04.06.08
13:12 Uhr

Ist das Modell “Blog” gescheitert?

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Anm. d. Redaktion: Der folgende Beitrag ist ein Gastbeitrag unseres Lesers Thorsten Ulmer

Natürlich ist diese Headline bewusst provokativ formuliert. Um darüber entscheiden zu können, müsste im Vorfeld eine Zweckdefinition her.
Also lasst mich die Frage konkretisieren: Ist das Modell „Blog“ (massen-)marktfähig?
Meine Zweifel daran mehren sich massiv. Seit mindestens zwei Jahren versuchen wir den Unternehmen Blogs als Revolution in der Kundenkommunikation zu verkaufen. Authentizität. Aufbrechen des Sender-Empfänger-Modells. Kommunikation auf Augenhöhe.
Alles schön und gut.
Es treten hier aber zwei Probleme zu Tage.
1. Die Unternehmen verstehen Blogs nicht.
2. Die Kunden verstehen Blogs nicht.

Zu Punkt 1:
Unternehmen denken nur allzu oft, dass es ausreicht, der neuen Webseite das Label „Blog“ zu geben und alle zwei Wochen, einen neuen Imagetext zu veröffentlichen. Okay, um die Agentur zufrieden zu stellen, noch zwei, drei persönliche Statements dazu, um dem Ganzen einen authentischen Anstrich zu geben. Leider wird diese Vorgehensweise der Idee von Blogs nicht im Ansatz gerecht und schöpft damit das Potential nicht mal an der Oberfläche ab. Hinzu kommt natürlich die (berechtigte?) Sorge, die Konkurrenz mit internen Informationen zu versorgen. Selbst wenn das Unternehmen also Willens ist hier neue Wege zu gehen, bleibt es eine Gratwanderung.
Hinzu kommt ein weiteres Problem. Es muss unternehmensintern eine Person geben, die den Hut auf hat. Eine Person die das Projekt antreibt. Sich gegen interne Widerstände durchsetzt. Mitarbeiter schult. Jemand der verargumentiert, warum neben der „normalen Arbeit“ jetzt auch noch gebloggt werden soll.
Kein Zuckerschlecken. Hieran dürfte auch das Fixingblog zu Grunde gegangen sein.

Zu Punkt 2:
Wir leben in 2008. Fast zwei Drittel aller Deutschen nutzen das Internet regelmäßig. Es wächst zwischenzeitlich sogar eine Generation heran, die eine Welt ohne dieses Medium gar nicht mehr bewusst erlebt hat. Trotzdem habe ich manchmal das Gefühl, dass Blogs nicht verstanden werden. Überschätzen wir die Medienkompetenz unserer Zielgruppe? Überfordern wir sie vielleicht sogar? Die meisten Menschen sind mit Werbung im herkömmlichen Sinne aufgewachsen. Das Unternehmen kommuniziert. Ich höre zu. Und plötzlich soll ich da mitreden? Auf einmal ist meine Meinung gefragt? Das gab es ja noch nie. Hinzu kommt natürlich die (berechtigte?) Sorge, persönliche Daten im Netz zu hinterlassen. Wer weiß damit alles angestellt wird.
Was ich also gern zur Diskussion stellen würde, ist die Frage, ob Blogs zum Nischendasein verdammt sind. Und ob das eigentlich so schlecht wäre.

