23:51 Uhr
Abendblatt oder Frühpost?
Der Wahlabend des US-Präsidenten hat durch die Zeitverschiebung auch eines deutlich gemacht:
Wer als Tageszeitung frische Nachrichten verarbeiten will, der sollte besser keine Druckerpresse und Redaktionsschlusszeiten zeitlich verdauen müssen:
Das (unter anderen) Hamburger Abendblatt konnte für alle Abonnenten am 05.11.2008 keine Information darüber abgeben, wer denn nun Präsident der USA geworden ist. Jeder Drucker und Printer hat dafür natürlich Verständnis, denn erst gegen 04.00 am 05.11. stand wirklich halbwegs gesichert fest, dass Obama “das Ding” einfährt; was für jedes Print-Organ zeitlich den Informationstod für die aktuelle Ausgabe bedeutet.
Es macht aber auch mehr als deutlich: Zeitungen sind nicht nur aufgrund der verschiedenen Weltzeitzonen nicht mehr in der Lage, die aktuellen Schlagzeilen zu prägen.
Alleine “Good morning, Mr. President!” blieb als Headline, freilich ohne die entscheidende Information, WER denn nun die Wahl tatsächlich gewonnen hatte.
Ein Blick in das Web -oder auch via TV und Radio- ergab jederzeit und erst recht am nächsten Morgen deutlich mehr Informationsgehalt als diese erbärmliche Kommunikationskrücke.
22 Kommentare
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- iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
- ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
- Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
- Hundeschule: Tja Abmahnungen gehen weiter, Hundeschule wurde abgemahnt, weil ein gekauftes Logo verwechslungsgewahr beinhaltet. Und nun? Die Pfote...
- InternetMarketing | Jens Srowig: Hallo an euch! Das ist wirklich ein tolles Video. Auch wenn es schon ein wenig spät ist, alles Gute für das neue...
- Ralf Hillmann: Da kann ich nur sagen, die Bezeichnung Video-Perle passt einfach perfekt. Da soll noch einmal jemand behaupten Werbung habe nichts...
- ralf schwartz: @Gerry K. Ich selbst rege mich immer am meisten über irgendwelche Tricks der Agenturen und Werbungtreibenden auf, aber die Angabe...
- Brian: Der Titel ist genial. Danke :).

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Am 6. November 2008 um 00:10 Uhr
Daher sollen die sich gefälligst spezialisieren und knackige Hintergrundberichte zum neuen Präsidenten liefern.
Wie isses denn inhaltlich? Auf “news” getrimmt oder mit Tiefe?
Am 6. November 2008 um 00:16 Uhr
Als Tageszeitung ist das Abendblatt zunächst natürlich auf die News getrimmt. Ob das Konzept halten kann, wage ich zu bezweifeln, nicht nur wegen zeitkritischer “Breaking News”, die aktuell im Print gar nicht mehr verarbeitet werden können…
Am 6. November 2008 um 09:40 Uhr
Na, wieder mal ein Thema gefunden, um den Untergang der Tageszeitung(en) zu prophezeien? Natürlich habe auch ich mich gefragt, wie gehen die jetzt alle damit um, dass es zum Redaktionsschluss eigentlich nichts zu sagen gibt. Ich fand das spannend zu vergleichen und einige der Schlagzeilen wunderbar gelöst.
Ansonsten gibt das Ereignis US-Präsidentenwahl und der Moment der Entscheidung nicht viel her, weil singulär. In Wirklichkeit haben sich die aktuellen Morgenausgaben der deutschen Tageszeitungen mit ihren Redaktionsschlüssen prima auf den Zeitunterschied zur USA eingestellt. Viel wichtiger als das Ergebnis einer Präsidentenwahl sind doch Schlusskurs des Dow Jones in New York (22:00 Uhr unserer Zeit), viel wichtiger sind Pressekonferenzen und politische Verlautbarungen. Die kommen alle vor 22:00 Uhr und lassen sich binnen 2 Stunden aktuell für die Morgenausgabe in unserem Land verwursten. Die ist den US-Printmedien dann um 6 bis 9 Stunden voraus, aktueller muss eine gedrucktes Medium zum Frühstück in Deutschland nicht sein, finde ich.
