09:48 Uhr
Kleine Kleiderkunde für Produktpaletten
Als ich vor knapp zehn Jahren zu G3-Zeiten das erste Mal ernsthaft erwog, mir einen Apple Desktop-Rechner zuzulegen, gab es genau ein Modell in drei Ausstattungsvarianten. Der Mehrpreis des gehobenen Modells für die zusätzliche Performance war skandalös, das abgespeckte Modell praktisch unbrauchbar. In allen Apple-Magazinen, die ich monatelang aufmerksam las, gab es einen Vergleichstest nach dem anderen, und immer wieder lief es auf den prunkvollen Befund hinaus, daß das mittlere Modell doch „das beste Preis-Leistungs-Verhältnis habe“ und „zum Kauf empfohlen werde“.
Statt daß wenigstens eine Zeitschrift mal geschrieben hätte, daß der Kaiser keine Kleider anhat!
Genau das Gegenteil davon erlebte ich dann im Bereich PC-Prozessoren, wo Intel den Markt überflutete mit den unterschiedlichsten Plattformen, Prozessormodellen und Chipsätzen. (Die ich dann ein paar Jahre später alle lernen durfte, als ich mich dazu entschied, die A+ Prüfungen für meine Bastel-Zertifizierung abzulegen.) Und weil ja in der Hardware-Branche niemand zurückstehen möchte, wenn es darum geht, dubiose Entscheidungen zu treffen, hat auch AMD die Modellschwemme zum markenumspannenden Konzept erhoben. Das passiert natürlich nicht nur im Hardware-Bereich. Ein robustes Beispiel aus dem Software- oder vielmehr Betriebssystem-Bereich kennen wir ja alle.
In diesen Fällen sind nicht zu wenige Kleider das Problem, im Gegenteil. Es ist eher so, als wollten Intel, AMD, Microsoft und viele andere sich möglichst alles anziehen, was im üppig gefüllten Kleiderschrank zu finden ist, um für eine Abfolge schlechter Karten im wirtschaftlichen Strip-Poker gerüstet zu sein. Um dann allerdings auch einen komplexen und schnell veränderlichen Markt mit reklameballonartiger Tapsigkeit zu navigieren.
Einzuräumen ist, daß Marketing-Entscheidungen zu Produktpaletten und Produktlinienerweiterungen zu den schwierigsten Entscheidungen eines Unternehmens überhaupt gehören. Entscheidungen, die so komplex sind, daß sie eigentlich nur in einer intimen Zusammenarbeit zwischen der Marketing-Abteilung eines Unternehmen und der beauftragten Agentur getroffen werden können. Fachkönnen, Fachkenntnisse und Informationen aus beiden Wissensbereichen sind unabdingbar, und selbst dann kann noch genug schiefgehen. Und tut es auch.
Zwei Haupthindernisse gibt es hier, auf die ich oft gestoßen bin. Das erste ist, daß Marketingleute und Werbeleute häufig nicht die gleiche (Fach-)Sprache sprechen. Das zweite Problem wurde in den Kommentaren zu Apples Keynote kurz gestreift: Marketing beginnt bereits bei der Produktentwicklung, und die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Agenturen sollte eigentlich immer bereits an diesem Punkt beginnen.
Was, wie wir alle wissen, eher die Ausnahme ist. Aber warum ist das so? Wenn ich in Marketing- oder Werbeklassikern schmökere, ist das eigentlich allen klar. Niemand propagiert, daß es eine gute Idee wäre, der Agentur das fertige Produkt oder die fertige Produktlinie mit den Worten „Macht mal, und in Blau wär toll!“ zum Zuschneiden und Konfektionieren auf den Tisch zu knallen. Trotzdem ist es genau das, was oft genug passiert.
7 Kommentare
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- Prozentewunder: @ralf Klar steht es da. Und wenn der Bildschirm groß genug ist, kann man´s sogar lesen. Nur: Die, die da anrufen zahlen das nicht,...
- ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
- sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
- iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
- ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
- Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
- Hundeschule: Tja Abmahnungen gehen weiter, Hundeschule wurde abgemahnt, weil ein gekauftes Logo verwechslungsgewahr beinhaltet. Und nun? Die Pfote...
- InternetMarketing | Jens Srowig: Hallo an euch! Das ist wirklich ein tolles Video. Auch wenn es schon ein wenig spät ist, alles Gute für das neue...

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Am 15. Januar 2009 um 10:50 Uhr
Ich mag den Werbeblogger ja wirklich aber die Posting Frequenz (too much) und die Inhaltliche Aufbereitung der Beiträge lässt momentan echt zu Wünschen übrig. Besonders die ganze Objektivität ist purer Subjektivität gewichen natürlich kommt es auf die Persönliche Haltung und Meinung an wenn ich meine Aussagen aber mit nichts belegen kann…Wischi Waschi gerede haben wir doch echt schon genug.
hoffe das wird wieder besser
mfg boris
Am 15. Januar 2009 um 15:01 Uhr
@Boris: Wir waren objektiv?! Stellenweise sicher, aber es gibt deutlich mehr Stimmen, die uns früher zu große Subjektivität vorhielten. Zuviel Meinung, zuviel Befindlichkeit. Und die jetzt eher eine größere “Sachlichkeit” feststellen.
Ist wirklich interessant, wie die Rezeption der Leser da so auseinandergeht.
Die Postingfrequenz des Werbeblogger liegt übrigens seit Jahren bei ca. 20-25 Beiträgen die Woche, was nur in den letzten rund 4 Monaten etwas weniger war, weil ich in dieser Zeit ganz alleine schrieb.
Und als pauschales Urteil kann ich deine Kritik hier so überhaupt nicht nachvollziehen, insbesondere in dem Kontext, den nur wir beide kennen…
Am 15. Januar 2009 um 16:22 Uhr
Hömma, was meinst’n Du im letzten Satz mit “oft genuch”? Gibt’s echt Kunden, die das anders machen?
Boah!
Wo!
;o)
Am 15. Januar 2009 um 16:31 Uhr
@AndreasK Ach, laß mich doch träumen … ;-)
Am 16. Januar 2009 um 13:03 Uhr
Hi,
ich sehe das angesprochene Thema problematisch: Die Werbung sollte sich mMn nicht in die Produktentwicklung einmischen, dass ist (gerade bei Hi-Tech) Aufgabe der Ingeneure.
Am 21. Januar 2009 um 13:15 Uhr
Bezüglich der 3 Ausstattungsvarianten kann ich dir das Buch von Dan Ariely “Denken hilft zwar, nützt aber nichts” empfehlen. Preise sind eine Gefühlssache. Anbieter neuer Produkte wissen das und bieten daher oft Versionen an: eine billige, eine mittlere und eine teure. Die obere und untere Preisgrenze der Produktversionen gibt das Gefühl, den Wert der Ware einschätzen zu können, auch wenn mitunter die Preise aller drei Versionen völlig willkürlich sind. Nun rate mal, welche Version am meisten gekauft wird. Richtig! ;-)
Am 21. Januar 2009 um 13:54 Uhr
@Florian Ja, richtig, hatte ich gar nicht dran gedacht. Solche Strategien sind mir zum Beispiel auch im Bereich Menüpreis-Design für gehobene Restaurants schon mal begegnet. Danke für den Buchtip! :-)