30.10.08
11:44 Uhr

Die Menschen wollen nicht mit Werbemitteln sprechen

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WARNUNG!
Dieser Text enthält zahlreiche Phrasenbegriffe. Für jeden Begriff, den ich extra mit „“ gekennzeichnet habe, zahle ich 1 Tannenzäpfle in das Werbeblogger-Party-Phrasenschweinderl ein. Die Begriffe sind notwendig, um bei manchen Berufskollegen und potenziellen Kunden Gehör zu verschaffen und manchmal sind sie der Plattheit halber einfach super zu verwenden.

Manche Agenturen und Unternehmensberater gehen von der merkwürdigen Annahme aus, dass der Konsument ja gar nicht mit Marken oder Unternehmen sprechen will, dass er dazu keine Zeit habe oder dass manche Marken und Produkte ihm dafür zu „low-involving“ sind.

Leider verwechseln sie diese Erkenntnisse mit einer ganz anderen Erkenntnis, nämlich, dass Menschen auf keinen Fall Lust haben mit den Werbemitteln einer Marke zu sprechen (Gewinnspiele und Tiernahrung sind natürlich ausgenommen, ich zähle solche „Responsemechanismen“ nicht als echte Gespräche). Frau Heumann hat absolut Recht, natürlich will sich keine Menschenseele im klassisch durchgebrandeten makethelogofuckingdiggeraller-Joghurtforum über diesen einen Joghurt unterhalten. Warum sollte er das tun? Mit wem sollte er das tun? Die Marke wird ihm sowieso nicht antworten, weil sie meist Angst hat vor den Gesprächen (Nicht-BlueChip-Saftkeltereien mal ausgenommen) und dessen möglichen Konsequenzen, keine Zeit hat oder das ganze als ineffizient einstuft. Kleinvieh macht eben kein Mist, egal wie hoch das „Involvement“ mancher Leute im Netz auch sein mag. Augenhöhe? Wieso sollten wir uns auf dieses miese Niveau mancher bloggenden Konsumenten herablassen? Ignorieren ist wesentlich effizienter.

Was die Leute aber ganz sicher heute im Netz verstärkt tun (und natürlich auch draußen, aber weitaus weniger vernetzt und schnell), ist über das Thema Joghurt an sich zu sprechen. Das machen auf den ersten Blick vielleicht nicht viele. Sicherlich nicht alle Zuschauer einer nachmittäglichen TV-Gerichtsshow, aber einige tun das mit sehr großem Erregungspotenzial (positiv wie negativ), sprich sie haben ein Faible für das Produkt, sie sind echte Joghurtfans, aber auf irgendeine Weise eine Beziehung dazu (Bitte nicht verwechseln mit Fans einer Joghurtmarke), schreiben darüber und tauschen sich aus. Sprich sie sind sehr involviert und damit empfänglich für weitere Informationen rund um das Thema. Auch von Marken.

Für mich gibt es kein reines „Low Involvement“, gar nicht. Für mich gibt es „nur zu kleine Zeitfenster für High Involvement“. Denn es gibt bei jedem Produkt oder Marke immer einen bestimmten Punkt oder Moment, und wenn es nur eine Sekunde ist, in der wir ein „High-Involvement“ verspüren. Die Kaufabsicht ist für mich ganz persönlich immer der Scheitel dieser höchsten Erregungsphase, die Werbung erzeugen kann und soll. Hier ist die größte Affinität zum Produkt, eine intensive Auseinandersetzung damit, einen Funken Beziehung am allergrößten. Es gibt also immer irgendwo ein „High-Involvement“, man muss sich nur die Mühe machen es zu öffnen. Das lohnt sich aber auch.

Beispiele?

Wo erhält Zahnpasta eine gewisse Relevanz? Wie öffnet man das Zeifenster?

Nun, wir befassen uns mit Zahnpasta, wenn wir beim Zahnarzt sitzen, über Hygiene sprechen, mit Mundgeruch kämpfen oder wir direkten Kontakt dazu haben.

Wo und wann erhält Klopapier eine Relevanz?

Da fällt mir auf Anhieb das Thema Stuhlgang ein.

