11:43 Uhr
Die wahre Mehrheit in Bayern
48,9% der bayrischen Wahlberechtigten sprachen sich gegen die neun zur Wahl stehenden Parteien aus. Das ist für mich das wirklich spannende Ergebnis der bayrischen Landtagswahl. Damit wäre dies, wenn man das unter einer Partei zusammenfassen würde, eine regierungsbildende Mehrheit. Die Menschen haben eben nicht nur der CSU die absolute Mehrheit geraubt oder der FDP oder den Freien Wählern mehr Verantwortung übertragen. Die relative Mehrheit hat sich dazu entschieden, dass das System an sich entweder langweilig, uninteressant, sinnlos oder abgeschafft gehört. 48,9% fühlen sich nicht von dem sehr breiten Parteienspektrum repräsentiert, sie fühlen sich nicht von der Politik ernst- oder wahrgenommen. Von wegen, neues Bayern. Nicht die Parteien haben ein Positionierungsproblem, die Politik in Deutschland an sich – und ja auch die Demokratie – hat eines.
Und wenn ich den Agenturen (die sonst Produkte zumeist inhaltsleer verkaufen), die die jeweiligen Parteien zur Bundestagswahl mit flotten Sprüchen auf Wahlplakaten versorgen, einen Tipp mit auf den Weg geben darf: Positioniert bitte die Politik als solches, nicht Parteien oder Politiker, bei denen Hopfen und Malz meist längst verloren ist. Mobilisiert die Nichtwähler, macht Politik interessanter, spannender und vor allem wieder bedeutungsvoller. Tragisch eigentlich, dass ich diese Aufforderung in Richtung (politisch sicherlich hochinteressierter und sonst so inhaltsreichen) Kommunikationsberater und Werber richten muss, denn auch ich glaube mittlerweile als ehemals politisch Interessierter, wie Engagierter, dass die Worte bei den Berufspolitikern schon lange nicht mehr ankommen. Sie sind es doch, die von dem großen Verdruss der Bevölkerung letztendlich profitieren. Eine große Koalition mit größtmöglicher inhaltlicher Schwammigkeit versetzt das Land in eine kuschelige starre Status Quo Haltung, in der sich die Repräsentanten die Diäten gegenseitig erhöhen und viele Lobbyisten auf eine “alles bleibt vorerst so wie es ist” Haltung wenigstens verlassen können.
Übrigens, noch nie war die Zeit günstiger als jetzt, um eine brandneue Partei zu gründen.
12 Kommentare
Einen Kommentar schreiben
- Prozentewunder: @ralf Klar steht es da. Und wenn der Bildschirm groß genug ist, kann man´s sogar lesen. Nur: Die, die da anrufen zahlen das nicht,...
- ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
- sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
- iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
- ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
- Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
- Hundeschule: Tja Abmahnungen gehen weiter, Hundeschule wurde abgemahnt, weil ein gekauftes Logo verwechslungsgewahr beinhaltet. Und nun? Die Pfote...
- InternetMarketing | Jens Srowig: Hallo an euch! Das ist wirklich ein tolles Video. Auch wenn es schon ein wenig spät ist, alles Gute für das neue...

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Am 1. Oktober 2008 um 12:55 Uhr
Das wäre ja mal was, wenn Werbeagenturen einen “Meta-Auftrag” gegen Politik-Verdrossenheit ausführen sollten :-) So a la “Du wählst Deutschland”….
Natürlich haben wir ein gigantisches Problem im Wählerverhalten insgesamt, was schon bald die Demokratie als solche existenziell bedrohen könnte. Eine Mehrheit in der Demokratie ergibt sich eben nur aus der “wählenden” Gemeinschaft, anders lässt es sich nicht machen.
Vertrauen in Politik und ihre Wirkung lässt sich allerdings kaum von den Menschen trennen, die dort agieren. Und Vertrauen ist nicht wirklich zu “bewerben”, nur zu leben.