Am 6. November 2008 um 09:43 Uhr
Die alte Tageszeitung ja ich lese persönlich eine Print on Demand Variante bei der ich meine Inhalte aus der Redaktion (durchwegs sehr aktuell) in ein Template per Drag and Drop Einpflege und sie mir dann selbst ausdrucke. Zwar nicht so schön wie echte Druckerschwärze und billiges Naturpapier aber angenehmer :)
Am 6. November 2008 um 10:37 Uhr
Ganz schön arrogant Herr Dr. Kühl-von Puttkamer. Und der Informationswert dieser Diskussion oder was auch immer das sein soll geht leider auch gegen Null. Habt ihr jetzt schon das Sommerloch 2009 erreicht? Eine Tageszeitung ist langsamer als das Internet. WOW…
Am 6. November 2008 um 11:43 Uhr
[...] wieder mal an den Tag gebracht: die Welt hat sich geändert, die durchschnittliche Tageszeitung kann mit der Nachrichtenlage nicht mehr Schritt halten. Und das Publikum ist endgültig ins Internet [...]
Am 6. November 2008 um 22:22 Uhr
boah, zeitung = voll langsam
was für ne erkenntnis
was hat der (werbe)blogger so minderwertigkeitskomplexe?
Am 7. November 2008 um 00:07 Uhr
Ich verstehe nicht, warum hier das Trollophon klingelt.
Wenn ich den Eintrag (plus den verlinkten Eintrag) richtig verstehe, geht es um das fundamentale Problem, daß Zeitungen einen anderen Platz in der Medienlandschaft finden müssen, als „aktuelle Nachrichten“ anzubieten. Das geschilderte Dilemma des Hamburger Abendblattes ist ein exzellentes Beispiel dafür, daß Zeitungen „ihr Konzept gar nicht mehr auf Aktualität stützen“ können (Zitat aus dem verlinkten Beitrag). Ob sich neue Konzepte im Sinne einer „richtige [n] Dosis zwischen Tickernachricht und Sachbuch“ (dito) oder als etwas ganz anderes etablieren werden, und ob und wann das für Print-Zeitungen notwendig werden wird zum Überleben, sind interessante Fragen und Entwicklungen, die — finde ich — durchaus von Zeit zu Zeit bei gegebenem Anlaß ins Gedächtnis gerufen werden dürfen, oder?
^_^J.
Am 7. November 2008 um 04:45 Uhr
Das Problem existiert aber schon seit der flächendeckenden Einführung des Fernsehens, und irgendwie haben die Tageszeitungen das auch überlebt.
Die Hintergrundberichterstattung aller Tageszeitungen war mir immer schon zu dünn, dafür die Gesamttextmenge zu groß, um sie täglich zu bewältigen. Ich lese daher nur Wochenzeitungen/zeitschriften.
Bei mir ersetzt das Internet nicht die Tageszeitung – eher das Fernsehen.
Das Hamburger Abendblatt ist übrigens ein stockbiederes Werbeanzeigenblättchen für HH, die machen gern mit “Hamburg begrüßt den Frühling” auf, wenn gestern irgendwo ’ne Atombombe runtergekommen ist. Da es nichts anderes gibt, liest die Hamburger Mittelschicht halt HA.
Am 7. November 2008 um 08:06 Uhr
@JMartin: Trolle muss man aushungern. Und ja, ich denke richtig verstanden. SO habe ich es jedenfalls. Tageszeitungen könnten langfristig den zeitlichen Gap irgendwie ausfüllen. Entweder lokaler arbeiten oder tiefer in die Materie gehen. So wie es jetzt aussieht, werden sie aber einfach nur teilweise eingestampft, was ja nicht wirklich sinnvoll für die bisherig Beschäftigten der Branche ist.
A propos angebliche Minderwertigkeitskomplexe: flickr.com/photos/su...
