28.09.08
15:27 Uhr

Effie 08 – Eine Dreigroschenoper?



Ein Gastbeitrag von Dieter Schneider.

Die GWA Effi Gala 2008 fand am Samstag im Admiralspalast in Berlin statt. Der ausrichtende Verband, der von sich behauptet, dass seine Mitgliedsagenturen zu den besten der Branche zählen, hatte ein glückliches Händchen bei der Auswahl der Lokalität. Der traditionsreiche Veranstaltungsort hatte bis zu seiner Schließung 1997 eine bewegte Geschichte hinter sich. Die offizielle Wiedereröffnung fand im Sommer 2006 mit der Dreigroschenoper statt. Ich war damals in dem noch unfertigen Gebäude und habe mir Campino von den Toten Hosen als Mackie Messer angeschaut. Ich fand´s toll… Es fällt mir schwer auf die Effi Gala zurückzukommen, weil ich überhaupt nicht weiß was darüber zu berichten ist. Die nominierten Kampagnen waren bekannt und zum Teil schon mehrfach mit anderen Awards ausgezeichnet. Einzelne, z.B. Horst Schlemmer, sind bereits so oft gesehen, dass mich mein Nachbar verunsichert fragte, ob die nicht schon im vorletzten Jahr einen Effi gewonnen hätte.

Wieder zurück zu der Dreigroschenoper im Admiralspalast 2006, die unter der Regie von Klaus Maria Brandauer, für heftige Kritik sorgte. Ich erinnere mich noch als er in einem Interview dem Journalisten die Aufforderung mit gab: „Machen Sie mich größer, blonder, schöner, und machen Sie ein bisschen Werbung für uns!”

Irgendwie beschleicht mich das Gefühl, dass diese Effi Gala nach demselben Motto funktioniert. Da werden eine handvoll Agenturen nominiert und prämiert. Meist sitzen die Chef der prämierten Agenturen auch noch in der Jury, oder führen gar den Verband. Mackie Messer war der Boss einer Bettelmafia. Auch das ein flüchtiges dejavue am Samstagabend. Wobei ich Holger Jung in keinster Weise mit Mackie Messer vergleichen will. Ich habe kurz mit ihm gesprochen und ihn als sehr sympathisch und freundlich kennen gelernt. Und dass er ein überaus erfolgreicher Werber ist, muss ich nicht betonen. Außerdem hat er den GWA in seiner Amtszeit wirklich nach vorne gebracht. Dafür hat er ja auch den Ehren-Effi verdient und den meisten Applaus bekommen. Ich will nicht von Werbermafia sprechen, aber a bisserl Geklüngel ist das schon was da passiert.

Die Veranstaltung selbst ist schnell erzählt, hier finden Sie die Gewinner und die Juroren. Alle waren kurz auf der Bühne. Die Moderatorenauswahl war mit Jörg Thadeusz gut gemeint, aber richtig wohl gefühlt in der Welt der Marktanteile und Positionierungsstrategien hat er sich nicht. Die Begründungen waren peinlich (Bullshitbingo). Die Laudatoren … War da was? Ach ja, Gabriele Fischer von brand eins hat im Zusammenhang mit der Astra-Kampagne den treffenden Vergleich von Straßenköterwerbung und Königspudelgehabe in der Werbung gebracht. Wenn Mackie Messer der Straßenköter war, war ich am Samstag bei den Königspudeln. Ich befürchte, die Veranstaltung war in den letzten Jahren schon so und wird auch in den nächsten Jahren so weiter gehen. Da muss ich dann nicht mehr hin. Es sei denn, Sie findet wieder im Admiralspalast statt. Schön, dass das Buffet auf der Bühne stand. So konnte ich kurz den Genius Loci unter meinen Füßen spüren. Den von Brecht, vom Metropol und von Campino wohlgemerkt!

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7 Kommentare

  1. Buenalog » Blog Archiv » 8. Link-Propaganda

    [...] Effi eine Dreigroschenoper? Mein Gastbeitrag von der Effi-Gala letzten Samstag auf Werbeblogger [...]

  2. Tim Keil

    Ziemlich treffend beschrieben. Es war spannend das mal erlebt zu haben, aber irgendwie war es auch mal wieder ein wenig desillusionierend mal etwas tiefer unter die schöne Fassade der Werbewelt zu schauen.

  3. Joggah

    Hier ein Zitat von S. Rebbe zum diesjährigen Effie in der WuV-Ausgabe vom Freitag:

    “Habe von Herrn Jung wenig bemerkt. Außer, dass die Bilanz bei den Effie-Gewinnen noch JvM-lastiger ausfiel. Der GWA konnte nichts bewirken. Der neue Präsident sollte Gebühren für die Mitglieder senken, sonst wird es Austritte geben. Wie es sich um die Sichtbarkeit des Verbandes verhält? Who cares about GWA? Als Kommunikationsdienstleisterverband kann der GWA keine ernsthaften politischen Themen antreten.

