20.05.08
17:18 Uhr

Blogwährungen und das Kommen und Gehen im Bloggersdorf

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Das wichtigste Gut eines Blogs, so schreibt Bernd (Röthlingshöfer) seien die Links bzw. Trackbacks, die auf eigene Bloginhalte verweisen. Diese nehmen nahezu bei allen Top-Weblogs (was auch immer das ist) und so auch auf dem Werbeblogger tendenziell ab.
Aber ist der Link wirklich das wichtigste Gut der Weblogs?

Zweifellos haben Blogs gerade durch ihre effektive Trackback-Struktur und die eindeutigen URLs (Permalinks) einen großen Schub in der Verlinkungskultur ausgelöst. Da wir aber alle wissen, wie selten die klassische Journaille auf Weblogs verlinkt, kommen diese Trackbacks häufig aus dem „Dunstkreis“ bekannter Kollegen und Blogger. Diese gelegentlich auch unter dem Aspekt der Selbstreferenzialität kritisierten Effekte nehmen ganz natürlich ab, insbesondere wenn sich die Fachblogs zunehmend mehr in ihrer Nische bewegen, was eigentlich nur konsequent und sinnvoll ist. Juristen oder Werber wachsen eben nicht täglich neu nach (auch wenn es gelegentlich so wirkt), sondern sie haben, sofern sie sich überhaupt als Produzent im Web 2.0 aktivieren, ihre festen Bezugspunkte gefunden, die nur noch langsam, gezielt und vermutlich auch bewusster erweitert werden.

Der größte Wert nach meiner Einschätzung ist daher auch eher die Nachhaltigkeit bzw. Besuchertreue.
Die höchste Zahl an Trackbacks hatten wir beim Werbeblogger durch den Heidi-Klum-Hype. Selbst die klassischen Medien fanden das Thema David gegen Goliath so spannend, dass es eben die Runde machte. Ein Hype flacht aber auch wieder ab und damit auch die Trackbacks, die diesen Hype kurzfristig begleiteten.

Anderes Beispiel: Don mit seinen StudiVZ-Artikeln
Da gibt es eben zu einem bestimmten Zeitpunkt Themen, die den Nerv treffen und sich durchaus durch Bloggersdorf hochschaukeln können. Faktisch sind diese Effekte aber zeitlich begrenzt und wirken sich entsprechend dynamisch auf die immer noch häufig zitierten „Deutschen Blogcharts“ aus.

Ein weiteres Beispiel sind projekt- und terminbezogene Publikationen wie zuletzt das die re:publica08 begleitende Blog, welches vor kurzem noch die Videos für alle Interessierten zur Verfügung stellte. Durch die große Anzahl an -auch bloggenden- Teilnehmern wirken sich solche Beiträge effektiv auf die „Technorati-Liste“ aus, aber eben nicht nachhaltig.
Auch wenn Blogs ein „schnelles“ Medium sind, so bin ich überzeugt, dass Blogger Geduld haben müssen, abseits irgendwelcher flüchtigen Rankings. Wer nachhaltig und gelassen am Ball bleibt und mit Engagement auch eigene Inhalte präsentiert, erhält dadurch eine wachsende und treue Leserschaft.

Steve Rubel hat auf meine Frage im Interview, wie er denn selbst die Informationsflut bewältige, gesagt: „I make choices“. Das ist nur logisch. Es wird auch vermutlich nicht insgesamt weniger verlinkt, nur verteilt sich die „Linkmasse“ deutlich mehr, was letztlich auch ein Effekt des Longtails ist. Gut so, denn im Longtail gilt eben: „Jedem Tierchen sein Plaisierchen“ und was der eine fürchterlich findet, erntet woanders Applaus. Daher ist auch dem Begriff der „Blog-Relevanz“ insgesamt wenig abzugewinnen. Allenfalls hat die Summe aller Themen und Gespräche in Blogs eine gewisse Signifikanz, die eben in Summe bestimmte Trends erkennbar macht. In Summe!!!

Was also wirklich zählt, sind Menschen, die sich mit dem auseinandersetzen (egal ob aktiv via Kommentar oder eben nur passiv-aktiv durch bewusstes Lesen), was wir hier alle so an Gedanken fabrizieren. Das Web ist ein Prozess. Das muss man verstehen, gerade und ganz besonders auch, wenn es um das „schnelle Geld verdienen“ geht.
Für mich sind viele der Blogs in den TOP-100 zu festen Begriffen mit markenähnlichen Wirkungen geworden. Sie stehen für etwas, aber niemals für alles.