Ganz ähnlich verhält es sich in der aktuellen Finanzkrise. Da können noch so viele Milliarden ins System geschüttet werden, die natürlich auch dazu verwendet werden, Vertrauen über Werbemaßnahmen “zu entwickeln”, tatsächlich ist das System von innen beschädigt und bemühte Außenkommunikation wirkt dann so, wie die Ausführungen eines verzweifelten 9Live Moderators ;-)
Da ist das Problem.
Am 1. Oktober 2008 um 14:32 Uhr
Nichtwähler? Das sind doch die, die z.B. bei Teletextumfragen (Sat1, Tafel 180, f.) jeweils 49 Cent für ein Mir-egal-Votum in die deutsche TK-Wirtschaft pumpen, oder?
Am 1. Oktober 2008 um 14:32 Uhr
das ist es: MAGIX wird Partei. Wenn man das richtig aufzieht…sicher ne nette Idee :)
Am 1. Oktober 2008 um 15:04 Uhr
Let´s vote for….. “THE KAISER” !!!! ;-)
Am 2. Oktober 2008 um 12:43 Uhr
Oh, Politikerbashing beim Werbeblogger. Schuster bleib’ bei deinen Leisten, möchte man rufen, aber gut.
Zwei Zitate, die mich wirklich geärgert haben: “Positioniert bitte die Politik als solches” und “[Berufspolitiker) sind es doch, die von dem großen Verdruss der Bevölkerung letztendlich profitieren”. Wirklich?
Deshalb möchte ich auch einen Aufruf starten:
Macht Werbung, die unterhalten und anspruchsvoll ist!
Schaltet nicht mehr bei RTLII und MTV, sondern nur noch bei ARTE!
Nehmt euch Zeit, ernsthaft die objektiven Vorteile des Produktes zu zeigen! Macht 10-Minuten-Erklärstücke statt 30Sekünder! Setzt nicht nur auf bloße Emotionen!
Ok? Danach sprechen wir uns wieder ;-)
Am 2. Oktober 2008 um 13:03 Uhr
[...] Nichtwähler gibt es natürlich auch in den USA. Eine wesentliche Grundvoraussetung für wahlberechtigte Bürger ist jedoch eine Registrierung über ihre Heimatadresse. Google bietet diesen Service über ihren Maps-Dienst an und lässt eine Unzahl von Promis in diesem schier endlos scheinenden Wannabe-Viral darauf hinweisen. [...]
Am 2. Oktober 2008 um 15:22 Uhr
abr des isch net wahr!
bloss weil i net zur wahl geh, heisst es noch lang net, dass i alle parteien “entweder langweilig, uninteressant, sinnlos” find. mei partei isch eimpfach net dabei. drum bin i net politikverdrossen, deppert odr sonscht was. i les zeitung, hab a politische meinung und liebe das bier … ;-)
gruss ausm knallgaeu
Am 2. Oktober 2008 um 15:51 Uhr
Wenn ich nochmal “Schuster bleib’ bei deinen Leisten” hier lese, muss ich kotzen.
Am 2. Oktober 2008 um 16:04 Uhr
Sic!
Am 3. Oktober 2008 um 22:48 Uhr
[...] Blogbar (danke auch an Dons Beiträge auf Rebellmarkt, der mir als “Werber, bleib bei deinen Leisten” das Thema der Weltfinanzverstrickung erst so richtig nahegebracht hat) Trackback-URL dieses [...]
Am 6. Oktober 2008 um 18:09 Uhr
Und, nach dem Übergeben noch einen inhaltlichen Punkt gefunden oder waren die Bröckchen zu undeutlich? ;-)
Mein Punkt war doch einfach: Die erwähnten Forderungen fand ich so platt wie meine Beispiele aus der Werbung. Hätte mich über mehr Differenzierung gefreut, das ist alles.
Am 10. September 2009 um 18:13 Uhr
I love your site. :) Love design!!! I just came across your blog and wanted to say that I’ve really enjoyed browsing your blog posts. Sign: ndsam