13:30 Uhr
Die Litfaßsäule hat ausgedient
In Hamburg hat die gute alte Litfaßsäule der klassischen Nutzungsart ihre längste Lebenszeit vermutlich hinter sich. Die Ströer-Gruppe als größter Außenwerber Deutschlands ersetzt die alten Rundsäulen schrittweise durch moderne City-Light Säulen. Was sich zunächst wie ein logischer und evolutionäner Schritt in der Außenwerbung anhört, führt allerdings in Hamburg zu einigen Irritationen und Protesten.
Insbesondere Vertreter von Kulturveranstaltungen sehen ihre Möglichkeit bedroht, kostengünstig und regional gezielt werben zu können. Aber auch Stadtplaner, Regionalpolitiker und Bürger äußern sich stellenweise empört darüber, dass das Stadtbild durch blinkende und animierte Hochglanzwerbung “verschandelt” wird.
Die Ströer-Gruppe hingegen verweist auf ihre speziell für Kulturwerbende konzipierte “Kultursäule“, die allerdings auch einem neuen Preis- und Buchungskonzept unterliegt, welches in der Kritik steht.
Die Diskussion um die Litfaßsäule und ihre würdigen oder unwürdigen Nachfolger zeigt aber auch: Außenwerbung -in welcher Form auch immer- beeinflusst ein Stadtbild maßgeblich. Bei knapper werdenden Kassen der öffentlichen Haushalte kommt der “Werbefläche” Hamburg als potenzielle Einnahmequelle eine größere Bedeutung zu. Die -berechtigten- kommerziellen Interessen der Vermarkter führen dann zu einem Modell, welches vor allem unter dem Aspekt der Werbewirksamkeit und Vermarktungseffizienz gestaltet wird.
Letztlich wird eben auch die Litfaßsäule digitalisiert und in ein vernetztes Werbesystem eingebunden, welches den analogen “Plakatkleber” überflüssig macht, die Umwelt ggf. entlastet, weil es Papier spart, aber auf der anderen Seite wertvolle Energie verbraucht.
Es zeigt, dass gerade die Werbewirtschaft ein Umfeld fordert , welches glatt und sauber ihre Botschaften transportieren will, mit Design- und Ästhetikanspruch im Werbeträger selbst. Jedenfalls tritt man nun in Zukunft nicht mehr “Hand in Hand” mit den “Kulturbotschaften” auf. Diese erhalten ihre “eigenen” Werbeflächen. Es trennt sich offensichtlich nur, was nicht zusammenpassen will….
Ein Leserkommentar bei Abendblatt-Online:
Liebes Abendblatt- Team, ich bin überzeugt, der Verlust der Litfasssäulen ist, als reiße man die Mauern eines alten historischen Stadthauses ein. Es macht mir Spaß an ihnen Infos über Veranstaltungen und Konzerten zu lesen. Die neuen City- Light- Säulen braucht doch kein Mensch- sie sind überflüssig wie ein Kropf. Zumal sind sie teuer, wegen der aufwändigen Technik. Ich habe eine innere Agrression über die Jahre gegen Hochglanz- Werbung entwickelt, weil z.T. mit Falschaussagen geworben wird. Aber das Problem ist, große Konzerne haben das Geld, im Gegensatz zu unseren kleinen Theatern.
5 Kommentare
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- ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
- sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
- iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
- ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
- Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
- Hundeschule: Tja Abmahnungen gehen weiter, Hundeschule wurde abgemahnt, weil ein gekauftes Logo verwechslungsgewahr beinhaltet. Und nun? Die Pfote...
- InternetMarketing | Jens Srowig: Hallo an euch! Das ist wirklich ein tolles Video. Auch wenn es schon ein wenig spät ist, alles Gute für das neue...
- Ralf Hillmann: Da kann ich nur sagen, die Bezeichnung Video-Perle passt einfach perfekt. Da soll noch einmal jemand behaupten Werbung habe nichts...

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Am 8. Dezember 2008 um 13:24 Uhr
New blog post: Die Litfaßsäule hat ausgedient tinyurl.com/5e8vaj
Am 8. Dezember 2008 um 17:54 Uhr
Schade um die alten Säulen,
kann mich da im Groben nur dem zitierten Leserkommentar anschließen.
Wir haben hier bei uns um die Ecke auch noch so eine Werbe-Antiquität stehen
und ich schaue (fast) jedes Mal beim vorbeigehen darauf was für neue Veranstaltungen plakatiert wurden.
Am 8. Dezember 2008 um 19:20 Uhr
Es ist schon seltsam wie eifrig die Wall sonstigen Stadtbildverschönerer der Litfaßsäule an den Kragen wollen. Die Litfaßsäule ist wie der Bogenanschlag einfach mehr Arbeit, vor allem hat das ganze aber eine soziale und politische Komponente.
Da wo kleine Veranstaltungen nur noch durch Wildkleberei publiziert werden können, hoffen die Herren, dass diese Veranstaltungen verschwinden. Das Gegenteil ist allerdings der Fall. Schon bald werden die ersten Leute begreifen, dass ihnen die Wall und Co. städtischen Raum entzogen haben, der ihnen gehört und sich diesen Raum zurückerobern.
Dann ist Zuckerwelt der Hochglanzwerbung im Eimer. In Berlin sind die ersten drastischen Wildklebungen auf Walls Luxusflächen schon zu sehen. Das dürfte ein Flächenbrand werden und die Existenz dieser Firmen zum glück in Frage stellen.
Nicht alles was man von den Kommunen kaufen kann, kann man auch besitzen.
Am 9. Dezember 2008 um 11:29 Uhr
sagt bye-bye Litfaßsäule: tinyurl.com/5e8vaj
Am 23. März 2009 um 23:17 Uhr
[...] Vorbei, die gute alte Zeit der Litfaßsäule; zumindest in Hamburg. [...]