23.09.08
14:32 Uhr

Der Coolness-Faktor bei Microsoft

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Coole Marke! Diesen Ausdruck spontanter Markenbegeisterung hört Microsoft nicht allzu oft. Das neue Kampagnenkonzept findet nicht überall Zustimmung und so muss eben Steve Ballmer in allzu gewohnter Irrsinns-Manier herausschreien, was er eigentlich gerne von seinen Kunden hören wollte:

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„Cool“ ist das nicht.  Steve wirkt eher dauerüberhitzt und durchgeknallt. Angesichts der Tatsache, dass Microsoft immer noch unangefochtener Marktführer bei den Betriebssystemen ist, ist das kaum verständlich und eben auch überhaupt nicht förderlich für das Markenbild. Wer -nach wie vor- fast 90% der Betriebssysteme im Markt ausliefert, müsste eigentlich wesentlich „cooler“ sein können…und souveräner…und gelassener.

Stattdessen wirkt die Truppe aus Redmond in der Außenkommunikation wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen, der die kleinen Seitenhiebe von Apple emotional nicht verkraften kann.
Natürlich hat Apple einige Trümpfe in der Tasche. Apple Produkte tragen zunächst den Anteil an „Sexyness“ und „coolem Design“ in sich, den Microsoft nie erreicht hat. Die Verknüpfung des Betriebssystems an die Hardware macht die Apple Produkte einzigartig im PC-Markt. Während sich Microsoft bei „Windows“ mit Tausenden und Abertausenden möglicher und unmöglicher PC-Konfigurationen herumschlagen muss, kann sich Apple ganz auf die bedienungsfreundliche Harmonie von Gerät und Funktion konzentrieren. Dass auch Apple gelegentlich ganz „uncool“ und durchaus nicht immer verbraucherfreundlich reagiert, verzeiht ihnen die Mehrzahl der Kunden, die die vielen „bequemen“ und funktionalen Vorteile zu schätzen wissen, eine gewisse Exklusivität inklusive.

Der Versuch der Redmonder, auf der Klaviatur von Apple zu spielen, muss konsequenterweise scheitern. Microsoft wäre gut beraten, sich aus dem kommunikativen Ping-Pong-Spiel rund um „I´m a Mac, I´m a PC“ komplett herauszuhalten und eine eigene Position zu entwickeln. Fakt ist: Was bei Apple mit „I´m a Mac“ noch stimmt, weil sie tatsächlich auch die Hardware designen und vertreiben, stimmt bei Microsoft so überhaupt nicht. Microsoft ist (jedenfalls im PC-Markt) kein Hardware-Hersteller aber vermutlich liegt es genau in dieser ursprünglichen Entscheidung und entsprechenden Lizenzpolitik begründet, dass sie diese Marktdominanz überhaupt erreichen konnten.

Das Ping Pong Spiel kann Microsoft daher nur verlieren. Es wird nicht lange dauern, und Apple hat erneut  „cooler“, lässiger und souveräner auf die aktuelle Microsoft Kampagne reagiert. Die Verbalschlacht hat „I´m a Mac“ in der Öffentlichkeit längst für sich entschieden, Zeit also für Microsoft, eine Feld zu öffnen, bei dem sie selbst siegesgewiss den Ton, das Spiel und die Regeln vorgeben können.

Wie kann so ein Ansatz aussehen?
Was macht die Marke „Microsoft“ stark?
Warum nur erwerben soviele Menschen mittel- oder unmittelbar dann doch das Windows-Betriebssystem, obwohl es deutlich „uncooler“ ist als ein Mac?!

Microsoft kann nach wie vor mit einer geschickten Lizenzpolitik ihren Betriebssystem-Absatz maßgeblich steuern. Die Image-Kampagne muss in diesem Fall also nicht primär verkaufen, sondern der Masse an bestehenden Windows-Nutzern das gute Gefühl geben, mit Produkten eines souveränen Herstellers zu arbeiten, der sich nicht zu jeder passenden und unpassenden Gelegenheit zum „Kasper“ macht. Damit sendet Microsoft nämlich nur noch mehr unvorteilhafte Steilvorlagen an die Konkurrenz, die sich ob der Tölpelhaftigkeit des Marktführers und der daraus ableitbaren „Gegenkampagnen“ regelmäßig die Hände reibt.

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16 Kommentare

  1. Markus Roder

    > Warum nur erwerben soviele Menschen mittel- oder
    > unmittelbar dann doch das Windows-Betriebssystem,
    > obwohl es deutlich “uncooler” ist als ein Mac?!

