16.01.09
07:45 Uhr

Tchibo, Esso und die eigene Nase

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Tchibo wollte seinen Kaffee über Esso-Tankstellen bewerben und das ging nun bekanntlich mächtig in die Hose. Durch die Tatsache, dass sich gleich zwei Unternehmen mit unterschiedlichen PR- und Werbeagenturen für diese Kampagne begegneten, machte die Suche nach dem Schuldigen nicht einfach. Scholz & Friends bekundete bereits via Twitter, nichts mit dieser Aktion zu tun zu haben, blieben also noch Heye und McCann Ericksson. Auf Anfrage teilte man uns mit, dass niemand beabsichtige, den Namen der Agentur preiszugeben, aber der Gerüchte-Flurfunk der Branche spricht davon, dass es Heye wohl gewesen sei. Unanhängig von der jeweiligen Agentur:

Die Agentur als “Schuldige” steht fest und die Marken Esso und Tchibo bzw. die verantwortlichen Personen können sich in “Unschuld” waschen?

Während Tchibo-Sprecherin Angelika Scholz sich vorsichtig äußerte, scheint Esso Sprecher Olaf Martins sich mindestens einer Mitverantwortung für die Kampagne nicht bewusst zu sein und formuliert: Die Kreativen hätten die historische Bedeutung des Satzes offenbar nicht erkannt.

Sicher ist es ein grober Patzer, den die Agentur sich geleistet hat, der einer stabilen Kundenbeziehung nicht förderlich ist;  der Agentur allerdings den “schwarzen Peter” zuzuschieben zeugt nicht gerade von einem professionellen Umgang von Esso mit seinen kreativen Dienstleistern.
Vielmehr noch: Es offenbart, dass Esso entweder keine “Freigabeprozesse” für zugelieferte Agenturarbeiten in ihren Fachabteilungen definiert hat oder alternativ, dass auch Esso selbst die “historische Bedeutung dieses Satzes nicht erkannt hat”. Beide Alternativen sind eigentlich ein Armutszeugnis und geben Esso keinerlei Anlass, sich aus ihrer wesentlichen, wenn nicht entscheidenden Verantwortung herauszunehmen.

Zum Nachdenken regt allerdings auch das Verhalten der Werbeagentur an, die sich zu den Vorgängen nicht bekennt und öffentlich äußert, obwohl die Spatzen es schon von den Dächern pfeifen. Die Erfolge werden doch auch gerne präsentiert und sind den üblichen Branchenblättern postwendend eine Meldung wert. Oder hat der Kunde gar einen Maulkorb erteilt?

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38 Kommentare

  1. Liegerad-Andreas

    Hallo,

    es ist erstaunlich, wie wenig das Gedächtnis der Kreativen aufnimmt. Exakt denselben Fall gab es vor zehn Jahren schon einmal. Man möge folgendes in Google eingeben:
    nokia “jedem das seine”

    Gruß
    Liegerad-Andreas

  2. Roland Kühl-v.Puttkamer

    @Liegerad-Andreas: Ja klar. Allerdings sind 10 Jahre Welten und viele heutige Kreative dürften das alleine schon wegen des jungen Altersdurchschnitts kaum in eigener Erinnerung haben. Googlen hätte allerdings schon geholfen. Das stimmt. Und eine irgendwie definierte “Qualitätskontrolle”, auch und gerade beim Kunden selbst.

  3. Peter Bickhofe

    Für mich klingt das alles etwas naiv. Werbeagenturen arbeiten sich den Arsch ab um den Kunden in der Öffentlichkeit gut aussehen zu lassen.

    Dass sich die Aentur in einem solchen Fall In-the-line-of-fire wirft, den Sündenbock spielt und nen halben Tag die “Schuld” auf sich nimmt ist doch kein großes Ding.

    Einen Tag später redet kein Schwein mehr davon, denn die deutschen Medien haber derzeit sicher keinen Versorgungsengpass bei ihren Meldungen.

    However…kurz gesagt, das ist Teil des Jobs. Und mal im Ernst, warum sollte sich die Agentur denn jetzt auch noch öffentlich hinstellen und den Blödsinn kommentieren?

    Das führt wieder zu Folgepresse die das Thema wichtiger machen als es ist und bringt gleichzeitig wieder den Kundennamen ins Spiel. Wir erinnern uns: Werbung/PR für – nicht gegen den Kunden ist der Auftrag.

