07.01.09
13:26 Uhr

Die letzte Vorstellung: Apple auf der Macworld Expo 2008

Nachdem die Live-Tweets von John Gruber auf der gestrigen Macworld Expo schon ziemlich früh durch zunehmenden Twitter-Lag die Grätsche machten, verfolgte ich Phil Schillers Keynote via CNET Live-Blogging. Als alles vorbei war, fühlte ich mich in diesen Zustand benommener Unausgefülltheit versetzt, die mich früher nach stundenlangem Kanalhüpfen vor dem Fernseher ereilte.

Das zu erwartende 17″ MacBook Pro. (Nicht wechselbarer, fest eingebauter Akku? Was für ein Glück, daß die Marktgeschichte von Apples Akkus völlig makellos ist *hust*.) Die zu erwartenden Updates für iLife, iWork, John Fogerty Garage. Nett, nicht bahnbrechend. 3x iTunes: Preisstaffelung, Teil-Ent-DRM-isierung und Öffnung des virtuellen Ladens für 3G (und Edge, wie ich heute hörte).


XKCD zur Keynote

Dem allgemeinen Blog-, Twitter- und Presseecho nach zu urteilen fühlte nicht nur ich mich unterwältigt. Auch wenn niemand so richtig etwas zu meckern hat. Okay, ich schon, weil ich seit einem guten Jahr auf den neuen Mac Mini warte. Und weil ich als Betriebssystem-Gourmet mich über ein paar OS X Snow Leopard und/oder iPhone OS 3 Hors d’œuvres gefreut hätte.

Seit Jobs das Ruder wieder übernahm, wird für das Marketing bei Apple mindestens so viel akribischer Aufwand betrieben wie für die Produktentwicklung. Scheinbar triviale Maßnahmen stellen sich oft als vielschichtig und multikausal heraus. Manchmal wird erst nach Jahren klar, wie clever eine bestimmte Entscheidung wirklich war. Mir erscheint Apples Marketing oft wie ein sorgfältig durchstrukturierter Roman, dessen spätere Entwicklungen schon sehr früh mit cleveren Wendungen, Motiven und Metaphern vorbereitet werden. (Ein eher launiges Beispiel, außer für den Betroffenen: Im November 2008 trat Tony Fadell von seinem Posten als Senior Vice President der iPod Division zurück. Jobs löschte Fadell zu Demonstrationszwecken bereits in der Keynote zur Macworld Expo 2007 aus seiner iPhone-Favoritenliste … fiel niemandem auf. Außer John Gruber.)

Fassen wir zusammen: Apple zieht sich von der Macworld Expo zurück. Phil Schiller ersetzt Steve Jobs bei der Keynote. An Neuigkeiten wird gerade so viel vorgestellt, daß die Fans das Stadion nicht auseinandernehmen.

Ich habe etwas Mühe, mir vorzustellen, daß das alles nicht marketingstrategisch zusammenhängt und einen Sinn ergibt. Will Apple sich für eine Weile vom Innovationsdruck befreien? Den Erwartungshype eindämmen für größere Entscheidungsspielräume, damit nicht bei jedem Schneuzen aus Cupertino die Aktienkurse einbrechen?

Ich werfe diese Frage mal in den Raum.

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12 Kommentare

  1. @gyokusai

    #werbeblogger – Die letzte Vorstellung: Apple auf der Macworld Expo 2008 tinyurl.com/7nbz3z

  2. @Werberolli

    Jay lässt sich über die keynote aus tinyurl.com/7nbz3z

  3. Oliver

    Gute Frage!

    Ich persönlich war auch ziemlich enttäuscht der letzte Gottesdienst Auftritt bei einer MacWorld und dann wird nichts wirklich tolles, neues vorgestellt. Okay, iLife ’09 ist wirklich schick, aber über einen neuen Mac mini oder ein Upgrade der iMacs hätte ich mich weit mehr gefreut…

    Ich werfe jetzt einfach mal eine waghalsige These in den Raum, um die Gerüchteküche noch weiter brodeln zu lassen:

    Den Abschlusssong der Keynote sang Tony Bennett mit seinem Titel “The best is yet to come”. Soweit zu den Fakten.
    Wenn wir Deine überaus durchgeplante Marketingstrategie mal als Faktum nehmen, dann war die Songauswahl ja sicherlich auch absolut berechnet und kein Zufall.

    Ich sage: Bis Ende der MacWorld kommt noch ein absoluter Knaller. Vielleicht das iPhone nano oder der Mac mini oder was, von dem noch keiner was weiss…

    Ich kann und will mir einfach nicht vorstellen, dass Apple seinen letzten Auftritt bei der MacWorld so klein und unbedeutend halten will und wird.