Wenn das Zeitfenster sich öffnet, dann ist der Mensch erst in der Stimmung, sich überhaupt etwas über eine Zahnpasta- oder Klopapiermarke erzählen zu lassen. Wie öffne ich also das Klofenster?

Es gibt von der wissenschaftlich-anspruchsvollen Abhandlung der analen Phase bis hin heimlichen viralen Star des Webs, der Furzmaschine eine große Bandbreite von Gesprächen rund um dieses Thema. Das ist gleichzeitig immer wieder eine Gelegenheit ins Spiel zu kommen. Völlig relevant, mit hohem Involvement.

Sehr viel interessanter und „effizienter“ wird es jedoch, wenn wir gleich involvierende Produkte oder Produktlabels erstellen. Wieso gibt es teilweise sehr anal fokussierte Spots und virale Gimmicks, aber kein Klopapier, das beispielsweise „Rosettenzauber“, „Furzpapier“, oder „Super Anal“ heisst? (bewusste Übertreibung in Bezug auf manche viralen Spots, zb. den der Bildzeitung)

Wir brauchen weniger virales Blahblah, wir brauchen virale Produkte und Produktlabels, wenn wir Produkte verkaufen wollen.

Aber, und jetzt kommt der entscheidende Punkt, man darf diese „Insights“ auf keinen Fall in einer Art Durchschnittsbrennkammer eindampfen. Leute, alle wichtigen Vitamine und Spurenlementen in den Cerealien gehen dabei doch verloren. Die Masse bekommt man nur in Schwingung, wenn man Sie als Summe von Individuen begreift, als Summe von Einzelinteresse mit dem Hang zum Herdendasein. Wem das zu ineffizient erscheint, soll einfach weiter lustige TV-Spots im größten gemeinsamen Geschmacksnenner in Werbeblöcken schalten und dort für nichtssagendes Klopapier werben. Er wird sich das Erregungspotenzial dieses Spots sicherlich so lange bewahren, bis er im Supermarkt vorm Klopapier-Regal steht und einfach zum billigsten Produkt greift, weil dies die größte emotionale Schnittmenge gerade darstellt.

Also sollten nicht nur Dienstleister umdenken, in erster Linie sollten das die Marken selbst tun. Mehr Mut zur kantigen Positionierung. Mehr Mut zu viralen Produkten. Ideen gibt es genug da draußen im Netz, man muss sie einfach nur aufgreifen und verarbeiten können.

Und beim nächste Mal mach ich mir ein paar Gedanken über das große Verlangen von Menschen mit einer Marke, über die Marke zu sprechen, am anderen Ende aber nur unwissende Callcenter-Ärgernisse zu begegnen. Auch da könnte sich einiges zum positiven verändern. Statt wütende Menschen als nervige wütende Menschen zu betrachten und sie durch ein Callcentergespräch noch wütender zu machen, könnte man das Erregungspotenzial doch dazu nutzen um zu missionieren und das „Involvement“ in Wohlgefallen zu baden.

27 Kommentare

  1. Sebastian Schneck

    Virale Produkte? Bitte verzeih, aber das ist doch vollkommener Blödsinn. Das Hauptproblem sehe ich darin, dass die Ausdifferenzierungen innerhalb vieler Produktkategorien (Joghurts, Toilettenpapier, Zahnstocher, Raumerfrischer, Waschmittel usw.) schlicht nur noch werblich konstruiert ist. Oder, sofern sie denn doch vorhanden ist, als werblich konstruiert wahrgenommen wird. Es gibt wirklich nicht viele Gründe mit einer FMCG-Marke in irgendeinen Dialog zu treten.

    Anders hingegen sehe ich das bei Consumer Electronics, Computer, Software, Automobile, evt. Fashion und vielen anderen Segmenten. Hier gibt es große Differenzierungsmerkmale, die auch offensiv gespielt werden können. Und damit _manchmal_ auch Gesprächsfutter bieten. So warte ich noch immer auf die Charme-Offensive einer Marke wie Nokia oder Samsung um das iPhone in seine Begehrlichkeits-Schranken zu weisen.

    Vielleicht sollten wir uns einfach noch einmal den Sinn einer Marke ins Gedächtnis rufen: Eine Marke dient der vermarktungsrlevanten Unterscheidbarkeit eines Produktes von anderen, vergleichbaren Produkten. Eine Marke hat keine Persönlichkeit, ist nicht fraktal oder sonstwie aufgeladen. All das entsteht erst im Laufe der Zeit in den Köpfen der Konsumenten und kann nur bedingt gesteuert werden.