    Für den Rest sind die Blogs und die Medien zuständig. Und das hat doch klasse funktioniert, oder?

  4. ben

    Jetzt mal echt… erinnert euch das nich an was?

    youtube.com/watch?v=...

    Es is bestimmt nicht gut was da gelaufen ist und ich will es auch nicht verharmlosen… aber das sind 3 Worte!!!

  5. Roland Kühl-v.Puttkamer

    @Peter Bickhofe: Ich bin mir wirklich nicht sicher, ob so schnell Ruhe einkehrt und “nach einem Tag kein Schwein mehr davon redet”.

    Wer versucht, zu camouflieren, gerade in diesen Zeiten, der wird genau das Gegenteil von dem erreichen, was er damit bezweckt. Auch und gerade im Corporate Umfeld.
    Irgendeiner zwitschert immer und dann bekommts ein Geschmäckle…und Folgepresse. Und einen sehr unerwünschten Refresh zur Unzeit ggf.

  6. Peter Bickhofe

    Ich ja auch kein Freund der Verschleierung. Aber als solche seh ich es auch nicht. Klar die ham Mist gebaut. Reicht das nicht? Wenn das jetzt Teil einer kranken Strategie gewesen wäre, wäre ich ja sofort für eine Klarstellung. Aber was es das? Nee, nicht ernstaft.

    Nur eine peinliche Darstellung der Pisa Studie die nun bei den deutschen Werbetextern durchschlägt die im Geschichtsunterricht wohl gerade Kreide holen waren.

    Deshalb finde ich man sollte die Kirche im Dorf lassen.

    Und wie ich schon sagte, ich finds super wenn jemand zwitschert und das Geschmäckle ist auch vollkommen ok. Dafür sind die Medien als Kontrollorgan einer tolle Institution.

    Aber nun einen Erziehungsauftrag draus machen ist zuviel des Guten. Die Folgen für die Agentur werden sich bei der nächsten Etatvergabe zeigen. Wenn dann die Welt ein bischen besser ist, sind wir doch alle zufrieden.

  7. Martin Oetting

    Ich wundere mich. Bis zu dieser Geschichte hatte ich keinerlei Ahnung, was für eine Nazivergangenheit an dem Satz hängt. Und ich habe ihn tausendfach in Gesprächen gehört, in den vergangenen Jahrzehnten. Von unzähligen Menschen, die sich dabei genausowenig Böses dachten wie die Tchibos. Nun echauffieren sich mit einem Mal alle über eine Sache, die sie gestern noch gar nicht gewusst haben. Ja, die Verantwortlichen hätten googlen können. Aber meine Güte. Dann sagt man halt bescheid und allen ist es peinlich, und dann ist’s wieder gut. Warum muss man da so ein Besserwisser-Fass aufmachen?

  8. Roland Kühl-v.Puttkamer

    Störst du dich an dem letzten Absatz?
    Mir geht´s nicht um´s Besserwissen. Der angeblich “heikle” Spruch ist hier nicht das Thema. Ich halte von der Aufregung grundsätzlich gar nichts. Mir geht´s vor allem um die Mitverantwortung des Kunden Esso an kreativen Arbeiten der Agentur und der Tatsache, dass der Sprecher es sich allzu leicht macht, es alleine der Agentur zuzuschreiben. Steht aber auch alles schon oben im Beitrag…

  9. Nino

    sorry, aber “jedem das seine!” ist sehr wohl als nazi-spruch bekannt. kreative UND kunde hätten das bemerken müssen, denn das gehört meiner meinung zur allgemeinbildung. das hier “ach das sind doch nur 3 worte” und “alles nicht so schlimm oder och mensch, das ist ja so lange her, nun ist mal langsam gut…” oder so ähnlich gepostet wird, war mir klar, das passiert bei solch einem brisanten thema immer… aber dennoch: nix da, so ein satz muss vorher geprüft werden, sonst fällt es einem – zu recht – auf den kopf…

  10. Timm

    Nino, die Allgemeinbildung eines Menschen der wie alt ist? Ich hab den Satz nicht in Verbindung mit der Nazi-Zeit gebracht, mir gehts da genauso wie Martin. Oder ist meine Allgemeinbildung lückenhaft, weil ich mich als 3. Generation nach D-DAY nicht weiter mit der Nazi-”Schuld” identifiziere?

    Wo ich Dir recht gebe: Egal, was man auf ein Plakat druckt, man sollte es vorher recherchieren.