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40 Kommentare

  1. Patrick Breitenbach

    Zu 1:
    Du hast zu 100% Recht. In Deutschland herrscht eine andere Unternehmenskultur als beispielsweise in den USA. Dort kommuniziert man anders, lockerer und zum Teil agieren die CEOs auch parallel als Markenbotschafter. Bei uns hat man oft den Eindruck, als machen die GEschäftsführer Dienst nach Vorschrift. Daher sind ja gerade die Coporate Blogs wie Saftblog und Frosta so erfolgreich (immer relativ gesehen und welche Zeile man erreichen will). Dort hat das Unternehmen ein Gesicht, einen Fürsprecher, einen Repräsentant, der dann meist auch noch schön erzählen kann. Diese Eigenschaften findet man in Konzernen oder größeren deutschen Unternehmen sehr selten.
    Hinzukommt noch die fehlende Bereitschaft offen nach außen zu kommunizieren. Verschwurbelte PR-Texte muss man auch als Schutzvisier begreifen. Als politisches Instrument um am Ende alles und nichts zu sagen. Die Distanz wollen viele Marken gar nicht aufgeben (auch wenn es im Laufe der Zeit unausweichlich werden könnte). So oder so, die Angst und Reserviertheit, man könne etwas falsches sagen ist größer als die Angst davor nichtssagend zu sein. So oder so ohne eine Reform des Unternehmensgeistes, also “Coporate 2.0″, werden die entsprechenden Kommunikationsinstrumente natürlich auch nicht wirksam greifen können. ist klar, oder?

    zu 2:
    Blogs sind definitiv kein Massenmedium. Aber Blogs sind wichtige Schnittstellen zu einem wichtigen Teil der Zielgruppe, die immer weiter wächst. Die nächste Generation wächst mit der Selbstverständlichkeit auf, zuerst im Web zu recherchieren und dann zu konsumieren. Entweder man findet spannende Dialoge mit der Marke, langweile PR-Texte oder gar nüschts. Ist halt so. Desweiteren schreiben Corporate Blogs ja in der Regel für andere Blogger oder Communityvertreter, um die Chance auf Multiplikation in Gang zu setzen. Solange das Blog jedoch nicht mit Mehrwertinformationen (Exklusivität, Spannung etc.) angereichert wird, verpufft die Wirkung natürlich. Es geht schon lange nicht mehr um Dialog oder Konversation mit der Zielgruppe. Es geht in erster Linie darum eine Konversation innerhalb einer Zielgruppe auszulösen. Es geht darum, dass Menschen über das Unternehmen und deren Produkte an sich sprechen, weniger miteinander (auch wenn das ganz im Sinne von Cluetrain wäre), denn soweit ist die werbeübersättigte Gesellschaft noch nicht. Es fehlt am Vertrauen und am Interesse (aufgrund mangelnder Spannung).

    Blogs sind Nischen, können aber gerade dadurch eine unheimliche Power entwickeln, wenn es um die Initialisierung von Gesprächen (siehe oben, also nicht der direkte Dialog zwischen Unternehmen und Kunde) geht.

  2. ramses101

    Ich glaube ja eher, dass das größte Problem deutscher Blogs ist, dass sie sich selbst zu sehr als Blogs wahrnehmen (und damit in vieler Hinsicht eine Art Blog-Kodex auferlegen), von außen aber viel zu wenig. den LEuten ist es einfach scheißegal, ob sie ein Blog oder sonstwas vor sich haben. Das gab ich ja schon bei Schlämmer gesagt, als die halbe Blogosphäre sich aufgeregt hat, das sei ja gar kein richtiges Blog und das könne man doch nicht machen und hastdunichtgesehen.

    Ein Blick nach Amerika zeigt eigentlich, dass das “Modell” Blog mitnichten gescheitert ist, sondern sich (zumindest drüben) von dieser elenden Selbstreferenzialität verabschiedet hat – wenn es die in den USA so überhaupt je gegeben hat.

    Ich finde die Herangehensweise von VW mit Schlämmer absolut richtig:

    “Kummada, geile Technik, super-easy, ich hab ne Idee, lass uns mal was machen.”
    “Ja aber wenn Don Alphonso das mitkriegt?”
    “Wer?”

    Unternehmen sollen Blogs nutzen, wie sie es für richtig halten. DAS ist authentisch. Nicht das, was irgendein selbsternannter Web20fuzzi seinen Seminarbesuchern in die Laptops diktiert.

