11.09.08
23:21 Uhr

Die Sache mit den Quickies

Epilog: Das ist die Fortsetzung zum großartigen “rant” vom Kaiser.

Klar kann schneller Sex so richtig gut sein, wenn denn die Chemie auf beiden Seiten stimmt und man gerade so richtig in Stimmung ist, die Luft vor Erotik vibriert und die Pheromone förmlich riechbar sind. Doch das sind seltene Ereignisse, Glücksgriffe oder einfach zur richtigen Zeit, mit der richtigen Person, am richtigen Ort sein. Das ist noch lange kein Grund daraus eine verbindliche Sexualtheorie zu stricken, frei nach dem Motto: Wer schneller kommt, hat auch immer länger Spaß.

Einige Vertreter unserer Zunft propagieren jedoch genau diese Verhaltensweise. Was nicht schnell genug ist, kann auch nicht befriedigen – ganz egal wieviel Mühe man sich dabei macht. Oder wie sonst soll ich die Aussage vom Chefstrategen Guy Murphy von JWT interpretieren, der zur Anpreisung seiner organisierten “Fast Strategy Conference” folgendes verbales Fast Food verkündet:

The most important skill that strategists need to learn in this era is speed. The quality of a strategic answer is now partly determined by the time taken to create it. Slow-baked strategy, no matter how good, can never be great.

Das ist der größte Humbug, den ich je aus dem Munde eines sogenannten Strategen gehört habe. Strategie hat keine festen zeitlichen Regeln. Strategie muss in erster Linie passen. Natürlich muss man ab und zu schnell reagieren, sonst war man eben nicht mit der richtigen Person, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort. Aber zu behaupten, dass jedwede schnelle strategische Entscheidung gleichzeitig immer auch die beste ist, oder noch viel schlimmer ausgedrückt, eine langsame, bedachte und wohlüberlegte langfristige Kommunikationsstrategie NIEMALS gut sein kann, lässt mich am gesunden Geisteszustand dieses Planners zweifeln und als Kunde würde ich mir dreimal überlegen, ob ich solchen Beratern etwas Spielgeld zur Verfügung stelle.

Aber vielleicht wirft auch die herannahende, über uns schwebende Konjunkturflaute ihren Schatten voraus und plötzlich verfällt die gesamte Branche wieder in panisches Kanibalisieren. Schneller, billiger, rationalisierter – das übliche unkreative Gegenmittel bei herannahender Auftragspleite. Mir tun an dieser Stelle solche Networks fast leid, bzw. die kreativen Menschen, die darin arbeiten und solche verbalen Entgleisungen ausbaden müssen. Durch solche Statements stellt sich ein Unternehmen selbst bloß – nämlich als ideenlose, zu Flüchtigkeitsfehlern neigende Schnellschusswerber, die ihren Kunden am liebsten das erzählen, was sie dann auch tatsächlich (leider) auch oft hören wollen.

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4 Kommentare

  1. Julian

    Der will doch nur sein Gehalt rechtfertigen und nix tun für sein Geld. Würde ich meine Arbeit einfach schneller machen (Journalist), wäre sie weniger gut recherchiert und eher falsch. Und wenn man so Autos bauen würde… Puh. Aber ich lenke ab, es geht ja um Strategie. Da sollte er mal schnell Schach spielen, oder in historischen Schlachten(simulationen) antreten mit seiner schnellen Strategie.

    Sich selbst zum “Geniestreich-Künstler” erheben stinkt. Das ist die Aufgabe von anderen.

  2. Zuckermann

    american speed-dating bullshit! schade, dass jon steel nicht an dieser konferenz teilgenommen hat;-)

  3. Roland Kühl-v.Puttkamer

    Wer immer schnell kommt, wird´s schwer haben auf Dauer ;-)

  4. Marktkommunikation 2009 - Teil 1 | Werbeblogger - Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Marktkommunikation 2009 - Teil 1

    [...] endlich wieder mehr Herz und Hirn in die Kommunikationsarbeit fließen zu lassen, statt huschhusch und billigbillig wieder die Werbetrommel auf Oldschool-Art zu rühren. Trackback-URL dieses Beitrages [...]

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Eure Kommentare

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  • Prozentewunder: @ralf Klar steht es da. Und wenn der Bildschirm groß genug ist, kann man´s sogar lesen. Nur: Die, die da anrufen zahlen das nicht,...
  • ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
  • sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
  • iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
  • ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
  • Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
  • Hundeschule: Tja Abmahnungen gehen weiter, Hundeschule wurde abgemahnt, weil ein gekauftes Logo verwechslungsgewahr beinhaltet. Und nun? Die Pfote...
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