08.01.09
16:41 Uhr

Kerle, Kerle, Kerle!

Beim Durchsehen der etwas gehobeneren Werbespots, die Roland seit unserem vorweihnachtlichen Kuschelkautsch-Podcast besprach, fällt mir besonders eines auf: Kerle, Kerle, Kerle. In der Ausrichtung sowieso, aber auch wörtlich.

Bei Virgin Atlantic eine Horde fescher Flugbegleiterinnen, die um potentielle Kunden (Kerle) schwärmen und um den Kapitän (Kerl). Potentielle Kunden (Kerle) bei Heineken bleiben unbehelligt von ihren Frauen, die um Schuhe schwärmen. Ein Ingenieur (Kerl) für den VW Golf kämpft mit sich selbst (Kerle) um Perfektion.

Ist doch komisch! Seit den 50ern/60ern hat sich in Werbung und Marketing alles verändert, nur das eine nicht. Rollenklischees sind weiterhin gesund und munter.

Was ich nicht verstehe ist, warum auf diese Weise immer wieder professionell dafür gesorgt wird, daß gerade auf den teuersten Kommunikationskanälen immense Mengen potentieller Kunden aus der Zielgruppe ausgeschlossen werden. Frauen fliegen mit dem Flugzeug. Frauen fliegen Flugzeuge. Frauen trinken Bier. Frauen besitzen Autos. Und so weiter. Wir reden hier nicht von Nischenprodukten, für die sich vielleicht argumentieren ließe, daß nur wenige Menschen (Kerle) sich dafür interessieren. Aber selbst bei Nischenprodukten gilt: Ein paar Prozent von vielen Millionen sind immer noch ein paar Millionen. An potentiellen Kunden. An potentiellem Umsatz.

An wem liegt das? Woran liegt das? Menschen im Marketing? Menschen in den Agenturen? Oder sind es weniger die Menschen, sondern bestimmte Gruppendynamiken oder Arbeitsflußdynamiken in unseren Berufen, die dafür sorgen, daß wir so oft dramatisch weniger potentielle Kunden ansprechen, als wir sollten, und erheblich weniger Geld mit dem Produkt verdienen, als wir könnten?

Ich weiß es nicht. Wie reimt ihr euch das zusammen? Oder was sind vielleicht eure eigenen Erfahrungen? Seid ihr schon mal mit „einbeziehenden“ Vorschlägen oder Konzepten gescheitert oder habt von anderen davon gehört? (Keine Nähkästchenplaudereien, bleibt bezüglich Namen ganz allgemein.) Als große Bitte dabei: Nicht abdriften in das Thema „sexistische Werbung“ als solches und was es alles für furchtbare Beispiele gibt. Da können wir ewig drüber diskutieren (ich kann!) und ewig Beispiele aufzählen (dito!), ohne daß es uns zu den spezifischen Ursachen und Mechanismen im Werbeumfeld führte. Was sind eure Gedanken, eure Erfahrungen dazu, warum so viel „ausschließende“ Werbung produziert wird?

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10 Kommentare

  1. @gyokusai

    #werbeblogger – Kerle, Kerle, Kerle! tinyurl.com/8wdkjk

  2. @werbeblogger

    Neu auf Werbeblogger – Kerle, Kerle, Kerle! tinyurl.com/8wdkjk

  3. Czarto!

    Ich schätze, es liegt an Folgendem: Bisher war (zumindest bei allen Produkten, die außerhalb von FMCG und Beautykram liegen) die Hauptzielgruppe bei den Männern zu finden. Verdienen mehr Geld, sind einfacher zu verführen und lassen sich für unnützen aber teuren Kram begeistern. Mittlerweile sind Frauen eine ebenso große Zielgruppe, verdienen ebenso ihr eigenes Geld und lassen sich auch vom Marketing verführen. Und nun kommt der Grund: Die Agenturen, Konzerne und Entscheider drehen sich wie ein altes lahmes Mühlenrad. Sie brauchen einfach sehr lange, ehe sie sich trauen umzudenken. Also wird weiterhin die gute alte Masche gefahren. Nebenher: Wer in einem großen Internationalen Konzern in oberster Marketingetage noch von einer Zeilgruppe wie “14-49, weiblich, Haushaltsvorstand” spricht, der zeigt ja aufs Deutlichste, was von moderner Zielgruppendefinition zu halten ist. Insofern ist es Schwerfälligkeit gepaart mit Inkompetenz.

  4. Florian

    erstens:
    Konsumentscheidungen werden mehrheitlich von Frauen gefällt.

  5. Florian

    erstens:
    Konsumentscheidungen werden mehrheitlich von Frauen gefällt.
    Entsprechend sind die _meisten_ Marketingkonzepte auch auf Frauen ausgerichtet.
    Es ist eher ungewöhnlich, wenn damit einmal gebrochen wird.

    zweitens:
    ich finde die oben angesprochenen Werbemaßnahmen nicht unbedingt frauen-ausschließend. Der Heineken-Spot spricht z.B. m.E. auch Frauen an: “seht nur, was für Kinder diese Männer sind – und wie leicht zufriedenzustellen”. Denn objektiv ist die Begeisterung der Frauen für den begehbaren Schrank ja eher verständlich als die der Männer für das karikierte Heineken-Depot.

    Und soll es jetzt etwa schon sexistisch sein, wenn in einem VW-Spot KEINE Frauen vorkommen, die sich womöglich auch noch verführerisch auf der Motorhaube räkeln?

  6. J. Martin

    @Florian Deine zur Abwesenheit von Frauen in Auto-Werbespots genannte Alternative von räkelnden Frauen auf Motorhauben flößt kein Vertrauen ein, daß Du die hier aufgeworfenen Fragen zu Rollenklischees und Zielgruppen hinreichend erfaßt hast.

  7. SYNAXON AG Blog

    Ist die Werbung in den 50ern stecken geblieben?…

    Beim Werbeblogger macht sich Jay Martin Gedanken darüber, warum in der Werbung immer noch überwiegend Männer als Zielgruppe angesprochen werden, obwohl sich die Frauenrolle mittlerweile komplett gewandelt hat:
    “Was ich nicht verstehe ist, waru…

  8. Lego for Adults (Kerle) | Werbeblogger - Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Lego for Adults (Kerle)

    [...] habe ich das gewissermaßen — allgemein, nicht speziell — ja letzte Woche schon … Was ich bislang als “Lego Adult” kannte, war diese halbautomatische [...]

  9. Coke Zero. Wer will schon eine Null sein?! - Blog-Tipps.de

    [...] und seine schwachen memetischen Verknüpfungswelten, vor allem als Getränk für “echte Kerle“. Das Verklagen der eigenen Marke in 2007 fight so abwegig additionally nicht und zugleich [...]

  10. Unfeine Unterschiede: Sex und Sexismus in der Werbung | Werbeblogger – Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Unfeine Unterschiede: Sex und Sexismus in der Werbung

    [...] ist Pi-mal-Daumen der Unterschied zwischen Sex und Sexismus in der [...]

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  • Prozentewunder: @ralf Klar steht es da. Und wenn der Bildschirm groß genug ist, kann man´s sogar lesen. Nur: Die, die da anrufen zahlen das nicht,...
  • ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
  • sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
  • iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
  • ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
  • Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
  • Hundeschule: Tja Abmahnungen gehen weiter, Hundeschule wurde abgemahnt, weil ein gekauftes Logo verwechslungsgewahr beinhaltet. Und nun? Die Pfote...
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