  11. Daniel

    Applaus für Nino.

    @Timm: Ja, deine “Allgemeinbildung |IST| lückenhaft, weil ich mich als 3. Generation nach D-DAY nicht weiter mit der Nazi-”Schuld” identifiziere?

    Ich finde trotz langem überlegen KEINERLEI Begründung dafür, das hier ein Haufen gut bezahlter “Entscheidungsträger” und “High Potentials” so unglaublich versagt haben. Jeder Schüler einer Oberstufe mit LK Geschichte hätte empört die Hand in Meetings und Pitches gehoben. Oder war die Produktion schon angelaufen? und keine Kunden verprellen? und immer schön buckeln?

    Was lernen wir daraus? Nichts. Sowas wird wieder und wieder passieren. Dumme Werbung ist auch Werbung.

  12. brigitte

    Tja, also klar hat grundsätzlich der Kunde seine Freigaben zu verantworten, wär ja doch sehr eigenartig wenn nicht.
    Alternativ: kleines Honorar und Erfolgsbeteiligung — Reingequatsche und Verschlimmbessern ausgeschlosssen, alles in der Hand der Kreativen, wurde und wird ja auch immer mal angedacht und nicht verwirklicht. Fazit: Es sind ja nicht nur die Kreativen so jung, sondern auf Kundenseite ist es zunehmend das Gleiche.

  13. AndreasK

    @ben & martin:
    Frage: Sind das jeweils nur ein paar Worte? Und verlieren sie tatsächlich ihren historischen Bezug, nur weil man den ein oder anderen Satz nicht kennt? Achtung, hier kommt’s:

    “Auch Du mein Sohn, Brutus”
    “A-qadrat plus b-quadrat gleich c-quadrat”
    “Yippie ya yay – Schweinebacke”
    “Mr. Gorbatchov, tear down this wall.”
    “Wenn sie kein Brot haben, dann sollen sie doch Kuchen essen.”

    Würde ein Agentur-Kunde-Team einen dieser Sätze ohne Anlehnung an den jeweiligen Bezug nutzen, würde sie fahrlässig handeln. Nichts anderes ist hier passiert. Nur halt mit dem – wie es hier genannt wird – Geschmäckle, dass es bei Esso/Tchibo ganz zufällig um einen historischen Bezug mit Millionen systematisch ermordeter Menschen geht.

    Nur drei Worte, nee is klar. Deshalb wird ja auch die Agentur vorgeschoben, aber nicht genannt. Weil’s nur drei Worte sind.
    -
    So, genug gegutmenschelt (reicht wahrscheinlich für’n Heiligenschein das ganze Wochenende lang).

  14. Ben

    Wenn jemand in der Öffentlichkeit Sätze wie “H…. H….” sagt würde ich auch direkt Empört aufsehen und denken “Scheiß brauner Nazi-Dreck”! Wenn jemand in der Öffentlichkeit “Tja, jedem das seine” sagt denke ich das nicht! Bei den Nazis gabs zum Beispiel auch den Rang Feldwebel… den es heute noch gibt! Hallo? Die Nazis sind wieder da!!! Und Sie haben sogar Uniformen an und in der Bundeswehr was zu sagen!!!

    Nee sowas denk ich nicht! Und nur weil sich die Presse jetzt wieder das Maul drüber zerreist macht Ihr jetzt so ein Fass auf!

    @ AndreasK: Auf du hast den Satz “Jedem das seine” schon gesagt… da wett ich drauf! Willst du das man dich gleich als Nazi behandelt?

    Sowas find ich einfach nur lächerlich!

  15. Andreas

    So ein übertriebener Bullshit. Demnächst muss ich mich noch beim Zentralrat der Juden entschuldigen, weil ich Autobahn sage, ein braunes Hemd trage oder irgendeine andere Floskel benutze, die an mal an irgendeiner KZ-Tür hing und im Original nicht mal von den Nazis ist, sondern nur missbraucht wurde. PC hin oder her. Die Wurst ist gegessen und man sollte endlich mal die Geschichte ruhen lassen (nicht vergessen, sondern ruhen lassen).

  16. ....

