20:47 Uhr
Next Steps
Veränderung ist eine der wesentlichen Attraktionen und gleichermaßen eine der größten Angstquellen der Menschen. Ohne Veränderung kann Langeweile entstehen, negative Routine, Unterforderung, Gleichgültigkeit. Der Mensch als Gewohnheitstier hält aber auch gerne an Bestehendem fest, denn es gibt ihm einen Ordungsrahmen für sein Leben und feste Bezugspunkte und Orientierung.
Die gesunde Balance aus Veränderung bzw. Entwicklung auf der einen und Stabilität bzw. “Bestandspflege” auf der anderen Seite ist also kein leichtes Unterfangen, zumal die allermeisten Veränderungen immer auch einen sozialen Kontext haben und andere Menschen mittel- oder unmittelbar berühren.
In diesem Zusammenhang ist auch die Entwicklung des Werbebloggers zu sehen, der über viele Jahre hinweg eine feste Leserschaft erreicht hat. Praktisch alle bekannten Media-, Marketing- und Werbeagenturen lesen den Werbeblogger regelmäßig, unternehmergeführte regionale Gesellschaften ebenso wie große Networks, wie ich es vor kurzem auch “live” vor Ort erleben konnte.
Hinzu kommen viele Freelancer, Berater und Kreative, die sich oft selbst mit einer Publikation im Web darstellen und mit denen sich teilweise enge persönliche Beziehungen ergeben haben, die ohne den Werbeblogger so nicht entstanden wären.
Auch konnten wir aus dem Umfeld und der Bekanntheit des Werbeblogger einige interessante geschäftliche Projekte realisieren.
Die Frage, die wir uns als Betreiber seit einiger Zeit stellen, ist natürlich: Wo geht der Weg hin? Was wollen wir, was wollen unsere Leser und welche Art von Veränderung im Kontext des Werbeblogger ist sinnvoll, notwendig und auch erreichbar, um Veränderung im Sinn einer “nächsten Evolutionsstufe” zu erzeugen, sowohl für uns persönlich als auch für diese Publikation.
Diese kreative Unruhe lebt in uns und ist wohl auch fester Bestandteil von Patrick und mir, bei allen ganz normalen Unterschieden, die sich ja auch in den Beiträgen von uns ausdrücken.
Werbeblogger & Friends
Was mich persönlich schon immer gestört hat, ist die gefühlte Trennung von klassischem und Online-Marketing, bzw. die Grabenkämpfe der jeweils in den unterschiedlichen Kommunikationsdisziplinen arbeitenden Menschen. Obwohl die meisten Agenturen sich “360 Grad Kommunikation”, “integriert-crossmediale Kampagnenkonzepte” oder “interactive” auf die Fahnen schreiben, ist der gelebte Umgang der beteiligten Personen untereinander häufig noch gestört.
Oft scheint es, als ob die “Klassiker” sich als übertriebene Bewahrer traditioneller Marketinglehren verstehen, während die “Onliner” sich in ihrem Reformeifer gelegentlich selbst überschlagen und vor revolutionärer medialer Begeisterung die Wirksamkeit klassischer Kommunikation unterschätzen.
Fast wie heilige Kühe werden da die eigenen Positionen und Lehren verteidigt.
Ganz ähnlich ergeht es zur Zeit auch den Journalisten; auf der einen Seite die “Qualitätswächter“, die ihren öffentlichen Auftrag objektiver Berichterstattung bedroht sehen, dort die Rebellen, die sich dem Online-Medium verbunden fühlen und nicht verstehen, warum die Zunft nicht die Chancen bei Schopfe packt und sich neu erfinden kann.
Vorwürfe hier, Unverständnis dort, gepaart zudem mit einer durchaus bestehenden Verständnisbarriere der Generationen, die sich im Umfeld der “digital natives” und “digital immigrants” Ausdruck verleihen.
Ich denke, dass es Zeit ist, sich mehr dem gelebten “Miteinander” der Marketing-Disziplinen zu verschreiben, auf einer Ebene, die die bisherigen Strukturen traditioneller Verbände und Clubs (der Werbewirtschaft) eben nicht hergeben, da sie sich inhaltlich viel zu sehr der einen oder anderen Fraktion verbunden fühlen und sie entsprechend vertreten wollen.
