06.01.09
14:26 Uhr

Schreiben vs. Entspannen

Auch wenn ich beim Wiederanhören unseres fünfuhrmorgendlichen Podcasts ab und zu mal die Augen verdrehen muß, waren Rolands Fragen und meine Antworten trotz der frühen Stunde doch erstaunlich kongruent zueinander geblieben. Egal, was sich inhaltlich über die Fragen oder Antworten selbst meckern läßt, versteht sich.

Nicht alles, was in einem spontanen Gesprächsinterview gesagt wird, ist für die Goldwaage geeignet — ein bißchen zurückgerudert habe ich ja auch schon hier und hier. Jemand in den Kommentaren schlug vor, spontane Interviews in Zukunft etwas besser vorzubereiten. Eine contradictio in adjecto, die Roland nicht entging.

Mal ganz persönlich. Ich fand das Gespräch sehr erfrischend. Als Texter und ganz allgemein als Schreiber bin ich der Sklave eines rigorosen, autoritären Mikromanagements. Jedes Wort und jeder Doppelpunkt will kontrolliert sein: „spontan“ ist etwas, das in meinem beruflichen Leben faktisch keinen Platz hat. Weder in werblichen noch in kreativen Texten.

Der Einwand liegt nahe, ob Werbetexte dadurch nicht zu sehr „verkopfen“, aber normalerweise ist genau das Gegenteil der Fall. Die absolut meiste Arbeit macht es, wenn der Text frisch, spontan, natürlich klingen soll. Keine contradictio in adjecto hier, sondern das textliche Pendant zum Gravitationsgesetz: Die Anziehungskraft eines Textes nimmt umgekehrt proportional zur Entstehungsspontaneität ab.

“Hudson! Relax!” ist ein Satz, den ich von meinen besten Freundinnen und Freunden in meinem Leben öfter hörte — die nicht nur mich und meine Arbeitsweise gut kennen, sondern auch wissen, welche Filme ich mag. Ein Ratschlag, den ich versuchen werde zu beherzigen, wenn ich für den Werbeblogger schreibe. Denn dieses Blog ist vor allem auch ein Kommunikationskanal für den Dialog, und für einen Dialog ist es nicht konstruktiv, jede syntaktische oder argumentative Lücke so luftdicht wie möglich zuzustopfen. Es reicht, wenn meine Wohnung gut isoliert ist.

Ich freue mich über Rolands Vertrauen. Und ich freue mich auf die Herausforderung, einer nicht unverwöhnten Werbeblogger-Leserschaft genießbare Beiträge zu servieren. In diesem Sinne!

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8 Kommentare

  1. @Werberolli

    Werbeblogger verstärkt seine Redaktion. Welcome @gyokusai tinyurl.com/7otg22

  2. @gyokusai

    My latest blogpost Schreiben vs. Entspannen: Auch wenn ich beim Wiederanhören unseres f&.. tinyurl.com/7otg22

  3. nilsn

    Möchte nur mal ein herzliches “Hallo” rufen, freue mich auf die Beiträge. Wird bestimmt alles ganz wunderbar.

  4. Vroni

    Guter Eintrag!

    This was:
    Spontaner Text von Vroni

  5. Six

    Endlich mal ein Texter im Werbeblogger. Servus!

  6. J. Martin

    nilsn, Vroni, Six — vielen Dank! Drei nette Begrüßungen passend zum Dreikönigstag (von dessen Existenz ich nichts ahnte, bis Roland mich gestern darauf aufmerksam machte).

    Wir lesen uns. Ich freu mich! :-)

  7. Roland Kühl-v.Puttkamer

    Ja, endlich :-)

  8. J. Martin

    Hm mein Kommentar hat sich anscheinend zwischen die von Six und Roland gemogelt hier …

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  • Raoul: Mal unabhängig vom Produkt kann ich das Gefühl des Autors nachvollziehen. Alleine die Aussicht auf eine Kuscheldecke im Büro, im Flieger...
  • Thorsten: Da hat mal einer nachgedacht. Danke. Ich denk’ mit.
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