Wer als Blogger Nachhaltigkeit verfolgt, wird weitere Stammleser finden, die übrigens zunehmend weniger als Werbeklickvieh für die eigene Domain nutzbar sind, denn die Kanäle, sei es nun ein RSS-Feed oder Twitter oder andere Aggregatoren finden gar nicht mehr auf der eigenen Seite statt. (Dieser Effekt wiederum hat enorme Auswirkungen auf die veralteten Mediaplan-Modelle, die sich mit Tausenderkontaktpreis und Klickraten in die Tasche lügen.)

Also: Trackbacks und Backlinks sind ein Faktor oder Indikator, ob man gelesen wird bzw. Themen trifft, die andere gerne aufnehmen. Soweit zu den Prosumenten. Die ungleich größere Zahl stellen aber noch die Konsumenten oder Leser. Nur, weil sie sich nicht im Web 2.0 entblößen, heißt das nicht, dass diese weitaus größere Zahl keine Beachtung verdient hätte.

Eine weitere „Währung“ -wenn es denn schon so genannt wurde- sind natürlich die Kommentatoren in den Beiträgen. Aber auch hier gilt das „Zeitproblem“ der Aufmerksamkeitsökonomie: Die verfügbare Zeit lässt es nicht zu, proportional zum Wachstum des „Mitmachweb“ überall Meinungen zu hinterlassen. Man will schließlich ja auch noch einmal „raus“, Luft schnappen, das Leben genießen und vielleicht auch gelegentlich wirklich offline sein. Tür zu, Ruhe.

Es gibt noch viele weitere „Währungen“ (Freude am Bloggen z.B.), aber das würde jetzt den Beitrag sprengen. Vielleicht hat ja einer von euch gerade Zeit und Lust, diese begonnene Liste in den Kommentaren zu erweitern…

16 Kommentare

  1. Armin

    Links haetten einen Sinn wenn es denn wirklich eine einheitliche „Blogosphaere“ gaebe, genau daran habe ich meine Zweifel. Darauf basieren aber diese Rankings, denn sie schmeissen alles in einen Topf.

    Genau das halte ich aber fuer Unsinn. Mein Blog hat ein sehr spezielles Thema, schon durch dessen Natur wird es per se wenig Links von den „grossen“ Massenthemenblogs bekommen. Ebenso wird es immer vergleichsweise wenig Leser haben da sich weniger Leute fuer das Thema interessieren als fuer massenkompatible Themen.

    Auch werden meine Leser vermutlich ein ganz anderer Typ sein als meinetwegen die die ein Robert Basic oder ein Nerdcore hat. Das sind selber zu einem grossen Teil keine Blogger, sondern einfach nur „Internetnutzer“. Die haben kein Blog wodurch schon mal die Links entfallen, die sind viel zoegerlicher zu kommentieren (auch wenn sie sich so langsam ab und zu aus der Reserve trauen) und koennen (und muessen) mit so einigem der Blog-Terminologie nichts anfangen.

    Und zu Deiner Frage nach den Waehrungen eines Blog:
    – Spass am schreiben und publizieren
    – Spass daran Eindruecke und Informationen mit anderen zu teilen
    – Spass daran schreiben zu lernen, zu verbessern und weiter zu ueben
    – Spass daran Leuten Zugang zu etwas zu ermoeglichen dass sie sonst nicht „erleben“ koennten (Ich habe schon verschiedene e-mails von Leuten gehabt die nicht mehr reisen koennen und durch meine Bilder Kindheitserinnerungen auffrischen konnten und aehnliches)

    Reicht das fuer’s erste?

  2. Patrick Breitenbach

    Spaß an der Weiterentwicklung. Momentan hab ich das Gefühl als publiziert und kaut man Dinge erneut zum 3124934359. Mal durch. Dafür nutzt man jetzt Twitter, da fällt das auf Anhieb nicht so auf, wenn man dann dort das 312493460. Mal das gleiche erzählt.

  3. Roland Kühl-v.Puttkamer

    Dinge verändern sich. z.B. durch Twitter, das das Bloggen mit „schnellen Sex“ ist. Das verändert auch die trägen Web 2.0 Dickschiffe Blogs.

  4. Vroni

    Es wurde eben schon alles gesagt. Nur noch nicht von allen.

  5. Roland Kühl-v.Puttkamer

    Vroni, hier ist nicht twitter ;-)

  6. Alexander

    Ich denke die Beliebtheit und Nutzen von Blogs geht langsam zurück, bzw. pendelt sich auf ein gewisses Maß ein. Denn man kann ja nicht am Tag tausend Blogs lesen, die Zeit der Leser ist auch begrenzt.