  3. Roland Kühl-v.Puttkamer

    Blogs sind für die meisten Menschen nichts anderes als Web-Seiten. Technik interessiert sie nicht, Blogosphären-Codex oder so Zeuchs kennen sie nicht. Aber sie wollen spannende Inhalte und nicht die 47 te Werberedundanz auf einer weiteren Website.

  4. Björn Hornemann

    Aber sie wollen spannende Inhalte und nicht die 47 te Werberedundanz auf einer weiteren Website.

    besser kann man es nicht auf den punkt bringen, das ist auch das manko der meisten corporate blogs.

    trotz allem sehe ich kein scheitern. ich halte halbjährlich in der bremer handelskammer seminare dazu und stelle fest, daß gerade im KMU-segment großes interesse an format und strategien besteht.

    letztendlich wird sich das format als einer von vielen wegen der unternehmenskommunikation durchsetzen und sich auch hier etablieren. wir sind eben kein fortschrittsfreundliches land, sondern das der mahner und bedenkenträger :)

  5. ramses101

    @Roland: Mein Reden. Fast jedenfalls ;-) Sie wollen spannende/lustige/informative Inhalte – und das kann eben auch Werbung sein. Content ist nämlich nicht immer King. Spätestens dann nicht mehr, wenn er langweilig ist.

  6. Thorsten Ulmer

    @ Patrick: Danke für Deinen ausführlichen Kommentar. Dann liege ich mit meiner Einschätzung also nicht ganz daneben… ;-)

    @ramses101: Hmmm… ich gebe Dir im Kern Recht, allerdings denke ich nicht, dass es ausreicht Unternehmen ein Blog an die Hand zu geben und zu sagen “Mach mal. Das wird bestimmt gut.”

  7. Patrick Breitenbach

    … und schon gar nicht den meisten Werbeagenturen da draußen! :-)

    Vielleichtm uss man in Deutschland tatsächlich weg vom Blogbegriff. Blog steht hier ganz klar für den soziologischen Aspekt und ist bereits dafür besetzt.

    Wie auch immer ihr euren spannenden Content verpacken wollt. Muss es denn tatsächlich dann wirklich “Blog” heißen? Wohl kaum.

    Ich denke Thorsten sprach auch von “Corporate Blog” als Dialoginstrument und weniger als Kampagnen- bzw. Branded Entertainmentinstrument, oder?

  8. Thorsten Ulmer

    @ Patrick: Korrekt. Als Möglichkeit der “authentischen Kundenkommunikation”, als die es ja gern mal verkauft wird.

  9. Thorsten Ulmer

    … nah… als Möglichkeit des “authentischen Dialogs mit dem Kunden”. Das trifft es besser… ;-)
    *kann das Wort “Authentizität” bald nicht mehr hören*

  10. icke

    die frage ist und bleibt ja auch: WIESO sollten mich täglich neu eingestellte informationen des herstellers meiner salatschüssel interessieren? da schau ich mir doch lieber die website meines kumpels der freien feuerwehr an, der mal wieder bilder vom letzten saufgelage eingestellt hat.

    als kundenbindungsinstrument sind blogs meiner meinung nach vollkommen ungeeignet. eben auch wegen des administrativen aufwands.
    imagefördernd, mag sein, aber wenn ein user alle 5 monate mal vorbeischaut ist der effekt auch passé.

  11. Susi

    Blogs sind nicht gescheitert. Sie sind nur nicht da, wo ihr sie hinhaben wollt. Aber waren sie denn je dafür erdacht? Verabschiedet euch von euren bloggen-bis-die-Kasse klingelt Träumen. Das Perpetuum Mobile wird es auch in der virtullen Welt nicht geben.

  12. Thorsten Ulmer

    @Susi: “Aber waren sie denn je dafür erdacht?”
    Das ist es, was ich mit Zweckdefinition meinte. Ich habe als mögliches Ziel “authentischen Kundendialog” ausgegeben, da dies häufig als eine Stärke von Blogs ausgegeben wird.
    Ob sich hiermit eine klingelnde Kasse erreichen lässt, ist eine ganz andere Frage.