Diese “Lücke” wollen wir nun mit “Werbeblogger & Friends” besetzen und mit einem Veranstaltungskonzept beleben. Zur Zeit füllt sich der Kreis von ca. 15 Initiatoren, die in paritätischer Verteilung sowohl aus dem klassichen Marketingumfeld als auch aus dem Bereich der “neuen Medien” entstammen, Unternehmer, Vorstände, Freelancer und Angestellte in einer Alterspanne von “U-30″ bis “Ü-60″ – eine breite Wissens- und Erfahrungsbasis also statt spitzer und damit oft zur Selbstreferenzialität neigende “Peergroups”.
Diese Initiatoren bzw. “Botschafter” (Xing lässt grüßen) sprechen im Anschluss 10-20 ihnen bekannte Personen an und laden sie als Teilnehmer für eine erste Veranstaltung ein, die in Folge dann auch wieder eine (begrenzte) Zahl an weiteren Mitgliedern ansprechen können (invitation only).
Zeit ist bei allen Teilnehmern ein sehr begrenztes Gut, das ist klar. Andererseits halte ich es für eine der ergiebigsten Formen des Austauschs, wenn man sich tatsächlich persönlich trifft. Daher ist eine Idee, das Prinzip des Barcamps z.B. zweimal jährlich als “Werbecamp” zu realisieren. Das Veranstaltungskonzept eines Barcamps passt einfach gut, denn es beinhaltet die aktive Beteiligung der Anwesenden am Prozess und der Themengestaltung einer Veranstaltung. Im Organisationsteam wird neben mir auch Cem Basman teilnehmen, der eine Vielzahl von Erfahrungen und Kontakte hierfür mitbringt. Herzlichen Dank dafür, Cem.
Konkret geplant ist also der Startschuss für das erste Werbecamp im Frühjahr (April, Mai) 2009 in Hamburg, ein genauer Termin folgt.
Neben den typischen Elementen eines Barcamps werden wir gezielt “spannende” Personen aus unterschiedlichsten Disziplinen der Kommunikation als Gäste einladen, auch aus dem Ausland, damit der “Blick über den Tellerrand” auch international möglich ist. Logischerweise verursacht ein derartiges Veranstaltungskonzept Kosten, die wir dann auf eine Teilnehmer- oder Mitgliedsgebühr transparent umlegen werden.
Im Werbeblogger werden wir die Entwicklungen begleiten und ggf. die Mitglieder der Initiativgruppe einzeln vorstellen; es ist aber noch nichts in Stein gemeisselt; erfahrungsgemäß formt sich das Konzept noch in den nächsten Wochen und Monaten weiter aus. Vielleicht gibt es ja auch Interesse bei dem (der) einen oder anderen, das Orga-Team zu unterstützen.
Ich jedenfalls freue mich auf die kommenden Aufgaben und wünsche mir, dass die Idee grundsätzlich begrüßt wird, sich auch in der Kommunikationsbranche einen Ort zu geben, in der die Kultur eines inhaltlich-fachlichen Austausches im Sinne echter “integrierter Kommunikation” gelebt wird, abseits von Stand, Position und Status.
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26 Kommentare
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- Fabian: Über die großartige Idee möchte ich gar nicht streiten, aber an der Umsetzung wurde meiner Meinung nach gespart. Lassen Sie sich nicht von...
- Nico Düsing: Löst das noch jemand auf?
- J. Martin: @hobbystatistiker Dein Kommentar in Youtube-Qualität — und unter Mißachtung all dessen, was Roland und ich bereits zum Thema...
- hobbystatistiker: Allmählich ist das ein Gadget-und I-irgendwas-Blog und ihr solltet euch Gadgetblogger nennen. Statt Werbeblogger. Das Geplänkel...
- Bastian: Erst mehr oder weniger aufwändig eine eigene Welt & Story erschaffen und dann auf der Microsite doch ganz banal auf die...
- Georg: Guter Artikel! Ich glaube übrigens nicht, dass das Messen des RoI lediglich eine Schwierigkeit bei Social-Media ist. Schon immer gab es...

