28.01.09
18:14 Uhr
18:14 Uhr
Kunst und Inspiration
Fragt man Oren Lavie nach seiner Tätigkeit, anwortet er (vielleicht auch):
I´m not an artist.
I´m just inspired.
Das ist ein sehr kluger Satz. Wer schon mit der Absicht etwas Kreatives produzieren will, was am Ende als Kunst angesehen oder bewertet werden soll, hat schon verloren. Für kreative Werber dürfte das so -oder ähnlich- auch gelten.
Ganz nebenbei wirbt er natürlich auf diese Weise sehr wirksam für seine Musik. Ganz nebenbei…
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20 Kommentare
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- Prozentewunder: @ralf Klar steht es da. Und wenn der Bildschirm groß genug ist, kann man´s sogar lesen. Nur: Die, die da anrufen zahlen das nicht,...
- ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
- sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
- iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
- ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
- Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
- Hundeschule: Tja Abmahnungen gehen weiter, Hundeschule wurde abgemahnt, weil ein gekauftes Logo verwechslungsgewahr beinhaltet. Und nun? Die Pfote...
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Am 28. Januar 2009 um 18:33 Uhr
Danke für diese Aussage, die ist auf jeden Fall zum zukünftigem Zitieren gespeichert.
Kenne den Herren ja auch erst seit gestern, aber die Musik und das Video lassen einen recht schnell zu Fan werden (mich zumindest)!
Am 28. Januar 2009 um 21:43 Uhr
Wonderful.
Text, Musik, Video. Sogar die “Bad Reviews”-Sektion auf Lavies Flash-Website ist inspirierend.
(Aber das Zitat stammt, da bin ich mir recht sicher, nicht von Oren Lavie, sondern von der youtube-Künstlerin des textverlinkten Videos, die Lavies “Her Morning Elegance” als Hinter- oder Vordergrundmusik für ihr Live-Zeichnen wählte.)
Am 28. Januar 2009 um 22:25 Uhr
@J:
Könnte sein. Ja. Wenn ich ihm die Worte fälschlicherweise in den Mund gelegt haben sollte, dann möge er sich auch an diesem Satz erfreuen und ihn eines Tages einmal sagen. Dann brauche ich diesen Artikel nicht vollkommen umzuschreiben. ;-)
Am 28. Januar 2009 um 22:28 Uhr
@Roland So möge es sein :-)
Am 29. Januar 2009 um 00:27 Uhr
Hübscher Videoclip…
Zwar stell ich mir bei jedem Bild dieses Stopmotion-Kunstwerkes vor, wie sich das arme Mädel tagelang auf dem Bett herumschleifen lassen hat müssen aber das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen.
Auch ein schöner Songtitle: “Her morning el…
Am 29. Januar 2009 um 11:03 Uhr
Inspiriert mich eigentlich mal gar nicht!
Am 29. Januar 2009 um 11:42 Uhr
@roland sorry, aber dieses statement von wegen kunst und so ist purer bullshit, denn – du übersiehst dabei, dass kunst oder musik eben auch businesses sind. dh, künstler oder musiker ist ebenso ein beruf wie “kreativer”. und wir alle wissen ja, dass diese keine künstler sondern dienstleister sind. sie produzieren ein produkt, dass von ihnen erwartet wird, und dass diese erwartungen eben mal mehr, mal weniger trifft. und genau das tut der ach so inspirierte künstler auch. er muss schließlich auch sein iphone bezahlen können…
ergo, jemand, der in einem “kreativ”business ist und von sich behauptet, er sei ja gar kein kreativer, sondern irgendwie “different” (na, kennen wir das nicht irgendwoher?), ist nichts weiter als ein (offensichtlicher) selbstvermarkter. das werber auf so was reinfallen…
Am 29. Januar 2009 um 12:00 Uhr
@zuckermann: Mein letzter Satz macht schon deutlich, dass ich natürlich diesen Aspekt auch genau sehe, oder? ;-)
Ich bin übrigens durchaus nicht deiner Meinung, dass JEDER kreativ Schaffende ein Dienstleister ist, der im Auftrag eines Kunden arbeitet. Für die Werbung mag das in den allermeisten Fällen gelten. D´accord. Aber bei viele Autoren, Musikern, bildende Künstlern und anderen Kreativen eben gerade nicht. Die Bindung zu Verlagen nimmt stark ab, zumal gerade in der Musikindustrie keiner mehr bereit und finanziell in der Lage ist, Künstler über einen längeren Zeitraum wirklich aufzubauen.
