24.05.08
10:02 Uhr

Haben Sie “Kein Jägermeister”? Was man aus der Kampagne lernen könnte

Die “Kein Jägermeister” ist ein schönes Lehrbeispiel der Werbung, die uns einige Dinge recht anschaulich macht:

1. Klassische Werbung mit fettem Mediabudget funktioniert nach wie vor sehr gut. Ohne Fernsehspots etc. wäre das Ding wahrscheinlich in der Breite nie so abgehoben. Das bedeutet im Umkerschluss natürlich auch, dass es wohl noch Menschen gibt, die Werbung anschauen. Inwieweit das jetzt im Netz oder tatsächlich in den Werbeblöcken geschah, kann ich natürlich nicht sagen. Wichtig ist jedoch, dass überhaupt etwas filmisches produziert wurde, schließlich steht die Masse auf sinnfreie Häppchen.

2. Wie so oft wurde das Produkt und der eigentliche Kern der Kampagne völlig vernachlässigt. Statt die einmalige Chance zu nutzen, quasi eine zweite Marke mit gleichem Produkt – nur anderer Verpackung – erfolgreich zu vertreiben (vielleicht sogar teurer), hat man diese Chance absolut vertan. Ich bin mir sicher, dass die Herrschaften bei Jägermeister sich heute in den Allerwertesten dafür beißen. Noch nie habe ich so eine Nachfrage nach einem solchen Produkt erfahren (außer vielleicht Beck’s Gold) als bei “Kein Jägermeister”. Nur dumm, dass man jede Menge Asche ausgegeben hat, um für ein Produkt zu werben, dass es defakto gar nicht gibt.

3. Kreativität und “alte Muster brechen” ist immer wieder ein adäquates Mittel um einen möglichen Hype vom Zaun zu brechen bzw. überhaupt Aufmerksamkeit zu generieren, gerade bei dieser Zielgruppe. Nur all zu schade, dass der Hype auch hier wieder ins Leere läuft. (Ich habe es heute selbst im Supermarkt erlebt. Es steht ein junges Pärchen in der Getränkeabteilung und fragt nach “kein Jägermeister”. Natürlich sind sie nicht die ersten in Deutschland, die eine negative Antwort erhalten und natürlich sind es nicht die ersten, die ohne Jägermeister von dannen ziehen. Also nix mit Übertragung auf Ursprungsmarke. Wenn schon Anti, dann auch konsequent.) Auch hier wurde nicht über die Aufmerksamkeit hinausgedacht.

4. Die meisten alteingesessenen Werbeagenturen haben immer noch zu wenig Ahnung von der Kommunikation im Netz. Überhaupt vermisse ich bei der Kampagne eine sinnvolle Kommunikation abseits des Schubiduu. Was ist denn jetzt mit “kein Jägermeister”? Wird es das geben? Hört der Kozern überhaupt ihren Kunden zu? Oder lässt man das schön vor sich hinlaufen im guten Glauben, die Awareness und der so gut wie sichere Löwe in Cannes wäre schon der Mühe größten Lohns (BTW würde gerne mal die Verkaufszahlen sehen)?

5. Natürlich hat kontinuierliches Storytelling wenig Sinn, wenn es das Produkt dazu gar nicht gibt, aber sollte es doch noch kommen, würde ich einfach noch mehr Story (Content) rundherum kreieren. (abgesehen von der geschmacklichen Frage, ob einem das Sujet gefällt, denn offensichtlich spricht der Kern der Story genug Menschen da draußen an).

Soweit meine Zwischenbilanz, initiiert durch das gestrige Erlebnis im Supermarkt.