Am 7. November 2008 um 09:28 Uhr
@Patrick
A propos angebliche Minderwertigkeitskomplexe: flickr.com/photos/su…
ich hau mich wech :-)))
Am 7. November 2008 um 12:19 Uhr
Ich mache es seit Jahren nicht anders. Aktuelle Nachrichten konsumiere ich täglich im Web und am Wochenende wird eine Wochenzeitung gelesen, die die aktuellen Themen tiefgründiger wiedergeben.
Am 8. November 2008 um 17:58 Uhr
Wenn ich mich im Bekanntenkreis bei den unter 40jährigen umsehe, muss ich folgendes feststellen: Tageszeitungen abonniert keine/r mehr, für aktuelle Schlagzeilen ist das Internet Medium Nr. 1 geworden, gefolgt vom Radio (im Auto oder in der Küche) Fernsehen dient fast nur noch zur Belustigung, viele haben keinen Fernseher mehr und schauen Filme mit Notebook/Beamer-Kombinationen. Hintergründe nimmt man gerne aus Wochenzeitungen oder Magazinen..
Am 9. November 2008 um 00:57 Uhr
Was m.E. am deutlichsten gegen Tageszeitungen spricht, ist zwar schon so alt wie sie selbst, aber ich bleibe dabei: das Format. Viel zu groß und flatterig, unpraktisch in Bus, Bahn, Flugzeug, am Frühstückstisch und im Bett, am Schreibtisch und am windigen Elbufer. Wo lesen die Leute die?
Am 11. November 2008 um 12:36 Uhr
Noch mehr zum Thema: Eine nicht völlig ernstgemeinte kleine Zukunftsvision zum Thema “Qualitätsjournalismus wird zum Subventionsfall, zum Liebhaberobjekt” in der Online-Ausgabe der Zeit vom letzten Samstag: zeit.de/2008/46/Spit...
^_^J.
Am 11. November 2008 um 12:48 Uhr
@J.Martin Danke. Ganz nett, ja. Leider ist auch aus diesem Artikel deutlich zu erspüren, wie eindimensional Business-Modelle des Print auf das Online-Modell abgeleitet werden…bzw. wie hilflos die Macher vor der Tatsache stehen, dass genau diese Ableitung nicht mehr funktioniert.
Im Web kann Geld verdient werden, vor allem für starke (Print)-Marken, die auch links und rechts üblicher Ertragsstränge genau hinschauen und sich neu definieren. Noch sind die Markenwerte nicht verbrannt, aber die Uhr tickt und der Handlungsspielraum wird immer kleiner.
Passt auch irgendwie hierzu:
werbeblogger.de/2008...
Am 11. November 2008 um 13:09 Uhr
Absolut.
Ich kann mich kaum mehr an die Zeit erinnern, wo die W&V bei mir etwas anderes als Augenrollen hervorgerufen hat.
^_^J.
Am 21. Januar 2009 um 14:00 Uhr
[...] letzten Jahres hatten wir in den Kommentaren zu Rolands Eintrag Abendblatt oder Frühpost anläßlich der notwendigerweise unentschiedenen Schlagzeile “Good Morning, Mr. [...]
Am 19. Februar 2009 um 10:22 Uhr
[...] ein Thema, worüber wir immer wieder gern und sogar in Stereo berichteten — sei es „riw“ (hier und hier), Holger Jung (hier und hier), Andrew Keen (hier und hier) oder Ulrich Strauß (nur [...]
Am 23. Februar 2009 um 21:51 Uhr
[...] ein Thema, worüber wir immer wieder gern und sogar in Stereo berichteten — sei es „riw“ (hier und hier), Holger Jung (hier und hier), Andrew Keen (hier und hier) oder Ulrich Strauß (nur [...]
Am 14. April 2009 um 13:35 Uhr
[...] wird. Die Tageszeitungen werden weder auf der eigenen Website noch -und erst recht nicht- im Print in der Lage sein, diese Flut sinnvoll redaktionell zu verarbeiten. Vielmehr werden sie sich auch aus rein [...]
Am 19. Februar 2011 um 19:26 Uhr
[...] Werbebloggerbeitrag Abendblatt oder Frühpost? wurden aus Hölzchen Stöckchen und aus Stöckchen Stämme und aus Stämmen [...]