03.09.08
15:33 Uhr

Google Chrome – Suchen und Besuchen

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Die gesamte Internetgemeinde kennt seit gestern kaum ein anderes Thema. Der neue -superschlanke und schnelle – Browser von Google ist zum Download freigegeben. Aus unternehmensstrategischer Sicht ist dieser Schachzug genial, wer sich allerdings als Internet-Nutzer und Konsument nicht durchgängig in die Hände eines Unternehmens begeben will, wird kaum mit fliegenden Fahnen seinen bisherigen Browser wechseln.

Natürlich haben auch andere Browseranbieter -allen voran Microsoft- nicht nur das Wohl der Menschheit im Sinn, aber die Dimension, in welche Google jetzt vorstößt, ist gigantisch.

War Google bisher auf das Kerngeschäft des „Suchens“ fokussiert, wird mit dem neuen Browser klar, dass nicht nur das Suchen, sondern auch das Besuchen von Websites und deren Inhalten von Google in Zukunft wunderbar ausgewertet werden kann.
Google konnte bisher im Schwerpunkt „nur“ feststellen, welche Seiten über die Google Suchmaschinenergebnisse besucht werden. Mit Diensten wie iGoogle und vor allem jetzt mit dem neuen Browser „Chrome“ hat Google den perfekten Zugriff auf das Leseportfolio bzw. Navigationsverhalten von Internet-Nutzern und die Datenkrake hat einige relevante Fangarme mehr.

Als großer Vorteil des neuen Browser wird angegeben, dass die bei allen Browsern übliche Adresszeile gleichzeitig Suchfeld ist, welche im direkten „Dialog“ mit den Google-Serven kommuniziert. Ein gutes Gefühl habe ich dabei nicht. Ganz einfach könnte Google das Surfverhalten einzelner Browsernutzer analysieren und -natürlich- für gezielte Werbung ausweiten.

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Was haben wir uns früher alle immer aufgeregt, als Microsoft als Betriebssystem ständig „nach Hause telefonieren“ wollte. Viele externe Programme wurden entwickelt, um Microsoft diese Unart abzugewöhnen.

Wenn allerdings Microsoft gelegentlich „nach Hause telefoniert“ hat, dann liegt jetzt bei Google „Chrome“ eine „Standleitung“ vor, die in Echtzeit das Surfverhalten dokumentiert. Warum nur regt sich keiner darüber auf? Ist Google der nette Webonkel, während Microsoft und andere eher für die böse Internet-Schwiegermutter stehen, denen man ja freiwillig gar nichts über sich erzählen will?! Oder lassen wir uns durch die von Google proklamierte „Open Source Strategie“ automatisch verblenden, da dieser Begriff in der Netzgemeinde für vermeintliche Transparenz steht?

Mir jedenfalls kommen diese Allmachtsstrategien aus dem Hause Google allmählich sehr gruselig vor und -solange es eben möglich ist- werde ich sicher nicht alles auf „eine Karte“ setzen.

Update:
Nachdem ich mit den Datenschutzhinweisen und weiteren Ungereimtheiten im Kontext meiner Privatsphäre so gar nicht einverstanden bin, habe ich den Google Browser deinstalliert. Allerdings bleibt auch nach Deinstallation der ominöse Dienst „googleupdate“ im System. Freunde, so etwas geht gar nicht
Den Startdienst habe ich vorerst mit „msconfig“ manuell gekickt…

29 Kommentare

  1. Ralf L.

    Der Browser bietet gar keine Vorteile, ganz im Gegnteil er ist spartanisch und langweilig. Wäre er nicht von Google und entsprechend gehypt – kein Schwein würde danach rufen oder ihn nutzen.

    Viele sind Google-blind oder lieben sowieso alles was Google veröffentlicht, egal ob sinnvoll oder unnütz, vergessen aber dass man damit einem Unternehmen immer mehr über sich und sein Verhalten im Netz preisgibt.

    Ich habe ihn schon wieder gelöscht, er hat keine Vorteile gegenüber Firefox (Chrome ist entschieden hässlicher) und somit brauche ich keine “Spyware”.

