16:12 Uhr
US-Wahlkampf: Welche Farbe hat der Terrorismus?
Wir erleben gerade den ersten Versuch, einen Schwarzen zum Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wählen zu lassen. Das ist historisch betrachtet schon ein sehr bedeutendes Ergeignis, angesichts der bis vor 50 Jahren noch praktizierten Rassentrennung in den Südstaaten des Landes. 50 Jahre sind für das breite Umdenken meines Erachtens eine zu kurze Zeit. Noch immer schwelt der Rassismus unter der Oberfläche des “land of the free”. Doch darüber reden ist nicht wirklich möglich. Es wird mehr oder weniger zum Tabu stilisiert. Man sucht sich Ersatzfeindbilder, wie beispielsweise den Terrorismus und dessen ikonisierte Vertreter. So wird Obama von der Gegenseite derzeit als böser Terroristenfreund und Antiamerikaner stilisiert, während man selbst den uramerikanischen Maverick oder “Joe, the plummer” mimt. McCain setzt nun alles auf eine Karte. Die Hass-und-Angst-Karte. Er spricht es nicht offen aus, dennoch spielt er mit Affronts, die tiefer wurzeln, als die Angst vor dem Terrorismus.
Er spielt dieses Spiel nicht aus Dummheit, sondern meines Erachtens will McCains Kommunikationsteam ganz bewusst die schwelenden Ressentiments in Bezug auf Obamas Hautfarbe kanalisieren, um ihnen so ein neues, politisch korrektes, Ventil zu verschaffen. Es ist in den USA nicht mehr okay, offen gegen Schwarze zu sein, es ist aber sehr wohl wesentlich legitimer gegen die gesamte islamische Welt zu wettern, gegen alles was antiamerikanisch ist oder ein potenzieller Feind.
Die schwarze Bevölkerung wurde damals auch offen als Feind des eigenen Landes betrachtet. Hat sich der Rassismus urplötzlich durch die Abschaffung der Rassentrennung vor 50 Jahren im Nichts aufgelöst? Ich wage es zu bezweifeln.
Wie wirken sich also McCains jüngst zusätzliche spitze, polemische Angriffe, die sich fast ausschließlich auf die “Person Obama” und nicht auf die “Politik Obama” konzentrieren bei den Wählern aus? Nun, laut Meinungsumfragen kann er mit diesem Verhalten momentan nicht wirklich punkten. Aber wie zuverlässig sind diese bei diesem für mich sehr speziellen Wahlkampf?
Es gibt eine interessante Passage im Buch “Freakonomics” von Levitt und Dubner, welche sich mit dem Wahlverhalten der Amerikaner beschäftigen und der vorab kundgetanen Meinungsäußerung. Und zwar beobachteten die beiden Autoren dort eine gewisse Bigotterie in der Bevölkerung. Auf der einen Seite gab man sich in den Umfragen als politisch korrekt in Bezug auf Rassen aus, aber das echte Kreuzchen machten die Wähler an einer anderen Stelle. Als Beispiele nannten sie die Wahl des New Yorker Bürgermeisters Dinkins im Jahre 1989. Dinkins war schwarz und trat damals gegen Giuliani an. Laut Umfragen hatte Dinkins vorab einen enormen Vorsprung von 15%. Das Wahlergebnis jedoch zeigte am Ende überraschenderweise nur einen ganz knappen Sieg für ihn.
Als zweites Beispiel wurde die Wahl des als Rassist und Ku-Klux-Klanmitglieds bekannten David Duke 1990 in den US-Senat aufgeführt. Dieser erhielt fast 20% mehr Stimmen, als ihm die Umfragen vorab prognostizierten. Die Autoren stellen demnach die provokante, aber nicht uninteressante Frage:
Könnte es sein, dass weiße Wähler bei Umfragen lügen, indem sie sagen, sie würden für den schwarzen Kandidaten stimmen, weil sie farbenblinder erscheinen wollen, als sie in Wirklichkeit sind?