Damit erhält der Künstler bei allen Nachteilen der entfallenden wirtschaftlichen Grundversorgung durch ein erodierendes Vermarktungssystem eine neue Form künstlerischer Freiheit zurück. Er muss sich plötzlich wieder selbst vermarkten.
Wie macht er das am besten? Indem er vor allem die Musik erschafft, die ihn selbst inspiriert. Die damit verbundene innere Leidenschaft ist Grundvoraussetzung, um überhaupt im tiefen Online-Meer der Musikangebote den Nerv der Fans zu treffen.
Was das dann doch mit Werbung zu tun hat? Ich glaube, dass es in Agenturen genug Leute zum Beispiel im Planning gibt, die im internen Entwicklungsprozess die Bremse ziehen, sollten die Vorschläge aus der Kreation zu “schräg” werden. Allerdings wollte ich nicht schon der Kreation diese Aufgabe übertragen. Dort sollte wirklich inspiriert entwickelt werden dürfen. Könnte ja vielleicht sogar eine Idee entstehen, die herausragt :-).
Am 29. Januar 2009 um 12:03 Uhr
@zuckermann: Das von dir gezeichnete Bild ist so unromantisch und kapitalistisch, dass einem das Herz ausblutet (und es ist m.E. auch ein falsches).
Am 29. Januar 2009 um 12:04 Uhr
Chris, nun schalte mal die Lampe an…
Ich wette, dass in der Glashüttenstraße oder sonstwo schon einige ganz aufgeregt zum Chef gerannt sind und gesagt haben:
Ich habe hier was für:
Schlafen Sie schöner. Nachthemden von Musterhemd.
Schlafen Sie erholsamer. Wirkstoff von Musterpille.
Schlafen Sie erholsamer. Mit Mustermatratze.
oder oder oder
Das wird dann wieder etwas gewinnen und mit Glück werden die Künstler auch genannt. Ich wundere mich eigentlich das nach dem Buch – Der Traum vom Liegen – nicht schon viel eher was in dieser Richtung passiert ist.
Nun zum eigentlich Inhalt. Ich kapiere das Zitat in Verbindung mit der Aussage nicht. Bitte um Aufklärung! Soll das heißen Kunst ist ein Zufall?
Oder heisst das Zitat: Ich bin kein Künstler. Ich klaue Ideen.
Hilfe….
Am 29. Januar 2009 um 12:12 Uhr
Kunst liegt doch auch ein bischen im Auge des Betrachters, oder?!
Am 29. Januar 2009 um 12:17 Uhr
@Steino. Hach, ich liebe dieses Thema :-).
Wie schon in meinem Kommentar an @zuckermann beschrieben, verstehe ich Inspiration als eine Form des schöpferischen Prozesses, in welchem ich vor allem auf mich selbst höre, nicht auf Ergebnisse einer Marktforschung, nicht auf Statistiken oder Empirik.
Querdenken funktioniert nicht, wenn man sich strikt an ein Briefing hält, was der Kunde gar mit bestimmten eigenen “Vorschlägen” belebt hat. Er erwartet ja gerade etwas “Ungewöhnliches” von einer Agentur, auch wenn er selbst das “Gewöhnliche” im Kopf hat. Überraschen können wir ihn im Ergebnis nur mit mehr Mut und mehr Vertrauen in die kreative Abteilung, die bestimmte Freiheiten im internen Prozess erhalten muss.
Am 29. Januar 2009 um 12:41 Uhr
[...] (via) Verwandte Artikel [...]
Am 29. Januar 2009 um 15:44 Uhr
Hui,… OK OK aber bedarf Inspiration nicht eines Anstoßes von außen? So verstehe ich das. Wenn mich die Muse oder das Lürzer’s Archiv küsste, dann werde ich inspiriert, mein Geist wird angeregt und HEUREKA entsteht etwas Neues, hoffentlich Ungesehenes.
Vielleicht lautet dann die Übersetzung:
Ich bin kein Künstler.
Ich habe nur Ideen.
Und hier beginnt seine Koketterie und er wartet darauf, dass man ihm widerspricht.