    Und jetzt kommt Ihr! Hirngespinst? Wunschtraum eines Apple-FanBoys? Vorhersehung von kommenden Tatsachen?

    Ich lass das mal so stehen. ;)

    Viele Grüße aus Bonn,
    Oliver

  4. Julia

    Mit den göttlichen Plänen ist es ja ähnlich wie mit den Verschwörungstheorien: Wenn man nur lange genug wartet und ausreichend Faktoren mit einbezieht, hängt irgendwann irgendwie alles mit allem zusammen. Insofern können die bei Apple kaum was falsch machen. Ich finde es ja sympathisch, dass sie mal keinen Knaller präsentieren, das erweckt ein bisschen den Eindruck, als würden sie lieber was ganz Tolles ganz in Ruhe vollenden, statt auf Effekt zu setzen. Aber ich bin ja auch ein believer.

  5. Adam

    Ich glaube, dass sie langsam einwenig am Image drehen werden. Mehr technische Innovation als Coolness. Das Markenbild muss sich langsam einwenig erneuern, schließlich kann man nicht forever cool&hip bleiben. Bei MB Präsentation gab es deshalb einen schönen Film zur Fertigung. Jetzt gab es beim MBP 17″ einen schönen Film zur Batterieherstellung. Coolness durch technischen Vorsprung uso…

    Außerdem ist der Ipod und dann Iphone Hype schwer zur überbieten und das wissen die Jungs von Apple sehr gut. Deshalb tragen sie erstmal nicht mehr so dick auf, da sie die Erwartung sowieso nicht erfüllen können.

    Außerdem war Steve Jobs als hocher Priester super, um den Karren aus dem Dreck zu ziehen, jedoch sind die Aktiekursen definitiv zur stark an eine Person im Unternehmen gebunden und das könnte langfristig zum Risiko werden.

  6. Witti

    Sorry aber das Bild ist ja mal mehr als geschmacklos.

  7. Andi

    Ich tippe auf:
    Es gab dieses Jahr einfach nix, was die letzten Jahre (MacBook Air, iPhone, MBP, mac mini, ….) würdig fortgeführt hätte. Darum ist Steve mal lieber zu Hause geblieben.

    WENN’s noch nen Knaller geben sollte ann NUR MIT ihm!

    sagichjetztmaleinfachso

  8. John

    Ach noe. Bitte jetzt nicht zum Apple Fanboy Blog verkommen.. Werbeblogger, was ist aus Dir geworden? Was hat ein solcher Artikel hier verloren? Das kann ich doch auf zig Tech-Blogs lesen..

  9. J. Martin

    Oliver, Julia, Adam, Andi — danke für eure Gedanken! Ich weiß, über Apples Marketing werden zahllose Bücher geschrieben, aber für mich als Werber ist und bleibt das Thema interessant und immer aufschlußreich. Wenn auch oft eben nicht sofort, sondern erst in der nachträglichen Analyse.

    Ich finde es auch völlig in Ordnung, wenn die Apple-Technik ein bißchen in unser Gespräch „hineinragt“. Das allererste, was ich über Marketing lernte, war: Marketing beginnt mit der Produktidee, mit der Produktentwicklung. Und bezüglich Apple sind ja auch gerade die “epic fails” besonders interessant (egal, ob die Produkte wegen technischer Defizite oder Fehleinschätzungen des Marktes baden gingen). Die Möglichkeit, durch Beobachtung zu lernen, ist hier praktisch unbegrenzt. :-)

  10. Thies

    Ich schließe mich John an.
    Bei allem Verständnis und voller Sympathie für das Reinlappen privatester Autoren-Interessenin diesen Blog,
    aber durch die ewige iPhoneiPodiTunesetc-besprechung der letzten Monate fühl ich mich bald verfolgt – oder wenigstens verapplet.

  11. Thor

    Stimme J. Martin völlig zu. Marketing ohne Produkt/Produktentwicklung/Produktkenntnis ist reine Selbstbefriedigung. Um ein Produkt optimal zu platziern und darüber zu kommunizieren, muss man seine Stärken und seine Schwächen kennen. Und eins ist sicher: Zumindest das hat Apple verdammt gut verstanden.

  12. Unspektakulärer letzter Auftritt von Apple auf der Macworld » PIXELPIPE.de » Grafikblog » Design, Marketing, Werbung, Kunst, PR, Kommunikation

    [...] ästhetische Komponente kommt beim neusten Apple natürlich auch nicht zu kurz! Mit dem an den beiden kleineren Serien angelehnten [...]

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