Doch die Augen sind sicherlich auch auf die schwarze Bevölkerung gerichtet. Sie werden zwar in Mehrheit wohl kaum McCain wählen, aber schafft Obama es sie genügend zu mobilisieren, so dass sie überhaupt zur Wahl gehen? Freakonomics zitiert an einer anderen Stelle eine weitere interessante Studie eines US-Ökonomens namens Roland G. Fryer jr (er selbst ist Schwarzer): “The economics of ‘Acting White’”.
Die Hauptthese dieser Untersuchung ist, dass viele amerikanische Schwarze eine Abneigung, oder sogar durch das soziale Gefüge, Angst haben, sie könnten sich wie Weiße verhalten und damit ihre Wurzeln verraten. So lehnen viele Schwarze Bildung per se ab, weil sie es als weiße Unterdrückung empfinden. Es gibt wohl ganze Stadtviertel in denen “weißes Verhalten” in der ganzen Palette, von sozialer Ausgrenzung bis hin zu Mord, bestraft wird. Ist Obama also schwarz genug?
Das pathologische Problem Rassismus in den USA ist noch lange nicht geheilt. Es wird Generationen brauchen, bis sich die Lücken schließen, bis Kränkungen verheilt sind, bis man verzeihen kann, bis man akzeptieren kann und wenn man sich nicht mehr selbst in die Opferrolle hineinbegibt. Ein schwarzer Präsident mit scheinbaren Ambitionen zur interkulturellen Verständigung über die üblichen schwarz/weiß Argumente hinaus, also mit Gespür für holistische Zusammenhänge, wäre ein großartiger Schritt in so einem Heilungsprozess, der Auswirkungen auf die ganze Welt haben könnte. Vorausgesetzt Obama hält was er verspricht: We can.
27 Kommentare
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- Prozentewunder: @ralf Klar steht es da. Und wenn der Bildschirm groß genug ist, kann man´s sogar lesen. Nur: Die, die da anrufen zahlen das nicht,...
- ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
- sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
- iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
- ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
- Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
- Hundeschule: Tja Abmahnungen gehen weiter, Hundeschule wurde abgemahnt, weil ein gekauftes Logo verwechslungsgewahr beinhaltet. Und nun? Die Pfote...
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Am 16. Oktober 2008 um 16:24 Uhr
Das nennt man konditionieren. Sie haben es damit geschafft Saddam Hussein für den 9/11 verantwortlich zu machen, um so einen Krieg gegen den Irak zu rechtfertigen. Sie könnten es auch schaffen mit der gleichen Methoden (mal wieder) einen Wahlkampf zu gewinnen.
Am 16. Oktober 2008 um 16:44 Uhr
Allerdings gibt es noch sehr viele “Joe Plumbers”, die auf Fisher Price stehen! :-)
Am 16. Oktober 2008 um 16:52 Uhr
sehr toller beitrag, ich gehe davon aus, dass die die idee für diesen beitrag von der gestrigen ZDF Dokumentation, die nach dem Fussball Spiel lief, bekommen hast.
Dort sagte nämlich ein US-Amerikaner: “Viele sagen dass sie Obama wählen. aber was man tatsächlich in der Wahlkabine macht. Das weiß keiner.”
da wurde mich nochmals klar, dass dieser Wahlkampf noch lange nicht entschieden ist.
es ist also vielleicht nicht das “haben wollen” das die Präsidentschaft entscheidet, sonder das “nicht haben wollen”
Am 16. Oktober 2008 um 17:01 Uhr
@Georg: Danke.
Aber der Beitrag war durch meine Frau inspiriert, die meinte: “Abwarten, es geht hier schließlich um die Frage, ob Amerika schon bereit ist für einen Schwarzen”. Und zufällig lese ich gerade Freakonomics. Eins führte also zum anderen! ;-)
Am 16. Oktober 2008 um 16:21 Uhr
Das unaufhörliche, hysterische Wiederholen von Obamas mittlerem Namensteil „Hussein“ seitens des McCain-Lagers scheint in diesem Zusammenhang die Nachfolge des unbenutzbar gewordenen N-Worts angetreten zu haben.