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43 Kommentare

  1. Seb

    In Punkt 2 muss ich dir leider widersprechen. Ich glaube, dass “eine zweite Marke mit gleichem Produkt – nur anderer Verpackung – erfolgreich zu vertreiben” nicht nur sehr einfallslos sondern auch konträr zur “Kein Jägermeister”-Kampagne wäre.
    Denn wen “Kein Jägermeister” das Gegenteil zu Jägermeister ist, kann ich doch dann in die lollipopblauen Flaschen keinen Jägermeister füllen. Wenn schon, dann hätte man dort einen Mädchen-Kräuterlikör reinfüllen müssen. Mit weniger Prozent oder besonders süß. Keine Ahnung. Aber dort auch Jägermeister drin zu haben wäre wohl sehr falsch gewesen.

    Und zu dem Supermarkterlebnis: Die Kampagne war ja nicht darauf ausgelegt eine Marke mit dem Namen “Kein Jägermeister” zu etablieren, sondern durch diese Persiflage einen Punkt für die Jägermeister-Richtung “Achtung, wild!” zu machen. Quasi: alles andere ist Kinderkram und langweilig. Dein Erlebnis im Supermarkt zeigt dabei aber eines sehr deutlich: Entweder ist die Kampagne so gemacht, dass ein normaler Mensch den Sinn dahinter nicht versteht. Oder Jägermeister wurde von der Wirkung selbst erschlagen und konnte nicht schnell genug reagieren.

    Aber vielleicht liege ich mit all dem auch total falsch. Oder was sagt Herr Keil?

  2. ben

    ich denke auch.. hätten sie JM einfach bla gefärbt, 2 euro teurer gemacht und ins regal gestellt.. es wäre ein knüller gewesen. durch das “Glas im Handel” gepaart mit dem Promopack in dem das Glas und eine Flasche normaler JM is versuchen sie sicher die Brücke zu nehmen.. gelingt nur meist nicht.. wie vielen Leuten ich schon sagen musste “ne. die bewerben quasi das gegenteil von dem was sie sind…” “achsooooo.. schade”… hammer!

  3. Christian

    Sorry, aber den Erfolg dieser Kampagne von einem einzelnen (?) Supermarkterlebnis abzuleiten, finde ich wenig sinnvoll. Ich habe die Kampagne, außerhalb von Blogs, überhaupt nicht wahrgenommen. Die Microsite habe ich nicht verstanden und der Spot ist mir auch nie übergekommen.

    Ehrlich gesagt: Für mich eher ein Beispiel dieser Kampagnen, die als Erfolgsgeschichte vermarktet werden, um weitere Kunden für sowas zu gewinnen. Solange keiner meiner Real Life-Freunde Ron Hammer oder Kein Jägermeister kennt – oder anders als vielleicht etwas witzigere klassischer Werbung wahrnimmt -, bleibe ich skeptisch.

    Aber macht nix. Der Plannerboy hat auch lange gebraucht, um mich von Blogs zu überzeugen. Und er hat ja auch mit Kein Jägermeister zu tun.

  4. Martin Oetting

    Erm. Ich komme mir hier wie der letzte Blödspaten vor – aber ich war bislang davon ausgegangen, dass “KeinJägermeister” eine sauber schräge lustige neue Marke von Jägermeister ist. Wenn es das Getränk nun also gar nicht gibt, dann stimme ich zu, dass das ja mal ein absoluter Griff nach ganz unten tief ins Klo ist. Wahnsinn. Was NEHMEN diese Leute?! Denkt irgendeiner dort mal NACH, der diese Dinge anrichtet?

    Und ich bin ja eigentlich Fachmann… Aber ein Werbespot ist einfach nicht WICHTIG genug, dass ich da vor dem Fernseher jetzt dahintersteige und grübele und schließlich zu dem Schluss komme “Ah okay, das ist jetzt die Gegenkampagne zu ‘Achtung wild’, mit enorm viel Augenzwinkern…

    Auweia.

  5. sepp2

    zu dumm könnte man jetzt sagen aber ich denke das liegt am betrachtungswinkel derjenigen die der ganzen kampagne zugestimmt haben — leider liebe leute ist das bisher echt die schlechteste aktion von euch — auch im abverkauf!! — wie wärs den mit einem rettungsanker und ihr bringt auf die schnelle einen alkfreien jägermeister als kein jägermeister raus — oder so was — solls ja geben kräuterlikör ohne alc.!!