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Am 30. November 2008 um 21:36 Uhr
Finde ich eine gute Idee und bin gespannt, was daraus wird.
Am 30. November 2008 um 22:29 Uhr
Mutig. Antizyklisch. Und einigermassen überlegt. Was ja nicht so üblich ist, im Internet.
Die spannende Frage dürfte vor allem sein, wie man das Kommende so überlebt, dass man nicht im Downturn untergeht. Und gleichzeitig das Netz so nutzt, dass es nicht als Kostenfaktor ohne Einnahmen so schnell wieder aus der Mode ist, wie schon 2002. Das sind zwei gegenläufige Bewegungen, die nur einen sehr schmalen Mittelweg lassen – wenn überhaupt. Das Problem ist ein bisserl, dass Online mit Second Life, Profiblogs, dem Long Tail und unvermarktbaren Social Networks eine eher durchwachsene Vilanz vorzuweisen hat. Ein wenig Demut und eine Analyse der echten Möglichkeiten wäre da gar nicht schlecht.
Am 30. November 2008 um 22:51 Uhr
Finde ich eine gute Idee. Es gibt viel zu viele, aber viel zu wenige gute Veranstaltungen im Kommunikationsumfeld. Bin gespannt, wie sich das entwickelt und verfolge aufmerksam.
Am 30. November 2008 um 22:53 Uhr
Hört sich hervorragend und vielversprechend an.
Solltet ihr noch jemanden benötigen, der Zeitin die Sache steckt, biete ich gerne meine Mithilfe an. Kontaktdaten habt ihr ja (zumindest Patrick ;).
Am 30. November 2008 um 22:59 Uhr
@Markus: Danke, das nehme ich doch gerne an. Ich melde mich auf den “üblichen Kanälen” in den nächsten Tagen…
Am 1. Dezember 2008 um 06:58 Uhr
[...] Veröffentlicht in Sprechblase by Cem Basman am Dezember 1st, 2008 Der Werbeblogger Roland Kühl-v.Puttkamer will “Klassiker” und “Onliner” der Werbung zweimal im Jahr in Hamburg in [...]
Am 1. Dezember 2008 um 10:04 Uhr
“Integrierte Kommunikation” – wunderbar, daß das Veranstaltungskonzept mit Menschen anfängt, statt mit Medien. Eine wirklich hervorragende Idee. Nehmt das hier als Bewerbung ;-) Mein “Bauch” verbindet damit automatisch die Hoffnung, daß solch ein Konzept alle Beteiligten weiter bringt. Und mein Bauch täuscht michnur ganz selten…
Am 1. Dezember 2008 um 10:55 Uhr
[...] Werbeblogger & Friends [...]
Am 1. Dezember 2008 um 11:45 Uhr
[...] betrieben. Mit dem Start von Breitenbach & Brown beendet er seine Aktivitäten dort, der Werbeblogger selbst aber wird fortbestehen. Teile und [...]
Am 1. Dezember 2008 um 12:10 Uhr
Supersache. Wir haben ja schon oft drüber gesprochen. Schön, dass es jetzt auch umgesetzt werden soll. Und klasse, dass Cem dabei ist. Dann muss es ja klappen :) Ich bin dabei, wenn Hilfe gebraucht wird.
Am 1. Dezember 2008 um 13:25 Uhr
Ich finde immer besonders interessant, wenn Leute aus den Agenturen was erzählen. Auch die bevorstehende Agentur/Philosophie-Vorstellung ist schon ein richtiger Schritt. Kurz: Der Werbeblogger könnte sich in Zukunft noch mehr mit der realen Agenturlandschaft auseinandersetzen, Trends aufzeigen, neue Modelle…
Am 1. Dezember 2008 um 16:32 Uhr
Spitzenidee und gut geschrieben – “kreative Unruhe” trifft den Nagel auf den Kopf!
Am 1. Dezember 2008 um 17:25 Uhr
na, dann los. :)
Am 1. Dezember 2008 um 17:33 Uhr
Die disziplinübergreifenden Animositäten rühren doch vor allem daher, dass jeder “seinen” Budgettopf verteidigt. Dazu kommt unter Kommunikationsleuten ein gerütteltes Maß an Eitelkeit und Sich-selbst-wichtig-nehmerei. Alles nicht die besten Voraussetzungen, all die “360-integrated-interactive-convergent-newgeneration”-Versprechen tatsächlich einzulösen.