    Eine wirklich starke Marke (Apple, Coca-Cola, Microsoft, Nike) wächst über Jahrzehnte heran und ist gestützt von Produkten, die eine entsprechende Qualität aufweisen. Ich verzichte auf „virale Produkte“ und Konversationsangebote von Markenartiklern, wenn ich im Gegenzug einfach ein paar gute, durchdachte und meinen Anforderungen gerecht werdende Produkte bekommen kann.

  2. Roland Kühl-v.Puttkamer

    Es gibt durchaus Produkte, die „virales Potenzial“ beinhalten. Vollkommener Blödsinn ist das sicher nicht. Allerdings stimme ich auch zu: Nicht alle Produkte beinhalten ggf. Attribute, die aus sich heraus effiziente Mundpropaganda anregen können. Auch trnd dürfte ein Lied davon singen können. In solchen Fällen ist es aber dennoch denkbar, sie in einem passenden Kontext zu platzieren, wie Patrick schrieb.
    Jedes noch so banale Klopapier kann grundsätzlich Geschichte schreiben, muss ja nicht gleich der Abreißband „Best of Goethe“ sein ;-)

  3. Patrick Breitenbach

    „ein paar gute, durchdachte und meinen Anforderungen gerecht werdende Produkte“

    … sind für mich automatisch viral. Bitte nicht verwechseln mit den typischen Viralspots. Meine Beispiele sind natürlich extrem überspitzt gewählt. Will ja nicht nur Ideen verblasen. ;-)

  4. Patrick Breitenbach

    @Sebastian Schneck:

    Das Hauptproblem sehe ich darin, dass die Ausdifferenzierungen innerhalb vieler Produktkategorien (Joghurts, Toilettenpapier, Zahnstocher, Raumerfrischer, Waschmittel usw.) schlicht nur noch werblich konstruiert ist.

    Daher ja an die Produkte rangehen. Mutiger und differenzierter werden. Beim Label fängt man an und geht tief ins Produkt hinein.

    „Es gibt wirklich nicht viele Gründe mit einer FMCG-Marke in irgendeinen Dialog zu treten.“

    Ist Babynahrung FMCG? Dann irrst du dich. Es gibt eine Milupa Mütterhotline, die 24/7 erreichbar ist. Von Müttern für Müttern. Außerdem sprach ich nicht von den Marken an sich, sondern vom unmittelbaren Themenumfeld. Zahnreinigung ist sehr wohl ein Gesprächsthema, Hygiene auch und auch das gute alte Persil ist laut Marketingchef durchaus gesprächsbedürftig. werbeblogger.de/2007...

    „Eine Marke dient der vermarktungsrlevanten Unterscheidbarkeit eines Produktes von anderen, vergleichbaren Produkten. Eine Marke hat keine Persönlichkeit, ist nicht fraktal oder sonstwie aufgeladen. All das entsteht erst im Laufe der Zeit in den Köpfen der Konsumenten und kann nur bedingt gesteuert werden.“

    Ganz genau, aber was macht man mit kaputten Marken oder Neuanmeldungen? Was macht man mit Marken die nicht das Glück hatten seit über 100 Jahren fester Bestandteil eines Marktes zu sein, der damals im Vergleich zu heute nahezu konkurrenzlos ist und keine zig Metoos im Nacken sitzen hatte?

    „Eine wirklich starke Marke (Apple, Coca-Cola, Microsoft, Nike) wächst über Jahrzehnte heran und ist gestützt von Produkten, die eine entsprechende Qualität aufweisen.“

    Alle diese Marken die du aufgezählt hast sind einzig und allein nur aufgrund ihrer Produkte groß geworden und sie konnten dies zum Teil kommunikativ halten. Apple hat sich selbst in die Pflicht genommen mindestens jedes Jahr ein neues Knüllerprodukt zu präsentieren, Microsoft ist nicht so alt und konnte dank des ersten Desktopbasierten Betriebssystem die Massen gewinnen usw. Alles begann sozusagen mit „viralen“ Produkten. Aber mir scheint, wir liegen gar nicht so weit auseinander, ich denke der Begriff „viral“ war etwas falsch gewählt. Ich will sicherlich keinen Scherzartikelmarkt im Furzkissensegment eröffnen. Aber ich will eben auch einige Ideen für mich behalten. ;-)

    Jedenfalls danke für deine Kritik, an der ich mich herausfordern konnte.