  6. Flo

    Es wurde damit doch auch ein reales Produkt beworben- das KeinJägermeister Glas. Es heißt im Spot nicht “Kein Jägermeister- jetzt im Handel”, sonder “Glas- jetzt im Handel”. Und damit lässt sich wiederum absolut konsequent der Witz der Sache fortsetzen, wenn ich mein Jägermeister aus einem KeinJägermeister Glas trinke.

    Ich gebe Seb da voll und ganz recht- KeinJägermeister auf den Markt zu bringen, hätte rein gar nichts mit der Idee hinter der Kampagne zu tun.

  7. h

    Dein Punkt 3 zeigt doch das Problem des Punkt 2.

    Wenn Sie Jägermeister hätten haben wollen, dann hätten sie ihn gekauft. Sie wollten aber “keinen Jägermeister”.

    Und darum funktioniert die Kamagne nicht.

  8. Markus Kindler

    “Statt die einmalige Chance zu nutzen, quasi eine zweite Marke mit gleichem Produkt – nur anderer Verpackung – erfolgreich zu vertreiben”

    Darum geht es doch gar nicht bei der ganzen Kampagne. Jägermeister versucht in meinen Augen auf eine Zeit nach dem Verbot von Werbung für Alkohol vorbereitet zu sein.
    Angefangen hat das mit dem Jägermeister TV Shop, in dem man Merchandising Artikel platziert hat. Nun wagt man sich weiter, man bewirbt ein Produkt, bei dem jeder zunächst an Alkohol denkt, aber es ist eben kein Alkohol, womit man sich einem solchen Verbot geschickt widersetzt.

  9. Schnappsdrossel;o)

    Aber bitte, meine Herren,
    nachdem sich Jägermeister in den letzten Jahren jawohl zum absoluten Partyliebling gemausert hat, können die sich 1. jede Art von dämlicher Werbung erlauben, sie verkaufen ihren Schnapps ja doch (und die Elche waren wohl auch eher was für einfach Gestrickte)! 2. kommt mir die KeinJägermeister Werbung eher vor, als wollten sie mit ihrem früheren Image als angestaubter NachdemSonntagsbratenSchluck in Omas Regal aufräumen und 3. haben Sie doch genau das erreicht, was jeder Hersteller möchte: Aufmerksamkeit für ihr Produkt! Gelungener Werbegag würde ich sagen…und die neuen Gläser sind auch noch hübsch anzusehen!
    Also, hoch die Tassen :o)

  10. Sachar

    Ich kann, wie einige meiner Vorredner, Patrick nicht zustimmen. Als ich das erste Mal den Spot gesehen habe, habe ich gelacht ohne Ende. Weil es eine unglaublich gute und auch mutige Idee ist, Figuren zu zeigen, die eben nicht die Zielgruppe von Jägermeister sind: langweilig, bieder und spießig. Das sind Eigenschaften für die Jägermeister eben nicht stehen will. Deswegen ist das auch kein Jägermeister oder “Kein Jägermeister”. Ich ziehe meinen Hut vor dem Berater der Agentur, der so viele gute Argumente gefunden hat, um diese Idee durchzuboxen. Ich kann mir vorstellen, dass es kein einfacher Kampf war.

    Mich persönlich wundert, dass so viele Leute nicht um die Ecke denken konnten und eben dieses “Getränk” kaufen wollten. Hat Deutschland keinen Humor?

  11. Vroni

    In Zeiten des Komasaufens ist mir der Humor zu humorvoll sein wollender Werbung deutlich vergangen. (Ich bin tatsächlich langsam dafür, dass Alkoholwerbung genau wie Zigarettenwerbung stark eingeschränkt wird, auch wenn ich dann als Spießer dastehe, mit egal. Weil diese Plots eben mit schöner Regelmäßigkeit bei jungen Leuten eine falsche Coolness aufbauen und Mindfucking oder Verarsche betreiben.)