^_^J.
Am 16. Oktober 2008 um 16:42 Uhr
Ja, aber die Konservativen vergessen gerne, daß solche Pavlovschen Mechanismen nur funktionieren, wenn sie von einer gut geölten Marketing-Maschinerie unterstützt werden. Und das gibt mir Hoffnung, denn McCains „Marketing-Maschinerie“ hat so etwas von Fisher Price.
^_^J.
Am 16. Oktober 2008 um 16:48 Uhr
LOL!
^_^J.
Am 16. Oktober 2008 um 18:34 Uhr
Blöde Gegenfrage:
Wäre denn das ach so schwarzenrassismusfreie und ach so liberale Deutschland bereit für einen schwarzen Kanzler oder Präsident?
Eine Kanzler_in ist das Höchste, was wir gerade noch so hinkriegen. Und die wurde vor der Wahl und wird nach der Wahl als Person wegen ihre Optik dauernd niedergemacht (Frisur, zu dick, zu enge Sackos, nicht weiblich = das Merkel, etc.). Anstatt inhaltlicher Kritik. Werden Männer wegen ihre Optik niedergemacht? Der Bauch von Seehofer, die Ex-Aknehaut von Westerwelle?
Wir haben auch schon Bauchschmerzen, wenn ein Krimi-Schauspieler das Präsidentenamt will.
Will sagen: Wir sollten sehr vorsichtig sein, über die USA und ihre Wähler zu plaudern, wenn wir selber voller Stereotypen sind. Klar sind Umfragen ungenau, da hat deine Frau ganz Recht. Klar gibt es auch hier bei Umfrage-Panels bei der beliebten Frage: “Wen würden Sie am Sonntag wählen, wenn am Sonntag Wahl wäre?” den von den Umfragern bekannten Effekt, dass modern-liberaler-fortschrittlicher geantwortet wird, als wirklich angekreuzt. Diese Fehlerquote kan man fast mathematisch bestimmen und wird bereits von den Statistikern rausgerechnet.
Wirklich fürchten aber muss man die Nicht-Wahlbeteiligung.
Soll in den vergangenen US-Wahlen recht groß gewesen sein. fürchten tue auch auch die für mich als Europäer undurchsichtige Geschichte mit den Wahlmännern. Habe ich bis heut nicht kapiert, obwohl ich Schrödingers Katze kapiere. Ich fürchte auch Wahlmanipulationen (Bush ist für mich kein ordnungsgemäß gewählter Präsident).
Die Nichtwähler fürchte ich aber auch hier in D. Jedesmal.
Nicht wählen gehen ist ja auch so eine Art Wahl, eien kräftige Mitteilung. Wir wissen: man kann nicht nicht kommunizieren.
Am 16. Oktober 2008 um 20:00 Uhr
Wer hat denn heute noch Lust über deutsche Politik zu reden? :-D
Wir sind weniger stereotypisch, wir sind eher profillos. (Wer regt sich denn bitte über Westerwelles Gesicht auf? Da gibt es doch genug andere Lästeransätze) Und die mit der komischen Frisur haben wir schließlich heute als Bundeskanzlerin. Unsere Hauptstadt wird von einem Schwulen regiert. Ich glaube wir sind da nicht so, oder?
Und ja, ich könnte mir schon einen schwarzen Kanzler in Deutschland vorstellen: Roberto Blanco zum Beispiel! ;-)
Wie sähe es denn mit einem muslimischen Kanzler in Deutschland aus?
Am 16. Oktober 2008 um 20:17 Uhr
Gerade weil keiner über Politik reden mag oder kann, redet man lieber über Blusen, schwitzende Achselhöhlen und den neuen Friseur.
“Und die mit der komischen Frisur haben wir schließlich heute als Bundeskanzlerin.”
Genau das isses.
