18.06.08
14:06 Uhr

Das duale Rundfunksystem im Internet

Vom 17.-18. Juni (aktuell läuft also gerade der Event) beschäftigt sich der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger mit dem Internet. Genauer stellen sie folgende Fragen:

Womit können Verlage in der digitalisierten Welt punkten? Welche neuen Geschäftsmodelle sind erfolgversprechend? Was will das Publikum, was will der Werbekunde? Welche Relevanz hat Viral Marketing für Verlage? Wie können sie sich erfolgreich mit Web-TV und Local Search positionieren?

Dass sich die Zeitungsmacher diese Fragen stellen, ist sicher richtig und wichtig. Gerade in Deutschland sind Web-Angebote von Medienunternehmen überproportional vertreten und bezüglich ihres gesamten Traffics von erheblicher Bedeutung, was sich u.a. auch in den IVW-Zahlen immer wieder belegen lässt. Zugleich ist aber auch ein eindeutiger Trend feststellbar, dass die “Print-Pedants” der Verlage, insbesondere im Bereich der Tageszeitungen und Fachzeitschriften, immer mehr an Auflage verlieren. Das Wachstum im Internet kann allerdings bisher nicht die Verluste im klassischen Verlagsgeschäft ausgleichen. Zu unterschiedlich sind die Vertriebsmodelle, Anzeigenkonzepte, Werbeformen und Bepreisungen, zu neu das Terrain der Online-Werbevermarktung.

Viele Medienmacher “fürchten” daher auch die vollkommen anderen Gesetzmäßigkeiten im Web, oft begleitet durch Aussagen wie: “Print ist der Markt der Euros, das Web rechnet in Cents. Warum verschenken, was noch richtiges Geld wert sein könnte?!”

Eine ernster “Wettbewerb” droht nun schleichend aus einem ganz anderen Umfeld. Die öffentlich-rechtlichen Anstalten in Form von ARD und ZDF und ihren Programmbouqets wollen das Web nicht kampflos den “Privaten” überlassen, was der Medienwirtschaft natürlich nicht schmecken kann. Gebührenpflichtfinanzierte “Staatsunternehmen” besetzen plötzlich mit Macht und umfangreichen eigenen Inhaltsangeboten das Web, was den Wettbewerb verzerren könne.

Aus Sicht der “Öffentlich-Rechtlichen” ist dieser Schritt mehr als nachvollziehbar. Der Altersdurchschnitt der Zuschauer beim ZDF liegt bei etwa 60 Jahren; die Zuschauer der ARD dürften auch eher dem “fortgeschrittenen Erwachsenenalter” zuzuordnen sein. Im Klartext: Die Zuschauer sterben den Öffentlich-Rechtlichen aus, in absehbarer Zeit. Das Erschließen neuer und jüngerer Zielgruppen ist dringend erforderlich und das Web bietet hier einen wichtigen Zugang zu diesen potenziellen Konsumenten.

Blickt man zurück auf die Entwicklung des Deutschen Fernsehens, kann man feststellen: Die Platzhirsche im TV waren damals die öffentlich-rechtlichen Anstalten, ganz so wie es heute die freie Verlags- und Medienwirtschaft im Internet für sich beansprucht. Neue “Markteindringlinge” wurden und werden nicht gerne gesehen, verhindern kann man sie auf Dauer nicht wirklich.

Die Modelle “Gebührenfinanzierung” und “Werbefinanzierung” stehen sich also gegenüber, allerdings gibt es seitens der “Öffentlich-Rechtlichen” tatsächlich ein entscheidende Frage: “Darf” ein gebührenfinanzierter Sender, der letztlich Sendungen und Inhalte “im Auftrag” der Gebührenzahler produziert, dieses Material auf anderen Medienkanälen (Internet) verwerten und damit wirtschaften? Wie verhält sich die Deutsche Regierung bei ihrem Prinzip des dualen Rundfunksystems, wenn die Grenzen von TV und Internet zunehmend verschwimmen (Medienkonvergenz)?

Wer das grundsätzliche System, welches im Rundfunkstaatsvertrag verankert ist, beibehalten will und wer ein wenig Verständnis für die kommenden technischen Medienentwicklungen mitbringt, der kann nur zu einer Antwort kommen: WEB-TV bzw. das Internet als Distributionsplattform wird als Bestandteil des Rundfunkstaatsvertrages aufgenommen, mit allen Konsequenzen.
Der Glaube, man könne Inhalte und Verbreitung von gebührenfinanzierten Inhalten und nur für das Deutsche Rundfunksystem regulieren und einschränken, ist schlicht absurd. Es sei denn, Deutschland verzichtet gleich komplett auf ARD, ZDF & Co., was ich für schlicht nicht durchsetzbar halte.
Die private Medienwirtschaft wird sich also dem inhaltlichen “Wettbewerb” stellen müssen, ganz so wie sie es im guten alten Fernsehen 1984 selbst wagte. Das Web bietet dafür unglaublich viel Platz.

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5 Kommentare

  1. bauernruebe

    Sehe ich anders. Gutes Fernsehen gibt es naemlich nicht ohne Gebuehren. Gutes Internet schon. Warum dann ARD/ZDF im Netz?

    Sollte die Bedeutung des Fernsehens demnaechst zurueckgehen, verschwinden eben auch ARD und ZDF bzw. werden sehr viel kleiner. Das ist aber noch lange kein Grund, mit oeffentlichen Geldern im Netz etwas zu finanzieren, das es so oder besser schon gibt.

  2. Roland Kühl-v.Puttkamer

    @bauernruebe:
    Soll heißen? ARD und ZDF dürfen nach deiner Meinung ihre Inhalte im Web per per Gesetz nicht verbreiten?
    Der Verbraucher hat die Inhalte mit seinen GEZ-Gebühren doch schon einmal bezahlt – bis auf die Haushalte ohne Fernseher…
    Was natürlich nicht sein kann, ist eine weitere Anhebung der GEZ-Gebühren, eher weniger wäre die Konsequenz, sollte gar Werbung bei ö/r-Inhalten im Web TV auch eine Rolle spielen.

  3. Philipp

    Zu dem ersten Thema, was die Verlage angeht… so sind wir derzeit daran für einen Verlag herauszufinden, welche neuen Geschäftsfelder für Verlage lohnenswert sind zu erschließen. Dies findet zwar nur im Rahmen einer Studentischen Umfrage statt, aber ich bin schon sehr auf die Ergebnisse gespannt.

  4. Roland Kühl-v.Puttkamer

    @philipp: Bitte halte uns gerne auf dem Laufenden, was eure Arbeit betrifft.

  5. M.G.

    man kann eigentlich komplett auf öffentliche rechtliche sender verzichten (auch auf die privaten-) wenn man sich einigermaßen im internet zurechtfindet

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