29.05.08
11:30 Uhr

Bekenntnisse eines armen Schweins

Ich bekenne, ich gehöre zu den 50 Prozent der Deutschen, die schon mal in eine Web-2.0-Anwendung geklickt haben. Früher dachte ich, ich wäre ein Fühlender, aber dazu fehlt es mir laut der neuen Tomorrow Web-2.0-Studie an Konsumfreude (ja, liebe Freunde, 36 Prozent der Fühlenden sind Konsumfreude!). Vielleicht bin ich also eher einer der Relaxten, von denen nur 19 Prozent Werbung “manchmal richtig toll” finden? Obwohl, der Relaxte schaut kaum fern, was ich von mir nicht behaupten kann. Bin ich also am Ende einfach der Arsch mit Ohren, der in die phantasievolle Typologie vom Tomorrow nicht reinpasst? Das arme Schwein, das im Web 2.0 gar nicht zielgerichtet von den Plannerboys angesprochen werden kann?

Tomorrow Web 2.0-Studie
Möchtest du einem dieser Typen im Netz begegnen? Oder gar einer davon sein? Bild: Tomorrow Web-2.0-Studie.

Warte mal – wie war das gleich? Im Kress darf sich die Tomorrow-Studie in schönstem PR-Deutsch unter der Flagline „So kriegen wir sie“ als „Entzauberung“ der Web-2.0-Gemeinde vorstellen. Und im Vorwort der Studie erfahre ich, dass man bei Tomorrow tatsächlich den Unterschied zwischen Kommunikation one-to-many und some-to-some-to-some bemerkt hat. Mit welchen Instrumente der „Freie“, das neue Fetischwesen der Zielgruppensegmentierung, angesprochen werden soll, bleibt mir als ratlosem Denkenden (oder bin ich ein optimistisch Sehnsüchtiger, ein lieber Liebender?) verborgen. Ich tipp mal auf Banner. Banner sind immer gut.

Jetzt geh ich mir im Web 2.0 ein paar Southpark-Charaktere malen. Den trübsinnigen Komsumgeilen, den notzüchtigen Multiplikator, den dummbatzigen Visionär. Wer derweil die große Tomorrow-Studie lesen will, hier bitte (PDF). Vor Nebenwirkungen in Form von Identitätskrisen wird gewarnt.

Und welche Tomorrow-Southpark-Typen seid ihr?

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15 Kommentare

  1. Ugugu

    Vielleicht solltest du dir eine Linie Koks reinziehen und die Studie nochmals vorsichtig durchlesen. Dann ergibt das Ganze vielleicht durchaus Sinn.

  2. Marco

    Also ich bin ganz klar ein fühlender Denker, den manchmal die Sehnsucht plagt. ;)

  3. Lupus

    Und für so einen Müll geben Leute Geld aus? Also ich glaube ich bin “einfach nicht von dieser Welt!” -.-

  4. Freiheit | Werbeblogger - Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Freiheit

    [...] hier wieder ein wie auch immer ausgestaltetes Plätzchen schaffen wird. Und vielleicht hat ja Andreas auch wieder Spass am Schreiben, dein großer Fan Robert würde sich mit uns [...]

  5. Laura

    @Lupus… Du sprichst mir aus der Seele!

  6. cpier

    Dabei wäre ich das Problem doch schon gelöst, wenn die einfach noch “den Sprunghaften” auf Platz neun gesetzt hätten.

  7. cpier

    nee, ich bin nicht das Problem…

    (wünsch mir auch so ne Edit-Funktion wie bei Spreeblick)

  8. derherold

    Eben ! Da wird lang und breit über den Ausstieg eines Bloggers diskutiert … das einzige, was uns wirklich interessiert, ist eine Edit-Funktion !!! ;-)

  9. Roland Kühl-v.Puttkamer

    Jo. Mal gucken, was ich machen kann. Update WordPress steht ja auch wieder an…

  10. Alex

    Sehr gut geschrieben.
    Also “Tomorrow” hatte ich mal ne Zeitlang gelesen, aber seit ich mehr im Internet bin, habe ich besseres gefunden… und web2.0 ist ja auch nur ne Modesache, heute Top morgen Flop…

