06.10.08
15:15 Uhr

Ohne Geld keine Werbung

Auch wenn manche sich wundern, dass auch ein Werbeblogger über Geld und Kapitalmärkte schreibt bzw. genauer über die Kommunikationsmittel und Publikationen, die diese Märkte begleiten, so wird es am Ende kaum erstaunen, dass sich die aktuelle Finanzkrise auch auf die Werbebranche auswirkt. “Ohne Werbung kein Geld (Umsatz)”: es mag Menschen geben, die nicht daran glauben, allerdings wird kaum jemand bestreiten wollen, dass umgekehrt gilt: Ohne Geld keine Werbung.

Jede “Werbeproduktion”, sei es als Beauftragung von Kundenseite oder in der Konzeption, Durchführung und Platzierung durch die Agenturen muss finanziert werden.
Die vielen inhabergeführten Werbeagenturen in Deutschland leben sehr häufig vom Projektgeschäft, also  auch von den typischen Wellenbewegungen der Liquidität zwischen Auftragsgewinnung, Auftragsdurchführung, Auftragsabrechnung und Zahlungseingang. Häufig ist die Austattung der Betriebe mit Eigenkapital eher knapp, selbst Umsätze müssen gelegentlich finanziert werden, damit sie in den jeweiligen Agenturen überhaupt stattfinden können. Die Bereitschaft und Befähigung von Banken, sich besonders in  diesem Kredit- und Finanzierungssegment zu engagieren, ist demnach existenziell für viele Unternehmen nicht nur unserer Branche.

Die aktuelle weltweite Finanzkrise berührt die Agenturen in ihren betriebswirtschaftlichen Prozessen erheblich. Jede Art von Kredit wird zukünftig mit deutlich mehr Sicherheiten bestückt werden müssen, inkl. ansteigender privater Bürgschaften und Haftungen der Unternehmer selbst.
Auch die Auftraggeberseite wird die Messbarkeit und Effizienz von Werbemaßnahmen stark unter die Lupe nehmen; Agenturen sind also deutlich mehr gefordert, ihre vorgeschlagenen Kommunikationsmaßnahmen mit belastbaren Erfolgsszenarien zu hinterlegen. Agenturen müssen sich außerdem darauf einstellen, dass Werbeetats zukünftig feingliedriger verhandelt und ggf. auch noch stärker auf mehrere spezialisierte Agenturen verteilt werden. Dieses Kundenverhalten berührt in Konsequenz unmittelbar die Liquidität der Agenturen, die sich zunehmend auf noch kürzere Projekt- und Auftragszyklen einstellen müssen, mit allen bedrohlichen Folgen für die Liquidität.

Ich kenne viele Agenturen, bei denen die 80/20 Regel gilt, nach der 80% der Umsätze durch nur 20% der Kunden getragen werden. Bei kleineren bis mittleren Agenturen kann das heißen, dass ein einziger (Projekt)-Kunde 80% des Agentur-Income sichert. Diese Verteilung ist betriebswirtschaftlich höchst kritisch zu sehen, denn mit dem Verlust eines einzigen Kunden ist das gesamte Wirtschaftsfundament des Betriebes gefährdet.

Es bleibt dem Mittelstand als Arbeitsplatzmotor der Bundesrepublik zu wünschen, dass Unterstützungs-,  Förder- und Kreditprogramme ebenso “entscheidungsfreudig” von der Bundesregierung ins Leben gerufen werden wie kürzlich für eine Bank, die nur deswegen überleben darf, weil sie für das System überleben muss.
In die Substanz der mittelständischen Wirtschaft habe ich persönlich deutlich mehr Vertrauen.

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4 Kommentare

  1. Vroni

    Roland,
    “… zu wünschen, dass Unterstützungs-, Förder- und Kreditprogramme ebenso “entscheidungsfreudig” von der Bundesregierung ins Leben gerufen werden wie kürzlich für eine Bank, die nur deswegen überleben darf, weil sie für das System überleben muss.”

    Meine Glaskugel sagt:
    Und da wird die liebe Regierung plötzlich ein ähnliches Loblied auf den tapferen, starken Mittelstand anstimmen und ihm sagen, dass er doch so schön aus eigener Kraft könne, das sei seine Stärke und er hätte das schon immer bewiesen.
    SNCR

  2. Buchhaltungsprogramm

    [...] den anderen wichtigen Bereichen wie Werbung, Marketing oder Personalarbeit, ist die Buchhaltung eher eine lästige Pflicht. Allerdings darf man [...]

  3. Matthias Schwenk

    Ich komme ja dieser Tage aus dem Wundern kaum mehr heraus, stimme aber dem Artikel von Roland und dem Kommentar von Vroni vorbehaltlos zu. Für viele Agenturen könnten schwierige Zeiten bevorstehen, weil es auch für den Mittelstand nicht einfach wird.

    Der Mittelstand mit seinen vielen kleineren Betrieben ist zwar das Rückgrat der deutschen Wirtschaft, hat aber keine rechte Lobby bei der Politik.

    Zudem sehe ich mit Sorgen, wie unsere Bundeskanzlerin und der Finanzminister agieren. Der Wirtschaftsminister scheint ohnehin weitgehend abgetaucht zu sein. Ob wir da Substanzielles erwarten können?

  4. Ohne Geld keine Werbung « Remix Hamburg 09

    [...] Ohne Geld keine Werbung Gespeichert unter: Artikel am 30. März 2009 um 02:50 Uhr [...]

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Eure Kommentare

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  • ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
  • sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
  • iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
  • ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
  • Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
  • Hundeschule: Tja Abmahnungen gehen weiter, Hundeschule wurde abgemahnt, weil ein gekauftes Logo verwechslungsgewahr beinhaltet. Und nun? Die Pfote...
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  • Ralf Hillmann: Da kann ich nur sagen, die Bezeichnung Video-Perle passt einfach perfekt. Da soll noch einmal jemand behaupten Werbung habe nichts...
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