    @Andreas: Unfassbar. Halt bitte, bitte, bitte die Klappe. An KZ Türen hingen exakt 2 Formulierungen, Arbeit macht frei und jedem das seine. Mag sein, das ihr das in Rostock nicht gelernt habt, aber dafür gibt es in Notfall wikipedia oder google. Das hat nichts mit PC zu tun, und deine Polemik gegen den Zentralrat der Juden trägt nichts zum Sachverhalt bei.
    Die Geschichte,die du ruhen lassen wilst, ist ein entscheidender Teil unserer deutschen Geschichte, der Umgang mit der Schuld unser Grosseltern hat uns übrigens im gebildeten Ausland mehr Respekt gebracht als unsere Autobahnen…
    Es geht hier um eine fahrlässige Schlamperei einer Agentur, die ein Kästner Zitat als Motto führt, das Plakat für Schtonk gestaltet hat und wirklich über jeden Nazi Verdacht erhaben ist. Da wurde unfassbar gemurxt, jetzt will es keiner gewesen sein.

  17. Tim Heckhausen

    Nokia, ReWe und die Merkur-Bank versuchten sich ja in der Vergangenheit schon mit diesem Spruch. Weiß jemand, welche Agenturen sich damals für die Konzeption und Realisation verantwortlich gezeichnet haben?

  18. Roland Kühl-v.Puttkamer

    @Namenlos: Wem es noch nicht aufgefallen ist: Mein Beitrag thematisiert NICHT die Empörung bestimmter Gruppen über die Verwendung dieses Satzes, sondern wie bei dieser und auch anderer PR-Pannen Auftraggeber und Agenturen miteinander umgehen.
    Nicht mehr, aber bestimmt auch nicht weniger.
    Und den Mund verbietest du hier gar keinem. Das geht GAR NICHT.
    Und Agenturbashing lasse ich hier auch nicht zu…Ein bisschen gemäßiger also bitte. Danke.

  19. M.

    Roland, deine Empörung über “falschen Ton” in allen Ehren. Aber das Gefährliche an neurechtem Gedankengut und Revisionismus ist gerade, dass es in der Regel in sehr “harmlosem” Tonfall daherkommt. Insofern – wenn du dich über den Kommentar des “Namenlosen” aufregst, lies dir das von “Andreas” Geschriebene bitte noch mal genauer durch und frag dich dann, welcher von beiden Beiträgen der tatsächlich schlimmere ist…!

    Zum Thema: Offensichtliche Geschichtsunkenntnis verbunden mit Charakterschwäche seitens Agentur (nicht zum Fehler stehen) und v.a. Kunde (Schuld auf Agentur abwälzen) -> so erzeugt man einen echten PR-Gau.

  20. friedrich

    Dieser “Jedem-das-Seine”-Faux-pas ist ja ein ständiger Begleiter der deutschen Werbewelt, und nicht nur die Großen, vor allem die Kleinen benutzen das Ding gern, immer wieder, vor Dummheit strotzend.

    Natürlich ist es ein Zeichen von Unbildung, diese nur drei Worte nicht einordnen zu können. Noch blöder ist es, sie zu verteidigen, vor allem in der Werbung. Kann ja sein, das 90% der Zielgruppe keinen blassen Schimmer haben – aber von 10% bekomme ich für so eine Kampagne den Trottel des Monats umgehängt. Kann kein Agenturkunde wollen. Und für diese Form von kontroverser Werbung gibt es mit Sicherheit auch keine Auszeichnungen.

    Am schlimmsten aber: Das Ding ist komplett abgenutzt, eine hohle und vor allem lahme Phrase, auch wenn sie keinen historisch verdorbenen Hintergrund hätte. Glatt am Kunden vorbei: “Jedem das Seine” sagt doch tendenziell: “Jedem, was ihm gebührt, zusteht, was wir ihm zuteilen.” Das ist statisch, autoritär, auch ohne Nazi-Geschmäckle. “Was ihr wollt” – perfekt dagegen. Kundensicht. Warum nicht gleich so?!

  21. friedrich

    Ahh, und zu Rolands eigentlichem Thema:

    Der Kunde segnet ab. Man wünscht sich ja meist, daß er der Idee der Kreativen folgt. Daß er vertraut. Das entbindet ihn aber dann doch nicht von Allgemeinbildung, Menschenverstand und Geschmack.

    Gesegnet sind die geistig Armen.

  22. Thies

    Das ganze Theater wirkt auf mich so, als hätten die Nazis nun Titelschutz angemeldet auf “Jedem das Seine” in allen Schreibweisen, Konjugationen und Deklinationen.
    Ich gebe Friedrich Recht: Der Satz an sich ist auch ohne Nazi-Geruch faul. Und Esso Tchibo und deren Agenturen waren’s auch.