  13. Susi

    Naja, dann nehme ich doch lieber 10.000 Euro in die Hand und quatsche mit 50 Endverbrauchern persönlich. Oder lass quatschen. Geht schneller und ist authentischer.

  14. ramses101

    @Thorsten und Patrick: Ich glaube schon, dass ein unbeholfener aber ehrlicher Versuch tausendmal besser ist als ein professioneller aber glatter Versuch, mit den Leuten zu reden. Schaut Euch doch um: Jeder Idiot kann bloggen. Man muss nur unterhalten oder informieren oder beides. Bei Firmen kommt noch die Ehrlichkeit dazu, die in dem Fall natürlich zwingend ist. Zwei, drei Sachen, auf die man achten muss. Mehr isses doch wirklich nicht. Es vereinfacht (und revolutiniert eben nicht) den Dialog, wenn er denn erwünscht ist.

    Siehe aber auch Ickes Kommentar: Ich will gar nicht mit meinem Klopapierhersteller kommunizieren. Wenn mir sein Produkt nicht passt, kauf ich mir was anderes und fertig. Ich will mich nicht mit Marketingmenschen über Klopapier unterhalten.

    Frosta hingegen ist deshalb so erfolgreich, weil es eben Convenience Futter ist. Da ist alles was passiert auch gut zu wissen. Bei Daimler ist mir das hingegen schnurzegal. Wenn also ein Blog nicht funktioniert, könnte das am Thema liegen. Das trifft den Autohersteller nunmal genau so wie den Kaninchenzüchter.

  15. jakob

    Ein Mitschüler hatte heute eine Umfrage zum Thema “Schüler im Web 2.0″ in der Hand. Während er bei Fragen wie “Wie oft benutzt du Social Networks wie MySpace, SchuelerVZ…” und “Besuchst du oft Videoportale” ohne zu zögern “sehr häufig” angekreuzt hat, konnte er mit dem Begriff “Blog” gar nichts anfangen. Beide Fragen zur Blognutzung wurden deshalb mit einem “kenne ich nicht” quittiert.
    Das zeigt doch, dass Blogs beim durchschnittlichen Internetnutzer noch gar nicht angekommen sind.

  16. Thorsten Ulmer

    Du sprichst über einen Zeitraum von – sagen wir mal – einem Jahr, regelmäßig und persönlich mit 50 bis 1000 Leuten? Für 10.000 Euro? Wenn Du mit dem Business-Modell an die Börse gehst, investiere ich.

  17. Vroni

    Etzt seid ihr scho wieder selbstreferenziell mit dieser ganzen Diskussion. Einfach aufhören damit.

    Ich geh jetzt in d’ Bücherei. Bücher holen. ^^

  18. Das PM-Blog » Warum Corporate Blogs scheitern.

    [...] Eine Diskussion über Blogs, Blogger, Corporate Blogs, Corporate Blogger usw. usf. ist schwierig, weil diese Begriffe zwar besetzt aber nicht für jedermann klar und eindeutig definiert sind und jeder etwas anderes darunter verstehen will Hierzu passt auch die Diskussion beim Werbeblogger zu der Frage “Ist das Modell ‘Blog’ gescheitert?“. [...]

  19. Focke

    Ich finde die Diskussion hier gerade ein wenig am Überkochen …
    Ich denke, das Grundprinzip, dass der sog. Verbraucher aktiv an der Kommunikation der Unternehmen partizipiert, wird irgendwann funktionieren – nur dauert dieser Wandel dahin eben. Dieses Umdenken stellt die Welt einer ganzen, noch sehr aktiven, Generation von Marketingstrategen auf den Kopf. Ich verweise nur auf die schleppende Impementierung des Themas “Integrierte Kommunikation”. Auch hier prallen unternehmerische Weltanschauungen aufeinander.
    Ob das Ganze dann am Ende Blog, Forum oder sonst wie heißt vermag ich nicht zu sagen, zu schnelllebig sind die schönen neuen Begriffe in der Web2.0 Welt.