    Was hat es mit Coolness und Stärke zu tun, wenn man diesen starken Spießer-Magenbitter in sich hineinschüttet, den früher nur der huttragende Schäferhundfreund soff. Nur weil das die Werbung hundertmal sagt, dass Bäume lila sind, deswegen sind sie noch lange nicht lila und Jägermeister schmeckt weiterhin nicht cool sondern so bekloppt, dass man in Kriegszeiten Tapferkeitsmedaillen verteilt hätte für derart “Mutige”. Das Zeug schmeckt furchtbar. Was hat es dazu mit Coolness/Humor zu tun, Leute, die Softdrings wollen, als Weichlinge oder Puschel tragende Schwuchteln hinzustellen. Was ist das für ein debiler Humor.

    Dass dann aber in echt tatsächlich Leute in den Supermarkt kommen, die diesen schlichten “coolen Humor” nicht geschnallt haben, haut mir aber tatsächlich alle Fragezeichen aus dem Kopf. Wie dämlich geht noch. Sind das wirklich relevante Zahlen von potenziellen Supermarktkäufern oder eher wie ich vermute Einzelerscheinungen? Ist dieser “Humor” doch schon so schlicht gestrickt. Wie kann man den auch noch missverstehen?
    Doch Generation doof?
    _____________________________

    Zum Vorwurf, dass es Kein Jägermeister in echt nicht gibt, weil es eine Riesenmarktchance gewesen wäre:
    Hab mal gelernt (in Bezug auf line extensions), dass man seine Produktpalette nicht mit kannibalisierenden Produkten ergänzen soll. Kein Jägermeister wäre nach dieser Regel (ach was sind schon Regeln, ich weiß) eine klare Kannibalisierung gewesen. Es gibt das Zeug berechtigterweise nicht, zumindest nicht von der Jägermeister-Destille.

    (Die Konkurrenz kann das auch nicht machen, einen Kein Jägermeister auf den Markt zu bringen, da es logischerweise Probleme mit dem Markenrecht und dem UWG geben wird.)

    Bessere und real existierende alkoholfreie Softdrinks im Supermarkt wären aber tatsächlich ein Anfang gegen den Komasauftrend. Ich kenne eine Bar in München, die macht dermaßen perfekte nicht-alkoholische Cocktails, ein Traum. Warum nicht in schöne Flaschen abfüllen?

  12. Patrick Breitenbach

    “Hab mal gelernt (in Bezug auf line extensions), dass man seine Produktpalette nicht mit kannibalisierenden Produkten ergänzen soll. Kein Jägermeister wäre nach dieser Regel (ach was sind schon Regeln, ich weiß) eine klare Kannibalisierung gewesen”

    Dann bewerbe ich keine fiktiven Produkte – ganz einfach.

    (Und natürlich geht das über die Einzelerfahrung im Supermarkt hinaus. Der Werbeblogger hat durch die Google-Suche nach “Kein Jägermeister” kurzzeitig seinen Traffic vervierfacht. Etliche Kommentare zeugen von der Nachfrage und dass ich das zufällig im dörflichen Supermarkt mitbekomme, ist für mich dennoch irgendwie MERKwürdig.)

    Zur verdummten versoffenen Masse sage ich jetzt nix, hab nur über die Kamagne an sich geschrieben. Oder wie sagt Dirk Zöllner so schön in einem aktuellen Song. Bis 35 wird dir dein Gesicht von Gott geschenkt. Ab 35 hat jeder das Gesicht, was er verdient.

  13. Martin

    @ Vroni

    “Ich kenne eine Bar in München, die macht dermaßen perfekte nicht-alkoholische Cocktails, ein Traum. Warum nicht in schöne Flaschen abfüllen?”

    So eine prima Anregung würde eins zu eins auf keinjaegermeister.de passen, gleich zwischen den Fetenspielchentipps “Eierschleichen” und “sehende Kuh”.