  23. Six

    @Roland@…
    Sei froh, dass diesen “Geh bitte, das ist doch alles so lange her…”-Typen jemand deutlich sagt, was Sache ist. Ich hab zum gleichen Thema das derstandard.at Forum gelesen und mich gegraust, wie dumm es da zugeht.

  24. Tom

    das ganze halte ich für völlig absurd. es würde auch niemand auf die idee kommen, wagner musik in der werbung zu verbieten.

    allenfalls lässt sich hierbei über geschmack streiten. wer mehr hinein interpretiert, dem müsste man absicht unterstellen und dann müsste man nach den gründen fragen.

    halten wir mal als vernünftig denkende menschen für einen moment den werberkollegen zu gute, dass sie sich NICHT auf die inschrift über dem eingang des kz’s beziehen.
    per einfacher google recherche habe ich in 5 sek gleich zwei zitate gefunden, auf die sich der slogan leicht beziehen könnte:

    1) “Gerechtigkeit gibt jedem das Seine, maßt sich nicht Fremdes an und setzt den eigenen Vorteil zurück, wo es gilt, das Wohl des Ganzen zu wahren.” (Ambrosius von Mailand)
    2) “Jedem das Seine geben: Das wäre die Gerechtigkeit wollen und das Chaos erreichen.” (Friedrich Wilhelm Nietzsche)

    was, wenn man sich darauf beziehen wollte? wäre das dann unmöglich..?

  25. friedrich

    Ein Bezug auf A. von Mailand oder Nietzsche wäre möglich, aber mit vollem Zitat und unter Nennung des Autoren, auf den man sich bezieht.

    Wer “Jedem das Seine” benutzt, bezieht sich meist nicht auf Auschwitz, ist meist kein Nazi und meist auch nicht rechter Gesinnung. Meist ist er einfach nur ungebildet.

    Die Diskussion ist sehr alt, und das Gestrampel, um bei diesem Phrase das Geschmäckle loszuwerden, ist genauso alt. Solange es aber ausreichend Leute gibt, die dabei sofort an Auschwitz denken, ist der einfach tabu. In jeder öffentlichen Kommunikation. Nicht, weil man als Nazi dasteht, sondern als dumm, ungebildet, unsensibel. Reicht das nicht?

    Würdest Du die Phrase bei Deiner nächsten Kampagne verwenden – nun, wo Du weißt, was er für gebildete Menschen bedeutet? Nein, würdest Du nicht. Du würdest lieber noch einmal fünf Minuten nach einem Slogan suchen, der dich nicht wie einen Trampel dastehen läßt.

  26. Tom

    und wer entscheidet, wieviel “ausreichend leute” sind? du? ich? der zentralrat?

    im übrigen ist es mir viel zu einfach, die leute in schubladen wie “nazi”, “kein nazi” oder “einfach nur ungebildet” zu stecken. sonst fehlte mir in diesem falle nämlich noch “arrogant”…

  27. Six

    @Tom. Du kannst nicht ein Zitat verwenden und dabei jeden historischen Zusammenhang außer Acht lassen.

    de.wikipedia.org/wik...

    Dass dieser Spruch immer wieder in der Werbung auftaucht, zeigt wie schnell wir vergessen. Und mit der Schwammdrüber-Mentalität vieler Leute kann ich überhaupt nicht, wenn die letzten Zeitzeugen noch unter uns weilen und schon wieder Glatzen auf den Straßen marschieren.

  28. friedrich

    Klar, der Vorwurf der mangelnden Bildung mag arrogant wirken. Aber das ist dann auch der letzte Ast, auf den man noch flüchten kann.

    Ab wann es ausreichend Leute sind, die die Wortwahl geschmacklos finden, kann man nur abschätzen. Je mehr Informationen man hat, desto besser. Gute Indikatoren sind der gesunde Menschenverstand und die Reaktion von Meinungsführern (Journalisten, Blogger, Politiker, Verbände – ja, auch der Zentralrat – usw. usf.).

    Ich verstehe weiterhin nicht, warum einige Leute diesen zynischen Nazi-Spruch unbedingt wieder in die Umgangssprache integrieren wollen. So toll ist er wirklich nicht. Eher auf dem Niveau von “carpe diem” und ähnlichen Platitüdenbingo-Treffern.