  20. Thorsten Ulmer

    @Vroni: @Focke: Der Punkt geht an Euch. Mein letzter Kommentar war überflüssig.

    Und Focke, ein super Beispiel mit der “integrierten Kommunikation”. Als ich 1999 anfing beruflich im Bereich Internet zu arbeiten, war dieses Thema der Hype. Neun Jahre später sehen wir, wie schwer sich Unternehmen hiermit heute noch tun.
    Es besteht also berechtigte Hoffnung. Wir brauchen nur wesentlich mehr Zeit! ;-)

  21. jasper

    Danke für diese wirklich sehr gelugene Äußerung! Du gibst mir damit ein Thema für die nächste Vorlesung

  22. Zwei Nachrichten aus der Blogosphäre, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben | F!XMBR

    [...] Nachdem ich über den Don kurz geschmunzelt habe, scrollte ich weiter zum Werbeblogger. Dort fragt Gastautor Thomas, ob das Modell Blog gescheitert ist. Natürlich aus Sicht eines Werbers. Wer aber nun das Verhalten der sogenannten deutschen [...]

  23. Armin

    Ist das Problem nicht vollkommen unabhaengig von Blogs sondern dass (grosse) Firmen (gar) nicht 1-1 kommunizieren koennen oder wollen?

    Ist mir gerade wieder aufgefallen:

    Sonntag wollte ich online was bestellen, ging um’s verrecken nicht. Montag nochmal versucht, klappte problemlos. Die wollten dann feedback zum Bestellprozess haben. Ich also hingeschrieben Sonntag war Mist, viel Zeit verschwendet, keine vernuenftigen Fehlermeldungen usw.

    Reaktion? Keine.

    Gestern wollte ich ein Kreditkarte online registrieren. Beschwerte sich die Applikation da waeren falsche Eintraege, wollte mir aber partout nicht sagen was denn nun falsch waere. Ich also hingeschrieben, Euer Registrierungsformular hat ein Problem, sagt mir eins von 137 Feldern ist falsch, aber nicht welches.

    Reaktion? Standardantwort 37a: Tut uns leid dass sie Probleme haben, bitte rufen sie Telefonnr. soundso an.

    Und da wundert Ihr Euch dass (grosse) Firmen solche Probleme mit Blogs haben?

  24. Roland Kühl-v.Puttkamer

    Blogs sind wunderbar, vor allem die Vielzahl von kleinen, aber feinen Meinungen und Sichtweisen, die sich der kundige Web-Leser für seine persönliche Inspiration und auch Unterhaltung im Web zusammensuchen kann.
    Dafür sind Blogs für mich einfach unverzichtbarer Bestandteil meines Web-Konsums geworden. Allerdings ist es tatsächlich so (@jakob), dass nur wenige auch in meinem privaten Umfeld genau wissen, was Blogs sind. Trotzdem haben sie schon einige Beiträge auf Blogs gelesen, ohne es zu wissen. Ich kann´s immer wieder nur sagen: Es interessiert keinen da draußen, welche “Maschine” hinter einer Publikation werkelt. Von mir aus können Unternehmen auch die Blogtechnologie nehmen und sie als Gerüst für ganz andere Kommunikationszwecke verwenden. Lesen muss ich sie ja nicht.

  25. Martin Oetting

    Also ehrlich gesagt ist das ein erschreckend schlechter Text, Thorsten.

    Zuallererst finde ich einigermaßen furchtbar, wie ausschließlich marketingmäßig Du das Thema betrachtest. Es klingt fast so, als ob Blogs für das Marketing erfunden worden wären und nun in Deutschland nicht funktionieren. Was ja nun absoluter Unsinn ist. Blogs funktionieren doch nicht erst dann in Deutschland, wenn sie von den Kunden im Marketing begriffen werden. Blogs funktionieren dann, wenn sie von möglichst vielen Menschen als einfaches, nützliches und potenziell mächtiges Publikationsinstrument begriffen werden. Darüber sprichst Du aber nicht. Du machst aber die einfache Schlussfolgerung, dass Blogs dann zur Nische verdammt werden, wenn sie im Marketing nicht funktionieren. Aber mal bitte – das kann es doch nicht sein?! Noch nie einen Vortrag von David Weinberger gehört?! “We make the web! We, by linking from page to page, from blog, to blog, WE make the web!”

