05.05.08
11:03 Uhr

Louis Vuitton verklagt Dafur-Aktivistin

Nadia Plesner ist Designerin. Ihr liegt das Thema Darfur am Herzen und sie hat sich gefragt, wie kann man die größte nötige Aufmerksamkeit auf den grausamen Genozid in Afrika lenken? Die Grundüberlegung: Mit Nuttenfiffi und schicken Designeraccessoires schaffen es einige Personen schließlich auch auf gut gekaufte Titelblätter von Magazinen. Gesagt getan, heraus kam dabei dieses provokante Poster.

Einige Zeit später meldete sich ein großer Modedesigner bei Nadia Plesner. Dieser beschwerte sich über einen Designklau, der hier vorliegen würde und die Darstellung der eigenen Kollektion auf diesem Plakat. Die Begründung aus Paris lautete wie folgt:

Although we applaud your efforts to raise awareness and funds to help Darfur, a most worthy cause, we cannot help noticing that the design of the Simple Living Products includes the reproduction of a bag infringing on Louis Vuitton’s Intellectual Property Rights, in particular the Louis Vuitton Monogram Multicolore Trademark to which it is confusingly similar. We are surprised of such a promotion of a counterfeit bag.”
“As an artist yourself, we hope that you regognize the need to respect other artists’ rights and Louis Vuitton’s Intellectual Property Rights which include the Louis Vuitton Monogram Multicolore trademark.

Nadia antwortete daruf:

However, I must inform You, that the bag in my drawing is inspired by – and refers to – designers bags in general – not a Louis Vuitton bag.
If you take a closer look, you will also notice, that the pattern in my drawing is not the pattern which is used in the design of a Loius Vuitton bag.
The name Louis Vuitton is in no way mentioned or referred to, neither in my drawing, nor in the campaign as such

Natürlich ist das Muster und der Schnitt nicht haargenau wie bei Louis Vuitton Taschen. Eine Inspiration ist auf alle Fälle mit im Spiel, wenn man sich das Original betrachtet. Nun fechten Anwälte um das Thema und man kann sich vorstellen, wer von beiden auf den ersten Blick den längeren Atem hat. Doch wie so oft bei David gegen Goliath Konstellationen und einem brandheißen sozialen Thema dazu, leidet die Marke womöglich unter diesem Rechtsstreit. Denn natürlich sieht sich ein Großteil der Menschen auf der Seite der aktiven Designerin. Was hat Louis Vuitton da geritten? Wäre es nicht einfach besser gewesen die Klappe zu halten? Ist das angekratzte Eitelkeit oder ein Wahrnehmen der Rechte aus reinem Prinzip? Ich kann sowas nicht nachvollziehen, zumal man solche Angelegenheiten kommunikativ wesentlich geschickter lösen kann. Anwalt ist immer irgendwie gleich Keule und am Ende hilft es keine der beiden Seiten wirklich. Und überhaupt, wie frei darf Kunst eigentlich noch sein? Bzw. Wurde Andy Warhol auch von den Suppenfritzen verklagt? Via Georg in Skype.

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14 Kommentare

  1. aleksandar

    Also ich finde das von Loius Vuitton ein bisschen übertrieben. Da sich jeder “Designer” doch irgendwo seine Inspiration her holt!!!

    Eigentlich sollte LV so human sein und der guten Frau, ein eigenes von LV entworfene Design zusenden! Und damit ihre Kampange unterstützen!

    Würde doch auch ein positive Licht auf LV werfen!

    mfg

    aleksandar

  2. bernard

    Den Leuten, die auf LV abfahren, ist es sowas von piep egal, ob LV eine Designerin verklagt, die sich für andere Menschen und gegen das Leid in dieser Welt einsetzt. Die Marke wird unter dem Rechtsstreit wohl kaum leiden. Sie würde es allerdings auch nicht, wenn es diesen nicht gebe, d.h. die Rechteverletzung unangefochten bliebe.

  3. derherold

    “Die sollen sich bei LV mal nicht so anstellen” ist wohl reichlich naiv.

    *Dafour* – man möge mich korrigieren, wenn sich jemand besser auskennt – steht auf der innenpolit. Agenda der US-Demokraten. Man hat *Dafour* (aus welchen Gründen auch immer) “plötzlich und unerwartet” zum “Thema” gemacht – die Designerin hat sich also nicht “gegen Hunger auf der Welt” eingesetzt, sondern hängt sich an ein polit. Modethema, zu dem sich wohl auch schon George Clooney geäußert hat.

    Ansonsten weiß ich nicht, wie die “Abwehrstrategien” aussehen sollen, um die Marke zu schützen. “Werbeblogger” könnte ja ein Experiment starte: Man produziert ein paar kleine Spots für “Marken”, die mit Hakenkreuzen und rassistischen Parolen versehen sind – nur um mal so zu sehen, was man so machen kann. ;-)

  4. Patrick Breitenbach

    Keine Ahnung wie du auf Dafour kommst.

  5. Würstchen-Willi

    Die gezeichnete Tasche sieht viel besser aus als das Original.

  6. Georg Krüger

    @würstchen-willi weltklasse kommentar :)

  7. m.media

    Es geht doch immer nur um Aufmerksamkeit. Wenn LV klagt, bekommt Nadia ihre gewünschte Aufmerksamkeit. Aber LV hat bei der Klage wahrscheinlich noch einen Schritt weiter gedacht – denn auch LV bekommt seine Aufmerksamkeit. Denn auch wenn die Marke nicht gerade in einem positiven Kontext steht, steht LV auf dem Poster als DAS Vorzeige-Beispiel in Sachen Chick und Luxus. Also doch eine gute Werbung für LV, wenn sich dieser Zusammenhang in die Köpfe setzt und sich LV von anderen Marken wie Gucci etc abhebt.

  8. Björn

    Schaut euch doch bitte erstmal das Original an und dann lest den Text von Nadine. dumm dumm dummdidumm

  9. derherold

    @Patrick, ich versteh nix. Daß ich zuletzt eine französische Quelle hatte und deshalb *Dafour* statt *Dafur* geschrieben habe, wird ja nicht der Grund sein.

    Ernsthaft, welcher “Markenverantwortliche” würde nicht “hart zu schlagen”, wenn seine “Marke” in diesen Kontext gestellt wird ? Ich halte die Reaktion für nachvollziehbar.

    Außerdem kann ich da keine “beiden Seiten” erkennen. Wo ist das in der “Kampagne” das Interesse von LV ?

  10. Björn

    Vielleicht klagen die aber auch, weil sie nichts mit dieser langweiligen Motividee zu tun haben wollen. Möglich ist alles …

  11. xFUCKERx - hotzen’s daily crap» Blogarchiv » good, bad and totally unimportant - 06.05.08

    [...] Vuitton vs. Dafur-Aktivistin – Das hätte man sich auch sparen können LV. Hier gehts zum Artikel [...]

  12. HASENFARM | Louis Vuitton und das Symbol der Reichen

    [...] De:Bug, Werbeblogger und [...]

  13. The Fellow Passenger » Vermeintliche Werbegeschenke

    [...] Werbeblogger schrieb, daß Louis Vuitton sich bei der Künstlerin Nadia Plesner darüber beklagte, daß [...]

  14. moni

    also für mich heist lv leider verschissen, denn ich finde jeder mensch kann immer wieder die gleichen motive auf taschen und so weiter designen! da gehe ich lieber bsw. in das h&m dort sind die kleider günstig bequem und immer voller vielfalt mit den motiven

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  • sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
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