    Alex

  7. Yves

    Ich glaube nicht, dass Weblogs unattraktiver werden. Vielmehr müssen sich Weblogs einfach weiter entwickeln. Viele sehen das eigene Weblog nur noch als einen Baustein ihres sozialen Weblebens, empfinden es daher als fragmentiert und weil sie sich auch woanders engagieren, bleibt weniger Zeit für das Blog. Aber Dienste wie Friendfeed oder ein bisschen Software [selbstlob]wie auf meinem Blog[/selbstlob] und schon kann ein Blog wieder aufblühen.

  8. h

    Twittter? Ist tot.

    ‚Twittering bridges,‘ he went on, shaking his head, ‚are a sure sign of an ending expansion.'“

  9. Michael

    Ich konnte mich bisher dem Twitter-Gezwitscher voll und ganz entziehen, ob das gut oder schlecht ist? Auf jeden Fall guter Beitrag!

  10. Das PM-Blog » Von Konsumenten und Prosumenten

    […] Treffend formuliert von Roland Kühl-v.Puttkamer vom Werbeblogger: Trackbacks und Backlinks sind ein Faktor oder Indikator, ob man gelesen wird bzw. Themen trifft, die… […]

  11. Che777

    Sehr gute Analyse. Denke sogar wir kleineren Blogger kennen es, dass man zeitweise einen enormen Anstieg hat wegen einzelner Themen (z.B. hat sich meine Leserzahl während Dr. Stay Dry enorm erhöht).

  12. jonas

    ich habe eine ahnung, was top-weblogs sein könnten: die erfolgreichsten, bekanntesten, am meisten gelesenen.

  13. Chris

    Armin hat es schon gut getroffen:

    Würde die Währungs-Liste noch um folgenden Punkt erweitern:

    – Spass daran mit Leuten ein gleiches Hobby oder den gleichen Geschmack zu teilen und ihnen die Möglichkeit geben, sich Anreize & Ideen zu holen oder einfach nur Spaß zu haben.

    Das spiegelt auch ungefähr wieder, weshalb ich blogge.

    Gruß

  14. Hagen Lindner

    Ich finde es interessant, was Patrick angemerkt hat, dass eben alles os häufig einfach nur wiedergekaut wird anstatt eigenes publiziert.
    Zum Beispiel eigene Ideen und Gedanken zu Entwicklugen.
    Man muss nich immer zu Allem seinen Senf dazu geben, denk ich. Und wenn doch ist mittlerweile twitter das tatsächlich bessere Medium dafür als der/die/das eigene Blog.
    Ich persönlich lese viel lieber über die Projekte und Entwicklungen von Anderen als immer nur Kommentare zu aktuellen Debatten.
    Und ganz sicher steht eines fest: ohne Spaß, kein Blog! ;)

  15. Roland Kühl-v.Puttkamer

    Was will mir der oder die Unglaubliche damit sagen? Let´s turn to twitter?
    Vermisst du eigene Ideen und Gedanken?
    Welchen Senf hätten´s denn gern?

  16. Massenpublikum » Blog Archiv » Blogs messbar machen

    […] eigene Blog verweisen. Doch da diese konstant und fast bei allen Blogs zurückgehen, gibt es einige Stimmen, die dieses Prozedere zu Recht in Frage stellen. Backlinks sagen absolut nichts über eine […]

Eure Kommentare

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  • Tom: Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass ein guter Texter oder auch Grafiker meistens besser verdienen als bei gehalt.de geschrieben....
  • WERBOU: Ich denke es ist in der Werbebranche sehr unterschiedlich. Gerade was in Sachen Grafik geht, wird meistens der Preis ziemlich gedrückt, was...
  • Thomas Beichel: Wirklich geschmackvoll ist der Werbebanner wirklich nicht, aber jede Werbeagentur wird ihnen recht geben, denn die Werbung erfüllt...
  • Sebastian: Was ich nie verstehen werde warum die nicht wirkliche Kulanz walten lassen. 10€ Guthaben tun dem Anbieter nicht weh.. für ihn bedeutet...
  • Roland Kühl-v.Puttkamer: Nein, tot nicht, wir leben und arbeiten ja alle und auch der Werbeblogger ist online ;-). Für die nähere Zukunft der...
  • Tina: Ist der Blog tot? Wäre echt schade
  • Gatzetec flashlights for friends: Wir denken der Auftrag wurde erfüllt. Gute Werbung für das Produkt und man schaut zweimal hin :-) Gibt es...
  • Detlef Arndt: Als Marketing Experte müsste man auch wissen, warum das so ist. Angebot und Nachfrage sind hier nicht im Einklag. Klare Sache. Daher...
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