    Wenn das den Leuten allerdings tatsächlich fremd bliebe, dann wäre das arg schade, aber ich habe einen anderen Eindruck: Die neuen frischen “jungen” Nutzer bloggen in ihren Winkeln und Ecken, von Reisen, von Erlebnissen, für den Familienkreis – so, dass es die Freunde und Bekannten mitbekommen. Nicht die Blogidioten, wie wir das alle sind.

    Und abschließend vielleicht noch: Wir haben mittlerweile mehr als 40 Kampagnen gemacht. Bei der überwältigenden Mehrheit der Kampagnen sind Blogs zentrales Element. Funktioniert super.

    Wer Blogs nur aus der Marketingsicht sieht, hat Blogs nicht verstanden. Und das sage ich… ;-)

  26. moti

    “braucht zeit” war schon immer das allerletze argument, wenn man nicht mehr weiter weiß. lachhaft.

    - internet auf dem handy braucht zeit
    - geld verdienen mit communities braucht zeit
    - blogs brauchen zeit, um beim durchschnittsnutzer anzukommen

    sowas sagen seit einem jahrzehnt die unbeteiligten, die am rand stehen, solche die labern, vorträge halten und selber nix substanzielles auf die reihe bekommen. jedenfalls nicht die erfolgreichen unter den machern.
    wer von “geduld haben” spricht, beweist, dass er keine ahnung von wirtschaften im netz hat. der zug fährt ohne ihn.

  27. Ebi

    Hi Martin,
    Deine Antwort ist genauso einseitig wie die von Thorsten. Blogs basieren auf einer bidirektionalen Kommunikation zwischen zwei oder mehr Teilnehmern, und bieten daher dem Marketing die Möglichkeit der Kommunikation mit dem Markt. Natürlich kann man Blogs nicht nur aus Marketingsicht bewerten, aber ich stimme Thorsten schon zu das die etablieren einer solchen bidirektionalen Kommunikation in die bestehende Prozesse sehr beschwerlich, wenn nicht sogar unmöglich ist. Um Blogs über die reine Unternehmenskommunikation hinaus zu verwenden, wie Du es richtigerweise beschreibst, sind meiner Meinung nach größere Change-Prozesse in den Unternehmen notwendig, welche entweder einige Zeit benötigen.

  28. Francis, Infopirat

    “Wer Blogs nur aus der Marketingsicht sieht, hat Blogs nicht verstanden.”

    Amen.

  29. Querblog.de - Gebloggte Zukunft

    [...] Werbeblogger machen sich Gedanken darüber, weshalb Blogs in Firmen für die Kundenkommunikation keine Rolle spielen. [...]

  30. Thorsten Ulmer

    Hi Martin,
    ich bin ehrlich gesagt etwas verwirrt, was Du versuchst mir alles in den Mund zu legen.
    Ich schreibe einen Gastbeitrag in einem Weblog über Marketing, Werbung und PR. Ist da nicht legitim ein Thema aus Sicht des Marketings zu beleuchten? Natürlich gibt es die unterschiedlichsten Ansätze mit Blogs zu arbeiten und sie zu nutzen. Dessen bin ich mir durchaus bewusst. Ich frage mich ob Blogs speziell dafür geeignet sind authentischen Kundendialog für Unternehmen zu ermöglichen. Das Problem, dieses hier zum Thema zu machen, sehe ich ehrlich gesagt nicht. Und dieses Deutschland-Ding habe nicht ich auf den Tisch gebracht.