  5. Nischenfischer | Werbeblogger - Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Nischenfischer

    […] gehört für viele zusammen wie die Butter auf das Brot. Vielleicht ist es auch nur das vermeintlich langweiligste “fast moving consumer good” aus […]

  6. ramses101

    Interessante Präsentation mit vielen Zahlen zum Thema, ab Folie 25 lässt sich auch gut der „Redebedarf“ ableiten: tinyurl.com/6oop4e

    „We trust recommendations in social media channels more than paid-for communications.“

    (Bei twitter.com/psyxonaut drüber gestolpert)

  7. Patrick Breitenbach

    @ramses101 Danke für den Link. Schau ich mir heute Abend mal in Ruhe an.

  8. Vroni

    „We can start trust strangers.“

    Habe die Folien gelesen.

    Hmhm.
    Ohne dass ich alles madig machen will am gegenseitigen Vertrauen der Leute, die sich zunehmend selber im Internet informieren, sich gegenseitig Sachen empfehlen und drüber reden. Ist ja eine tolle Sache, kann ausgebaut werden.

    Parasiten

    Wenn da die Seuche der Parasiten nicht wäre: gekaufte Blogeinträge, gekaufte Kommentare, Pseudobeiträge in Blogs und Foren, von (billig, sic!) zugekauften Leuten gesteuerte Wahrnehmung, die in die Communities eingeschleust werden. In Gesundheitsforen z. B. sind zunehmend „Empfehler“ unterwegs, aka biggi145, silvermoon, bushwarrior und obamalover, die die traumhafte Wirkung der Creme x und der Tablette y preisen, obwohl das Zeug Schrott oder schädlich ist. Oder derzeit die Adware-Seuche, die mit einem gefakten Adobe-Flashplayer-Download (sieht aus die wie die echte Adobe landing page) oder mit einem gefakten Antivir-Online-Scanner die Leute dazu bringt, sich freiwillig den Bock zum Gärtner zu mchen, ähm Schadware auf den Desktop zu holen.

    Solchen strangers I will never trust! Gekaufte Kommentare sind kein Einzelproblem mehr, eine ganze Industrie macht sich bereit und wird immer raffinierter. Vor kurzer Zeit noch blöde Einzeiler von SEOs, die sich für nix zu schade sind, machen sich gezielt eingekaufte Billigtexter (das wahre Online-Prekariat) per Auftrag bereits die Mühe, halbwegs strukturierte und themenbezogene Kommentare abzulaichen. Auf einschlägigen Portalen werden diese für lau rekrutiert. Diese Auftraggeber und die, die sich allmählich sonst von nichts außer diesem ernähren können und von solchen Jobs abhängig werden, das sind die echten Flöhe.

    Virale Produkte = sich fast von selbst verkaufenden Produkte, weil sie im Gespräch sind

    Man darf also a) die Rechnung mit den viral sein sollenden Produkten a) nicht ohne den Wirt machen und b) nicht ohne den eingekauften Parasiten. Ich schätze das wird auch noch in dem gleichen Maße oder gar mehr zunehmen, wie echte vertrauenswürdige Marktgespräche zunehmen. Wem soll man denn trauen, wenn Normalos durchmischt werden mit Kaufschreibern? Woran sehe ich das? Wieviel Lesekompetenz wird man brauchen, um den einen vom anderen unterscheiden zu können? Sicher mehr als ausreichend ist, um Youtube-Filmchen zu klicken.

    Wenn es eine Lösung für diese Schmach, diese Enddarm-Parasiten gibt, die deutlich noch vertrauensunwürdiger sind als die von Oben-herab-Klassikwerbung: Ja.

    So bleibe ich und bleibt der Konsument vorsichtig. Oder wird vorsichtig nach ersten Erfahrungen. Nach dem Motto: Einmal neidappt langt. Es geht nichts über das Vertrauen zu Leuten, die man kennt (und die amn notfalss zur Rechenschaft ziehen kann, wenn sie Mist gelabert haben^^…). Alles andere steht auf tönernen Füßen.