Über Stereotype erhaben sein wollen und dann das. Zig männliche Politiker haben auch eine komische Frisur :-D
Am 16. Oktober 2008 um 20:49 Uhr
Vielleicht hilft das weiter.
Zumindest besser als Fragebögen oder Politikumfragen:
spiegel.de/wissensch...
Es gab zudem in den letzten drei Jahren einen neurologischen Test, bei dem gerade bei den Probanden, die vor Beginn des Tests ihre Vorurteilslosigkeit gegenüber Hautfarbe und Geschlecht betonten, mehr versteckte Antipathien als bei den anderen Probanden zutage traten (die entsprechenden Gehirnregionen “feuerten” z. B. besonders stark beim Anblick von Portraits Schwarzer oder von Frauen. Finde das jetzt bloß nicht. War auf Psychologie Heute, die Probanden waren angeblich nicht nur Amerikaner. Die Ergebnisse tragen auf Probanden aller Nationalitäten zu. Auch manche Schwarzen “feuerten” (= sie regten sich negativ auf) beim Anblick von Schwarzen. Seltsam.
Da es bei den Auftritten, Wahlprogrammen, Reden beider US-Kandidaten – wie bei deutscher Politik auch – immer noch recht wenig um Inhalte geht (richtig konkret sind beide nicht, auch nicht bei der Finanzkrise, und Change! ist auch kein rechter Inhalt, wenn man es ehrlich bedenkt), wundert mich das alles nicht.
Am 16. Oktober 2008 um 23:02 Uhr
@Patrick: Yo, hier isser — Joe the Plumber!
andrewsullivan.theat...
(Screenshot vom Ende der Debatte, nach dem Händeschütteln, als McCain fast in die falsche Richtung rennt. Aus The Atlantic; Blogsalut an Pharyngula.)
^_^J.
Am 17. Oktober 2008 um 02:17 Uhr
Geht doch wieder alles nur um Religion! Politik wird es irgendwann vielleicht ma geben ind den Staaten, jedoch nicht in 2009: buargh, die amis, ich könnte mal wieder schreien! tinyurl.com/469m66
Am 17. Oktober 2008 um 08:34 Uhr
@Alexander: Es geht immer um die Themen, womit man die breiten Massen erwischt. Möglichst, diffus, möglichst emotional besetzt, möglichst mit viel Zusammenhalt oder Angst.
Wenn Obama den freien Handel z.B. mit Kolumbien weiter fortführen will (bzw. Embargos aufheben), wirft ihm McCain vor, dass er Drogen aus Kolumbien einführen lassen will, die die Kinder töten.
Das ist das Spiel. Es funktioniert. Noch.
Kein Wunder übrigens, dass Atheisten in den USA so angefeindet werden. Ich denke wesentlich unwahrscheinlicher als ein schwarzer Präsident, wäre ein atheistischer Präsident (auch wenn sie wahrscheinlich schon einige heimliche hatten)
Am 17. Oktober 2008 um 08:35 Uhr
@J.Martin: hahaha! Sieht eher nach “I Robot” aus! ;-)
Am 17. Oktober 2008 um 10:37 Uhr
Um es mit den Worten des großartigen John Stewart zu sagen: (frei übersetzt)
“Natürlich lieben die Amerikaner die Veränderung (“Change”).
Aber wenn es darauf ankommt, ist ein 72-jähriger, weißer, republikanischer Mann genau die Art von Veränderung, die sie möchten.”
Am 17. Oktober 2008 um 13:52 Uhr
Rassismus ist, wenn man – in einem Artikel über Rassismus und den dazugehörigen comments – unhinterfragt Herrn Obama als Schwarzen tituliert, der sich selbst wie 6 Millionen anderer Amerikaner im ersten amerikanischen Zensus, in dem das möglich war, als “mulitracial” bezeichnet hat. Ich weiss, wie plakativ und praktisch das ist. Ich weiß auch, wie wahnsinnig schwer es ist, rassische Kategorien zu überwinden, aber wir müssen sie loswerden, wenn wir das Problem des Rassismus loswerden wollen. Alles was man tun kann, finde ich, ist jedes Mal auf die Willkürlichkeit und Unplausibilität rassischer Zuschreibungen hinzuweisen wann immer sie einem begegnen. Laßt mich das am Beispiel von Herrn Obamas “schwarzem” Vater und seiner “weißen” Mutter nachholen: “A columnist examining Obama’s background summed up his racial identity into one equation: black + white = black.” Ge-nau.
cnn.com/2008/POLITIC...