Am 29. Januar 2009 um 16:19 Uhr
@Steino. Ja, man kann es auch als Koketterie interpretieren. Fishing for compliments. Im Ursprung halte ich das Zitat aber für wirklich richtig.
Natürlich kann und muss man bei Inspiration auch über die eigene Schöpfungshöhe sprechen, wenn man seine Erfahrungen und Eindrücke rekombiniert und es als neues Werk erklärt. Das kann dann in der Tat bis zum Plagiat gehen, übrigens manchmal rein zufälig, weil die Denkmuster von Menschen sich durchaus ähneln können und man dadurch zu sehr ähnlichen Ergebnissen kommt.
Aber ich nehme den Spruch im positiven Sinn und kann ihm dann auf vielen Ebenen etwas abgewinnen.
Nicht alles ist vom Spin Doctor behandelt worden. Vieles unterliegt auch unserer “déformation professionelle”. Es ist gut und richtig, in diesem Webmedienzirkus misstrauisch zu sein, aber manchmal eben des Guten zuviel.
Am 29. Januar 2009 um 16:46 Uhr
“I´m not an artist.
I´m just inspired.”
fasse ich so auf, dass es dem “wahren Künstler” nicht um den Status geht. (= Künstler genannt zu werden).
Sondern dass er gar nicht anders kann, als so zu sein.
Es ist in ihm. (Das Spielen, Rumformen, Ausprobieren. Das macht er bereits am Frühstück mit seinem Toast. Abends mit seiner Socke. Mit was auch immer…)
Das ist ein anderes kreatives Dasein, als das was sich Leute normalhin vorstellen. Ein echter Kreativer hat sogar fast ein Problem damit, als “anders” als die anderen wahrgenommen zu werden. Vielleicht durch schmerzhafte Erfahrungen damit in der Kindheit …? einfach mal soind en raum geworfen. Und er benimmt sich deswegen sogar häufig bewusst unauffällig, fast spießig. Denn er fällt oft genug so schon auf, weil er einfach anders unterwegs ist. Wie Max Goldt treffend in einem seiner Geschichten herausarbeitete.
Auf deutsch: einem echten Küstler sind Status und Gehabe sowas von wurscht.
Am 29. Januar 2009 um 20:07 Uhr
ich find das ja bisschen gay
bei youtube bibbet massig besserer stopmotion filme
Am 29. Januar 2009 um 23:02 Uhr
@chris: … und genau solche kommentare wie deine ;)
topic: mir gefällt das video (und die musik) sehr gut. eine fein gemachte sache ;)
Am 30. Januar 2009 um 11:17 Uhr
@roland ok, habe den letzten satz unter dem video übersehen.
dennoch, höre ich da etwa den (leicht, mittel, schwer?) frustrierten (werbe)künstler heraus, der sich nur allzu oft von den “umständen” (mafo, planner) kreativ “gebremst” sieht und darum seine “inspirationen” nicht ausleben kann (darf)?
- nur mal im nebensatz zum plannerbashing: ein planner ist selbstverständlich dazu da, gute/ brilliante kreation zu supporten, alles andere ist das alte missverständnis aus den 60ern… (klammer zu) -.
und genau diese holzschnittsichtweise auf die ich mich gerade im nebensatz bezog, nervt auch an diesem statement.
nicht dass hier ein mißverständnis entsteht: überhaupt nichts gegen die sog. irrationalität von ideen etc blah. was an dem satz nervt ist a) seine offensichtlichkeit b) seine selbstgefälligkeit c) seine tonalität und d) … you get the idea.
das ist einfach SCHLECHTE eigenWERBUNG.
cheers, romantikdrachentöter zuckermann (beim wagnerhören…)
Am 17. November 2010 um 15:56 Uhr
ich stimme Vroni voll und ganz zu. auch demjenigen, der das unromantische in einem der ersten kommentare beschrieben hat. ein kuenstler ist eben in reinform kein dienstleister, denn im kuensterischen prozess ist allein entscheidend, zu machen, was man selbst will, und nicht das, was von aussen vorgegeben wird. bei einer werbeagenten ist das wohl in der regel anders. er ist also wie der designer der mittelweg aus künstler und dienstleister. der kuenstler hat eine erkenntnis, die er bildend zum ausdruck bringen will. mit einem markt hat das erstmal nichts zu tun. der kommt dann hoffentlich später, wenn ein sammler den puren willen entdeckt.
herzliche gruesse
Peter