  2. nilsn

    Teile deine Einschätzung, gerade weil ich auch schon den google reader (und u.a. auch gmail) nutze. Da lasse ich schon genug die Hosen runter. Außerdem finde ich den Firefox absolut in Ordnung, mag auch Gewöhnung sein, sei’s drum. Ich bleib beim Firefox.

  3. Vroni

    Wenn Simplicity nur an der Oberfläche „simpel“ ist und dahinter aber ne Menge und Mordstechnik läuft, die man nicht sieht, nicht überblickt und nicht selbst warten/reparieren kann, dann ist das keine Simplicity, sondern Pseudo. (Achtung Patrick, man beachte den philosphischen und zeitgeistkritischen Ansatz…)

    Irgendwann werden das Marketing-Pseudo die Freunde der Einfachheit schon merken. Bis dahin aber fließt noch a bissi Wasser die Isar und die Spree hinunter und was gratis ist, wird immer anfangs gerne genommen.

    Ich behaupte sogar, je einfacher sich Programme und Gadgets sich an der Oberfläche gerieren, umso komplexer sind sie im Backiend.

    Zu Chrom

    Der Name sagts doch schon: Glänzende Oberfläche.

    Oder: Ordnungselement, Cr. Die Verbindungen von Chrom haben viele verschiedene Farben und werden oft als Pigmente in Farben und Lacken verwendet.

    Sehr schlau diese Namensgebung, Respekt. Und voll im CI/CD.
    __________________

    Mich interessiert auch: Interpretiert dieser Browser die Webseiten vernünftig. Oder haben Webdesigner, die W3C-valide programmieren wollen, mit diesem neuen Browser auch wieder neue Probleme an der Backe und müssen CSS-Hacks und Spezial-Kommentierungen ohne Ende veranstalten…

  4. Moritz

    Habe das Ding heute auch geladen und benutzt. Ich finde es viel zu minimalistisch, irgendwann wird die ganze Farbe aus der vitruellen Welt herausgenommen…
    Im übrigen fehlt mir eine umfangreiche Add-On Funktion und ich bekomme Angst, dass Google bald wirklich alles über mich weiß.

  5. AndreasN

    Wer sich die EULA von Chrome durchliest und eingermaßen fit im Kopf ist, wird sich diesen Browser niemals auf den Rechner laden und damit surfen.

    Vor allem wer in einem sensiblen Bereich (Arzt, Anwalt etc.) arbeitet, sollte darauf verzichten, mit Chrome Mails über ein Webinterface zu schreiben.

    Google sichert sich praktisch ein Nutzungsrecht für alles, was ich im Browser eingebe.

  6. Oliver

    Von wegen „Don´t be evil“.

    Google verwaltet meiner Meinung nach schon längst mehr Informationen von Usern, als mir lieb ist. Kritiker wollen Google schon längst einen Riegel vorschieben, aber wieso sollte diese hübsche bunte Logo denn etwas böses wollen.

    Natürlich liegt es an mir, die servierte Werbung durch Adsense, Adwords und co. auch zu nutzen, aber will ich wirklich, das Google weiß wo ich surfe, wie lange, usw.

    Ich betrachte den „Chrome“ auch mit Vorsicht und warte ab, bevor er zum Standartbrowser wird. Hübsch und schnell ist er ja…

  7. Cross

    Von wegen da regt sich keiner drüber auf … ich sehe nur eine sinnvolle Antwort auf den Datenschutz-Angriff von Google mit Chrome: Frei nach dem Google-Firmenmotto – „don’t install chrome“. Den IE mit Chrome zu ersetzten ist wie den Teufel mit dem Belzebub auszutreiben … dabei gibt es mit Firefox eine echte Open-Source-Variante die einen nicht zum gläsernen Google-Untertanen macht. Doch ganz entfliehen kann man Google auch bei Firefox nicht: über 80% der nötigen Einnahmen für die Mozilla-Foundation hinter Firefox kommen … von Google für das Einbauen der Google-Suche in ein Extra-Suchfenster bei Firefox.

  8. Alex R

    Danke Roland….

    Habe ihn gestern getestet und war vom Tempo beeindruckt, aber diese totale Kontrolle und das dauernde GoogleUpdate.exe was sich ständig mit Google verbinden will….