Am 17. Oktober 2008 um 15:08 Uhr
puuuh. Also ich weigere mich zunächst den Begriff “multiracial” zu verwenden, denn er ist m.E. nicht wirklich förderlich zur Beseitigung der rassischen Unterscheidung, (wieso nicht “human”?) welches ja das Problem erst hervorgerufen hat. Mir selbst ist die “Rasse”, Hautfarbe oder was auch immer schnurzegal. Ich bin aber nicht gefeit vor psychischen Programmen, die mir seid meiner Existenz auf der Erde direkt oder indirekt eingebläut wurden.
Um die Thematik zu besprechen, musste ich m.E. die Begrifflichkeit wählen. Mag sein, dass es politisch unkorrekt ist, aber genau auf diese Bigotterie wollte ich hinweisen. Außen die korrekten moralischen Regeln einhalten, aber hinterum Menschen aussortieren und körperliche Merkmale mit Fertigkeiten gleichsetzen.
Ist jetzt also “black” poilitisch unkorrekt oder ist es unkorrekt Obama als “black” zu bezeichnen, weil Vater und Mutter unterschiedliche Hautfarbe haben. Das ist mir ehrlich gesagt zu doof. Wenn ich damit FÜR DICH ein Rassist bin. Tja, das ist schon bitter, aber dann muss ich damit wohl leider leben.
Am 17. Oktober 2008 um 15:35 Uhr
Bezeichnungen werden immer verkrampfter:
Ich bin auch multiracial:-) Mix aus slawisch-russisch (hoho Dschingiskahn) und bajuwarisch-alpin (gedrungenes Bergvolk).
Derzeit wissenschaftlich-ethnisch “korrekte” Bezeichnung für die Europäer (die im Grunde alle zusamengemixt sind) ist “kaukasisch”…, kapiert aber kein Mensch diese Bezeichnung.
Alles Blödsinn. “Schwarz” ist natürlich auch Blödsinn.
Gleicher Blödsinn: Die damaligen angeblichen “Arier” ab 33 waren auch nie Arier, denn echte Arier sind eigentlich nur die Inder. Undsoweiterundsofort.
Neulich in der S-Bahn die holde Zug-Ansage:”Menschen mit Mobilitätseinschränkungen bitte im hinteren Zugteil aussteigen” o.s.ä. Das Wort Rollstuhl kommt nicht mehr über die Lippen. “Behinderte” sagt man auch nicht mehr, aber diese Umschreibungen sind auch nicht der Bringer. Sie machen nur noch deutlicher, wie verklemmt-vorsichtig alles wird. Sie holen die Scheinheiligkeit eigentlich erst richtig raus.
Am 17. Oktober 2008 um 16:04 Uhr
Das Attribut “Sozialist” mit dem Obama von McCain bezeichnet wurde, könnte sich noch viel verheerender auswirken als die Bigotterie über Rasse und Religion, denn es gäbe in den US starke “antikommunistische Reflexe” sogar in den unteren Schichten:
spiegel.de/politik/a...
Kommt mir alles bekannt vor, fast wie in Bayern. Da redet der “kleine Mann auf der Straße” auch so manipuliert daher.
Am 17. Oktober 2008 um 17:50 Uhr
ich nicht.
Am 17. Oktober 2008 um 19:38 Uhr
ich möchte euch an dieser stelle die arte-doku “wählt jesus” empfehlen.
spreeblick.com/2008/...
für neue einblicke!