  11. sinus

    ach wie süß. jemand findet sich in einer zielgruppenbeschreibung nicht wieder. wer darüber gleich in eine identitätskrise fällt, hat wohl weder von planning noch von marktsegmentierung etwas verstanden. die heterogene web2.0 landschaft wird in homogene segmente aufgeteilt.
    auch wenn ich kein fan dieser segmentierungen bin, sind die ansätze dennoch sehr hilfreich. (notet: this is not a “psychotest”)

  12. Andreas

    Ach wie süß, ein Sinus-Milieu “Moderner Performer”!

    Die Frage ist doch, ob die Segmente tatsächlich etwas mit dem zu tun haben, was Web 2.0 ausmacht, oder ob sie nicht vielmehr den herkömmlichen Happy-Eideidei-Blick von Werbern auf Kunden reproduzieren: “So kriegen wir sie.”

    Und die Frage ist auch (die steht da oben sogar groß drin), was mir diese neue Segmentierung bringt, wenn ich keine neuen Instrumente habe, um diese Segmente anzusprechen. Zu dieser Frage bietet die Tomorrow-Studie außer Blablub nichts.

  13. sinus

    “Unternehmen, die ihre Produkte auf die Umstände ausrichten, unter denen die Kunden die Produkte verwenden anstatt auf die Kunden selbst sind auch diejenigen, die erfolgreich neue Produkte auf den Markt bringen“ (Christensen/Raynor).
    Vielleicht ist die Segmentierung hier eine Hilfe die viel zu vielen irrelevanten Web 2.0 Applikationen künftig etwas schärfer und zielgruppengerechter und damit relevanter zu gestalten?
    Aber ich gebe dir Recht: Das Versprechen “Die Web 2.0 TOMORROWStudie [...] liefert konkrete Empfehlungen für die Planung von Crossmedia-Aktivitäten.” wird in der Studie in keinster Weise eingelöst! Die Frage bleibt offen, was die Möglichkeit eines eventuellen Nutzens aber nicht ausschließt. ;-)

  14. Andreas Rodenheber

    Sinus, mit der Relevanz kommst du genau auf den Punkt, mit dem ich meine Schmerzen habe. Wie kann ich eigentlich sicher sein, dass genau diese 8 Kegel wichtig sind, die Tomorrow mir da oben aufgestellt hat? Für mich fehlt völlig die Herleitung, wie man ausgerechnet zu diesen 8 Typen kommt, deshalb auch meine glossenhafte Übertreibung.

    Mal ganz einfach gesagt: Im Tierreich bietet mir die Biologie seit siebzehnhunderttobak ein (auch immer mal wieder aktualisiertes, aber im Grunde stabiles) System von Stämmen, Klassen, Ordnungen an. Ich kann sagen: das ist ein Insekt, Vogel, Säugetier. Jetzt könnte jemand auf die Idee kommen, nach Einäugigen, Zweiäugigen und Dreiäugigen zu unterscheiden. Aber dann muss er mir bitte erklären, wie er darauf kommt, er kann nicht einfach davon ausgehen, dass ich ihm das abkaufe.

    Ich habe ein wenig den Verdacht, dass diese 8 Typen einen ganz, ganz pflegeleichten und sehr konservativ gedachten Teil des Web 2.0 abdecken. Leute, die ihr Online-Fotoalbum für das Web 2.0 halten (und ich will die ja auch nicht ausschließen). Für mich sind das da oben auf den ersten Blick alles wieder Konsumenten, keine Prosumenten. Aber was ist mit Rebells without a cause, den Heise-Forum-Nerds, den genervten Breitenbachs und all den anderen Sonderlingen, den Trotz- und Motzbloggern, mit den Leuten, die nicht brav in einer von der Marke x vorgegebenen Web 2.0-Anwendung rumklicken, sondern die selbst anspruchsvolle Anwendungen wie z.B. OpenStreetMap aus dem Boden stampfen und und und…

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    [...] bei den Werbebloggern Ähnliche [...]

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  • ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
  • sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
  • iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
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