12:59 Uhr
Scotty, Energie!
Das Kommando des über Fangrenzen hinaus bekannten Captain James Tiberius Kirk ist weitreichend bekannt. Der leitende Ingenieur Scotty schob in Folge die Regler und mit “Warp-Antrieb” ging die “Enterprise” auf Reise zu unbekannten Sternen und Planeten, die noch nie ein Mensch zuvor gesehen hatte oder er bewegte ganze Personengruppen via Energiestrahl von einem Ort zum anderen. “Scotty, beam me up!”
Die Energiefrage scheint in dieser Zukunftsvision gelöst, zumindest aber hat das Raumschiff kein wirkliches Abgasproblem oder muss gar seine “Ökobilanz” überprüfen. Energie ist endlos verfügbar, ohne auf fossile Brennstoffe oder Atomantrieb angewiesen zu sein.
Auf der heutigen Erde sieht es im Moment ganz anders aus. Territoriale Waffengänge drehen sich immer noch stark um das Thema “Energie”, auch wenn oft genug “demokratisch geprägter, westlicher Edelmut unter dem Mantel der Freiheit” als Hauptmotiv proklamiert wird.
Tatsächlich ist Energie der Mobilitäts- und Produktivitätsfaktor Nr. 1. Wir stellen uns nur einmal vor, die Kosten steigen weiter so extrem. Nicht nur Privathaushalte in Deutschland kämpfen schon heute mit Nebenkosten, die bereits mehr als ein Drittel ihrer monatlichen Kosten für Mietwohnung oder Eigenheim ausmachen.
Sämtliche Güter, die zuvor energieintensiv produziert wurden, können zwar durch Massenproduktion in der Anschaffung attraktiv gehalten werden, sind dann aber vor allem “im Betrieb” zunehmend ein erheblicher Kostenfaktor. Die schöne multimediale Welt mit ihren Computern, Flachbildschirmen und HD-Screens wäre dann für “die Masse” kaum finanzierbar, auch wenn die Stückpreise für die Herstellung noch weiter fallen sollten.
Was passiert wohl, wenn Milliarden von Haushalten in China oder Indien den weltweiten Energiebedarf weiter drastisch steigern, weil sie -zu Recht- einen Standard anstreben, der das Leben im Haushalt vereinfacht bzw. bequemer gestaltet?! Ob Waschmaschine, Staubsauger, Mikrowelle, Herd, Computer oder Flachbildfernseher, wer es noch nicht hat, wird es bald haben und nutzen wollen. Schon heute läuft man in Peking und anderen fernöstlichen Metropolen mit Atemschutz durch die Straßen, da die Feinstaubbelastung gesundheitsgefährdend ist.
Dabei ist es nicht nur der individuelle Straßenverkehr, der zu dieser Belastung führt. Ebenso belasten industrielle Fertigungsanlagen für Konsumgüter und fossile Kraftwerke für deren Herstellung bzw. Betrieb das Klima und schließlich bei dieser Menge auch den Weltmarktpreis. China kann es sich aber gar nicht erlauben, ökologisch zu denken. Zu sehr lockt das potenzielle Wirtschaftwachstum, zu bremsend würde sich eine “verantwortliche Energiepolitik” auswirken, die die westlichen Industriestaaten gerne anmahnen.
Was Deutschland während seiner wirtschaftlichen Aufbauphase während der letzten 50 Jahre “im Kleinen” über Jahrzehnte vor allem im Ruhrgebiet praktizierte, müssen wir den Chinesen eben auch zugestehen, allerdings mit ganz anderen Bevölkerungsdimensionen. Und was teilweise bis heute in den USA im Umgang mit Energie passiert, hat nun wahrlich keinen Vorbildcharakter, auch wenn die USA ihre ganz eigene Geschichte bzw. geografischen und klimatischen Rahmenbedingungen mitbringt.
Der wirtschaftlichen Logik folgend reagieren also auch Energiekonzerne zunächst auf einen stark steigenden Weltmarktbedarf, erst in zweiter Linie folgen sie ökologischen Prinzipien, wenn überhaupt.
Daher darf man die kommunikativen Bemühungen der Konzerne, sich einen ökologischen oder sozialen Anstrich verpassen, nicht überbewerten. Es gehört heute zum guten Ton, sich auch in neuen Energietechnologien oder auch im Feld der “Corporate Social Responsibility” zu positionieren.
Allerdings wird ein richtungsweisender Technologiewechsel vermutlich erst dann wirklich stattfinden, wenn der Zukauf fossiler Rohstoffe so teuer wird, dass es sich betriebswirtschaftlich nicht mehr lohnt, im Schwerpunkt auf konventionelle Energiegewinnungsverfahren zu setzen. Zum Glück gibt es dann “zur Überbrückung” ja noch die gute alte Atomenergie, die ganz sicher eine weltweit längerfristige Auferstehung erfahren wird. Je nachdrücklicher die Weltgemeinschaft nämlich den konsequenten Umstieg auf regenerative Energiegewinnung verschläft bzw. aus wirtschaftlichen Gründen nach hinten stellt, desto länger haben wir die Atommeiler wieder vor unserer globalen Haustür.