  14. Andreas

    Also ich muß sagen, ich finde die Idee mal nicht das Produkt zu bewerben, sondern, alles andere als “schnulli” darzustellen ist eine geniale Idee. Ich muß dazu sagen, ja, ich stand vor der Dreier Verpackung (Jägermeister + Glas + KeinJägermeister Glas) und fragte mich, wo denn der KeinJägermeister sei, bis ich es dann im einen Moment etwas enttäuscht um das nicht existierende Produkt, im nächsten Moment begeistert von der genialen Werbeidee, bemerkte, was Sinn der Sache war.

    Ob man das Produkt hätte wirklich kreieren sollen ist eine andere Frage. Auf der einen Seite würde es den ganzen “Gag” der hinter der Sache steht, eben zu sagen, dass alles außer Jägermeister “nicht wild” ist, absolut untergraben würde, da dann niemand mehr so weit denken würde, wenn er es mal verstanden hat, auf der anderen Seite wäre es sicher ein Erfolg geworden, da heut zu Tage alles erlaubt ist. Ich würde behaupten, dass Menschen sich ohne weiteres diesem “Luschi”-Image zuschreiben ließen, da es so überspitzt ist, dass es wiederum kultig ist und jeder das Augenzwinkern förmlich hört.

  15. seven

    @Schnapsdrossel: Das stimmt nur zum Teil. Jägermeister will zwar auch Aufmerksamkeit. Vor allem aber wollen Sie Schnaps verkaufen. Diese beiden Dinge gehen nicht immer miteinander einher, wie werbebloggerchens erlebnis zeigt. Die Jünger der selbstgenügsamen Aufmerksamkeit erkennen bei der Quartalsabrechnung: Buzz is Bullshit.

  16. Vroni

    Nuja, ich merk schon, dass mein Gedanke, dass homophobe Werbung kein Spitzenhumor, sondern schlichter Redneck-Schenkelklatschhumor ist, hier nicht recht durchkommt^^. Muss am Alter liegen. Vermutlich ist Distinguierung (männliche?) mittels einer kräftigen Prise Homophobie unverzichtbarer Teil der Adoleszenz. Die sich bei Werbern bis weit in die 40er erstreckt, I know. Die kindliche Seite in einem braucht’s halt zum Kreieren.

    @ Patrick

    “Dann bewerbe ich keine fiktiven Produkte – ganz einfach.”

    Das habe ich mir auch gedacht.
    Warum sie es trotzdem getan haben, da kann ich nur vermuten. War deren Hang zur “viralen” lustigen Verarschungswerbung größer (ich kann sie vor meinem geistigen Auge sehen, wie sie sich im Konfi einen gemeinsam abgegiggelt haben ^^^) als weitsichtige Überlegungen?

    Ich kenne solche Ideen, sozialen Dynamiken ja selber: Man oder die Gruppe, ist besoffen von seinen/ihren frechen, subversiven oder hundsgemein platten merkbefreiten Ideen (oja, solche hab ich auch ab und an) und man liegt auf dem Boden und wischt sich laufend die Lachtränen aus dem Auge. Aber man muss halt auch schauen, wie geht so eine Idee weiter.

  17. Philipp Hoffmann

    Wow, das ist ein wirklich überraschender Artikel! Da hätte ich jetzt irgendwie nicht mit gerechnet :-)
    Insofern würden die Verkaufszahlen schon interessieren. Vielleicht schlägt sichs ja im nächsten Quartalsbericht nieder :D
    Grüße, Philipp

  18. Xoorg

    Du hast mit Punkt 2. sicherlich nicht ganz Unrecht. Ich muss aber einem Vorredner wiederum rechtgeben, was hätte denn da drin sein sollen? Als Kontrast zu Jägermeister wäre doch nur etwas in Richtung Himbeerbrause gegangen. Abgesehen davon scheint der Verkauf von Merchandising Artikeln ja nun auch nicht das schlechteste zu sein…

  19. Christina

    Die Werbekampagne von Keinjägermeister sorgte erfolgreich für Verwirrung. Die Meisten, mit denen ich mich austauschte, waren der Meinung, dass es dieses Getränk gibt bis sie eines besseren Belehrt wurden. Ich hatte das Produkt so verstanden: Keinjägermeister wäre ein Getränk, das die Leute anspricht, denen Jägermeister zu “wild” ist.Also als Getränk etwas sanfter, wie die Werbung es auch darstellt. Dem entsprechend wäre es kein Kannibalismus. Würde auch Sinn machen, nach dem Motto, die Jungs trinken Jägermeister und die Mädels? Keinjägermeister (soll keine Diskriminierung sein!).

