14.07.08
18:43 Uhr

Pitch (Vom Pitch zum Award)

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Hinweis der Redaktion: Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem Buch “Vom Pitch zum Award” von den Autoren Heiko Burrack und Ralf Nöcker.

Zunächst eine wahre Geschichte:
Eine Ausschreibung eines Projektes des rheinland-pfälzischen Wirtschafts- und Verkehrsministeriums, an dem sich mehrere Agenturen beteiligten (auf werbisch also ein Pitch) sorgte kürzlich für einige Aufregung.
Gesucht wurde ein Dachmarkenkonzept für die Vermarktung der Nahverkehrsinitiative „Rheinland-Pfalz-Takt“. Im Ausschreibungsverfahren,an dem nur Agenturen teilnehmen konnten, die kostenpflichtige Unterlagen (25 Euro) angefordert hatten, war es zu einerschweren Panne gekommen.
Ein Mitarbeiter des Ministeriums hatte eine Mail formuliert, die offenbar an einen Kollegen gerichtet war, parallel und unbeabsichtigt aber auch an einige der mehr als 40 teilnehmenden Agenturen geraten ist. Inhalt: „Noch ein Wettbewerbsteilnehmer. Ich habe schon überlegt, ob ich ihm sagen soll, dass er nicht mehr die Schnitte einer Chance hat, aber habe mich dann doch für die 25 Euro entschieden. Was machen wir eigentlich mit dem Geld? Da sind jetzt mehr als 1.000 Euro reingekommen. Dafür könnten wir zum Beispiel so eine schöne Edel-Kaffeekochanlage auch bei uns im Flur installieren. Dann musst du nicht täglich in die Kantine.“

Das klingt lustig, ist es aus der Sicht der teilnehmenden Agenturen aber keineswegs. Denn dass trotz Teilnahme an der Ausschreibung für zumindest eine Agentur „nicht die Schnitte einer Chance“ besteht, deutet daraufhin, dass die Entscheidung in der Sache längst gefallen war. Das Schaulaufen der Agenturen hätte dann nur noch den Zweck, Ideen einzusammeln.

Tatsächlich ist bei vielen Wettbewerbspräsentationen aus Agentursicht keineswegs zu ersehen, wie ernst es die ausschreibenden Unternehmen mit der anschließenden Vergabe von Aufträgen eigentlich meinen. Daher gehört diese Phase des Kommunikationsprozesses zu den weniger beliebten, jedenfalls agenturseitig betrachtet. Wobei es auch zu dieser Regel eine Ausnahme gibt: Dem Chef einer in Frankfurt ansässigen Network-Agentur wird nachgesagt, er behaupte beharrlich, seine Agentur habe gerade wieder 21 von 20 Pitches gewonnen. Ihm machen Wettbewerbspräsentationen also wohl Spaß. Den übrigen eher nicht.

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6 Kommentare

  1. derherold

    Das ganze hört sich eher wie eine „gag“ an -allein schon der Begriff „Kaffeekochanlage“. … und soweit ich weiß, gibt es in Bezug auf „Einnahmen“ auch noch so etwas wie „Haushaltsrecht“.;-)

    Aber mal rein interessehalber:
    Ich bin keine „Werbeschaffender“ aber ich bin davon ausgegangen, daß bei 2 von 3 „Ausschreibungen“ bestenfalls eine Handvoll Bewerber wirklich den Auftrag „bekommen darf“.

    Ich habe in der Vergangenheit im Bereich „Immobilienwirtschaft“ an zahlreichen Präsentationen (pitches ?) teilgenommen und durchgeführt und ich konnte bei den meisten vorher sagen, wer den Auftrag bekommen sollte. :-)

  2. Pixelschubser

    filz.de lässt grüssen.

    spezlwirtschaft regiert und schliesst kompetenz aus.

  3. Vroni

    Wurde das Ding mit der caffa ex machina nicht schon vor mind. einem Jahr von off-the-record durchgenudelt?

  4. David G.

    ha, da würde ich sagen, der ist aber ins fettnäpchen getreten. stellt natürlich dann manchmal schon den sinn von ausschreibungen in frage, wenn keine gleichen chancen für alle bewerbenden bestehen. aber ich schätze so ist es oft in den unternehmen, den favoriten haben sie meistens, der form halber machen sie aber eine ausschreibung.

    Bei mir ist es immer so, dass ich anfangs total begeistert bin von den ganzen technischen spielereien, aber dann mich irgendwann aufs wesentliche konzentriere. d.h. mit meinem handy telefonier ich mittlerweile auch nur noch. wenn ich im büro eh den ganzen tag online bin. und den ganzen i-hype kann ich irgendwie auch nicht nachvollziehen. ehrlich gesagt.

    [yaabu.com – Bewerte, was du im Internet siehst!]

  5. Zuckermann

    das ist doch werberalltag, da lautet die regel eben: „es gibt keine learnings aus pitches“ (mal abgesehen davon, dass man selber mit seiner arbeit nicht hzufrieden war, oder die winneragentur eben eine SO deutlich bessere lösung – sieht man später draussen – hingestellt hat).
    dh: du weisst NIE, was für politics beim kunden eine rolle spielen (es sei denn, du hast nen maulwurf oder bist etathalter, aber auch dann…), ob es also um die sache (neue, bessere kommunikation) oder um ganz andere dinge geht (z b neuer maketingchef in usa will sich profilieren, also: pitch machen….). meiner erfahrung nach geht es selten um (sinnvolle) neue lösungen, meist eher um interna. und da ist die agentur natürlich immer aussen vor.
    trotzdem hab ich auch schon genug kunden begeistert gesehen – aber das hat mit der vergabe eines etats meist nicht soviel zu tun…
    cheers

  6. Michael

    Nachdem ich das erste Posting gelesen habe, fand ich das Buch schon spannend. Heute habe ich es mir gekauft. Ich bin zwar längst noch nicht durch, da ees sehr kompromiert ist, aber richtig git ist es.

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