    Ergebnis – ich habe mein Google-Toolbar deinstalliert.
    GMail war mir immer suspekt – nicht genutzt…
    Picasa?? – ich bleibe bei ACDSee….

    GoogleMaps -> http://maps.live.de/
    Google-StreetView finde ich ganz bedenklich – „nun kann ich bevor ich irgendwo einbrechen möchte mir auch alles genau ansehen“

    Google-Suche ->live.com oder exalead.de/search

    Google-Analytics habe ich aus allen Webseiten verbannt

    Und GoogleDocs oder die Office-Anwendungen – sorry meine Privatsachen bleiben auf meinem PC und nicht auf Google-Servern

    Schade Google- irgendwie seit ihr mir unheimlich geworden – damals 2000 war ich sogar bereit einen monatlichen Beitrag fürs Suchen zu zahlen – aber ich hoffe, dass Microsoft und Apple die Kurve bekommen und Google mal zurechtstutzen.

  9. icke

    danke für diesen beitrag.
    endlich jemand, der NICHT himmelhochjauchzend auf das blend-werk abfährt. ohne google geht ja heute quasi garnichts mehr. keine satellitenbilder in der tagesschau, kein online-marketing, keine suchergebnisse von backrezepten.
    und nun auch noch der browser? ich wahre mir gerne etwas autonomie und weigere mich, das ding zu benutzen.

    in ein paar jahren wird es das web eh nicht mehr geben, weil google zuviel einfluss gewonnen hat und denen alles abschaltet, die dann die monatlich 500$ nutzungsgebühr nicht zahlen wollen.

  10. The Kaiser

    google = teufelszeug.

  11. Google Chrome Erste Erfahrungsberichte « Sprechblase

    […] Roland Kühl-v.Puttkamer, Werbeblogger: Google Chrome – Suchen und Besuchen Beschlagwortet mit:Chrome, Erfahrungen, Google, Liste, Praxis « Google Chrome auf […]

  12. mehr froide leude

    richtig, teufelszeug! fängt bei gmail an und geht bei chrome wohl gepflegt weiter…

  13. Gause

    Also ich werde sicher NICHT den Browser benutzen. Ich bin mit Firefox zufrieden.

    Das Google noch mehr Daten sammeln will, war doch eh klar, ein logischer Schritt. Sehr amüsant das die Amis mal wieder blauäugig an die Sache rangehen *g.

    Außerdem, Beta-Versionen sind eh Müll, wenn man nicht „Fan“ von dem Produkt ist.

    Schön das in Deutschland einige Menschen Google gegenüber skeptisch sind.

  14. Timm

    haha. hat was von der appleinvasion, nur dass die es legitimer machen… wobei;
    *Link von Redaktion gelöscht*

  15. Patrick Breitenbach

    Google ist geil.
    gez. die Google-Schlampe

    Leute, wer gleichzeitig im Web 2.0 aktiv ist (Flickr, Facebook, STudiVZ etc. pp), Payback & Co. nutzt, ein Betriebssystem hat, der glaubt ja nicht ernsthaft, dass die Daten dort „sicherer“ sind.

    ALso wenn dann richtig konsequent mit Anonymsurfen, Googlealternativen (nicht Yahoo) usw. Dürften wohl nur die CCC-Members tun. ;-)

  16. Zuckermann

    hmm, irgendwie werd ich den eindruck nicht los, dass sich hier das kleine gallische dorf ausspricht. google suche hat in D nämlich eine wesentlich größere dominanz als in vielen anderen ländern (annähernd 90% – so ähnlich wie yahoo in japan. verbiete mir jetzt aber historische parallelen…).
    und @ alex r: dass wir jetzt nach MS rufen um google in den allerwertesten zu treten ist wirklich wie den teufel mit dem bbub austreiben zu wollen. das apple mit seiner äußerst unsympathischen restriktionsstrategie in allen bereichen sicher auch nicht die lösung ist, ist klar (das tippe ich auf nem mac book pro… ach ja, sorry, datenschutz, wie konnte ich das bloß vergessen).
    ergo: ich trete jetzt in den CCC ein;-) oder?…hm, werde vielleicht auch google schlampe. mal sehen, was sich besser anfühlt…

  17. Alexander

    Ich finde der frisst noch sehr viel Performance…..des weiteterin habe ich festgestellt, dass wenn man ein Video über Youtube schauen möchte, der Player immer stoppt sobalt d ein zweites Programm/Fenster geöffnet wird.