    So, da es dieses getränk nicht gibt, verstehe ich den Sinn andrers. Kein Jägermeister, kein wildes Leben, also langweilig, zu harminisch und absolut altbacken (Jägermeister hat es mit aller Kraft auch geschafft von einem altbackenem zu einem trendigen, modernem Getränk zu werden). Dass sich so ein Hype um das Getränk entwickelt und die Nachfrage so groß sein wird, haben selbst die Produzenten wahrsceinlich nicht erwartet. Dies ist der Tatsache zu verdanken, dass die in der Werbung nicht genau erklärt wird, was es auf sich hat.
    Klug wäre es jetzt auf jeden Fall das Getränk als neues Produkt herauszubringen. Es könnte meiner Meinung sogar an Kuntstatus erreichen.

  20. Gause

    Die Werbung ist nett, aber wenn man nichts mit Werbung zu tun hat redet man doch nicht darüber. Ich würde schon sagen das ich zur Zielgruppe gehöre, aber bei uns spricht man eher über Snoop Dog als Roy Black als über diese “Kein Jägermeister” Ding. Jägermeister schmeckt scheisse und trinken alte Säcke, daran ändert auch eine Werbung nichts *ggg.

  21. Gause

    Noch was vergessen … nur weil jeder Affe die Werbung toll findet trinke ich jetzt Jägermeister weil ich sonst nicht hart bin? Sehe ich eher anders, jeder der nun das Gesöff trinkt hat null Eier weil er das macht, was der Durchschnitts-0-8-15-Bürger macht. Null Eier, lieber machen was gerade “angesagt” ist *ggg. Ja ja, wir sind ja alle soooooo einmalig. So muss jetzt auch los, noch schnell informieren was in den “Deutschen Single Charts” angesagt ist ;) .

  22. Patrick Breitenbach

    @Vroni: Humor ist eben auch wie alles andere relativ. Und als Werber muss man sich der Masse ergeben (wenn man nicht gerade Glück hat und für Nischen werben darf, die einem auch noch irgendwie selbst nahe sind). Ansonsten muss man konsequenterweise Künstler werden, was ich nicht abwertend meine, im Gegenteil. Nur als Künstler kannst du dein eigenes Ich vollständig kreativ entfalten ohne Rücksicht auf die Umwelt.

    Zur Ideenbesoffenheit: Ich denke das ist nicht nur Agentursache. Die denken ja oft auch mal konsequent weiter. Meist steht dann nur der Controller da und frisst die “spinnerten Ideen” aus Kostengründen wieder auf. Aber eben nur weil er ein reiner Gegenwartskostenfresser ist und keine Minute in die Zukunft blicken kann. Sein Job ist es, Kosten sofort und umgehend zu vermeiden, darauf ist er gedrillt. Dabei können eben auch solche unglaublich ärgerlichen Faux-Pas passieren. (In diesem Fall habe ich aber keine Ahnung, wie das wirklich entstanden ist)

  23. Stefan

    Ich denke ein reales Getränk mit diesem Namen könnte ein Verkaufsschlager werden, zumindest für einen gewissen Zeitraum, aber nicht da, wo die meisten hier suchen. Passender Absatzmarkt wäre die klassische Kneipe. Als bekennender Kneipengänger kenne ich die Situation, irgendjemand hat Geburtstag (oder etwas anderes zu feiern) und gibt einen aus. Und was wird das in einer Kneipe sein? Jägermeister! Und was kommt oft genug als Antwort auf die Frage “Auchn Jägermeister?” – “Nee … kein Jägermeister!”