    Und was „nützliches und potenziell mächtiges Publikationsinstrument“ betrifft. Genau darum geht es mir wenn ich schreibe dass ich das Gefühl habe, dass Blogs nicht verstanden werden.

    Und nein, ich habe (bis zum DMMK08) noch nie einen Vortrag von David Weinberger gehört.

  31. Basic Thinking Blog | wat denn da los?

    [...] Ist das Modell “Blog” gescheitert? Bloogbar: Zum Stand der Professionalisierung PM-Blog: Warum Corporate Blogs scheitern. (wieso [...]

  32. Jörgen C.

    Oh nein! Und dabei habe ich doch gerade erst wieder angefangen regelmäßig zu bloggen. Ich denke, hier werden einige wichtige Dinge vollkommen außen vor gelassen.
    Zunächst einmal muss sich ein Blog erstmal positionieren. Er muss bei all den feinen Suchmaschinen möglichst weit vorne stehen und dies erreicht er – in der Regel – nur, indem er häufig gelesen und verlinkt wird. Dabei beißt sich natürlich der Affe in den Schwanz. Ein Blog als Marketing-Instrument funktioniert daher nur mit unglaublichem Aufwand. Zu Beginn muss der Blog auf irgendeine Art und Weise gepusht werden. Und kann bereits hier seinen Zweck verfehlen und sich der Lächerlichkeit preisgeben.
    Kleines Beispiel: Ich bin ein Privatmensch und starte einen neuen Blog. Um möglichst gleich zu Beginn viele Pageviews zu generieren, bastel ich mir per Photoshop einen iPod der zehnten Generation und stelle Bild und technische Spezifika auf meine Seite. Dann warte ich entweder ab, oder poste den Blog noch in einschlägigen Foren a la Digg, etc. und habe hier bereits verloren. An Glaubwürdigkeit. Die ursprüngliche Bestimmung ist verloren.
    Oder aber ohne Aufwand. Ich fange an, hin und wieder kleine Geschichten (auch gerne aus dem Unternehmen oder über meinen Arbeitgeber – oh Moment. Das geht nicht, denn hier bekomme ich Ärger…) auf meinen Blog zu stellen. Das kann ich tun und vielleicht schaut irgendwann auch mal jemand bei mir vorbei. Aber ich denke, dies wird eher die Ausnahme bleiben. Eine Freundin schrieb mir beispielsweise vor kurzem, sie wäre jetzt mit einem Suchbegriff (türkise gartenzwerge”) bei google auf der ersten Seite. Glückwunsch! Da geht ein Lebenstraum in Erfüllung.
    Der Blog an sich ist sicher noch lange nicht tot. Solange die Relevanz stimmt.
    Bei einem Gespräch mit Freunden kam uns neulich die Idee, Blog-Texte nach Orten sortiert als Zeitung (gerne auch als PDF) herauszubringen und täglich zu verlegen. Quasi kostenlose Unterhaltung auf Papier. Aber damit macht man ja wieder die großen Zeitungen kaputt…

  33. davidp.de » Sideposts » Blogs in Deutschland gescheitert?

    [...] der Frage, ob Blogs als Konzept in Deutschland gescheitert sind, setzt sich dieser (haha!) Blogeintrag auseinander. Tagged as: Blogs, [...]

  34. nilsn

    Es sind m.E. auf jeden Fall viele Wahrheiten in der Diskussion. Alles ne Frage der Perspektive, des Standpunktes, der Einstellung. Das soll jetzt garantiert kein Totschlagargument sein, aber vieles erinnert doch an den steinigen Weg, den – ich nenne es mal so – Subkulturen gehen müssen. Eng verbunden damit ist auch immer die Frage, wie dieses von der wirtschaftlichen Seite nutzbar ist.

  35. Silkester erzählt » Blog Archive » Weblogs und der Dialog

    [...] Ist das Modell Blog gescheitert [...]

  36. derherold

    Soo schwierig ist es nun nicht, bei “unternehmensrelevanten Suchbegriffen” mit Blog-Texten bei google gut platziert zu werden.

