10.12.08
22:20 Uhr

Flucht in die Sucht

Nachdem der World of Warcraft Spot von Thomas D. und Smudo einen Kommentarstrang über die Verführungen und Süchte von Computerspielen und der virtuellen Welt auslöste, hebe ich einen Hinweis von Alexander gerne hervor.
Der Link führt auf einen mir bis dahin nicht bekannten Spot von klicksafe.de, der auf die Gefahren hinweist, die Computerspiele, aber eben auch das ganz normale Social-Web bergen können.

Ausdrücklich sehe ich diese Gefahren nicht nur für Heranwachsende oder Jugendliche, sondern ebenso für Erwachsene, denen das reale Leben nicht die Anerkennung schenkt, die jeder Mensch braucht und sich wünscht.
Eine Flucht in eine andere Welt hat dann großes Verführungs- und Missbrauchspotenzial, denn genau dort können sich Menschen ihre “Belohnungen” abholen, unabhängig von ihrem bisherigen sozialen Umfeld.

Medium: www.youtube.com
Link: www.youtube.com

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11 Kommentare

  1. meistermochi

    guter punkt. smudo und co. aber haben die reale anerkennung zu 100% sicher.

  2. Überflieger

    gefahren birgt es, gefahren sind aber überall zu finden….. wie war das noch? die meisten unfälle passieren zu hause… und da fühlen sich doch alle so sicher. ich find den spot einfach blöd gemacht, spricht niemanden an…… aber das ist bei social sachen ja oft so, dass die “zielgruppe” eher weniger beachtet wird…oder nur aus sicht von leuten die sich mit der zielgruppe nie wirklich auseinandergesetzt haben…..
    da hat der warcraft spot echt die besseren karten….

  3. the game

    jetzt hab ich’s kapiert. digitale welt ist nicht so dufte, weil… wer das sagt?
    wer nimmt sich raus, das zu beurteilen? warum soll die flucht in das internet schlechter sein, als die flucht in buchseiten? weil man beim lesen mehr gesellschaftliche kontakte pflegt? strebt ein sportler nicht auch nach herausforderung und anerkennung?

    und wenn ich mich nicht irre, dann wurde im späten 18. jahrhundert über ein schwerwiegendes gesellschaftliches problem diskutiert: die lesesucht.

  4. Roland Kühl-v.Puttkamer

    @the game: Du sprichst hier mit Menschen, die hinlänglich im Web herrumturnen und begeisterte Anhänger des Mediums sind. Nur, dass wir uns richtig verstehen. Gelegentlich schadet es aber durchaus nicht, auch auf Missbrauchspotenziale hinzuweisen.
    Übrigens kenne ich auch bei Sportlern degenerative Erscheinungen, weil Anerkennung sich nicht einstellen will…
    Es gilt, auch wenn der Spruch von meiner Oma hätte kommen können: Die Dosis macht das Gift.

  5. the game

    @ roland: das hier reflektierte personen bezüglich der thematik unterwegs sind, das ist mir klar. sonst würde ich mich auf die diskussion auch nicht einlassen. meine antwort galt eigentlich weniger dir, als vielmehr diesem erhobenem zeigefinger spot. und meine meinung bleibt bestehen: wer definiert, dass internet schlechter oder besser als eine andere unterhaltungsform ist?

    natürlich stimmt das mit der dosis. doch wie gesagt, wer käme auf die idee, einen vielleser als süchtig zu bezeichnen? das mit der lesesucht-diskussion im 18. jahrhundert war kein witz. damals machten sich die männer sorgen, dass sich frauen und jugendliche mit belletristik in scheinwelten flüchten und ihre sozialen pflichten vernachlässigen. kommt uns das bekannt vor?

  6. ben_

    Bei allem Verständnis für die Gefahren, die jede Form von übermäßigem Verhalten birgt …

    “In welcher Welt lebst Du ?” fragen Klicksafe.de jetzt auch schon in Fernsehspots. Ich ignoriere mal den sachdienlichen Hinweis auf die richtig Antwort “Wer nur noch in der digitalen Welt lebt, lebt nicht mehr in der richtigen.”, den Klicksafe schon vor die Frage haben setzen lassen. Und versuche, mich der Frage mal unvoreingenommen zu stellen.

    Die Welt in der ich lebe hat an jeder Ecke eine Systemgastronomie-Cafe, an jeder zweiten Ecke eine Systemgastronomie-Fastfood-Frittenschmiede, an jeder dritten Ecke einen System-Kaffeeröster. Der Raum dazwischen füllt sich mit System-Klottenläden, Schaufenstern, Freiraum für Volksfeste und penetranten Plakatwerbungen. Wie kann man denn noch virtueller werden? Jedes Blog in meinem Feedreader und jedes Abenteuer, das ich mit anderen Spielern in World of Warcarft erlebe, ist mehr “richtige Welt” als ein durchschnittlicher Quadratmeter der Hamburger Innenstadt.

    Ich bin wirklich aufrichtig und maßlos erstaunt, dass ein Blogger der Meinung ist, World of Warcraft sei “eine andere Welt”. Digitale Medien – fiktionale und nicht fiktionale – sind gerade für die jungen Generation selbstverständlicher Bestandteil ihrer Lebenswelt.

  7. Tim Heckhausen

    Wenn man über Flucht redet schließt das einige Kreise aus. Was ist mit dem Spieler der viel Zeit in ein Spiel (Computerspiel, Automatenspiel oder klassisches Spiel) investiert und dann in ein typisches Suchtverhaltenmuster fällt?

  8. Roland Kühl-v.Puttkamer

    @ben_ Ich kann dir aus meinem direkten Umfeld sagen, dass die meisten Jugendlichen das genau so handhaben. Es gibt aber auch einen Teil, der seine “reale” Lebenswelt eben nicht mit der virtuellen verknüpft bzw. verknüpfen kann. Wie schnell diese dann zu “Opfern” und Co. stigmatisiert werden -auch online- ist erschreckend. Um sich diesen “Entlohungen” zu entziehen, wird dann isoliert gespielt, in einer anderen Welt eben.

  9. ben_

    @Roland Kühl-v.Puttkamer: Das ist in der Tat eine tragisches Problem. Und ich weiß, dass digitale Medien solches Verhalten durchaus vereinfachen. Zwei Dinge darf man dabei allerdings nicht machen.

    Erstens muss man das immer auch in Relation zu äquivalenten Suchtfluchtpunkten sehen. Aus meinen 4 Jahren als Kellner und Zapfer kann ich Dir ebenfalls von ziemlich tragischen Biographien erzählen.

    Zweitens muss man auch deutlich machen, wie das Verhältnis derer mit problematischen Verhalten zu dem mit normalen Verhalten sehen. Ein Aspekt, den an World of Warcraft beispielsweise fast nur Spieler kennen, die der erstaunliche Gesellschaftsdruchschnitt, mit dem man sich plötzlich wiederfindet. Auf einmal verbringt man seine Zeit mit Schülern, Studenten, Hausfrauen, Geschäftsführern und Fischern, völlig problemlos.

  10. ben_

    Korrektur: Am Ende des ersten Absatz muss es natürlich nicht “Zwei Dinge darf man dabei allerdings nicht machen.” heißen. Korrekt ist natürlich: “Zwei Dinge sollte man dabei allerdings immer berücksichtigen.”

  11. Monika

    Das Video gefall mir wirklich!!! Große Grüße zum Autor! :)))

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