  24. Marco

    @Martin Oetting: Ich kann dir nur zustimmen. Niemand, abgesehen von uns Werbern, wartet da draußen auf Werbung. Und keiner der Kunden wird wegen Werbung Hirnakrobatik betreiben, um sie zu verstehen.

  25. Andreas

    Gause: “wenn man nichts mit Werbung zu tun hat redet man doch nicht darüber”

    Das stimmt so nicht, ich habe sogar noch beovr ich es selber gesehen habe von “KeinJägermeister” gehört von Freunden, die unter anderem Metallbauer sind und mal rein gar nix mit Werbung zu tun haben. Auffällige Werbung ist bei vielen Thema.

    Gause: “nur weil jeder Affe die Werbung toll findet trinke ich jetzt Jägermeister weil ich sonst nicht hart bin?”

    Was macht Werbung denn? Nur weil Heidi Klum bei McDonald’s ist, mache ‘ich’ das auch? Nur weil alle Frauen sich auf den AXE Nutzer stürzen benutze ‘ich’ dieses Deo?

  26. off the record

    Link-Flash vom 26.05.2008…

    Twitter: Technische Probleme beim Microblogging-Dienst. Friendfeed wird als Alternative gehandelt. Dabei ist das Tool mehr ein Aggregator als ein Microblog.
    Lokalisten: Pro Sieben Sat.1 übernimmt das Netzwerk Lokalisten komplett. 30 Prozent besitz…

  27. Vroni

    @ Patrick
    Das ist ja alles richtig:

    @Vroni: Humor ist eben auch wie alles andere relativ. Und als Werber muss man sich der Masse ergeben (wenn man nicht gerade Glück hat und für Nischen werben darf, die einem auch noch irgendwie selbst nahe sind). Ansonsten muss man konsequenterweise Künstler werden, was ich nicht abwertend meine, im Gegenteil. Nur als Künstler kannst du dein eigenes Ich vollständig kreativ entfalten ohne Rücksicht auf die Umwelt.

    Nur,
    wenn also die Masse jung männlich, hetero und homophob ist, dann ist es in Ordnung, eine Werbeidee darauf aufzubauen, dass Saufen hochprozentiger Sachen männlich und Nichtsaufen was für Schwule und Weicheier ist? Come on!

    Es ist nicht der “Künstler” der da Bedenken hat, sondern der Mensch, der klar sieht, wohin Männlichkeitsgesaufe führt und diese falschen und schädlichen “Vorbilder” von “Männlichkeit” nicht als Werbeidee weiter fördern will.

    Was ich auch so interessant finde: Als hier über die ge- oder missglückten Pro Bono Motive der dunkel angemalten blonden Kinder diskutiert wurde. Da war von vielen Kommentaristen ein mords-ethischer Aufschrei, wie könne man nur, Diskriminierung, unethisch, rassistisch undsoweiter. Es wurde ellenlang diskutiert, ob man farbig sagen darf oder ob man schwarz sagen soll oder gar nix. In Ordnung.

    Aber warum ist hier beim Thema Alkohol und Männlichkeit derart ethische Funkstille? Muss mir mal einer erklären. Ganz hab ich’s noch nicht verstanden, wohin die ganze echte oder aufgesetzte Sensibilität der Diskutanten entschwunden ist. Manche Kommentare hier zu den beiden Einträgen zum Thema Jägermeister empfinde ich als haarsträubend, flach und so als ob sie 12jährige geschrieben hätten. Oder unter Alk.

  28. Patrick Breitenbach

    @Vroni: Weil es in einer Gesellschaft in der Alkohol eine Volksdroge ist einfach nicht “angebracht” ist darüber zu diskutieren. Und ja das Bild der Werbung trifft auch den Kern dieser Gesellschaft. Aber das dürfte dir doch nicht neu sein oder? Vielleicht müsste man von hinten durch die Brust ins Auge, zum Beispiel via Forderung einer Freigabe aller Drogen. Dann reden mehr Leute vielleicht eher drüber. Sonst nicht.