  9. Roland Kühl-v.Puttkamer

    Ich stimme dir in vollem Umfang zu, Vroni. (gabs denn DAS schonmal? ;-) Was du beschreibst, ist wirklich die Pest. Fakt ist: We don´t trust strangers. We trust people we know.
    Bis auf den Titel ist die Präse aber sehr treffend…
    Will sagen, es muss eine Beziehung existieren, ein Online-Vertrauensverhältnis, welches sich auch im Medium selbst entwickeln kann. Allerdings auch mit Einschränkungen,

    werbeblogger.de/2008...

    aber für eine gute Empfehlung muss ich nicht „gut Freund“ mit dem Empfehler sein. Nicht zwingend.
    Umherfleuchende Wegelagerer und Handtaschendiebe sind flüchtig. Schnell rein, Mist absetzen, schnell wieder raus. Gibt auch Ausnahmen, klar, aber für heute Schluss mit den Relativierungen. Muss auch ma sein.

  10. ramses101

    Na Moment mal. Natürlich trauen wir Fremden, geht ja gar nicht anders. Und ebenso natürlich trauen wir Bekannten mehr als Fremden. Die von mir zitierte These zielt aber nicht auf den Vergleich Fremde vs. Bekannte, sondern auf Fremde vs. Bezahlkommunikation. Und unter bezahlte Kommunikation fallen selbstverstndlich auch bezahlte Fakes.

    Wie oft habe ich schon Bücher gekauft, nachdem eine Anzeige mein Interesse geweckt hat? Genau ein Mal. Wie oft ich nach der Lektüre von amazon-Rezis Bücher gekauft habe, die ich vorher überhaupt nicht auf dem Schirm hatte, kann ich hingegen nicht mehr zählen.

  11. Patrick Breitenbach

    Es ist doch im Grunde so: Wann ist man einem anderen nicht mehr fremd? Selbst Ehepaare können sich nach 30 Jahre Vertrautheit fremd werden. Es gibt Liebe oder Freundschaft auf den ersten Blick und man meint, man kenne denjenigen schon ein Leben lang.

    Also erstmal definieren was „Fremde“ sind. Muss ich die getroffen haben, mit ihnen dreimal gedated haben?

    Aber klar, gekaufte Identitäten sind, wenn sie mal auffliegen, nicht mehr vertrauenswürdig. Aber das Grundprinzip funktioniert.

    Überhaupt sind wir uns alle weniger fremd als wir meinen. Wir nehmen diese Prozesse des „abcheckens“ nur nicht bewusst war. Wir suchen nach übereinstimmenden oder passenden Mustern, das ziemlich schnell. Aber meistens projezieren wir nur unser eigenes Ich auf andere, die wir noch nicht so intensiv kennen. Von daher ist uns jeder Spiegel recht! ;-)

  12. Patrick Breitenbach

    Hier noch eine These zum „einander fremdwerden“: brainblogger.de/2008...

  13. Vroni

    @ ramses101
    Es ist des längeren bekannt, das Amazon-Renzensionen (und Bewertungen auf ciao! und anderen Portalen auch) häufig massiv getürkt sind :-)

    Dass dennoch aufgrund solchen Push-Geschreibsels diese Bücher und Produkte gekauft werden, sagt nur, dass es Leute gibt, die darauf reinfallen. Ist jedoch da glatte Gegenteil von dem, was Patrick propagiert. Er will ja ehrliche Marktgespräche. So werden sie nicht stattfinden.

    Wer diese idealistische Form des Pullmarketings unbedingt als die Lösung sieht (darf er ja), aber den massiven Betrug, den man damit treiben kann, nur als leidlichen Kollateralschaden in Kauf nimmt und abtut, der darf dann nicht so tun, als ob solcherlei Manipulationskisten die sich dabei auftun, immer noch die bessere, da ehrlichere Form der Werbung wären. Das Gegenteil ist der Fall. Und man sit auf einem Auge blind.

    @ Patrick

    Vertrauen und Kennen unter 3o-jährigen Eheleuten nicht? Tragisch. Ja uund? Was hat das damit zu tun, dass man von völlig Fremden besser nicht vertraut?

