12.09.08
23:58 Uhr

Gates & Seinfeld – Die Wannabequarterbacks

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Wie um alles in der Welt verwandelt man eine Marke mit Stock im Gedärm zu etwas coolem, lässigen? Oder anders gefragt: WARUM um alles in der Welt muss man einem marktführenden Konzern mit Stock im Gedärm  einen coolen, lässigen Touch verpassen?

Solange sich die Markenführung von Microsoft permanent um sich selbst und ihre kleine Profilneurose kreist, anstatt sich auf die tatsächlichen Fähigkeiten zu konzentrieren, also dem was sie wirklich repräsentiert und was sie in Zukunt sein könnten, versucht der Konzern sich und seinem ehemaligen Garagengründer mit zwei Werbespots vom Streberdasein (GeeksN’Nerds) – innerhalb der klassischen amerikanischen Highschoolhierarchie – hinauf zum coolen Sportlerimage (Quarterback) zu katapultieren. Koste es, was es wolle.

Statt sich selbst zu akzeptieren, als Marktführer, als Distributionsonster, als Power-Software-Produzent – also als Streber im Sinne von Leistungsträger – muss man sich wohl eine angesagte Werbeagentur engagieren, die einem plötzlich ein luftiges MTV-Outfit überstülpt und den Kasper machen lässt. Natürlich hat man als Auftraggeber noch ein Wörtchen mitzureden und so wählt man lieber selbst den Komiker aus, also nicht wirklich einen von der Agentur vorgeschlagenen, angesagten Neuzeitcomedian, sondern einen verbrauchten, aber allseits (und vor allem dem Chef) bekannten, 90er Jahre Komiker, der sowieso schon als Werbefigur gut verheizt wurde. Man wählt zudem einen, der von Anfang bis Ende seiner Karriere, durch und durch den neurotischen, egomanischen New Yorker verkörperte, der gewöhnliche Menschen – also den Windowskäufer an und für sich – verabscheute und staffelweise arrogant auf sie herabspottete.

Diesen Komiker nimmt man und zimmert sich anschließend noch eine Story zusammen, die das von ihm verkörperte Bild noch verstärkt: Wir (Supermänner) müssen endlich wieder hinab zum einfachen Volk gehen und Anschluss an unsere Kunden finden. (Für die Deutschlandkampagne schlage ich hiermit Alexander von Eich als Mitprotagonist vor)

Implizierte Botschaft dieser Spotkatastrophe:

1. Ihr Kunden ward uns bis heute eigentlich scheissegal, hauptsache ihr kauft unsere Produkte.
2. Wir wissen bis heute nicht, was ihr für Produkte wollt, denn wir haben uns ja nie mit euch abgegeben.
3. Wahrscheinlich werden wir auch morgen noch genervt von euch sein, aber kauft weiterhin unsere Produkte, alles andere interessiert uns nicht.

Aber hauptsache vor der Kamera EINMAL zu den Sportlern gehören.

Diese Spots sind markenstrategisch ein Desaster. Zudem sind sie wirklich schlecht geschrieben oder sie wirken bei diesem Cast einfach nur schlecht, denn sie kopieren zudem alle gängigen Hip-Comedyformate á la „Arrested Development“. Diese Spots repräsentieren nicht im mindesten das, was in der Marke Microsoft wirklich steckt. Ja, Microsoft wird immer der Streber bleiben, jedenfalls solange Gates noch sein Gesicht für das Unternehmen vor die Kamera hält. Mit Gates wird Microsoft allerdings auch weiterhin krampfhaft versuchen, in die Rolle des Sportlers (Steve Jobs) schlüpfen zu wollen. Das ist wohl deren derzeitiges Schicksal. Sorry, aber so funktioniert das ganz bestimmt nicht. Stattdessen könnte man doch zur Abwechslung mal daran arbeiten, das Bild des Strebers zu verändern, statt eine Rolle einzunehmen, die schlichtweg unglaubwürdig ist.

Zudem muss es doch auch mal Marken geben, die es nicht nötig haben auf Teufelkommraus herumzualbern und mit Lachern aus der abgelaufenen Konserve um Aufmerksamkeit buhlen. Es muss auch Marken geben, die genau das authentisch vertreten, was sie am Ende auch wirklich sind oder vielmehr auch wirklich sein könnten. Das muss ganz bestimmt nicht langweilig geschehen und Humor ist dabei auch kein Tabu. Ich glaube mittlerweile sind sogar diese Videos immer noch die besten „Ads“ von Microsoft – eben weil sie authentisch sind und eben weil sie auch ein Stück weit die klassische Käuferschicht ansprechen (Merke: Ohne Empathie, da auch kein Fremdscham). Aber bei diesen Meisterwerken sagt natürlich kein oberschlauer Berater, dass diese Spots schon allein deshalb genial sind, weil Microsoft dadurch immensen kostenlosen Buzz bekommen hat. Nö, sowas sagt er natürlich nur, wenn seine eigenen Spots zerrissen werden.