  29. Vroni

    Ich fordere jetzt die Freigabe aller Drogen.
    Inklusive Tannenzäpfle.

  30. Andreas

    @ Vroni,

    aber müßte man dann nicht schon bei der GTI Werbung aufschreien, wo ein GTI über den Schotter driftet? – Anstiftung zum Rasen

    Ist Alkohol Werbung dann überhaupt zulässig, oder gar Alkohol an sich?

    Darf eine “brennende Camel” fröhlich aus dem Fenster fallen und so das Rauchen verniedlichen?

  31. Commentier

    Also ich finde die Kampagne nicht schlecht. Jedenfalls fragt sich bei uns im Freundeskreis schon jeder zweite “wo gibts das denn überhaupt?”. Denke die Kampagne spielt sich eher der jüngeren Generation auf. Mal abwarten wie es sich etablieren wird!

  32. Vroni

    Andreas,
    klar ist Alkoholwerbung und erst recht diese für mich nicht in Ordnung. Egal ob Genuss- und Stil-Gesäusel oder pseudolustige Sauf-Prollansprache wie bei Jägermeister.

    Aber frag mal die Frösche, wenn du den Sumpf austrocknen willst. Nach einer launig kolportierten Aussage des Rotwein-Fans Jockel Fischer riecht der ganze Bundestag nach Alk.

    Daher ist Zigaretten-Werbung ja schon stark eingeschränkt. Zu Recht.

    Und mit der Raserei wird’s sich’s wg. des Ölpreises auch bald so oder so haben, auch ohne Ethik-Zeigefinger.
    Das können sich nur noch solche Spackos spiegel.de/auto/aktu... leisten und für die paar braucht’s keine Massenwerbung mehr.

  33. Thomas

    Ein einfacher Störer hätte es getan:
    “Kein Jägermeister, ab sofort nicht im Handel”.

  34. bernard

    Richtig.

  35. Heinz

    Hervorragend. Und viele rennen in den Supermarkt und kaufen keinen Jägermeister. Kann sich der Kunde noch nicht mal bei der Agentur beschweren.

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  38. Rick

    Wahnsinn, ich hab auch bis eben noch geglaubt, dass “KeinJägermeister” ein neues Produkt aus dem Hause ist. Ich hab das Produkt auch bisher nur in den TV-Spots wahrgenommen, jede Diskussion dazu ist an mir vorbeigegangen. Ich kann mir aber vorstellen, dass viele Leute über das Produkt geredet haben. Der Name + diese wirklich verblödete Werbung – das ist einfach klasse.

  39. Dirk

    Interessant. Es gibt augenscheinlich auch bei Genussmitteln eine reale Nachfrage nach Produkten, die mit ironischer Brechung arbeiten. Quasi als Coolness/Hipness-Kapitulationserklärung, die man auf Parties zur Schau stellen kann.

    Auch interessant: Die Vorstellung, dass man zur Unterfütterung einer schnelllebigen Kampagne einfach mal eben ein fiktives Produkt entwickeln und in die Regale drücken kann, im Rahmen der strengen deutschen Lebensmittelvorschriften natürlich und bitte nicht zu Lasten des Kampagnenguts.

  40. Anja K.

    Ich dachte auch das Produkt ist real (nun muss ich aber zugeben, dass ich am Ende des Spots nicht zugehört habe, weil ich versucht habe zu begreifen was ich gerade sah :)
    Ich finde die sollten das einfach mal als Limited Edition (meinetwegen auch nur mit Badeschaum)rausbringen, damit ich es mir in meine (zukünftige) Bar stellen kann. Schließlich sieht die Flasche doch total gut aus.

  41. ron

    ich würde mal sagen: werbung für werber. der otto normalverbraucher peilt viele kampagnen zu oft gar nicht. dennoch eventuell preisverdächtig. ob man diese art mag, sei dahingestellt.

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