    Allerdings glaube ich, daß man Blogs einfach falsch einschätzt:
    Blogs dienen der Unterhaltung … vor allem im Sinne von “entertainment”. :-)

    Schauen wir uns doch mal die “Creme” der Deutschen Blogcharts an (sagen wir mal: die ersten 25). Die Masse davon bedient ein freundliches Stammtischniveau (das meine ich nicht unbedingt negativ !).

    Zudem darf man nicht vergessen, daß “Wirtschaft” in Deutschland im “Diskurs” eigentlich nicht (sachlich) vorkommt – Auseinandersetzung finden nur in Form von “alles wird immer teurer” und “die Bosse in ihren dicken Autos” statt.

    Ich schaue mir verschiedene, inhaltlich gute Blogs mit “Wirtschaftsthemen” an und stelle fest, daß die Reaktion auf diese “unter aller Kanone” ist: mit Bildern aus seinem nächtlichen Leben als Transvestit oder “Mein Freund ist ein Schwein” dürften Mr. und Mrs. Blogger weitaus mehr traffic und Kommentare erhalten.

    Wenn ich mir die US-Szene so anschaue, meine ich auch, daß man etwas zu positiv interpretiert. Jenseits von “ParisHilton”, “Fiese Republikaner” und Tekkie-Themen ist die Blognutzung auch nicht sooooo hammermäßig. ;-)

  37. Bomba

    Man man man, merkt Ihr es auch langsam?

    Ich hab den extremen Hype um die Blogs eh nie verstanden.
    Hallo?! Deutsche Firmen stehen für Kompetenz, Zuverläßigkeit und hervorragende Technik. Hallo?! Schon mal was von Freundlichkeit oder Service gehört? Bei uns? Ne, bestimmt nicht.

    Wieso sollten Firmen bitte Blogs nutzen? Überlegt mal wie lange es zum Teil dauern kann bis ein Text für eine Anzeige, einen Flyer oder ähnliches abgesegnet wird. Und das soll bei Blogs im Wochentakt funktionieren?! Utopisch!!!

    Der Blog-Hype ist eine reine Erfindung der Werbebranche und ist der totale Overhype!!! Blogs dienen in erster Linie dem persönlichen Ausdruck Einzelner, oder auch kleinerer Gruppen. Für Virale Strategien sicher gut nutzbar, aber nur wenn das eigentliche Unternehmen nur im Hintergrund steht. Ich besuche Blogs um mir die Meinungen anderer mal anzusehen. Sei es Sport, Video, Kunst, Werbung oder oder oder.

    Meine Meinung … zerhackt mich ;)

    Sorry, wenn Ihr das anders seht, seht es einfach mal realistisch ;)

  38. Michael

    Meinem Vorredner kann ich nicht ganz zustimmen. Das mag vielleicht für große Firmen zutreffen, aber mittelständische Firma wie in einer als ich dort gearbeitet habe, treffen den Nerv eines Blogs ganz gut. Das nennt man dann Kundenbindung! Neben dem bereits existierenden Forum ist das also ein Zusatzangebot. Nun gut, die Firma bewegt sich ausschließlich im Vertrieb von Produkten über das Internet und Hotline, doch der Kundenstamm ist alles andere als Technik-Visiert da es sich um Produkte für Haustiere handelt. Und es klappt dennoch!

  39. Wochenrückblick 23/08 | schweizweit.net

    [...] Ist das Modell “Blog für Unternehmen” (Corporate Blog) gescheitert? [...]

  40. blariog.net

    Blog als Marketing-Instrument (gescheitert)…

    Beim Werbeblogger gibt es einen spannenden – leider kurzen – Gastbeitrag zu der Frage, ob das Blog als Marketing-Instrument in D gescheitert ist. Das Bejahen wird mit folgenden Argumenten begründet:

    Unternehmen verstehen Blogs nicht
    Blogs werden als …

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