Und beim nächsten Mal vielleicht einfach eure Fans fragen (also euch nicht nur per Lippenbekenntnis vor der Kamera herablassen) warum sie eure Produkte so lieben, auch wenn oder gerade weil ihr als Streber geltet.

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24 Kommentare

  1. Zweibeiniger

    man kann den nerds nicht trauen denen man selber früher das federmapperl versteckt hat. MS ist der bebrillte unsexy nerd der zeit seines lebens cool sein möchte, es aber nie schaffen wird.
    unsexy a lifetime.

  2. Nemox

    Hmm also ich muss sagen ich find die Spots klasse. Und irgendwie haben sie mich auch zum lachen gebracht. Vor allem das Raumschiff über Seattle^^

  3. Flogag

    Fail.

  4. frühjahr GmbH, Designagentur

    Die Spots sind mühsam und unsexy – Windows eben.

  5. neuerdings.com » Blog Archiv » Microsoft Werbung II: Jetzt wird es peinlich

    […] Eine deutliche Kritik an den bisherigen Spots gibt es auch beim Werbeblogger. […]

  6. Marketing-Mind

    Ich mag die Spots.

    Das liegt aber wahrscheinlich daran, dass ich Seinfeld-Fan bin. Jerry wurde meiner Meinung nach als Werbefigur auch nicht verheizt-die Superman-Spots sind Legende.

    Welchen angesagten Comedian hätte MS sonst nehmen sollen, Dane Cook?
    Lustig wäre eine Kombination mit George Carlin (RIP) oder mit Jon Stewart, nachdem Hodgeman mit Apple so erfolgreich war, gewesen.

    Allerdings fehlen in den Spots jegliche Verkaufsargumente für MS und der wirkliche Zweck, ausser viral zu sein, bleibt mir verborgen Da waren die Apple-Spots um Jahre besser, welche unterhaltsam und überzeugend waren.

  7. soomah » Archiv » microsoft spot

    […] hier nie an. Einfach ein anderer Humorstil als beim QuatschComedyClub. Da gibts natürlich hier und da ein paar Miesepeter, die schon viel zu lange vorm Monitor sitzen und den Witz des Alltäglichen […]

  8. unverzichtbar

    Bill Seinfeld und Jerry Gates in da Family…

    […] Die Bloggergemeinde is not amused, denn im Prinzip sagen diese Spots überhaupt nichts aus. Microsoft will sich näher mit den Menschen connecten. Soso – dann sag ich es nochmal: Programmiert ein besseres Windows! […]…

  9. Zuckermann

    @“marketing-mind“…sie hätten chris roooock als comedian nehmen müssen!
    ansonsten muss ich sagen: nach dem ersten „spott“ war ich voll patricks meinung. nach dem zweiten, mit seiner teils sehr gelungenen selbstironie, die auch die „customer“ nicht aussen vor läßt (aber eben so, dass man wirklich darüber schmunzeln kann), frage ich mich langsam, ob der auch von mir als unglaubwürdig eingestufte „staggered approach“ der kampagne nicht doch aufgehen könnte.

    zugegeben, alles ein bissel seltsam und ganz schön gefährlich nah daran, den kunden den spiegel ihrer vermeintlichen eigenen blödheit vorzuhalten. aber im gegsatz zu patrick sehe ich darin überhaupt nicht den versuch „cool“ zu erscheinen (typisches mißveständnis einer apple klientel, imho), sondern im gegenteil ein fast schon howard hawks-mäßig leichtes spiel mit der eigenen nerdyness.

    es scheint also um den aufbaus von markenSYMPATHIE zu gehen, eben DAS klassische ziel einer imagekampagne. und wenn ich mir so die aufmerksamkeit, auch um die mit spannung erwartete fortsetzung ansehe, und dann auch noch auf spiegel online lesen muss, dass die das gut finden, muss ich sagen, hey, das wär schon das 2. mal (nach der „advertiser/ customer“ kampagne), das MS mit einem zumindest spannenden viralen konzept wellen schägt…

  10. johndark

    Vieleicht liegt das einfach nur daran, dass Bill Gates seinen posten abgegeben hat und dieser jenige, einer von der neueren Generation ist und sich einbildet, dass es alles halt hipiger werden musss, oder halt etwas neues her muss. Da google und Co bald Microsoft nicht mehr atmen lassen könnten.
    Man nehme die Software for4free bei google. Bsp.: Open Office.
    War nur ein Bsp.