    Öhm, man kann viel relativieren, wenn der Tag lang ist.

  14. Patrick Breitenbach

    „dass man von völlig Fremden besser nicht vertraut“

    Gruselig. Aber es ist ja heute Halloween.

  15. Vroni

    Sachma,
    sind dir die Argumente ausgegangen…?
    Gibs nich…

  16. Patrick Breitenbach

    „Öhm, man kann viel relativieren, wenn der Tag lang ist.“

    Danach schon, ja! :-)

  17. ramses101

    Bei Ciao kann ich nicht mitreden, bei amazon schon. Da bin ich in der Tat schon über Rezis gestolpert, in der die PR-Texte wie Perlen an einer Kette aneinander gereiht waren. Und dann kommt ein (!) Rezensent und fragt, ob die alle einen Knall haben und schon ist der Fall erledigt. Wer für so eine anfällige PR Geld ausgibt, soll es tun, ich bezweifle, dass sie was bringt.

    Aber: Ein bisschen die Augen offen halten muss man immer, wenn man sich von Fremden was erzählen lässt. Wer das nicht macht, hat es auch nicht anders verdient. Für so etwas gibt es ja Profile.

    Außerdem: „… sagt nur, dass es Leute gibt, die darauf reinfallen.“ sagt ja auch nur wieder, dass es stimmt: We trust strangers. Und zwar so lange, bis der Schwindel auffliegt, dann trusten wir den bezahlten Kommunikatoren nämlich nicht mehr.

    @Patrick: Es ist in der Tat die Frage, wie fremd die Fremden sind. Wenn mir jemand im Netz was empfiehlt, kenne ich den tendenziell nicht, d.h. er ist mir fremd. Ich kann aber schauen, was der sonst so geschrieben und bewertet hat und schon ist er mir nicht mehr ganz so fremd.

  18. Vroni

    @ ramse101

    „Ich kann aber schauen, was der sonst so geschrieben und bewertet hat und schon ist er mir nicht mehr ganz so fremd.“

    Exakt.

    Diese empfehlenswerte und zutiefst menschliche Herangehensweise kostet eins: Zeit. Und Internet, da hieß es mal, da gingen die Dinge recht schnell. Stimmt dann auch nicht mehr.

    Denn Vertrauen kann man nicht verlangen, nicht fordern. Ich habe mal in einer Internet-Studie gelesen, dass versucht werden solle, Vertrauen zu „generieren“. Auch das ist schein-perfekter, gut klingender Blödsinn. Man kann es nicht generieren, beliebig mechanisch vermehren.

    Man kann es: sich erarbeiten, sich dann verdienen. Man kann es jemandem entgegenbringen. Und beides, Vertrauen geben und nehmen, geht häufig alles andere als schnell. (Von den neurotischen Zeitgenossen mal abgesehen, die man vorher nie gesehen hat und die einem gleich ohne Pause und Komma im Intercity ihr Leben erzählen.) Im Internet bedeutet das: Die Leute beobachten, mit ihnen mehrmals reden, sie etwas fragen. Ihre Postings vergleichen. Ihre Herkunft und Vertrauenswürdigkeit versuchen zu verstehen. Nach ihnen googeln. Das kostet alles: verdammt viel Zeit. Die hat nicht jeder. Zumindest nicht soviel.

    Vetrauen ist also eine langsame und Zeit kostende Währung. Und passt nicht so recht zum schnellen, billigen und teilweise sehr anonymen Internet mit seinen Fakeprofilen.

    Alles andere zu behaupten ist Startup-Marketinggedöns von Vollprallen (vollprall: Lieblingsausdruck von Alfonso über hibbelige Möchtegern-Gründer, die mit hochskalierten Zahlen hantieren, die berweits im Mini-Showcase jeder Grundlage entbehren).

    Oder es kann auch sein: Idealismus, der daraus entstanden ist, dass man sich für sein Geschäftsmodell, seine Ideen, einen neuen besseren Menschen wünscht, damit die Ideen überhaupt funktionieren. Aber vergisst, dass lediglich der Wunsch Vater des Gedanken ist. Solche Geschäftsmodelle werden scheitern.

