04.08.08
12:31 Uhr

Von der Unmöglichkeit, vernünftige Zahlen zu kommunizieren (Teil1)

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Hinweis der Redaktion: Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem Buch “Vom Pitch zum Award” von den Autoren Heiko Burrack und Ralf Nöcker.

Journalisten, die normalerweise über normale Branchen berichten, zeigen sich auf Pressekonferenzen von Werbeagenturen immer wieder äußerst überrascht, wenn sie auf die Frage nach dem Geschäftsverlauf der Agentur Antworten auf dem Niveau erhalten, auf dem Rolls Royce früher die PS-Zahl seiner Automobile beziffert hat („ausreichend“). Einfacher ausgedrückt: Die Agenturen hüllen sich weitestgehend in Schweigen. Und wenn die Agenturen einmal eine Umsatzgröße nennen, dann handelt es sich dabei um eine reine Kunstzahl. Ein Ranking der aktuell zehn oder zwanzig größten Agenturen beziehungsweise Agenturgruppen Deutschlands lässt sich damit leider nicht darstellen, jedenfalls nicht auf Grundlage aktueller Zahlen. Denn zu den größten deutschen Agenturen gehören viele Tochterunternehmen amerikanischer Werbegruppen (beispielsweise BBDO, Grey, Young & Rubicam), die wegen des (oder aus Angst vor dem) Sarbanes-Oxley-Act (auch SOX genannt, ein amerikanisches Gesetz zur verbindlichen Regelung der Unternehmensberichterstattung infolge der Bilanzskandale von Unternehmen wie Enron oder Worldcom) keine Zahlen veröffentlichen dürfen. Wobei sich dieses Verbot nicht etwa aus dem Gesetz ergibt, sondern offenbar von den Mutterhäusern in Amerika ausgesprochen wurde. Denn die ebenfalls an der Börse in New York notierte Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton hatte jahrelang überhaupt keine Probleme damit, Umsatzzahlen für Deutschland zu veröffentlichen, obwohl sie ebenfalls dem Sarbanes-Oxley-Act unterliegt. Es spricht also einiges dafür, dass der Maulkorb freiwillig angelegt wurde. Einige vermuten, das Gesetz sei sogar so mancher Agentur äußerst gelegen gekommen. Denn gute Zahlen wecken nur Begehrlichkeiten bei Agenturkunden, in Preisverhandlungen einzusteigen, und schlechte Zahlen veröffentlicht man ohnehin nicht so gerne.

(Fortsetzung des Beitrages am kommenden Dienstag, 05.08.2008)

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