08.07.08
17:13 Uhr

Abgezocktes Gör

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Klischee Nr. 1:
Selbstbewusste, aber alleinerziehende Mutter geht mit ihrem 10jährigen Hosenmatz und ihrem potenziellen neuen Lover gemeinsam zum Event-Essen.

Klischee Nr. 2:
Ein Volltrottel von ferngesteuertem Mercedes-Fahrer macht sich zum dressierten Lakaien seiner erotischen Phantasien und einen „auf netten Onkel“. Denn Männer wissen ja: Eroberst du das Kind, eroberst du die Frau.

Klischee Nr. 3.:
Das Kind durchschaut in tiefer Weisheit die Spielchen zwischen Mann und Frau und setzt kurzerhand zu einem Erpressungscoup an. „Scheiß auf den Kerl zu Hause, aber ne geile Karre hat er!

Was sagt mir das als Mann und Konsument nun? Mit dem Stern auf der Karre kommen die engelsgleich tönenden Kinder nun schon zur Erde und pfeifen auf dich…

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62 Kommentare

  1. ramses101

    10 Cent für jedes Mal, dass jemand Schiss bekommt, er würde seine Zielgruppe vergraulen … Werber denken in Zielgruppen, Zielgruppen nicht. Wer soll sich denn in dem Spot wieder erkennen? Was haben wir denn: Typ fährt ne coole (naja) Karre, Junge sieht das und zieht aus einer Situation einen Vorteil, die exakt so hundertfach stattfindet – nur eben mit anderem (überraschendem) Ausgang. End of the story, präsentiert von Mercedes. Mehr isses doch nicht. Ex M hat den Parallelspot schon angeführt (18 werden). Ist doch das Gleiche in grün.

    Natürlich gab es in der Vergangenheit Spots, in denen der Mercedesfahrer souveräner dargestellt wurde. Aber was ist denn mit dem großartigen Spot „Seitensprung“ oder wie der heißt? Mann geht fremd, Frau geht fremd – super Paar, super Beziehung. Wenn da bei Mercedes Bedenkenträger gesessen hätten, wären die beiden stattdessen zusammen romantisch durch den Regen ins Theater gefahren. Bloß nicht die Zielgruppe verprellen.

  2. the_Stephan

    Zielgruppendiskussionen gehen oft von der völlig ignoranten Grundvoraussetzung aus, die Protagonisten eines Spots müßten die Zielgruppen oder deren Selbstverständnis 1:1 abbilden. Als wenn Zuschauer die Medienkompetenz eines Einzellers hätten: „Sieht nich aus wie ich (aussehen möchte), kann ich nich mit gemeint sein“. Ein Film hat gar nichts mit Zielgruppen zu tun. Ein Film muß zuallerwerst mal als Film funktionieren, dann erst kann er Zielgruppen überhaupt erreichen. Darum wird er von Filmemachern umgesetzt, und nicht von Marketingmenschen und deren Zielgruppengehampel. Hier: Ich muß dem Film glauben und es in den 30 Sekunden intensiv nacherleben können, dass der Protagonist scharf auf das Auto ist. Das inszenatorische Drumherum muss mir dieses Nacherleben zu einem intensiven Seh-Erlebnis machen. Wenn die Grundidee funktioniert & der Filmemacher sein Handwerk beherrscht, kann auch ein einbeiniger Zyklop mit Mundfäule gute Werbung für ein gutes Produkt machen (Das Kind im Mann – wie hier – also allemale).

  3. Roland Kühl-v.Puttkamer

    @the_stephan:
    Volle Zustimmung, aber NUR wenn die Grundidee stimmt. Ich halte sie für schlecht, andere für gut und passend. So what, jedem Tierchen sein Pläsierchen :-)

  4. Vroni

    Der Mercedes-Spot bedient eher einen bestimmten Zeitgeist, denn irgendwelche Zielgruppen.

    Ich weiß nicht, wie anderen geht, aber mir fröstelt, wenn ich diese Leichenhautfarben der Darsteller sehe und diese Berechnung. Auch wenn es witzig und stylisch gemeint ist.

    Unterm Strich (zu) realistisch pöse und fuckin‘ cold. Und dann dafür nicht übertrieben genug. Dann wär’s Satire gewesen und ich würds sofort kaufen.

    (Ähnliches Prob hab ich bei den Satiren von Polt. Die Spießer/Dummerchen/berechenden Bigotten, die er pöse skizziert sind zu nah an der Realität, das ist nicht lustig. Wenn ich mir jemand da folgen mag.)