Aber einer muss ja den Anfang machen. Deshalb ein herzliches “JA!” von mir zum Vorhaben und das Angebot, die Perspektive eines Public Relations-Menschen einzubringen, der für seine Disziplin ebenfalls einen neuen Weg sucht.
Details und Kontaktinfos hier: http://www.oseon.com
Am 1. Dezember 2008 um 17:41 Uhr
Eitelkeiten können grundsätzlich an der Garderobe von Werbeblogger & Friends abgegeben werden…Dafür ist sie ja da ;-)
Am 1. Dezember 2008 um 19:09 Uhr
ungefähr so (Schnellschuss-Scribble):
werbeblogger.de/medi...
Am 2. Dezember 2008 um 15:43 Uhr
Phantastische Idee, aus mehreren Gründen. Inhaltlich als auch aus dem Aspekt das man hier genau die richtigen Teilnehmer zusammenbekommen könnte, um einmal “Wie verhalte ich mich unter Web 2.0 Volk” zu üben – etwas was einigen immer noch sehr viele Bauchschmerzen bereitet. Bitte unbedingt Bescheid geben wenn weitere Planungen existieren. Und für das erste Camp ev. in die Nähe der Next09? :)
Am 2. Dezember 2008 um 15:48 Uhr
@Nicole: Danke. Ja, bei der genauen Terminplanung steht natürlich auch die Next09 mit dem 5.5., ich weiß nur nicht, ob das nicht ein bisschen viel auf einmal für die Besucher wäre, wenn dann z.B. gleich 4 Tage abseits des eigenen Arbeitsplatzes beansprucht werden…Ein paar Tage Geduld bitte noch, bis Für und Wider abgewogen sind bei der Terminfindung.
Am 3. Dezember 2008 um 14:34 Uhr
[...] schon in einem längeren Beitrag angekündigt, wird das erste Werbecamp im Frühjahr 2009 in Hamburg stattfinden. [...]
Am 5. Dezember 2008 um 04:38 Uhr
[...] Ich beschäftigte mich zuvor mit einem geeigneten Kollaborations-Tool, welches unserem Werbeblogger & Friends Organisationsteam die gemeinsame Projektarbeit erleichtern soll. Ich erwähnte dabei in meinem Tweet auch ein [...]
Am 5. Dezember 2008 um 22:50 Uhr
Das Werbecamp erscheint doch mal vielversprechend. Ich hoffe ihr bekommt einen heterogenen Teilnehmer Mix hin um auch ungewöhnliche Lösungen zu besprechen.
Das übliche Um-sich-selbst-drehen wäre doch sehr schade.
tobetop
Am 3. März 2009 um 15:02 Uhr
[...] ja bereits Ende des vergangenen Jahres mit dem Arbeitstitel eines Werbecamps angekündigt, findet dieses Jahr die remix09 nun am 12./13. Juni in Hamburg statt. Vielen Dank schon einmal [...]
Am 19. März 2009 um 16:41 Uhr
[...] November 2008 wurde die Idee als Beitrag im Werbeblogger geboren. Ich schrieb damals: Was mich persönlich schon immer gestört hat, ist die gefühlte Trennung von klassischem und [...]
Am 28. März 2009 um 17:16 Uhr
[...] wie wäre es, wenn wir zunächst innerhalb unser Branche lernten, diese “integrierte Kommunikation” aktiv zu leben?! Sei selbst die Veränderung, die du in der Welt sehen [...]
Am 1. April 2009 um 15:14 Uhr
[...] hatte kürzlich bereits über die manchmal recht unversöhnlich gegenüber stehenden Parteien der [...]
Am 30. April 2009 um 15:23 Uhr
[...] die im Moment noch gern durch gegenseitiges Missverstehen oder Desinteresse verhindert werden. Oder wie Roland in seinem ursprünglichen Ideen-Post formuliert: Was mich persönlich schon immer gestört hat, ist die gefühlte Trennung von [...]