    Drei Worte:
    1) Massetraegheit
    2) Gamer
    3) MS Office als Quasi-Standard am Arbeitsplatz

    …sagt ein ueberzeugter Mac-User :).

  2. Roland Kühl-v.Puttkamer

    Eins steht aber immer noch über allem:
    Das Windows Bundle mit neu angeschafften Systemen…
    und schwupps, bist du MS-Kunde.

  3. J. Martin

    > Warum nur erwerben soviele Menschen mittel- oder
    > unmittelbar dann doch das Windows-Betriebssystem,
    > obwohl es deutlich “uncooler” ist als ein Mac?!

    Ein Wort:

    1) Gamer

    :-)

    Aber ich benutze Mac zum Arbeiten + Debian Gnu/Linux zum Basteln.

    ^_^J.

  4. mr.jay

    Ohh man, der Herr nimmt doch irgendwelche Stimulanzen…
    Mir persönlich gänzlich unsympathisch.

    Ich kann es auch nicht verstehen warum Goliath versucht, mit den Charaktereienschaften von David, punkten zu wollen?! Anstatt sich auf seine eigenen Stärken zu konzentrien.

  5. J. Martin

    Stimmt, das ist der Hauptfaktor.

    Endemisch ist dies insbesondere im Notebook-Bereich, wo die Hardware oft & gerne auf proprietären Treibern läuft, die ausschließlich für Windows angeboten werden.

    Oder sogar nur für Windows Vista — wie ich es bei verzweifelten Bekannten erlebte, die in der Vista-Anfangszeit auf XP downgraden wollten, um arbeiten zu können.

    Das gab dem Wort „Bundle“ ganz neue Bedeutungsdimensionen.

    ^_^J.

  6. chris

    find ballmer spontan sympathischer als den weichgespülten jobs im rolli.

    aber im grunde geht mir das ganze mac/pc gesabbel auf die nerven

    ….sagt ein überzeugter mac & pc benutzer.

  7. Paul

    Gibt es etwas Schlimmeres als selbstreferenzielle Werber?
    Ja, selbstreferenzielle Kunden!

  8. Hannes Moser

    Eines sollte man bei dieser ganzen Thematik nicht vergessen. Vom Standpunkt eines Entwicklers gesehen ist Microsoft von ihrer Produktpalette und vom Support die Nummer 1.

    Die Bereitstellung von Dokumentation und robusten Libraries, sowie die generelle Kommunikation mit den Entwicklern ist sehr gut.

    Wird vielleicht manchmal von Endkonsumenten und Markt-Beobachtern mit dem technischen Know-How eines End-Konsumenten unterschätzt. Qualität, Wartbarkeit und Entwicklungszeit einer Applikation unterliegen stark den Gegebenheiten der zu Grunde liegenden Entwicklungsplattform.
    Meiner Erfahrung nach sind Software-Enticklungsteams im überwiegenden Teil nicht so aufgestellt wie dies etwa bei Adobe, Google, etc. der Fall ist, die diverse Software-Archichtektur- und Q&A Prozesse fix im Workflow implementiert haben.

    Da spielt es schon eine äußerst große Rolle ob ich für Entwicklungsumgebungen und Module jeweils einige hundert Euro/Arbeitsplatz bezahlen muss oder ob hier Tools bereitstehen, die sich jeder Student/Hobby-Entwickler/Profi gleichermaßen teilweise kostenlos runterladen kann.
    Bestes Beispiel hierfür die VisualStudio Express Reihe und das zu Grunde liegende .net Framework, Software-Architektur ist eben nicht Oberfläche.

    Für Anwendungs-Entwicklung z.B. im Internet bedarf es schon eines netten Budgets um überhaupt Zugriff auf Entwicklungsumgebungen zu erhalten mit denen man vernünftig arbeiten kann. Bestes Beispiel ist für mich die freie Software Eclipse. Ohne kostenpflichtige Plugins oder auch speziellen Standalones wird es schwer für alle Anwendungsbereiche freie Software zu finden. Um den Visual Studio Vergleich nochmals heranzuziehen, Zend Studio oder FDT kosten jeweils um die 400€/Entwickler, dafür bekommt man gerade mal das Leistungsspektrum einer Visual Studio Express IDE oder weniger. Sicher ist es nicht fair klassische Software-Entwicklung mit Web-Anwendungen zu vergleichen, aber vom Standpunkt eines Entwicklers ist die Anforderung an die Produkte sehr ähnlich.

    Was ich mit dieser Ausage auf keinen Fall erreichen will, ist ein Free-Software-Bashing. Ich persönlich nutze Eclipse bis zu 70% im täglichen Arbeitsablauf und bin mehr als dankbar für diese IDE.