  5. Tommy

    Warum so kompliziert?

    Der Spot bedeutet doch ersteinmal, dass die neue C-Klasse begehrenswert ist. Sie ist sogar so begehrenswert, dass der Junge, ohne mit der Wimper zu zucken, einen Erpressungsversuch startet. That´s it

    Die Zielgruppe trifft sich nicht von allein, um in Fokus-Gruppen um die kleinsten Details zu diskutieren.

  6. Tommy

    Die Zielgruppe trifft sich nicht von allein in Fokus-Gruppen um die kleinsten Details zu diskutieren.

  7. Kolja

    also mal abgesehen davon, dass Vroni (wie so oft) einfach die allergeilste Antwort ever gegeben hat (wohin darf ich das Grcic-Autogesteck schicken?), reicht es doch zu wissen, dass ich einen Fast-Mercerdes-Wiederkäufer aufgrund des Spots zu XYZ konvertiert habe (ok, jetzt musss ich auch kotzen). Is aber so. So wollte er sich einfach nicht sehen…. hehe …. Bla bla bla Zielgruppe vergraulen – es geht nicht um die feinjustierte Modelldefinitionzielgruppenansprache, die überraschenderweise ihre reale Entsprechung nicht findet, sondern darum, wie der Hersteller den potentiellen Käufer selbst (potentiell) definiert – nämlich als bleichen Volltrottel, der für den nächsten Schuss auch noch die Demütigung eines wie auch immer gewieften Drecksbalgs in Kauf nimmt. Sind halt die krassen Charakterhelden, die C-Käufer. Daher auch das C. Oder war’s Cholera?

  8. Morphium Film

    Klasse Spot, der mit Hilfe von Klischees (Klischees sind nur ein Stilmittel, nicht das Böse dieser Welt) kurz und knackig seine Botschaft erzählt.

    Ich finde es sehr erfrischend, mal wieder einen Autospot zu sehen, der auf die Pointe baut, statt auf Explosionen und in Bullet-Time fliegenden Dreck.

  9. Spotkonzept Rotzgören | Werbeblogger - Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Spotkonzept Rotzgören

    […] “Mob-Spots” der Renner. Nun scheint es mir so, dass eine neuer Trend sich andeutet: Rotz-Spots, also Spots, in denen klugscheißende, flegelhafte oder einfach nur präpubertierende […]

  10. GloriaS

    Mal ehrlich, man lebt und wohnt in deutschland seit jahre doch immer wieder mus man sich den zeuch anhören: spaghettifresser, istinktgesteuert, mafiosi, usw. Und dann kommt so eine Werbung wie die von Media Markt mit dem Italiener …. Es ist echt irgendwo mal gut. Ich finde klischees in Werbung sowieso doof. Wie eine frau bei Konsumgöttinnen.de Forum richtig geschrieben hat: „Ein weiteres Ärgernis finde ich „die guten Mütter“ – die ihren Kindern nur gutes und gesundes Essen, wie Fruchtgummies, Milchschnitte etc. verabreichen. Hinterwälderisch!“
    man soll echt aufpassen mit Klischees!

  11. Sammy

    also erstmal folgendes: ich finde die idee der werbung eigentlich super lustig gemacht und umgesetzt.

    ich bin eigentlich auch gegen typische klischees in der werbung, gerade was frauen betrifft, die ja die meiste zeit nur hinter dem herd gezeigt werden oder auch an der waschmachine oder wie eine bloggerin auf konsumgöttinnen.de sagt: „die Autowerbung ist doch meistens darauf angelegt, dass Frauen in ihr Auto möglichst viele Tüten (Shopping) bekommen – als ob wir nicht auch auf andere Dinge wert legen würden wie Sicherheit etc.“

    doch in dieser autowerbung finde ich fast kein klischee, außer vielleicht: cooles auto, bessere chancen ;-)

    nach typischen klischee müsste nämlich eigentlich die alleinerzeihende mutti zuhause sitzen, wäsche waschen und den haushalt schmeißen ;-)

    LG sammy

  12. Mercedes: Der Kleine hört nicht auf zu schreien! | Werbeblogger – Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Mercedes: Der Kleine hört nicht auf zu schreien!

    […] weckt mich schon, falls ich als überarbeiteter Thirtysomething und frisch gebackener Vater vom rechten Weg abkomme. Alles wird gut. Trackback-URL dieses Beitrages Schlagworte (Tags): […]

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