  18. HerrK

    Schneller Starter & schneller Seitenaufbau – dafür haut der mir aber die CPU Auslastung bei zehn geöffneten Tabs bis zum Anschlag. Was die Datenkrake angeht: Jo da lässt sich Google mal wieder nicht lumpen, aber wie Patrick schon sagt „wer im Web 2.0 aktiv ist (Flickr, Facebook, STudiVZ etc. pp)“…der glaubt doch nicht wirklich das dort was anderes mit unseren Daten passiert? ;)

    PS: Habe auf meinem Blog auch einen kurzen Eindruck zu Chrome geschrieben.

  19. Patrick Breitenbach

    Konsequenterweise müsstest du jetzt natürlich auch hier Google Analytics rauswerfen, oder?!

    Das ist im Gegensatz dazu nämlich richtiges Teufelswerk…

  20. Roland Kühl-v.Puttkamer

    @HerrK
    Nö, glaube ich auch nicht. Nur ist es mir bei den Angaben bzw. Infos, die ich bei Flickr oder Facebook mache, ziemlich wurscht, da ich dort nicht wirklich in einer „Produktivumgebung“ bin. Beim täglichen Browsen ist das allerdings etwas ganz anderes…auch wenn Mozilla ebenfalls nicht nur zu den Engelskindern gehört…
    lawblog.de/index.php...
    Also, Bestimmte Google-Produkte sind geil (Teilgoogleschlampe), aber ich muss ja nicht gleich mein gesamtes Mail-,Office- und Webportfolio inkl.Feedreader bei einem einzigen Anbieter organisieren.

  21. Roland Kühl-v.Puttkamer

    @Pedde:
    Jepp, stimmt. Und darüber hab ich im Ernst schon einmal nachgedacht…

  22. mehr froide leude

    ihr habt ja recht… der ganze internetscheiß ist ein teufelszeug!
    back to the roots mit ziehfeder und pergamentpapier! ;o)

  23. Psychochromatische Datenschutzallergie | Werbeblogger - Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Psychochromatische Datenschutzallergie

    […] dem Erscheinen von Googles neuem Browser “Chrome” poppt sie wieder auf, die große Datensch(m)utzthematik. Natürlich hat sich Google in den Blogs schon längst von ihrem Image als […]

  24. Mr_White

    Matt Cutts hat Erklärungen: mattcutts.com/blog/g... Wollen wir also mal die Kirche im Dorf lassen.

  25. chrome fill in, schwarze outlines « one thing is promised

    […] ist also der google browser raus und getestet tet tet tet, auch von meinereiner und dessen fazit faellt nicht sonderlich spektakulaer aus: ein […]

  26. Webmaster Support

    Datenschutz bei Google Chrome…

    Google Chrome: Ahhhhhhh! Die Unwissenheit oder Naivität vermeintlicher Experten macht mich Waaahhnsinnig! Gerade habe ich beim ZDF „heute“ einen Beitrag über Google Chrome gesehen, darin wird betont wie schlank, schnell und einfach der Browser ist….

  27. zrce

    meine vorschlag lautet erstmal: abwarten. wenn google chrome aus der beta phase rausist werde ich mir das alles mal genauer anschauen.

  28. meistermochi

    schade, dass die analytics diskussion hier ein wenig untergeht…

    meistermochi.de/?p=6...

    „Kein Beitrag über Chrome.

    Nur kurz: Ich nutze Chrome in der Agentur. Funktioniert gut. Nächster Hype bitte…

    Was für euch, liebe meistermochi-friends, viel interessanter sein dürfte ist, was man mit Google Analytics so alles…“

  29. Microsoft Office als Web Applikation | Werbeblogger - Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Microsoft Office als Web Applikation

    […] die einzige Chance für Microsoft, im Web noch wirklich mitzumischen, nachdem Google im Feld der Web-Browser einer direkten Dolchstoß gesetzt hatte. Mit diesem Schritt wird außerdem […]

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