    Ich bin noch nicht lange genug dabei um mir eine abschließende Meinung bilden zu können. Zwischen den sogenannten “verrückten Werbern” und den Unternehmen muss es aber einen runden Tisch geben, und das ist sicherlich der GWA. Für mich steht fest, dass die Institution GWA nebst Effie auf jeden Fall Sinn macht. Heute mehr als je zuvor. Es gibt schließlich immer mehr Marketer auf Kundenseite, die sich profilieren müssen und über Ihre Entscheidungen Rechenschaft abgeben müssen. Mit stolzer Brust und einem Edelmetall gewappnet sind heute morgen sicherlich diverse Damen und Herren wieder ins Büro gekommen. Das natürlich sowohl auf Kundenseite als auch in diversen Agenturbüros. Und dass man bei Jung von Matt auf dem Küchentisch sicherlich schon Effie-Tetris spielen kann liegt aber auch einfach daran, dass deren Output in vielen Fällen einfach Maßstäbe setzt.

    Am Freitag morgen tagte der GWA-Vorstand. Dieser wurde von 16 Mitglieder auf 10 gekürzt. Der neu gewählte Verbandspräsident Peter John Mahrenholz “ziehe eine kleinere, schlagkräfigere Truppe einem Vorstand vor, dem zwar namhafte Agenturen angehören, deren Vertreter aber zu beschäftigt sind, um sich im Verband zu engagieren.”
    tinyurl.com/5xgk8o

    Im Anschluss sprach noch die Focus-Korrespondentin aus New York – Susann Remke – über den US-Wahlkampf. Sie beleuchtete interessante Ansätze der Obama und McCain-Arbeit. Schön zum Beispiel zu sehen, wie CNN über das Internet wieder Zuschauer ins TV holte oder dieser Spot aus dem Obama-Lager: youngerthanmccain.com
    tinyurl.com/uswahlka...

    Zu Häppchen, der wirklich schönen Location und Co wurde schon alles gesagt. Aber damit es nicht untergeht – hier noch die Effie-Gewinner:
    tinyurl.com/20effieg...

    Soweit so gut – ich danke der Academy,

    Sebastian im Brahm

  4. Tom

    Ist Herr Rebbe wirklich der Ansicht, er sei noch nicht lange genug dabei, um sich eine abschließende Meinung bilden zu können? Herrlich.

    Sagt jetzt nicht das Zitat endet vorher.

  5. Joggah

    @ TOM: ne, sag ich jetz nicht. Schön, wenn man ca. 5 mal einen Text durchliest, und dann solche schnitzer nicht sieht. dankeschön.

  6. henning

    Dass es eine Debatte gibt, wenn eine Agentur die Hälfte der Effies gewinnt und den ( nicht stimmberechtigten) Jurypräsidenten stellt, ist klar. Ich trage Verantwortung im GWA und für den Effie Wettbewerb. Ich biete jedem Kritiker an, sich erstens über die Qualität der Finalisten-Kampagnen in der best of Effie Datenbank kundig zu machen und sich dann zweitens in die Schuhe der Jury zu stellen. Hätte der Kritiker anders entschieden? Und sich dann drittens gern mit mir über das Juryprocedere auszutauschen. Ich kenne weltweit kein ausgefeilteres.Folglich: die anderen Agenturen und ihre Auftraggeber müssen sich im nächsten Jahr mehr anstrengen. Dann wird auch der Gewinnermix von den Agenturen her wieder bunter.

  7. ramses101

    Das Procedere würde mich tatsächlich interessieren, ohne dabei auf den Kritikerzug aufspringen zu wollen. Das was den Effie ausmacht, ist doch gerade die nachweisbare Effizienz? Und um die zu beurteilen, brauche ich doch eigentlich nur Zahlen in Relation zu ähnlich beworbener Konkurrenz. Was ist denn da die Rolle der Jury? Oder steh ich da gerade völllig auf dem Schlauch? (Was ich nicht ausschließen will, das kommt schonmal vor)

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  • ralf schwartz: Ah, “LEAD digital”, dieses “14-tägliche Magazin für Digital-Professionals und Online-Marketer”. So reisst...
  • Annette Mattgey: Dafür hat W&V doch LEAD digital. Da kann man all diese komischen Sachen mit dem Netz nachlesen, sogar auf ner eigenen Website....
  • daniel: also erst mal, coole Grafik im oberen bereich :-) und der verdienst, hängt sicherlich von jedem selbst ab, viele faktoren spielen da eine...
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