09.06.08
23:24 Uhr

Durch die Dörfer

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Werbung ist wie ein Eisberg. Oder noch krasser. 1/10 bzw. deutlich weniger ragt aus dem Meer der Vielfalt heraus. Befragt man die Konsumenten, steht so oder so (noch) die TV-Werbung als zentraler Motor weiterer Verbreitung im Mittelpunkt der öffentlichen Warnehmung und auch der daraus folgenden Berichterstattung. Renommierte Werbeagenturen kämpfen demnach auch strategisch in Pitches um Etats, die ein großes Media-Budget beinhalten. Gute Ideen gibt es ggf. so einige im täglichen Kreativprozess tausender Mitarbeiter in der Werbebranche, nur wenige werden aber auch im Ergebnis medial so platziert, dass die Reichweite und Streuwirkung (im besten Fall) der Marke und ihrer Kreativdienstleister dienen könnte.

Das Agentursystem ist also konsequenterweise selbstbefruchtend und befeuert ihr Eigenmarketing durch „strategische Etats“ weiter. Die landläufig bekannten Agenturen werden stärker; die regionalen und oft inhabergeführten Agenturen machen ggf. durchaus tolle Arbeit, nur eine Breitenwirkung wird sich eher nicht einstellen.
Selbst das Personalmarketing wird nach innen und außen gesteuert über Etats, die man als Bewerber betreute bzw. auf die man attraktiverweise bei potenziellen Arbeitgebern treffen kann. Um Missverständnissen vorzubeugen: Natürlich ist es eine große Leistung einer Agentur oder der beauftragten Mitarbeiter, zur Entwicklung einer renommierten Marke aktiv und wirksam beizutragen.
Aber das tägliche Agenturgeschäft dreht sich eben mehrheitlich nicht um die „Blue Chips“, die jeder gerne hätte. Das Geschäft der allermeisten Agenturen ist wesentlich „unerotischer“ und sachlicher. Der Mittelstand in Deutschland macht nach wie vor den Großteil des Geschäftes (und auch der Beschäftigungspotenziale) aus. Zudem gibt es einen Haufen von Kunden für Agenturen, die noch nicht einmal im Außenverhältnis zum Endkunden agieren, dennoch aber ein Marketing- und Werbekonzept (BtoB) benötigen, welches ihr Kerngeschäftsfeld sichert und ausbaut. Die -zig Agenturen in z.B. Kiel, Wolfsburg, Rostock oder Oldenburg (um nur einige Nordlichter zu nennen) machen also tagtäglich ihren Job und gehen förmlich durch die Dörfer. Das ist nicht immer eine Meldung wert, aber durchaus wertvoll und in Summe volkswirtschafltich viel relevanter, als die vergleichsweise seltenen medialen „High Scores“.

10 Kommentare

  1. Marco

    Danke für diesen Artikel. Er beschreibt wirklich sehr gut unsere tägliche Arbeit.

  2. philipp

    meine eigentlich nicht. ich mach nur geiles zeug :-)

  3. C.

    Im Hotel in Klagenfurt sah ich am Wochenende einen belanglosen Spot von Draft FCB Austria. Woher ich das weiß? Der Spot hatte eine Agenturkennung. Früher gabs sowas auch bei uns und ich bin schwer für die Wiedereinführung. Dann würde klar, wer die wirklich guten Arbeiten macht und manch Kreativbude würde als Tütensuppenreklamemach-Konzern entlarvt.

  4. icke

    @ C.

    das hängt ja sicherlich auch immer vom good-will des kunden ab. wieviele gute websites gibt es, deren urheber nicht im impressum erwähnt werden (dürfen)?!

    eine corporate-communications- oder wenigstens ne kleine PR-sparte pro mittelstands-agentur und den großen wird ganz schnell angst und bange ;).

  5. Qualitätskommunikation « The Quality Blog

    […] möchte, hat das immer auch mit Qualität zu tun. Beim Werbeblogger wird ganz zu Recht darauf verwiesen, dass nur sehr wenige Kampagnen überhaupt mediale Aufmerksamkeit erzielen. Aber ist Kommunikation […]

  6. Kerstin Hoffmann

    Wichtig ist es meines Erachtens, deutlich zwischen BtoB und BtoC zu unterscheiden. Viele Business-to-Business-Kampagnen sind äußerst erfolgreich, aber es kann gar nicht ihr Ziel sein, eine breite mediale Aufmerksamkeit zu bekommen.

  7. Jacques

    Wenn bei jedem Spot eine Agenturkennung dabei wäre, würde das sicherlich den Wettbewerb fördern. Man könnte sich durch gute Spots weitere Kunden sichern.

  8. Hereingeschnuppert | Werbeblogger - Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Hereingeschnuppert

    […] gibt es heute das Thema “Selbstvermarktung von Agenturen”, welches ich vor einiger Zeit selbst thematisiert […]

  9. Der ideale Werbekunde | Werbeblogger - Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Der ideale Werbekunde

    […] muss ja auch nicht immer der „Blue-Chip“-Kunde sein. Die allermeisten Werbeagenturen in Deutschland kommen nur selten an diese begehrte Klientel heran […]

  10. Der ideale Werbekunde | Werbeblogger - Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Der ideale Werbekunde

    […] muss ja auch nicht immer der „Blue-Chip“-Kunde sein. Die allermeisten Werbeagenturen in Deutschland kommen nur selten an diese begehrte Klientel heran […]

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