  29. Tom

    @six: wer bewertet, ob bei einem zitat der historische zusammenhang außer acht gelassen wurde?
    es geht vor allem vielmehr darum, dass es kein vernünftiges instrument gibt, das eine aussage darüber treffen kann, wann ein bis zu einem gewissen ereignis völlig akzeptiertes wort, ein satz, ein bild, ein musikstück auf einmal nicht mehr verwendet werden darf. und darin bin ich durchaus ergebnisoffen. dass etwa in der filmindustrie in den jahren nach 2001 darstellungen von hochhausstürzen bewusst vermieden wurden, leuchtet durchaus ein. heute berührt das, außer den direkt betroffenen, keinen mehr.

    da dies eine abstrakte betrachtung ist, gehe ich auf verallgemeinerungen wie “schwammdrüber-mentalität” nicht ein. auch das ist mir viel zu eindimensional gedacht. wer heute nur zwischen nazi und nicht-nazi unterscheiden kann, sollte sich an der öffentlichen diskussion solcher themen nicht beteiligen.

    @friedrich: wozu flüchten? und interessant, dass du es einen “zynischen nazi-spruch” nennst. zynisch wurde er nur durch die verwendung durch die nazis, aber das wurden viele andere kulturgüter auch, die längst schon wieder in gebrauch sind. wieso muss er wieder in die umgangssprache integriert werden – wo er aus der doch nie verschwunden ist…

  30. Six

    Tom, mir ist schon klar, dass du gegen Verallgemeinerungen und eindimensionales Denken bist, Nazi ist für dich eine “Schublade” und ich spekuliere jetzt mal, dass du viel Zeit damit verbringst, alles zu relativieren, was in dieser Schublade gelandet ist. Besser gesagt, mir ist das jetzt erst klar geworden, schade um die Zeit.

  31. Politiker

    Ich finde es erbärmlich, dass es Menschen gibt, die sich darüber wirklich aufregen und einen Riesenskandal daraus machen.

    Ich bin dafür, ab sofort auch Begriffe wie Autobahn (ein sehr übel historisch belasteter Begriff) oder auch „spontan“, „fanatisch“, „Staatsakt“, „Dachorganisation“ oder Wörter die mit „Volks…“ beginnen komplett zu verbieten. Alles Begriffe, die erst im Dritten Reich geprägt wurden.

  32. Hitler-Blog - Suum Cuique Reloaded - tazblogs

    [...] Cuique Reloaded von Daniel Erk Ach Deutschland, ach Medienlandschaft, ach Werbebranche, ach Zentralrat der [...]

  33. Rainer

    Da die Diskussion nur noch den politischen Aspekt berührt, kann ich ja auch noch was drauflegen: wer prügelt endlich mal auf die selten dämlichen Kampagnen der Volks-Zahnbürsten, -Handys, -Computer und -Sonstwas ein? Komisch, dass sich darüber niemand aufregt, zumal das primäre Werbemedium oft in völkischer Beobachtermanier daherkommt.

    Um es noch zu ergänzen: “Jedem das Seine” ist doch ein wenig älter als 1000 braune Jahre. Einfach mal hier: de.wikipedia.org/wik... lesen. Der Spruch wurde von den Nazis missbraucht, ohne Zweifel, doch jetzt scheint er mir stets im Rahmen irgendwelcher Rechtfertigungen missbraucht zu werden nach dem Motto: seht, wie gut wir doch sind …

  34. Karstadt und sein „Sonderkommando Preis“ | Werbeblogger - Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Karstadt und sein „Sonderkommando Preis“

    [...] dem Streit um Tchibo/Esso und „Jedem das Seine“ fand ich, für mich persönlich, die Sachlage zu komplex für eine Abfolge [...]

  35. flo

    Mein Gott was soll das Theater?, Nur weil sich die Nazis diesen Spruch geklaut haben?
    Ich darf gar nicht daran denken wie das weiter geht.
    Hitler war in den letzten Jahren seines Lebens vegetarier, Fangen wird jetzt an jeden Vegetatier als Nazi zu bezeichnen??

  36. Tschibo stoppt Werbung mit Slogan “Jedem den Seinen” | markenmagazin:recht

    [...] meinte ihn positiv: Jeder Mensch soll sein Leben so gestalten können, wie er es möchte. (Tchibo, Esso und die eigene Nase via [...]

  37. Differenzierung mit Kraft und Stoff | Werbeblogger - Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Differenzierung mit Kraft und Stoff

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    [...] guter Blogpost hierzu ist auch unter auf Werbeblogger.de zu [...]

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