    Wer das jedoch alles weiß und keinesfalls idealistisch ist und das Vertrauen dennoch flapsig einfach einfordert und Vertrauensschäden einfach mit dazu einkalkuliert, den muss ich fragen, wie es um seine Integrität bestellt ist. Der darf doch keinesfalls gegen die verlogene klassische Werbung wettern, die Augenhöhe mit den Kunden vermissen lasse. Denn dieses flapsige „Vertrauenszwangsmodell“ hat ebenfalls nicht: Augenhöhe. Und ist ebenfalls dadurch: von oben herab, wenn es einem wurscht ist, dass die Leute aufs Kreuz gelegt werden („sie hätten halt a bissi die Augen offen halten müssen“). Mir ist es nicht wurscht.

    Lösung: Es braucht vertrauenswürdige Portale, Absender. Die nicht alle Mitglieder reinlassen. Die sie prüfen. IP, ID, Identiy und echte vertrauenswürdeige E-Mailadressen und nachvollziehbare Profile.
    Das Ende eigentlich von relativ billig betriebenen Massencomunities, denn das wird teuer, personalintensiv.

    @ Patrick
    Wie wäre es, wenn du ein konkretes Szenario schilderst, wie du dir das vorstellst. Es soll ja immerhin um eine Revolution von unten gegen die Bevormundung des Verbrauches von oben gehen. Die möchte ich mir vorstellen können. So kann ich es derzeit noch nicht.

  19. Patrick Breitenbach

    Nö. Ich hab von was ganz anderem gesprochen.

    Manchmal will man bevormundet werden. Spart Zeit. Verdammt viel Zeit. Und Nerven. Und Verantwortung.

  20. Patrick Breitenbach

    Siehe Bankenkrise. Jetzt muss es Papa richten. Spart Geld, Zeit und Verantwortung.

  21. Patrick Breitenbach

    Es geht den Menschen nicht vollständige und wahrheitsgemässe Profile sondern um die Fragmente eines Profils aus den man sich eine Person zusammenbauen kann, die dann einzig und allein den eigenen Vorstellungen entspricht (Vertrauen, Symphatie) oder widerspricht (Misstrauen, Antipathie). Einfacher gesagt wir sehen das in anderen Menschen was wir zulassen zu sehen. Es geht also um Interessensmatching. Das erfordert zuhören und somit die Augen- und Ohrenhöhe.

  22. ramses101

    Vroni, ich bin gar nicht in dieser immensen Flughöhe von Vetrauen unterwegs. Wenn ich entscheide, aufgrund einer Rezi 19,90 Euro auszugeben, brauch ich kein ja kein Gott-Vertrauen. Es reicht mir, wenn ich erkenne, dass da ein echter Mensch geschrieben hat. Und das erkennt man doch recht schnell. Wenn der Rezensent auch schon ein Gartenbuch, einen MP3-Player und einen Schwangerschaftsratgeber bewertet hat, dann ist der echt. Punkt.*

    Bei Versicherungen sieht das natürlich wieder ganz anders aus. Und dass man Vetrauen nicht gewinnt, in dem man sagt „Vetrauen Sie mir“ weiß ich seit Sledge Hammer. Mir ging es auch gar nicht darum, dass irgendwie zu bewerten, sondern lediglich darum dass es stimmt: Im Internet wird Fremden Menschen vertraut, bzw nach ihrer Meinung gesucht. Das ist bei Karstadt eben nicht der Fall. Ob das gut, schlecht, gefährlich oder sonstwas ist, da bin ich noch gar nicht.

    *Jetzt kann es natürlich sein, dass es sich hier um einen professionellen Bewerter handelt, der seine Dienste allen Anbietern anbietet. Aber wenn es das gäbe, wüssten wir es als Werber vermutlich.

  23. Vroni

    @ramses101

    Genau, ist bei Produkten der Fall, die um die einsneunzig sind. Da kann man es als Einzelperson verschmerzen, auf jemanden reingefallen zu sein. Darauf und auf die damit verbundene Lässigkeit spekulieren unseriöse Methoden wie die oben geschilderte und dann macht das ergaunerte Kleinvieh den Mist. Mich stört das dennoch genauso sehr wie die Callcenter-Abomaschen, mit denen einzelen immer wieder reingelegt werden. Und die profitabel sind

    Bei Medikamenten oder bei einer Kamera ist ganz Ende der Fahnenstange des easy going.