    Nochmals zum Thema, Microsoft zielt gezwungenermaßen etwas breiter als es z.B. Apple mit Mac OS X tun muss und da ist es nicht schwer anzuecken. Aber Apple wird gerade recht aktuell auch mit dieser Thematik konfrontiert. Mac OS X entwickelt sich ähnlich wie Windows zu einer Basis für viele Komponenten. iPhone und iPod haben sich bereits von dezidierten embed-Systemen gelöst und siehe da, bei Apple gibts Dokumentation und IDE’s für Entwickler, mit dem Unterschied das die Publikations-Möglichkeiten drastisch kanalisiert werden. Mittlerweile gibt es in Entwickler-Kreisen eine gewisse Abneigung gegen dieses Distributions-Modell, dass meiner Meinung nach nur zu einer limitierten Software-Angebots-Palette für das System führen kann.

    Puh, doch etwas mehr, aber ich will ja als direkter Kunde der „Großen“ auch mal meinen Senf dazugeben.

    Sagt ein Cross-Platform Geprüfter.

  9. Julian

    Abgesehen davon, dass das Verhalten von Ballmer in diesem Video (und den ganzen anderen peinlichen Auftritten von ihm) einfach nur noch lächerlich ist, bereits rein menschlich, nichtmal geschäftlich gesehen, ist das Argument der Gamer auch schon lange nicht mehr gültig.

    Der schnellste PC ist immerhin (und das nicht nur in diesem Test) ein Mac. Auch, und gerade, unter Windows.
    tinyurl.com/3fshwa

  10. Diablo

    Wen interessiert schon ein MAC?
    Opfer des coolen Markenwahnsinns sollen ruhig zum Apfel greifen, doch abgesehen von ein paar netten Features für Grafiker hat ein Mac herzlich wenig zu bieten. Da lass ich mir eher eine Windows/Linux Mischung gefallen.

    a) Möchte ich auch gern mal ein Spiel spielen und b) gleichzeitig die Option haben auf freie Software zu setzen, bei der man nicht der gläserne Surfer ist.

    Die Werbung ist natürlich totale Scheiße, aber das wurde ja schon mehrfach erkannt. Wenn sich MS nicht langsam auf die Stärken besinnt, dann werden sie von Apple und Google in die virtuelle Zange genommen.

    Julian : aber sicher ;)

  11. Zuckermann

    und jetzt die gretchenfrage liebe mac-gemeinde (mich eingeschlossen): würdet ihr in einer idealen welt lieber von diesem „wohlmeinenden diktator“ regiert werden:
    offensichtlich durchgeknalltes, machthungriges und aufmerksamkeitsgieriges, aer gut einzuschätzendes A****loch à la onkel ballmer oder von einem

    offensichtlich eloquentem, brilliantem, sympathisch und intelligent rüberkommender control freak, der seine neurose nur in der firma, dnn aber richtig durchblitzen läßt („never enter the elevator when steve is riding it, you’ll almost certainly get fired“)

    na?_)

  12. MILE

    Ach Freund Diablo, wie schön, dass es noch Dampfplauderer gibt, die alte Vorurteile aufrecht erhalten, Danke…! Das Teil schreibt sich zwar „Mac“ und hat somit nichts mit der Abkürzung „MAC“ gemein, aber das weißt du ja ohnehin selbst am besten, wenn man sich deine fachkundigen Ausführungen so durchliest…

    Natürlich müssen Mac-User „Opfer des coolen Markenwahnsinns“ sein, Trendhopper und Fanboys, die es einfach nicht besser wissen…schließlich hat Mac OS X nicht mehr zu bieten als „ein paar nette Features für Grafiker“ — das hast du schließlich absolut überzeugend dargelegt…!

    Dass es neben dem von Julian genannten Bericht eine ganze Menge anderer gibt, die seine Aussage belegen, mit einem lässigen Zwinker-Smiley auszuhebeln zeugt nur weiter von deinem Fachwissen rund um die aktuelle Computerwelt sowie deiner eloquenten Argumentationstechnik…! Und falls du noch was zum Zwinkern haben möchtest, kannst du ja auch mal hier reinlesen…

    merky.de/pplrmc

    oder hier…

    merky.de/pcwrld

    Und da geht’s nur mal um die Hardware in Kombination mit Windows, von den Vorteilen des Mac OS möchte ich gar nicht erst anfangen, damit’s dir nicht womöglich die Scheuklappen von den Augen brezelt…! Obwohl, die müssten ja eigentlich an dem Brett vor dem Kopf angetackert sein…!?

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