier ein Link zum bookmarken. Roland twittert seine Follow-Ups zu Artikeln direkt unter @werbeblogger — was ihr aber ohnehin abonniert habt, gell.
7 Kommentare
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- ralf schwartz: @Markus Danke. Und: Interessant. In allen Altersgruppen? Eher von Männern oder von Frauen?
- Markus: toller Artikel. “Erstmal zu Penny” ist für mich ein gutes Beispiel für einen erfolgreichen Slogan aus der jüngeren...
- ralf schwartz: @Hen Du unterstellst also, da gäbe es noch Hirn!? Ich habe manchmal wirklich nicht mehr den Eindruck. Wenn man sich allein diese...
- ralf schwartz: @Marcel Hast Du ein Blog? Kann man irgendwo die Arbeit lesen? Wäre doch bestimmt spannend …
- ralf schwartz: @AndreasK @Armin Hehe, danke für die Links! Cool.
- Hen: In diesen Kommunikations-Etagen scheint ein Virus umzugehen, der rasende Kopfschmerzen verursacht, sobald sich im Hirn ein eigenständiger...
- Marcel: Interessanter Artikel. Ich bin auch der Meinung, dass hinter den angeblich so tollen Slogans nichts dahintersteckt. Wobei ich sagen muss,...
- Sascha: Danke für den Beitrag, ein schönes Fazit – ich bin ganz bei Euch!

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Am 30. Januar 2009 um 12:24 Uhr
Wie schon oben erwähnt ist bei uns Tracking “nur” in den digitalen Medien zu finden, dort allerdings zur genüge. Wir haben uns angewöhnt schon beim Briefing dieses Thema anzusprechen wenn wir das Gefühl haben einen wirklichen Nutzen für den Kunden herauszuschlagen. Aber meistens wird die Initiative sowieso von den PMs b.z.w vom Marketing ergriffen. Je nach Anforderung gibt es dan ein “Custom Trackin Tool” oder nach Absprache das kritisch zu betrachtende Google Analytics.
Am 30. Januar 2009 um 13:45 Uhr
@Daniel Beneidenswert, wenn der Kunde bereits von sich aus den Sinn dafür sieht! Ich mußte schon Mordskämpfe führen, zum Beispiel, um Kunden bloß den Aufwand für sinnvolle & separate Aufschlagseiten für AdWord-Anzeigen aus dem Budget zu leiern. #haareraufend
Am 30. Januar 2009 um 13:58 Uhr
Ich kann j. Martin hier nur zustimmen. Es ist ein Krampf dem Kunden klar zu machen, wofür man das tracking wirklich braucht und viele wollen davon einfach nichts hören. Gerade jetzt, wo immer mehr gespart werden muss, fallen alle “unwichtigen” Sachen schnell unter den Tisch.
Am 30. Januar 2009 um 14:34 Uhr
Erfogsanalyse und somit auch Tracking ist die Kür der Werbeagentur.
Hiermit generiert man neue Projekte.
Am 30. Januar 2009 um 15:09 Uhr
Bei uns (Media Agentur)scheint mir die Entwicklung genau entgegengesetzt zu verlaufen. Jeder will beim Tracking mitmischen (bzw seins verkaufen). Das führt zu irrsinnigen Konstruktionen wo bis zu 5 Parteien mittracken. Das ergibt dann natürlich riesige Zähldifferenzen die dann mühsam erklärt werden müssen. Ich finde man muss tracken, aber in einem vernünftuigen, sinnvollen Umfang.
Am 30. Januar 2009 um 15:51 Uhr
[...] Aber wer will das auch schon sagen können; das hochspannende, aber oft frustrierende Thema Tracking hatten wir ja heute [...]
Am 30. Januar 2009 um 16:37 Uhr
Tracking ist im Online-Bereich ein muss für Agenturen.