    Mir geht es darum aufzuzeigen, dass man diese Internetchose differenzieren muss. Bei hochwertigen Sachen und bei der Gesundheit ist die Vertrauensanforderung deutlich höher als bei Bonbons aus der Dose. Wer aber glaubt, Schmu ist beim Bonbon aus der Dose halt mit drin, der infiziert indirekt damit auch die tapfere Idee „Internet ist vom Volk und fürs Volk“ mit Flöhen, die überspringen.

  24. Patrick Breitenbach

    Es gibt kaum was subjektiveres und Ich-bezogeneres als Vertrauen. Ein Vertrauensbruch ist immer mit einer EntTÄUSCHUNG verbunden. Aber die meisten Menschen sind enttäuscht, weil sie vorher Dinge ausgeblendet, eine gewisse Erwartungshaltung oder auf diese Sachen/Mensch eine gewisse Interpretation projeziert haben.

    Vertrauen ist in erster Linie Ich-Sache. Ist man von Natur mißtrauisch, wird man natürlich genauso darin bestätigt, weil man ja quasi die Enttäuschung als oberste Prio auf dem Radar hat, genau wie der vertrauensseelige Mensch sehr oft ein Vertrauen bekommt und ebenso mit seinem Radar umherfliegt. Daher glaube ich schon, je abstrakter, desto vertrauenswürdiger, weil viel mehr Projektionsfläche vorhanden ist.

    Aber auf der anderen Seite gibt es schon ganz bewusste Vertrauensbrecher. Sie machen falsche Versprechungen, kreieren die tollsten Assets, wo am Ende keine sind, versprechen einem das Blaue vom Himmel. Jede darauffolgende Enttäuschung erschüttert den Vertrauenswillen. Werber sind eigentlich vom Prinzip her Vertrauensbrecher, weil sie meistens die Aufgabe haben, Produkte als Super-Produkte zu verkaufen. Designer machen aus hässlich anmutig und Texter verführen mit Worten.

    Die Aufgabe kann also nur sein, den Graben zwischen Erwartung und Enttäuschung möglichst gering zu halten.

  25. ramses101

    @Vroni: Dass Täuschungen doof sind, brauchen wir gar nicht zu diskutieren. Mir geht es nicht um eine Bewertung. Mir geht es darum, dass durch das Internet ein Wandel stattgefunden hat. Im Internet wird Fremden vertraut. Das war vorher nicht der Fall. Früher hat man sich bei Freunden informiert, in Broschüren, in Zeitschriften etc.

    Unter Umständen hat man mal jemandem den Kommentar „gutes Buch!“ mit auf den Weg gegeben, wenn man ihn im Buchladen darin hat blättern sehen. Aber ich habe es nie erlebt, dass jemand auf mich zugegangen ist und mich gefragt hat, ob ich ein Buch gelesen habe und was ich davon hielte. Im Internet aber passiert das. Ich zitiere mal einen (Teil-)Kommentar aus einer Reaktion auf eine meiner Rezis bei amazon:

    „… Also hat mich die Rezension bewegt, noch einmal zu Jan Weiler zu greifen. Danke.“

    Und natürlich kann man auch auf Schmuh, Mist oder vermeintlichen Mist reagieren und aufmerksam machen. Ich zitiere aus einer weiteren Reaktion auf eine andere meiner Rezensionen:

    „Selten eine dämlichere Rezension gelesen.“

    Da kann sich jetzt jeder aussuchen, wem er vertraut – dem Rezensenten oder dem Rezensionskritiker. Wenn man das ganz ausblenden kann, wunderbar, wenn nicht, wird man in jedem Fall einem Fremden trauen. In diesem Fall vermutlich eher dem Kommentatoren*, denn einen Klick später weiß man, dass es sich dabei a) um einen Top-500-Rezensenten handelt und b) um einen Klarnamen. Dem vertraue ich natürlich eher als einer Zicke84 oder einem ramses101. Fremd ist er trotzdem.

    *Was natürlich dumm wäre, denn selbstverständlich hatte ich völlig Recht mit meiner Rezension ;-)

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