Was das nun mit Werbung zu tun hat, werdet ihr fragen…
Vordergründig vermutlich wenig, aber schauen wir doch einmal auf ein paar TV-Spots während der olympischen Spiele 2008, die das Thema “neue Energien” oder CSR in den Mittelpunkt stellen:
Link: www.youtube.com
Link: www.youtube.com
Link: www.youtube.com
Link: www.youtube.com
6 Kommentare
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- iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
- ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
- Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
- Hundeschule: Tja Abmahnungen gehen weiter, Hundeschule wurde abgemahnt, weil ein gekauftes Logo verwechslungsgewahr beinhaltet. Und nun? Die Pfote...
- InternetMarketing | Jens Srowig: Hallo an euch! Das ist wirklich ein tolles Video. Auch wenn es schon ein wenig spät ist, alles Gute für das neue...
- Ralf Hillmann: Da kann ich nur sagen, die Bezeichnung Video-Perle passt einfach perfekt. Da soll noch einmal jemand behaupten Werbung habe nichts...
- ralf schwartz: @Gerry K. Ich selbst rege mich immer am meisten über irgendwelche Tricks der Agenturen und Werbungtreibenden auf, aber die Angabe...
- Brian: Der Titel ist genial. Danke :).

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Am 26. August 2008 um 13:42 Uhr
Tolle Spots, die ein schlechtes Gefühl verursachen. Ist mir alles ein wenig zu sehr in rosa gezeichnet, auch wenn Obama das persönlich geprüft hat.
Am 26. August 2008 um 16:50 Uhr
Hallo zur Energiefrage! , die Antwort Kernfusion, machen wir es wie die Sonnen. Bissel wirds aber noch dauern. Hab hier einen Spiegel bericht gefunden:
spiegel.de/wissensch...
allet halb so schlimm :)
Gruss
Am 26. August 2008 um 16:45 Uhr
Auch in Star Trek änderte sich das Bewußtsein, wenn auch erst in The Next Generation. Das Thema „Energie“ war freilich nicht zurückzuholen, zumal die Erfindung des “Replicators” die Produktion von Gütern praktisch vollständig abkoppelte vom Ressourcenbedarf, und dabei die Verfügbarkeit von Nahrungs- und Grundbedarfsartikeln für alle garantierte. Statt dessen wurde die „Ökobilanz“ gerade im Bereich des Warp-Antriebs thematisiert; von der Folge “Force of Nature” an (7. Staffel, 1993) wurde die Warp-Geschwindigkeit von Föderationsschiffen, Notfälle ausgenommen, halbiert, da der Warp-Antrieb den “fabric of space” zu beschädigen schien.
Viele nehmen heute an, die Metapher hätte sich in erster Linie auf ein zunehmenden Bewußtsein bezogen in der Richtung, daß das Herumrasen mit dem Auto schädlich für die Umwelt sei — aber eine solche Aussage wäre im Jahr 1993 geradezu lachhaft banal gewesen. Vielmehr korrespondierte das Warp-Problem mit der bereits seit den späten 80er Jahren geführten Klimadebatte, und “Force of Nature” bezieht hier recht eindeutig Position. Umgekehrt wiederum nimmt es nicht unbedingt Wunder, daß “Force of Nature” heute weitgehend falsch interpretiert wird, denn einer der großen Erfolge der Klimawechselverneinerlobby ist der öffentliche Eindruck, daß die Klimadebatte eine „kürzliche“ Debatte ist und die Forschungsergebnisse dazu „vorläufig“ und „gespalten“ sind. (Wie das historisch und strategisch erreicht wurde, erklärt zum Beispiel Naomi Oreskes in ihrem exzellenten einstündigen Vortrag “The American Denial of Global Warming” [ youtube.com/watch?v=... ].
Okay, hat auch nicht so rasend viel mit Werbung zu tun, aber immerhin mittelbar mit dem Marketing von TV-Serien …
^_^J.
Am 26. August 2008 um 18:18 Uhr
@J. Martin: Ich sehe schon:…ein echter Trekkie. Ich fürchte, da kann ich nicht mehr mithalten, aber es lohnt sich wohl doch, die Serie weiter zu verfolgen ;-). Danke für die Hinweise.
Am 26. August 2008 um 18:25 Uhr
@Roland: Gern geschehen! :-) Ich muß aber gestehen, daß ich nach TNG die diversen Star-Trek-Serien nicht mehr regelmäßig verfolgt habe, seit damals die holländischen Kanäle (aus eigener Schuld), und damit die Star-Trek-Originalversionen, aus dem deutschen Kabelprogramm geflogen sind …
^_^J.
Am 22. Dezember 2008 um 17:48 Uhr
[...] die Energiewirtschaft hätte ja noch die gute alte Atomenergie, in “Wohlstandszeiten” durchaus ein “gespaltenes” Thema bei den [...]