05.11.08
23:51 Uhr

Abendblatt oder Frühpost?

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Der Wahlabend des US-Präsidenten hat durch die Zeitverschiebung auch eines deutlich gemacht:
Wer als Tageszeitung frische Nachrichten verarbeiten will, der sollte besser keine Druckerpresse und Redaktionsschlusszeiten zeitlich verdauen müssen:
Das (unter anderen) Hamburger Abendblatt konnte für alle Abonnenten am 05.11.2008 keine Information darüber abgeben, wer denn nun Präsident der USA geworden ist. Jeder Drucker und Printer hat dafür natürlich Verständnis, denn erst gegen 04.00 am 05.11. stand wirklich halbwegs gesichert fest, dass Obama „das Ding“ einfährt; was für jedes Print-Organ zeitlich den Informationstod für die aktuelle Ausgabe bedeutet.
Es macht aber auch mehr als deutlich: Zeitungen sind nicht nur aufgrund der verschiedenen Weltzeitzonen nicht mehr in der Lage, die aktuellen Schlagzeilen zu prägen.
Alleine „Good morning, Mr. President!“ blieb als Headline, freilich ohne die entscheidende Information, WER denn nun die Wahl tatsächlich gewonnen hatte.
Ein Blick in das Web -oder auch via TV und Radio- ergab jederzeit und erst recht am nächsten Morgen deutlich mehr Informationsgehalt als diese erbärmliche Kommunikationskrücke.

22 Kommentare

  1. Patrick Breitenbach

    Daher sollen die sich gefälligst spezialisieren und knackige Hintergrundberichte zum neuen Präsidenten liefern.

    Wie isses denn inhaltlich? Auf „news“ getrimmt oder mit Tiefe?

  2. Roland Kühl-v.Puttkamer

    Als Tageszeitung ist das Abendblatt zunächst natürlich auf die News getrimmt. Ob das Konzept halten kann, wage ich zu bezweifeln, nicht nur wegen zeitkritischer „Breaking News“, die aktuell im Print gar nicht mehr verarbeitet werden können…

  3. Jürgen Siebert

    Na, wieder mal ein Thema gefunden, um den Untergang der Tageszeitung(en) zu prophezeien? Natürlich habe auch ich mich gefragt, wie gehen die jetzt alle damit um, dass es zum Redaktionsschluss eigentlich nichts zu sagen gibt. Ich fand das spannend zu vergleichen und einige der Schlagzeilen wunderbar gelöst.
    Ansonsten gibt das Ereignis US-Präsidentenwahl und der Moment der Entscheidung nicht viel her, weil singulär. In Wirklichkeit haben sich die aktuellen Morgenausgaben der deutschen Tageszeitungen mit ihren Redaktionsschlüssen prima auf den Zeitunterschied zur USA eingestellt. Viel wichtiger als das Ergebnis einer Präsidentenwahl sind doch Schlusskurs des Dow Jones in New York (22:00 Uhr unserer Zeit), viel wichtiger sind Pressekonferenzen und politische Verlautbarungen. Die kommen alle vor 22:00 Uhr und lassen sich binnen 2 Stunden aktuell für die Morgenausgabe in unserem Land verwursten. Die ist den US-Printmedien dann um 6 bis 9 Stunden voraus, aktueller muss eine gedrucktes Medium zum Frühstück in Deutschland nicht sein, finde ich.

  4. Boris Noll

    Die alte Tageszeitung ja ich lese persönlich eine Print on Demand Variante bei der ich meine Inhalte aus der Redaktion (durchwegs sehr aktuell) in ein Template per Drag and Drop Einpflege und sie mir dann selbst ausdrucke. Zwar nicht so schön wie echte Druckerschwärze und billiges Naturpapier aber angenehmer :)

  5. Strick

    Ganz schön arrogant Herr Dr. Kühl-von Puttkamer. Und der Informationswert dieser Diskussion oder was auch immer das sein soll geht leider auch gegen Null. Habt ihr jetzt schon das Sommerloch 2009 erreicht? Eine Tageszeitung ist langsamer als das Internet. WOW…

  6. Internetwahl - Code Candies

    […] wieder mal an den Tag gebracht: die Welt hat sich geändert, die durchschnittliche Tageszeitung kann mit der Nachrichtenlage nicht mehr Schritt halten. Und das Publikum ist endgültig ins Internet […]

  7. newluder

    boah, zeitung = voll langsam
    was für ne erkenntnis
    was hat der (werbe)blogger so minderwertigkeitskomplexe?

  8. J. Martin

    Ich verstehe nicht, warum hier das Trollophon klingelt.

