08:22 Uhr
Markenverbung
Ich google, Du googelst, er googelt… verdammt, sieht das komisch aus, wenn es so geschrieben steht. Aber “googeln” ist ein Verb, welches offiziell seit 2004 in den Duden aufgenommen wurde und eine festgelegte Schreibweise erhalten hat.
Nun ja, Google wird es freuen, dass Milliarden von Menschen die Marke alleine durch die Beschreibung ihrer Such-Aktivität im Web so fest verankert haben. Im Italienischen heißt das Verb übrigens “googlare“, im Französischen “googler” und z.B. im Ungarischen “googolni“.
Vor einiger Zeit war ich beruflich in ein Social-Commerce Projekt eines größeren Unternehmens involviert, wo es u.a. auch um die Namensfindung bzw. ein ganzes Markenkonzept ging. Dabei stellte ich bei mir persönlich (und später auch bei vielen anderen Beteiligten) fest, dass der erste Name, den wir vorgeschlagen hatten, massiv in den Köpfen blieb, auch wenn neue Vorschläge und Ideen folgten.
Heute bin ich mir sicher, dass es auch daran lag, dass der Name “verbalisiert” werden konnte. Die wesentliche Aktivität auf diesem Social-Shopping Portal konnte mit einem Verb ausgesprochen und als Tätigkeit beschrieben werden. Natürlich gab es dieses Verb nicht wirklich im Duden, aber die Anlehnung bzw. Kombination von bestehenden Wortstämmen zu einem neuen Wort passte und gab die richtigen Assoziationen frei. Ganz nebenbei ist diese Art des “Name Droppings” einfach perfekt geeignet für Mundpropaganda, im wahrtsten Sinne des Wortes.
Ähnliches wie bei Google vollzieht sich gerade bei “Twitter”, einem lautmalerischen Wort, welches perfekt verbalisiert werden kann. Alles twittert. Versucht das mal bei “StudiVZ”! Ich studivauzette? Nicht wirklich…
Besser sieht es schon bei “Ebay” aus. Zumindest im Englischen: “I´ll ebay it.”
Und was ist mit Xing? Heute schon gexingt?!
Oder Flickr? Ich kenne viele Leute, die “flickern” und es auch so nennen…
Und überhaupt: Ich stumbel auch ;-)
Welche “Marken-Verben” fallen euch denn noch im Kontext von Web (2.0) Diensten so ein? Oder bin ich einfach noch etwas spleenig, so am frühen Morgen? Ich mache mir jedenfalls jetzt erst einmal ein Frühstück und lass mich richtig pampern…
13 Kommentare
Einen Kommentar schreiben
- Prozentewunder: @ralf Klar steht es da. Und wenn der Bildschirm groß genug ist, kann man´s sogar lesen. Nur: Die, die da anrufen zahlen das nicht,...
- ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
- sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
- iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
- ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
- Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
- Hundeschule: Tja Abmahnungen gehen weiter, Hundeschule wurde abgemahnt, weil ein gekauftes Logo verwechslungsgewahr beinhaltet. Und nun? Die Pfote...
- InternetMarketing | Jens Srowig: Hallo an euch! Das ist wirklich ein tolles Video. Auch wenn es schon ein wenig spät ist, alles Gute für das neue...

Deutsche Werbe-/Medienblogs
- Agenturblog
- Aisberg
- Automobil Blog
- basd-art.de
- Beers and Ideas
- Bernd Röthlingshöfer
- Blindtext Blog
- Blog von Gwinner
- Cem Basman
- Clap-Club
- Clickpunkt 7
- Connected Marketing
- Creating Tomorrow
- Customer of Hell
- Datenschmutz
- Datenvandalen
- Digital Conversation
- Ferryblog
- Filmjournalisten.de
- Fischmarkt
- Flussaufwärts
- Fontblog
- Fridaynite
- Geistesblitz
- Guerilla Marketing Blog
- i-fekt Blog
- Ingo Kaestner
- Jenriks24phoetry
- JvM/Neckar
- Kreisrot Rundschreiben
- LPMDESIGN Weblog
- MADVERTISING
- Markentechnik Blog
- Marketing Oase
- Massenpublikum
- Medienvirus
- Mobile Zeitgeist
- Neukunden-Magnet
- Nico Zorn
- Nino Worldwide
- Off the record
- OnetoBlog
- Out of office
- Pimp my brain
- Pixelsebi
- praegnanz
- reine Formsache
- Reklame
- seoFM
- Sichelputzer
- Sloganmaker
- SOS SEO
- The missing Link Agenturblog
- Tischthema TV
- VisualBlog
- Werbewahn
- Werbewunderland
- Zielpublikum
- Zorno
- Zweieintel
Englische Werbe-/Medienblogs
Evergreens (teilweise Off-Topic)
Web 2.0 Blogs
Werbeblogger Autorenlinks



Am 18. Dezember 2008 um 09:20 Uhr
Skype
Am 18. Dezember 2008 um 09:39 Uhr
Solche “Verben” zeugen von sprachlicher Verarmung. Ist halt leichter und man muss nicht mühsam nach einer vorhandenen Beschreibung suchen. Also ich habe noch nie gexingt gesagt. Ok, googlen schon…
Am 18. Dezember 2008 um 09:46 Uhr
@Beginner
Ich sehe es jetzt mal nicht von der Seite der Sprachkultur. Da gibt es ja genug Leute und Politiker, die etwas zu diesem Thema ins Grundgesetz schreiben wollen ;-).