    Microsoft muss auf jeden Fall andere Wege anschneiden und etwas neues muss her.

  11. Alex R

    I love this company…. die Spots sind lustig unverständlich und egal was die machen…. ich nutze MS und vin voll auf zu frieden…

  12. hans

    Also ich finde die Werbung von Mikrosoft auch ein wenig altmodisch.

    Also Affili Marketing ist wirklich ein gutes Geschaeft und viele Besucher kommen auch auf sehr interressante Websites.

    Gruss Hans

    P.S: Wer will kann sich ein kostenloses Wochenhoroskop hier holen.
    wochenhoroskop.de.ki

  13. meistermochi

    ein bisschen cadbury der spot…

  14. Oliver

    Microsoft ist nun mal Microsoft – Und wie ein Softwaremonopolist seine Werbung haben möchte ist seine Sache. Man kann keinen Bill mit einem Steve vergleichen. Genauso wenig allerdings kann man Apple mit Microsoft vergleichen. Trotz Apples Höhenflug die letzten Jahre, kämpft Microsoft glaube ich umsatzmäßig in einer anderen Liga. Also, lass die doch machen und wenn es Sch… aussieht ist das doch deren Problem. Wir haben selber Schuld, solange wir den Kram von denen kaufen!

  15. Auke

    Bei dem Spot schläft man ein.

  16. the game

    ich fand die spots eigentlich ganz nett.
    obwohl ich seinfeld nicht lustig finde (bzw anscheinend einfach nicht verstehe).

    über microsoft lästern ist soooo 90er…

  17. Microsoft-Spots gehen ohne Seinfeld weiter … | Werbeblogger - Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Microsoft-Spots gehen ohne Seinfeld weiter …

    […] Ganze klingt ein bißchen nach Plan B, kann aber natürlich sein, dass der erste Teil der Kampagne absichtlich konfus, teuer (10 Mio. für Seinfeld) und lahm gestrickt wurde, um nun den […]

  18. Microsoft-Spots gehen ohne Seinfeld weiter … | Werbeblogger - Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Microsoft-Spots gehen ohne Seinfeld weiter …

    […] Ganze klingt ein bißchen nach Plan B, kann aber natürlich sein, dass der erste Teil der Kampagne absichtlich konfus, teuer (10 Mio. für Seinfeld) und lahm gestrickt wurde, um nun den […]

  19. Microsofts “I’m a PC”-Mann antwortet » BloggingTom

    […] die ersten zwei Werbespots der 300 Millionen Dollar-Werbekampagne eher für Verwirrung sorgten, nimmt Microsoft nun Apples “I’m a Mac”-Kampagne auf und präsentiert […]

  20. BloggingTom

    Microsofts “I’m a PC”-Mann antwortet…

    Nachdem die ersten zwei Werbespots der 300 Millionen Dollar-Werbekampagne eher für Verwirrung sorgten, nimmt Microsoft nun Apples “I’m a Mac”-Kampagne auf und präsentiert seinen “PC-Mann” zusammen mit weiteren “PCs…

  21. Life without walls

    Ich find die Clips voll okay allerdings fehlt der Sinn der sache etwas.Ich finde microsoft sollte dazu stehen was es ist und nicht etwas aus sich machen was es nicht ist. Ich bin ein überzeugter u. zufriedener microsoft kunde- Was will man auch mehr?
    ich habe mich noch nie für Apple interessiert, ist viel zu überteuert. Das wollen doch nur angeber und leute die nicht mehr wissen wohin mit dem Geld.Wenn ich mich nicht selbstständig informiert hätte wüsste ích noch nicht mal wie mac skin aussieht…von wegen Apples Werbung kommt an, da kann ich nur abwinken und würde nur davon abraten.

    Freundlicher Gruß,

    Life without Walls

  22. Sascha

    Typisch MS halt, weiß schon warum ich die nicht mag.

  23. Microsoft´s Box Office | Werbeblogger – Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Microsoft´s Box Office

    […] gelingen Microsoft neben viel Murks zuweilen echte Perlen, allerdings sind sie -bisher- weit davon entfernt, ihre Kampagnen aus […]

  24. Semionauten » Blog Archive » Microsoft made my heart go boom. Ein Lehrstück über Viral Marketing

    […] sehen wir, dass Microsoft sich immer wieder verzweifelt bemüht, in den kreativ-schöpferischen Bereich vorzustoßen und dort ernstgenommen zu […]

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