    Wenn ich den Eintrag (plus den verlinkten Eintrag) richtig verstehe, geht es um das fundamentale Problem, daß Zeitungen einen anderen Platz in der Medienlandschaft finden müssen, als „aktuelle Nachrichten“ anzubieten. Das geschilderte Dilemma des Hamburger Abendblattes ist ein exzellentes Beispiel dafür, daß Zeitungen „ihr Konzept gar nicht mehr auf Aktualität stützen“ können (Zitat aus dem verlinkten Beitrag). Ob sich neue Konzepte im Sinne einer „richtige [n] Dosis zwischen Tickernachricht und Sachbuch“ (dito) oder als etwas ganz anderes etablieren werden, und ob und wann das für Print-Zeitungen notwendig werden wird zum Überleben, sind interessante Fragen und Entwicklungen, die — finde ich — durchaus von Zeit zu Zeit bei gegebenem Anlaß ins Gedächtnis gerufen werden dürfen, oder?

    ^_^J.

  9. friedrich

    Das Problem existiert aber schon seit der flächendeckenden Einführung des Fernsehens, und irgendwie haben die Tageszeitungen das auch überlebt.

    Die Hintergrundberichterstattung aller Tageszeitungen war mir immer schon zu dünn, dafür die Gesamttextmenge zu groß, um sie täglich zu bewältigen. Ich lese daher nur Wochenzeitungen/zeitschriften.
    Bei mir ersetzt das Internet nicht die Tageszeitung – eher das Fernsehen.

    Das Hamburger Abendblatt ist übrigens ein stockbiederes Werbeanzeigenblättchen für HH, die machen gern mit „Hamburg begrüßt den Frühling“ auf, wenn gestern irgendwo ’ne Atombombe runtergekommen ist. Da es nichts anderes gibt, liest die Hamburger Mittelschicht halt HA.

  10. Patrick Breitenbach

    @JMartin: Trolle muss man aushungern. Und ja, ich denke richtig verstanden. SO habe ich es jedenfalls. Tageszeitungen könnten langfristig den zeitlichen Gap irgendwie ausfüllen. Entweder lokaler arbeiten oder tiefer in die Materie gehen. So wie es jetzt aussieht, werden sie aber einfach nur teilweise eingestampft, was ja nicht wirklich sinnvoll für die bisherig Beschäftigten der Branche ist.

    A propos angebliche Minderwertigkeitskomplexe: flickr.com/photos/su...

  11. Torsten

    @Patrick
    A propos angebliche Minderwertigkeitskomplexe: flickr.com/photos/su…

    ich hau mich wech :-)))

  12. AndreasN

    Ich mache es seit Jahren nicht anders. Aktuelle Nachrichten konsumiere ich täglich im Web und am Wochenende wird eine Wochenzeitung gelesen, die die aktuellen Themen tiefgründiger wiedergeben.

  13. Klaus

    Wenn ich mich im Bekanntenkreis bei den unter 40jährigen umsehe, muss ich folgendes feststellen: Tageszeitungen abonniert keine/r mehr, für aktuelle Schlagzeilen ist das Internet Medium Nr. 1 geworden, gefolgt vom Radio (im Auto oder in der Küche) Fernsehen dient fast nur noch zur Belustigung, viele haben keinen Fernseher mehr und schauen Filme mit Notebook/Beamer-Kombinationen. Hintergründe nimmt man gerne aus Wochenzeitungen oder Magazinen..

  14. friedrich

    Was m.E. am deutlichsten gegen Tageszeitungen spricht, ist zwar schon so alt wie sie selbst, aber ich bleibe dabei: das Format. Viel zu groß und flatterig, unpraktisch in Bus, Bahn, Flugzeug, am Frühstückstisch und im Bett, am Schreibtisch und am windigen Elbufer. Wo lesen die Leute die?

  15. J. Martin

    Noch mehr zum Thema: Eine nicht völlig ernstgemeinte kleine Zukunftsvision zum Thema „Qualitätsjournalismus wird zum Subventionsfall, zum Liebhaberobjekt“ in der Online-Ausgabe der Zeit vom letzten Samstag: zeit.de/2008/46/Spit...

    ^_^J.

  16. Roland Kühl-v.Puttkamer

    @J.Martin Danke. Ganz nett, ja. Leider ist auch aus diesem Artikel deutlich zu erspüren, wie eindimensional Business-Modelle des Print auf das Online-Modell abgeleitet werden…bzw. wie hilflos die Macher vor der Tatsache stehen, dass genau diese Ableitung nicht mehr funktioniert.
    Im Web kann Geld verdient werden, vor allem für starke (Print)-Marken, die auch links und rechts üblicher Ertragsstränge genau hinschauen und sich neu definieren. Noch sind die Markenwerte nicht verbrannt, aber die Uhr tickt und der Handlungsspielraum wird immer kleiner.
    Passt auch irgendwie hierzu:
    werbeblogger.de/2008...

  17. J. Martin

    Paßt auch irgendwie hierzu

    Absolut.

    Ich kann mich kaum mehr an die Zeit erinnern, wo die W&V bei mir etwas anderes als Augenrollen hervorgerufen hat.

    ^_^J.

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