Am 17. Oktober 2008 um 19:57 Uhr
Ja, Kommunisten/Sozialistenhatz geht immer und überall. Schönes hartnäckiges, aber vor allem politisch korrektes Mem.
@The Kaiser: Du bist nicht klein, du bist der Kaiser!
@meistermochi: Ich sagte ja, ein atheistischer Präsident ist ein klares No-Go! :-)
Am 18. Oktober 2008 um 05:45 Uhr
Amerika hat eine ziemlich starke Minorität an Atheisten, Agnostikern, Säkularen, Skeptikern und Humanisten (und Deisten, von denen auch viele die Faxen dick haben). Wo die sich zusammenraufen, was nicht einfach ist, ist eine Menge möglich.
Außerdem sind solche Prognosen wie “no atheist could possibly become president of the United States” mit Vorsicht zu genießen. Wenn Gallup oder NORC vor zehn Jahren oder selbst vor fünf Jahren mit Umfragen an den Start gegangen wären, ob sich jemand vorstellen könne, daß ein Kandidat “with African-Amercian origins,” der in einem “Muslim-majority country” (Indonesien) zur Schule ging und mit zweitem Vornamen “Hussein” heißt, Präsident der Vereinigten Staaten werden könne, hätten die Leute das für eine Trickfrage gehalten.
Und jetzt? Soeben hat sich die Chicago Tribune für Obama ausgesprochen [ chicagotribune.com/n... ]. Atemberaubend. Die Chicago Tribune hat Greeley (1872, Independent) und Roosevelt (1912, Progressive Party) unterstützt, aber Obama ist der erste Präsidentschaftskandidat der Demokraten, für den sich die Chicago Tribune ausspricht seit der Gründung dieser Zeitung vor 161 Jahren.
Aber daß solche Vorstellungen (oder eher Nicht-Vorstellungen) blitzartig historisch überholt sein können, ist natürlich kein Freibrief dafür, den täglichen, mühsamen Widerstand gegen die biblischen Horden aufzugeben und einfach abzuwarten, bis die sich irgendwann von selbst beruhigen ;-) So naiv bin ich nicht und so naiv sollte auch niemand sein.
^_^J.
Am 18. Oktober 2008 um 15:14 Uhr
obama ist nicht nur schwarzer. er ist auch ein intellektueller. noch so eine angst, die vielleicht bei den befragten bei der umfrage mehr verdrängt wird, als in der kabine.
ach ja, gebt mir ein update: reden über die wahlmaschinen eigentlich nur noch verschwörungstheoretiker?
.~.
Am 27. Oktober 2008 um 17:31 Uhr
Hallo Patrick,
ich habe Dich nicht als Rassist bezeichnet, es tut mir leid, wenn meine Anmerkung zur Titulierung Obamas als “Schwarzer” als persönlicher Affront angekommen ist.
Zu Deiner Frage: Es ist tatsächlich unkorrekt, Obama schwarz zu nennen, nicht nur politisch. Seine Mutter ist “weiss”, sein Vater ist “schwarz” – wie kann er dann “schwarz” sein? Er selbst, wie gesagt, bezeichnet sich ebenfalls nicht als schwarz. Solche Fragen werden in den USA tatsächlich und m.E. zu Recht ausgiebig und detailliert diskutiert, wie mein link zum mainstream-medium CNN belegen sollte. Warum sind sie dir dann zu doof, ich dachte genau darum dreht sich Dein Artikel?
Am 27. Oktober 2008 um 17:44 Uhr
Hallo Stephan,
du schriebst:
Damit fiel ich wohl in dein Bild eines Rassisten. Alles weitere danach erschien mir dann einfach als nicht mehr diskussionswürdig. Ist eben schwierig so einen Dialog zu führen.
Er selbst bezeichnet sich natürlich nicht als “schwarz”, denn das wäre sein politischer Tod, so traurig das tatsächlich ist. Ich empfehle dazu dringend dieses Interview zu lesen: spiegel.de/internati...