Am 18. Dezember 2008 um 10:21 Uhr
Oh gott, nein, natürlich nicht! Aber mich wundert es trotzdem, wie schnell solche Wörter entstehen und auch zum offiziellen Sprachgebrauch gezählt werden (siehe Duden)…würde es ein entsprechendes Verb für, sagen wir mal, Second Life geben, müssten sich das einige wieder aus dem Kopf hämmern.
Aber hey, jetzt wird mir langsam klar, warum Yahoo und Lycos keine Schnitte gegen Google hatten! yahooen, lycosen…neeee
Am 18. Dezember 2008 um 10:26 Uhr
@Beginner: „sprachliche Verarmung“ ist auch eine Verarmung der Sprache, weil diese Adjektivierung aus dem Englischen stammt. Aber was genau meinst Du eigentlich damit?
Ich finde den Blick auf die „Ververblichung“ bei Wortfindungen sehr interessant. Ein Wort, dass sich umformen lässt, ist wahrscheinlich deutlich attraktiver.
Am 18. Dezember 2008 um 11:10 Uhr
Eine Veränderung der Gebräuche und Tätigkeiten bringt eben auch eine gewisse Veränderungen des Vokabulars mit sich. Waren es zu Anfang das “Downloaden” und “Upgraden”, über die sich alle Sprachfetischisten aufgeregt haben, sind es eben jetzt “twittern”, “googlen” und Co. In ein paar Jahren hat sich das eingebürgert und dann gibt es neue Anstoßpunkte…
Am 18. Dezember 2008 um 11:59 Uhr
Wieso gibt’s denn hier nur Beispiele aus dem Internet? Schon lange vor dem Verb2.0 wurde im englischen Sprachraum “gehoovert” und “gexeroxt”.
Mein absoluter Favorit ist aber “kärchern”. Auch das gibt’s schon länger als man danach googeln kann. Es schrieb Geschichte. In seiner französischen Variante trug es 2005 zu den Ausschreitungen in Paris bei. Da hinkt “skypen” noch deutlich hinterher.
Aber ganz im Ernst. Wenn eine Marke es schafft eine Rolle im täglichen Leben so eindeutig zu besetzen, dass einem quasi die Worte fehlen, ist es doch nur konsequent wenn sich das in der Sprache zeigt.
Folgt Eurem Sprachinstink und lasst Euch nicht verappeln!
Am 18. Dezember 2008 um 14:13 Uhr
wieso wird die fortentwicklung einer sprache eigentlich immer als verarmung gebrandmarkt. das impliziert ja, dass der status quo den zenit darstellt und jegliche veränderung einen rückschritt bedeuten muss. nur ist die deutsche sprache jetzt im moment perfekt?
nein! ich glaube sie war es vor 37 jahren, aber verdammt, das haben wir verpasst :-)
btt (back to topic; englisch und abgekürzt, ärmer gehts nimmer): digg.com ist ein schönes beispiel. dort werden beiträge gediggt. interessanterweise hat sich beim deutschen klon yigg.de automatisch das verb yiggen etabliert, ohne dass die betreiber das forciert hätten.
Am 18. Dezember 2008 um 15:54 Uhr
@Herschel Rubinstein: So isses. Für Sprachnörgler (zu denen ich Beginner nicht zähle, ich bin einfach off-toppic) gilt immer nur der Zustand der Sprache als ideal, den sie kennen, den sie gewohnt sind. Die ältesten bekannten Abgesänge auf Sprachkultur sind (lt. Guy Deutscher) über 2000 Jahre alt und in Hieroglyphen verfasst. Nur: Nie ghört man einen Nörgler nörgeln, das Deutsch von vor 200 Jahren sei besonders hübsch gewesen und damit erstrebenswert und man selbst spräche ja vollkommen verfallenes Deutsch.
Ich bin kein Fan von Bullshit-Marketingsprech, aber der Download zum Beispiel ist keine Verarmung, sondern eine Bereicherung – oder gibt es auch die Substantivform von “runterladen”?
Forcieren kann man das als Unternehmen aber eher nicht. Das wird schnell peinlich, wenn man das neue Vokabular per Pressemitteilung raushauen muss.
Am 18. Dezember 2008 um 16:50 Uhr
[...] Werbeblogger lässt sich heute darüber aus, wie genial lautmalerische Markennamen sind, die sich als Verben [...]
Am 18. Dezember 2008 um 21:43 Uhr
Beim “Pampern” irrt der Duden aber – zumindest was den tatsächlichen Ursprung des Wortes betrifft. Im Englischen gab es das Verb schon lange, lange vor den Windeln. Ich zitiere mal Webster Online (OED ist mir zu teuer):
Etymology: Middle English, probably of Dutch origin; akin to Dutch dialect pamperen to pamper
Date: 14th century
Nun kann man sich natürlich streiten, ob die Deutschen “pampern” sagen, weil sie an die Windeln denken (so besonders weit verbreitet scheint mir der Begriff sowieso nicht zu sein), oder weil es ein inzwischen eingedeutschtes Wort ist.
Am 19. Dezember 2008 um 01:12 Uhr
also: pämpern oder pampern?
Am 29. Dezember 2008 um 01:42 Uhr
Also, am besten gefällt mir immer noch “photoshoppen”. Obwohl Adobe doch vpr Jahren schon einmal dagegen vorgegangen ist. Bloß den passenden Link dazu finde ich gerade nicht.